Jod einnehmen und vor Radioaktivität geschützt sein?
In Krisensituationen kaufen viele Menschen Jodtabletten oder -tropfen, um sich im Falle eines Falles vor Radioaktivität schützen zu können. Denn bei Unfällen in kerntechnischen Anlagen oder auch bei terroristischen Anschlägen auf Kernkraftwerke kann radioaktives Jod entweichen. Man spricht vom radioaktiven Isotop I-131. Das I steht für Jod.
Die Präparate können jedoch nur vor möglichen negativen Wirkungen radioaktiven Jods schützen, nicht vor Radioaktivität im Allgemeinen.
Schilddrüsenkrebs und Kalte Knoten durch Radioaktivität
Radioaktives Jod (das Isotop I-131) kann die Schilddrüse schädigen und Schilddrüsenerkrankungen verursachen – etwa gutartige Schilddrüsentumoren („Kalte Knoten“), aber auch Schilddrüsenkrebs.
Laut Studien sollen es sogar ganz besonders aggressive Schilddrüsenkrebsformen sein, die nach entsprechender Radioaktivität entstehen können. Sie streuen schnell und bilden Metastasen in den Lymphknoten (2).
Normalerweise erkranken jedes Jahr etwa 13 von 100.000 Personen neu an Schilddrüsenkrebs. Nach dem Kontakt mit Radioaktivität bzw. mit dem radioaktive Isotop I-131 steigt diese Rate stark.
Im Fachjournal Cancer erschien 2014 eine Studie dazu, in der man 11.664 Menschen aus Belarus über mehr als zwei Jahrzehnte lang wissenschaftlich beobachtet hatte.
Die Probanden waren als Kinder oder junge Erwachsene während der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 Radioaktivität und auch radioaktivem Jod ausgesetzt gewesen.
Risiko für Schilddrüsenkrebs steigt um mehr als das 100-Fache
Im Laufe von 20 Jahren nach dem Supergau erkrankten in der Probandengruppe 158 an Schilddrüsenkrebs, was bedeutet, dass die Schilddrüsenkrebsrate um mehr als das 100-Fache gestiegen war (auf 1354 Betroffene pro 100.000 Personen).
Besonders der Verzehr von Kuhmilch trug zur Belastung bei, da diese stark kontaminiert war, so dass gerade Menschen, die seinerzeit in ihrer Kindheit viel Kuhmilch erhalten hatten, Jahrzehnte später ein überdurchschnittlich hohes Krankheitsrisiko hatten.
Risiko für andere Schilddrüsenerkrankungen ist gering
Das Risiko für andere Schilddrüsenerkrankungen, wie eine Schilddrüsenunterfunktion, eine Schilddrüsenüberfunktion oder eine chronische Schilddrüsenentzündung (Hashimoto Thyreoiditis) ist nach Kontakt zu Radioaktivität durch einen nuklearen Unfall nicht sonderlich erhöht.
Nach Bestrahlung (Strahlentherapie gegen Krebs) hingegen zeigt sich ein deutlich erhöhtes Risiko für die genannten Schilddrüsenerkrankungen (4).
Warum das radioaktive I-131 der Schilddrüse schadet
Die Schilddrüse ist eines der strahlungsempfindlichsten Organe des menschlichen Körpers. Zudem ist die Schilddrüse jenes Organ, das mit Abstand am meisten Jod benötigt und dieses zu lebenswichtigen Stoffwechselhormonen verarbeitet – zu Thyroxin (T4) und zu Trijodthyronin (T3).
Zur Herstellung von T4 benötigt der Organismus 4 Jod-Atome, zur Herstellung von T3 sind es 3 der Atome.
Es handelt such also um ein essentielles Spurenelement, das zwingend mit der Nahrung oder mit Nahrungsergänzungsmitteln eingenommen werden muss, da der Körper nicht in der Lage ist, es selbst herzustellen.
Nimmt man nun mit der Nahrung und/oder mit Nahrungsergänzungsmitteln täglich um die 200 µg Jod zu sich, dann gilt die Schilddrüse offiziell als gut versorgt. Sie kann daraus ausreichend Hormone bilden und auch ihren Speicher – der 10 bis 20 mg umfasst – regelmäßig auffüllen.
(Hinweis: Manche Experten (Dr. Guy Abraham, Dr. David Brownstein und Dr. Jorge Flechas) raten zur Einnahme von viel höheren Dosen, z. B. in Form von Lugol’scher Lösung (täglich 1 mg), was jedoch ein anderes Thema ist. Lesen Sie mehr dazu in unserem Artikel Lugol'sche Lösung: Wirkung und Anwendung).
Da die Schilddrüse nun dazu neigt, so viel Jod wie nur möglich aufzunehmen, nimmt sie bei einer Exposition mit dem radioaktiven Isotop I-131 dieses bis zu ihrem absoluten Limit auf und speichert es.
Das radioaktive Spurenelement kann nun im Laufe der Zeit die Zellen der Schilddrüse schädigen, dort zu Entartungen und so zu Schilddrüsenkrebs führen. Die Schilddrüse von Kindern und jungen Menschen ist diesbezüglich besonders anfällig.
Jodblockade: So schützt das Spurenelement die Schilddrüse
Nimmt man rechtzeitig vor dem Eintreffen der radioaktiven Wolke eine hohe Joddosis ein, dann ist die Schilddrüse bereits mit nicht-radioaktivem Jod gesättigt und kann – auch wenn man vom radioaktiven Isotop I-131 umgeben ist – dieses beim besten Willen nicht mehr aufnehmen. Man bezeichnet dies dann als Jodblockade.
Welche Dosis schützt die Schilddrüse?
Zur Jodblockade gibt es spezielle Tabletten, die pro Tablette 65 mg Kaliumiodid (= 50 mg des Spurenelements) enthalten. Die erforderlichen Dosen sehen folgendermaßen aus:
- Kinder unter 1 Monat: 16,25 mg Kaliumiodid (eine viertel Tablette)
- Kinder zwischen 1 Monat und 3 Jahren: 32,5 mg Kaliumiodid (eine halbe Tablette)
- Kinder zwischen 3 und 12 Jahren: 65 mg Kaliumiodid (eine ganze Tablette)
- Personen zwischen 12 und 45 Jahren (auch Schwangere und Stillende): 130 mg Kaliumiodid (zwei Tabletten)
- Personen über 45 Jahren – so heißt es – sollen die Tabletten nicht einnehmen. Bei Älteren würden die Nachteile überwiegen (etwa Stoffwechselentgleisungen oder Nebenwirkungen auf die Schilddrüse). Auch entwickle sich ein Schilddrüsenkrebs bei Älteren nicht mehr so oft und es dauere überdies etliche Jahrzehnte, bis ein Schilddrüsenkrebs entstehe, so dass man wohl davon ausgeht, dass die meisten der über 45-Jährigen den Zeitpunkt einer Krebsentstehung gar nicht mehr erleben.
Die Tabletten können in Wasser aufgelöst werden
Für Kinder und Personen, die keine Tabletten schlucken können/wollen, können die Tabletten in Wasser oder Saft aufgelöst werden. Die Flüssigkeit muss dann sofort getrunken werden. Der reine Jodanteil in Kaliumiodid beträgt etwa 77 Prozent, bei der Erwachsenendosis sind das somit 100 mg.
Eignen sich herkömmliche Präparate zur Blockade?
An der Dosis erkennen Sie, dass herkömmliche Präparate im Vergleich zu den Tabletten zur Jodblockade sehr niedrig dosiert sind, nämlich nur 150 bis 200 µg pro Tagesdosis enthalten, eben gerade so viel, dass der Tagesbedarf gedeckt ist.
Die Tabletten zur Bockade sind somit um das 500-Fache höher dosiert. Allerdings werden sie im Notfall auch nur einmalig eingenommen.
Wollten Sie nun die für die Blockade erforderliche Dosis mit herkömmlichen Präparaten einnehmen, z. B. mit den Tropfen von effective nature, dann müssten Sie als Erwachsener davon drei Fläschchen einnehmen. Denn eine Flasche enthält 33 mg Jod.
Der richtige Zeitpunkt für die Einnahme
Die Tabletten zur Blockade werden im Falle eines Falles vom Katastrophenschutz an Menschen verteilt, die im Umkreis von 100 km um einen Störfall wohnen oder demnächst Opfer von Radioaktivität, also einer radioaktiven Wolke werden. Der Zeitpunkt, wann eine solche Wolke nach ihrer Freisetzung wo eintrifft, kann berechnet werden.
Ideal ist die Einnahme der Tabletten zwischen 24 und 48 Stunden vor Eintreffen der radioaktiven Wolke.
Notfalls können die Tabletten auch noch nach Kontakt mit Radioaktivität eingenommen werden. Die Schutzwirkung ist jedoch geringer (siehe weiter unten unter "Einnahme nach Kontakt...").
Einnahme VOR Kontakt mit Radioaktivität
Nimmt man die Hochdosis maximal 48 Stunden vor dem Kontakt mit dem radioaktiven I-131, funktioniert die Blockade sehr gut und die Aufnahme von I-131 durch die Schilddrüse kann fast vollständig verhindert werden – egal, ob der Betreffende zuvor gut mit dem Spurenelement versorgt war oder einen Mangel hatte.
Hat man die Tabletten zu früh genommen (96 Stunden vor Eintreffen der Radioaktivität), dann haben die Tabletten kaum noch Schutzwirkung.
Einnahme NACH Kontakt
Nimmt man die Tabletten 16 Stunden oder später nach dem Kontakt mit I-131 ein, ist kaum noch ein Schutz zu erwarten.
Nimmt man sie jedoch 2 bis zu 8 Stunden nach dem Kontakt, kann man noch einen Schutz erzielen (siehe oben). Wie gut dieser Schutz ist, hängt in diesem Falle aber von der allgemeinen Jodversorgung des Menschen ab.
Wer zuvor einen Mangel hatte, nimmt trotz Hochdosis nun teilweise doppelt so viel radioaktives I-131 auf, als Menschen, die schon zuvor gut mit dem nicht-radioaktiven Spurenelement versorgt waren.
Im Detail sahen entsprechende Untersuchungsergebnisse so aus:
Einnahme der Hochdosis 2 Stunden nach Radioaktivität/Exposition: Bei Menschen ohne Mangel erzielt die Blockade noch einen 80-prozentigen Schutz. Bei Menschen mit Mangel nur noch einen 65-prozentigen Schutz.
Einnahme der Hochdosis 8 Stunden nach Radioaktivität/Exposition: Bei Menschen ohne Mangel erzielt die Jodblockade noch einen 40-prozentigen Schutz. Bei Menschen mit Mangel nur noch einen 15-prozentigen Schutz (6).
Diagnose Jodmangel
Wenn also der aktuelle Versorgungsstatus mit dem Spurenelement so wichtig ist, sollte man wissen, wie man diesen herausfinden kann. Dazu kann man eine Urinuntersuchung durchführen lassen (beim Hausarzt).
Ein Mangel liegt bei Werten von weniger als 100 µg Jod pro Liter Urin vor (bei Schwangeren liegt ein Mangel bei Werten von weniger als 150 µg/l vor).
Sollte Ihr Wert zu niedrig sein, versuchen Sie, kleine Mengen Meeresalgen zu verwenden (getrocknet zum Würzen) oder nehmen Sie eine Nahrungsergänzung ein (täglich 150 - 200 µg).
Gute Jodversorgung ist wichtig!
Wie Sie oben gelesen haben, ist das Risiko für eine Schilddrüsenerkrankung durch radioaktives I-131 umso höher, je schlechter eine Person vor dem Kontakt mit der Radioaktivität mit dem Spurenelement versorgt war. Vermeiden Sie daher in jedem Fall einen Mangel, z. B. mit den folgenden Präparaten:
- * Tropfen (Lugolsche Lösung)
- Auch * Kelp-Kapseln sind eine gute und natürliche Möglichkeit, sich täglich gut mit dem Spurenelement zu versorgen. Kelp ist eine jodhaltige Meeresalge. Die Kapseln versorgen ebenfalls mit 150 µg pro Tagesdosis.
- Dulse ist eine weitere Meeresalge. Es gibt sie in Flockenform, die man zum Würzen in Salate, zu Gemüse oder in Reisgerichte geben kann. Schon 1 g * Dulse-Flocken liefert 150 µg des Spurenelements.
Jod schützt nur die Schilddrüse
Die Einnahme von Jod schützt lediglich die Schilddrüse und sie schützt auch nur vor den schädlichen Auswirkungen von radioaktivem I-131. Das Spurenelement schützt also nicht vor Radioaktivität im Allgemeinen und damit nicht vor anderen radioaktiven Stoffen und deren schädlichen Auswirkungen.
Bei atomaren Unfällen aber können noch weitere radioaktive Partikel entweichen, etwa Xenon-133, Tellur-132, Cäsium-134 und -137, Strontium und Plutonium.
Wie gefährlich ist Radioaktivität?
Nicht alle diese Partikel verbreiten sich gleich weit, so dass nicht alle Menschen gleich stark betroffen sind. Die drei Erstgenannten (Xenon-133, Tellur-132 und Cäsium) sowie Jod können mit dem Wind über mehrere 1000 Kilometer verteilt werden. Auf diese Weise kann Radioaktivität viele Menschen und Landstriche kontaminieren.
Wie hoch ist die Halbwertszeit?
Radioaktives Strontium und Plutonium hingegen sind schwer flüchtig, was bedeutet, dass sie sich nur im Umkreis von 100 Kilometern um die Unfallstelle herum ablagern. Allerdings haben sie eine enorm hohe Halbwertszeit.
Plutonium beispielsweise hat eine Halbwertszeit von mehreren tausend Jahren, was bedeutet, dass in diesem Zeitraum erst die Hälfte des in der Umwelt befindlichen Plutoniums abgebaut ist. Plutonium-240 etwa hat eine Halbwertszeit von 6.500 Jahren, Plutonium-239 eine Halbwertszeit von 24.100 Jahren (3).
Am ehemaligen Reaktor von Tschernobyl ist daher die Radioaktivität, also die Aktivität des radioaktiven Plutoniums heute noch genauso hoch wie am Tage des Unfalls, der mittlerweile mehr als 40 Jahre zurückliegt.
Die Halbwertszeit von radioaktivem Cäsium und Strontium liegt bei 30 Jahren. I-131 und Xenon-133 haben dagegen eine recht kurze Halbwertszeit (5) (Jod 8,2 Tage), so dass diese beiden bereits nach drei Monaten fast vollständig abgebaut sind.
Natürlicher Schutz vor Radioaktivität und radioaktiver Strahlung
Naturheilkundliche Maßnahmen, die den Körper stärken können, damit er Radioaktivität bzw. radioaktiver Strahlung besser begegnen kann, stellen wir in unserem Artikel Wie Sie sich vor CT- und Röntgenstrahlung schützen können vor.
Sollte es zu einer Nuklearkatastrophe kommen, können die dort genannten Maßnahmen natürlich nicht (wie etwa ein Strahlenschutzanzug) die Strahlung abhalten.
Doch machen sie den Organismus weniger anfällig für strahlenbedingte Schäden und Folgekrankheiten. Denn auch in Tschernobyl erkrankten nicht alle Menschen gleichermaßen, so dass man sein persönliches Risiko durchaus beeinflussen kann und es Sinn macht, sich bestmöglich auch von innen zu schützen.