Diese Schlaftechnik fördert Ihre Kreativität
Forscher der französischen Sorbonne Université in Paris berichten von einer bestimmten Schlaftechnik, die zu mehr Kreativität verhelfen kann (1). Ihre Studie veröffentlichten sie am 8. Dezember 2021 im Journal Science Advances.
Die einfache Schlaftechnik nutzt den kurzen Moment zwischen Wachsein und Schlaf – und könnte genau dann die Kreativität anregen, wenn das Gehirn besonders offen für neue Verknüpfungen ist.
Schon Thomas Edison und Salvador Dali sollen genau diese Schlaftechnik genutzt haben, um ihre Kreativität zu fördern. Dabei geht man folgendermassen vor:
Schlaftechnik nutzt den Augenblick der Kreativität
Man vertieft sich in das entsprechende Problem oder den jeweiligen Sachverhalt. Dann legt man sich zu einem Nickerchen nieder, nimmt aber einen Gegenstand in die Hand. Beim Einschlafen, entspannt die Hand, der Gegenstand fällt auf den Boden und lässt den Schläfer wieder hochfahren. Und genau in diesem Augenblick des Hochfahrens ereilt einen die Inspiration – so berichteten Edison und Dali.
Sobald Sie vom Geräusch des herunterfallenden Gegenstandes aufgeschreckt werden, richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf alles, was Sie kurz vor dem Herunterfallen träumten, dachten, sahen, also auf alles, was Ihnen in diesem Augenblick in den Sinn kommt. Sie können diese Eingebungen auch laut von sich geben oder sofort aufschreiben – ganz gleich wie weit entfernt diese vom eigentlichen Problem bzw. seiner Lösung zu sein scheinen.
Denn es geht nicht darum, dass Ihnen im Traum die Lösung präsentiert wird. Es ist vielmehr so, dass Sie nach dem Nickerchen – warum auch immer – kreativer geworden sind, von irgendwoher inspiriert wurden und so einfacher zur Lösung finden.
Diese Schlaftechnik nutzt die kreative Grauzone
Den kurzen Zeitpunkt des Einschlafens nennt man N1. Das ist der Augenblick, in dem man nicht mehr ganz wach ist, aber auch noch nicht richtig schläft – eine Art Grauzone zwischen den beiden Zuständen.
Man spricht im Zusammenhang mit diesem Bewusstseinszustand auch von Hypnagogie und bezeichnet das, was man in dieser Phase denkt, sieht, träumt und spürt als hypnagoge Erfahrung.
Im Schlaf selbst gibt es den sog. REM-Schlaf und den Tiefschlaf. REM steht für Rapid-Eye-Movement, da sich in dieser Schlafphase die Augen unter den geschlossenen Lidern heftig bewegen. Die REM-Phase ist die Phase mit den meisten Träumen und höherer Hirnaktivität. Wir verbringen in dieser Phase etwa 20 – 25 % unserer Schlafenszeit bzw. pro Nacht.
Für die Schlaftechnik zur Förderung der Kreativität ist jedoch vor allem die N1-Phase entscheidend. In diesem kurzen Zwischenzustand können hypnagoge Erfahrungen entstehen, die offenbar neue kreative Verknüpfungen erleichtern.
Studie prüft Schlaftechnik für mehr Kreativität
Für die französische Studie stellten sich 103 gesunde Teilnehmer zur Verfügung. Sie alle bestätigten, leicht einschlafen zu können. Jeder Freiwillige erhielt nun eine Reihe aus 8 Zahlen und zwei mathematische Aufgaben dazu. Die Antwort auf die zweite Frage war die endgültige Lösung, was aber niemand wusste. Wer diese versteckte Regel erkannte, konnte schneller antworten.
Zum Einschlafen sassen die Teilnehmer auf einem Stuhl in einem dunklen Raum. In der rechten Hand hielten sie eine Flasche, die beim Einnicken herunterfiel. In genau diesem Augenblick gaben die Probanden ihre hypnagogen Erfahrungen kund.
Sie erzählten also alles, was sie kurz vor dem Herunterfallen der Flasche sahen, empfanden, dachten. Ganz gleich, was es war, ob es nun tatsächlich etwas mit Zahlen zu tun hatte oder ob sie gerade an einer atemberaubenden Küste eine Klippe hinunterkletterten.
Mit Hilfe von Gehirnwellenmessungen wurde überprüft, ob die Teilnehmer auch tatsächlich einnickten.
Wer es schaffte einzunicken, fand schneller die Lösung
Als die Teilnehmer nach der kurzen Schlaftechnik ein zweites Mal Gelegenheit bekamen, die Aufgabe zu lösen, zeigte sich ein deutlicher Effekt auf die Kreativität: Wer die N1-Phase erreicht hatte, fand die versteckte Lösung deutlich häufiger (2) als jene Teilnehmer, die wach geblieben waren.
83 Prozent der eingenickten Teilnehmer entdeckte die Schnell-Lösung, während es in der anderen Gruppe (die nicht eingenickt war) nur 30 Prozent waren.
Die Schlaftechnik scheint also genau jenen kurzen Übergangszustand zu nutzen, in dem das Gehirn besonders empfänglich für kreative Einsichten sein könnte.
Schlaftechnik für mehr Kreativität: Die Anleitung
Wenn Sie Ihre Kreativität fördern und schneller zu neuen Lösungen gelangen möchten, können Sie diese Schlaftechnik selbst ausprobieren.
- Vertiefen Sie sich in das/Ihr Problem.
- Machen Sie ein Nickerchen mit einem Gegenstand in Ihrer Hand, der so schwer sein muss, dass er beim Herunterfallen ausreichend Lärm macht, um Sie aufzuwecken. Platzieren Sie sich dabei so, dass der Gegenstand auch herunterfallen kann und nicht etwa einfach aus der Hand aufs Sofa rollt.
- Wenn Sie Aufschrecken, versuchen Sie sich an das zu erinnern, was Sie kurz vor dem Aufwachen im Traum gesehen oder erlebt haben.
- Setzen Sie sich dann erneut an Ihr Problem oder Ihre Aufgabe.
- Viel Erfolg!