Zentrum der Gesundheit
  • Frisches koreanisches Kimchi mit Stäbchen
3 min
Kommentare

Kimchi-Bakterien binden Nanoplastik

Nanoplastik gelangt täglich über verschiedene Wege in unseren Körper: über die Nahrung, das Trinkwasser und die Luft. Ein bestimmtes Milchsäurebakterium aus Kimchi kann die winzigen Teilchen im Darm binden und so zu deren Ausscheidung beitragen.

Fachärztliche Prüfung: Gert Dorschner
🔍
Sie finden alle im Laufe des Artikels genannten weiterführenden Artikel, wenn Sie die jeweiligen Titel oder auch einzelne Suchbegriffe daraus in unser Suchfeld eingeben.

Nanoplastik: Kleiner, gefährlicher und schwerer auszuscheiden

Nanoplastik ist noch kleiner als Mikroplastik. Es entsteht, wenn Kunststoffteilchen immer weiter zerfallen. Die geringe Größe dieser Teilchen ist besonders kritisch.

Dadurch können sie möglicherweise die Darmbarriere überwinden und sich im Körper verteilen. Methoden zur Ausleitung, um die Teilchen also im Verdauungstrakt zu binden und wieder auszuscheiden, gibt es bisher kaum.

Forscher untersuchten deshalb in einer Studie von 2026, ob Milchsäurebakterien aus fermentierten Lebensmitteln helfen könnten (1).

Milchsäurebakterien aus Kimchi im Labortest gegen Nanoplastik

Die Forscher prüften im Labor, ob der Bakterienstamm Leuconostoc mesenteroides CBA3656 Polystyrol-Teilchen binden kann. Den Bakterienstamm aus der Gruppe der Milchsäurebakterien hatten sie aus Kimchi isoliert – das aus Korea stammende fermentierte Gemüse.

Kimchi enthält - ähnlich wie Sauerkraut - natürlicherweise viele nützliche Mikroorganismen, darunter auch Milchsäurebakterien. Mehr über Kimchi, seine Eigenschaften und Zubereitung lesen Sie in unserem Artikel Kimchi - Die gesundheitliche Wirkung.

Polystyrol nun ist ein weit verbreiteter Kunststoff, der in Joghurtbechern und Take-away-Verpackungen – oder auch geschäumt in Form von Styropor – vorkommt.

Zum Vergleich verwendeten die Forscher einen weiteren Milchsäurebakterienstamm aus Kimchi – Latilactobacillus sakei CBA3608.

Der Stamm Leuconostoc mesenteroides CBA3656 konnte etwa 87 Prozent der Plastikteilchen binden. Der Vergleichsstamm erreichte mit 85 Prozent ein ähnliches Ergebnis.

Doppelt so viele Plastikteilchen ausgeschieden dank Kimchi-Bakterium

Dann wiederholten die Wissenschaftler einen Teil des Tests in einer Flüssigkeit, die die Bedingungen im menschlichen Darm nachahmen sollte. Unter diesen darmähnlichen Bedingungen zeigte sich ein deutlicher Unterschied.

Der Vergleichsstamm band nur noch 3 Prozent der Teilchen, während es bei Leuconostoc mesenteroides CBA3656 noch 57 Prozent waren.

* Im Kochkurs Fermentieren erfahren Sie, wie Sie Kimchi, Sauerkraut und andere fermentierte Lebensmittel ganz einfach selbst zubereiten können.

Bestätigt bei Mäusen: Deutlich mehr Nanoplastik ausgeschieden

Anschließend überprüften die Forscher die Wirkung zusätzlich bei keimfreien Mäusen. Diese Mäuse haben keine eigene Darmflora, weil sie unter strengen, sterilen Laborbedingungen gezüchtet werden. Die Wirkung eines einzelnen Bakterienstamms lässt sich bei ihnen daher gut untersuchen.

Ein Teil der Mäuse erhielt zunächst 1 Milliarde koloniebildende Einheiten (KBE) von Leuconostoc mesenteroides CBA3656 – die Kontrollgruppe nicht. Einige Tage später wurde allen Mäusen eine Lösung mit Nanoplastik verabreicht.

Die Forscher fanden schließlich mehr als doppelt so viele Plastikteilchen im Kot der Bakterien-Gruppe. Es hatte also mehr Nanoplastik den Körper wieder verlassen.

Das deutet darauf hin, dass der Bakterienstamm die Plastikteilchen im Darm bindet. Dadurch könnten sie eher mit dem Stuhl wieder ausgeschieden werden, statt länger im Darm zu bleiben und womöglich vom Körper aufgenommen zu werden.

So bekommen Sie besonders viele nützliche Bakterien aus Kimchi

Leuconostoc-Bakterien sind nicht nur in Kimchi (meist fermentierter Chinakohl) enthalten, sondern können auch in anderen fermentierten Gemüsen enthalten sein, z. B. im Sauerkraut oder in fermentierten Möhren oder Rote Beten. Es kommt dabei weniger auf die Gemüseart als auf die Vorgehensweise beim Fermentieren an.

Leuconostoc mesenteroides gehört dabei zu den frühen Besiedlern. Das bedeutet, in den ersten Tagen der Fermentation dominieren Leuconostoc-Bakterien. Dann nimmt der Säuregehalt des Ferments zu und sie werden von säuretoleranteren Arten wie Lactiplantibacillus plantarum verdrängt.

Will man also besonders Leuconostoc-Arten im fermentierten Gemüse haben, dann isst man es jung, lässt es also nur maximal 3 Tage reifen und stellt es dann in den Kühlschrank.

Niedrigere Temperaturen (15-18 Grad) fördern eine längere Dominanz von Leuconostoc, verzögern also das Verdrängen durch L. plantarum u. a.

Fermentiert man z. B. bei 22 Grad, dann nimmt die Leuconostoc-Menge schon nach 1-2 Tagen wieder ab. Mehr als 2,5 % Salz sollte man nicht verwenden, weniger als 2 % auch nicht. In diesem Bereich kann Leuconostoc gut gedeihen, während unerwünschte Keime unterdrückt werden.

Schon in einem EL eines solchen Kimchis dürfte mindestens 1 Milliarde Leuconostoc-Bakterien enthalten sein – wobei die Menge natürlich stark schwankt, je nach Herstellung, Gemüseart und Umgebungsbedingungen.

Fazit: So helfen Kimchi-Bakterien gegen Nanoplastik

Bestimmte Milchsäurebakterien könnten dabei helfen, Nanoplastik im Verdauungstrakt zu binden. Wer gerne Kimchi oder andere fermentierte Lebensmittel isst, sollte diese also weiterhin als gesunden Bestandteil der Ernährung betrachten und öfter einbauen.

In unserem Hauptartikel Mikroplastik – Eine Gefahr für die Gesundheit finden Sie Tipps, wie Sie die Belastung mit Mikroplastik im Alltag reduzieren können. Im Artikel Mikroplastik aus Trinkwasser entfernen beschreiben wir eine Möglichkeit, mit der sich die Plastikpartikelchen aus Wasser entfernen lassen.

Spende

Ihre Spende hilft uns

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, würden wir uns über einen kleinen Beitrag zu unserer Arbeit sehr freuen! Spenden Sie jetzt mit Paypal.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

Transparenz-Hinweis: Um unser Informationsangebot für Sie kostenfrei zu halten, verwenden wir Affiliate-Links (*). Bei einem Kauf erhalten wir eine kleine Provision - ohne Mehrkosten für Sie. Mehr erfahren

Lesen Sie uns gerne? Legen Sie Zentrum der Gesundheit mit einem Klick als bevorzugte Quelle bei Google fest und erhalten Sie unsere Artikel häufiger in Ihren Suchergebnissen.

War dieser Artikel hilfreich für Sie?

Wir investieren viel Zeit und Sorgfalt in unsere Artikel. Wenn Ihnen unsere Arbeit gefällt, freuen wir uns über eine kurze Bewertung bei Trustpilot.

★★★★★
Jetzt bewerten