Nanoplastik: Kleiner, gefährlicher und schwerer auszuscheiden
Nanoplastik ist noch kleiner als Mikroplastik. Es entsteht, wenn Kunststoffteilchen immer weiter zerfallen. Die geringe Größe dieser Teilchen ist besonders kritisch.
Dadurch können sie möglicherweise die Darmbarriere überwinden und sich im Körper verteilen. Methoden zur Ausleitung, um die Teilchen also im Verdauungstrakt zu binden und wieder auszuscheiden, gibt es bisher kaum.
Forscher untersuchten deshalb in einer Studie von 2026, ob Milchsäurebakterien aus fermentierten Lebensmitteln helfen könnten (1).
Milchsäurebakterien aus Kimchi im Labortest gegen Nanoplastik
Die Forscher prüften im Labor, ob der Bakterienstamm Leuconostoc mesenteroides CBA3656 Polystyrol-Teilchen binden kann. Den Bakterienstamm aus der Gruppe der Milchsäurebakterien hatten sie aus Kimchi isoliert – das aus Korea stammende fermentierte Gemüse.
Kimchi enthält - ähnlich wie Sauerkraut - natürlicherweise viele nützliche Mikroorganismen, darunter auch Milchsäurebakterien. Mehr über Kimchi, seine Eigenschaften und Zubereitung lesen Sie in unserem Artikel Kimchi - Die gesundheitliche Wirkung.
Polystyrol nun ist ein weit verbreiteter Kunststoff, der in Joghurtbechern und Take-away-Verpackungen – oder auch geschäumt in Form von Styropor – vorkommt.
Zum Vergleich verwendeten die Forscher einen weiteren Milchsäurebakterienstamm aus Kimchi – Latilactobacillus sakei CBA3608.
Der Stamm Leuconostoc mesenteroides CBA3656 konnte etwa 87 Prozent der Plastikteilchen binden. Der Vergleichsstamm erreichte mit 85 Prozent ein ähnliches Ergebnis.
Doppelt so viele Plastikteilchen ausgeschieden dank Kimchi-Bakterium
Dann wiederholten die Wissenschaftler einen Teil des Tests in einer Flüssigkeit, die die Bedingungen im menschlichen Darm nachahmen sollte. Unter diesen darmähnlichen Bedingungen zeigte sich ein deutlicher Unterschied.
Der Vergleichsstamm band nur noch 3 Prozent der Teilchen, während es bei Leuconostoc mesenteroides CBA3656 noch 57 Prozent waren.
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Bestätigt bei Mäusen: Deutlich mehr Nanoplastik ausgeschieden
Anschließend überprüften die Forscher die Wirkung zusätzlich bei keimfreien Mäusen. Diese Mäuse haben keine eigene Darmflora, weil sie unter strengen, sterilen Laborbedingungen gezüchtet werden. Die Wirkung eines einzelnen Bakterienstamms lässt sich bei ihnen daher gut untersuchen.
Ein Teil der Mäuse erhielt zunächst 1 Milliarde koloniebildende Einheiten (KBE) von Leuconostoc mesenteroides CBA3656 – die Kontrollgruppe nicht. Einige Tage später wurde allen Mäusen eine Lösung mit Nanoplastik verabreicht.
Die Forscher fanden schließlich mehr als doppelt so viele Plastikteilchen im Kot der Bakterien-Gruppe. Es hatte also mehr Nanoplastik den Körper wieder verlassen.
Das deutet darauf hin, dass der Bakterienstamm die Plastikteilchen im Darm bindet. Dadurch könnten sie eher mit dem Stuhl wieder ausgeschieden werden, statt länger im Darm zu bleiben und womöglich vom Körper aufgenommen zu werden.
So bekommen Sie besonders viele nützliche Bakterien aus Kimchi
Leuconostoc-Bakterien sind nicht nur in Kimchi (meist fermentierter Chinakohl) enthalten, sondern können auch in anderen fermentierten Gemüsen enthalten sein, z. B. im Sauerkraut oder in fermentierten Möhren oder Rote Beten. Es kommt dabei weniger auf die Gemüseart als auf die Vorgehensweise beim Fermentieren an.
Leuconostoc mesenteroides gehört dabei zu den frühen Besiedlern. Das bedeutet, in den ersten Tagen der Fermentation dominieren Leuconostoc-Bakterien. Dann nimmt der Säuregehalt des Ferments zu und sie werden von säuretoleranteren Arten wie Lactiplantibacillus plantarum verdrängt.
Will man also besonders Leuconostoc-Arten im fermentierten Gemüse haben, dann isst man es jung, lässt es also nur maximal 3 Tage reifen und stellt es dann in den Kühlschrank.
Niedrigere Temperaturen (15-18 Grad) fördern eine längere Dominanz von Leuconostoc, verzögern also das Verdrängen durch L. plantarum u. a.
Fermentiert man z. B. bei 22 Grad, dann nimmt die Leuconostoc-Menge schon nach 1-2 Tagen wieder ab. Mehr als 2,5 % Salz sollte man nicht verwenden, weniger als 2 % auch nicht. In diesem Bereich kann Leuconostoc gut gedeihen, während unerwünschte Keime unterdrückt werden.
Schon in einem EL eines solchen Kimchis dürfte mindestens 1 Milliarde Leuconostoc-Bakterien enthalten sein – wobei die Menge natürlich stark schwankt, je nach Herstellung, Gemüseart und Umgebungsbedingungen.
Fazit: So helfen Kimchi-Bakterien gegen Nanoplastik
Bestimmte Milchsäurebakterien könnten dabei helfen, Nanoplastik im Verdauungstrakt zu binden. Wer gerne Kimchi oder andere fermentierte Lebensmittel isst, sollte diese also weiterhin als gesunden Bestandteil der Ernährung betrachten und öfter einbauen.
In unserem Hauptartikel Mikroplastik – Eine Gefahr für die Gesundheit finden Sie Tipps, wie Sie die Belastung mit Mikroplastik im Alltag reduzieren können. Im Artikel Mikroplastik aus Trinkwasser entfernen beschreiben wir eine Möglichkeit, mit der sich die Plastikpartikelchen aus Wasser entfernen lassen.