Neonicotinoide belasten Mensch und Umwelt
Neonicotinoide sind eine bestimmte Gruppe von Pestiziden, die Insekten töten. Sie gehören zu den bekanntesten Insektiziden.
Bekannt wurden sie in der Bevölkerung insbesondere deshalb, weil sie auch Bienen schädigen können. Dennoch werden sie von allen Insektiziden weltweit am häufigsten eingesetzt.
Der Name Neonicotinoide kommt daher, dass die Stoffe chemisch mit Nikotin verwandt sind. Sie greifen in das Nervensystem der Insekten ein, lähmen und töten sie.
Einige besonders problematische Wirkstoffe wie Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam wurden in der EU inzwischen stark eingeschränkt.
Abbauprodukte von Neonicotinoiden untersucht
Doch damit ist das Thema nicht erledigt. Denn Pestizide können sich durch Licht, Wasser, Bodenorganismen oder Stoffwechselprozesse in Pflanzen, Tieren und Menschen verändern. Dabei entstehen sogenannte Transformationsprodukte – also Abbau- oder Umwandlungsprodukte.
Sie standen bislang weniger im Fokus als die Wirkstoffe selbst. Das könnte nun zum Problem werden. Forscher veröffentlichten 2025 eine Übersichtsarbeit zu diesen Transformationsprodukten von Neonicotinoiden (1) und stellten fest:
Manche Abbauprodukte können länger in der Umwelt bleiben oder giftiger sein als die ursprünglichen Wirkstoffe.
Abbauprodukte wirken anders als die Wirkstoffe
Besonders problematisch können chemische Verbindungen sein, bei denen bestimmte Molekülgruppen entfernt oder verändert werden. Die Autoren der Arbeit schreiben, dass etwa Hydroxylierungen – also angefügte OH-Gruppen – die Giftigkeit für Säugetiere erhöhen könnten.
Auch die Aufnahmewege sind wichtig. Menschen können vor allem über Trink- und Leitungswasser sowie Lebensmittel mit solchen Stoffen in Kontakt kommen. Auch Staub in Innenräumen ist ein Aufnahmeweg.
Die Autoren weisen auch darauf hin, dass einige Stoffe in menschliches Gewebe gelangen können und möglicherweise auch die Plazenta in der Schwangerschaft passieren.
Nicht nur die Umwelt, auch Menschen sind belastet
Die Abbauprodukte gelangen also nicht nur in Böden, Gewässer und Lebensmittel. Sie wurden außerdem in verschiedenen menschlichen Körperflüssigkeiten nachgewiesen – darunter Muttermilch, Blut und Seminalplasma (zellfreie Flüssigkeit des Spermas).
Welche gesundheitlichen Folgen eine langfristige Belastung hat, ist bislang zwar noch nicht ausreichend geklärt. Einige der Transformationsprodukte stehen jedoch im Verdacht, die Entwicklung ungeborener Kinder zu beeinträchtigen. Sie gelten als entwicklungstoxisch.
Bedenklich ist, dass die Abbauprodukte zu höheren inneren Belastungen führen können als ihre Ausgangsstoffe. Da sie bisher kaum wissenschaftlich berücksichtigt wurden, ist ihre Giftigkeit noch wenig untersucht.
Bio-Lebensmittel bleiben die beste Maßnahme
Bei der Bewertung von Pestiziden reicht es also nicht aus, nur den ursprünglichen Wirkstoff zu betrachten. Entscheidend ist auch, was daraus entsteht. Offenbar war die bisherige Risikobewertung lückenhaft.
Aus Sicht der Forscher sollten diese Stoffe stärker in die Umwelt- und Gesundheitsbewertungen miteinbezogen werden.
Wer seine persönliche Belastung möglichst gering halten möchte, sollte bei Lebensmitteln auf Bio-Qualität achten. Dabei sind chemisch-synthetische Pestizide nicht erlaubt. Zwar werden auch dort hin und wieder Rückstände aus der Umwelt gefunden, jedoch deutlich weniger als in konventionellen Lebensmitteln.
Auch das Waschen, Schälen und Einweichen kann Rückstände teilweise verringern, ersetzt aber nicht den Kauf von Bio-Lebensmitteln, da manche Mittel in die Pflanze aufgenommen werden.
Besonders sinnvoll ist Bio-Qualität bei den folgenden Lebensmitteln: bei Beeren und Trauben, bei Früchten, die mit Schale gegessen werden, bei frischen Kräutern und Blattgemüse sowie bei Importware, die nicht aus der EU kommt.
Fazit: Neonicotinoide meiden – Bio-Qualität wählen
Neonicotinoide belasten nicht nur Bienen und die Landwirtschaft. Ihre Abbauprodukte sollten deutlich besser untersucht werden, als dies bisher der Fall war.
Kaufen Sie daher möglichst oft Bio-Lebensmittel – wenigstens bei Produkten, die Sie häufig verzehren.
Weitere Informationen finden Sie im Artikel Pestizide in unseren Nahrungsmitteln.