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Stillzeit
Tödlicher Muttermilchersatz

  • Autor: Zentrum der Gesundheit
  • aktualisiert: 13.12.2016
Tödlicher Muttermilchersatz
© Patryk Kosmider - Fotolia.com

Der an Frühchen verabreichte Muttermilchersatz kann bei den Babys zu einer lebensbedrohlichen Krankheit führen. Das ist bereits bekannt - nur wusste man bisher nicht warum. Den Grund für die manchmal tödliche Wirkung der Kunstmilch glaubt man nun aufgrund einer Studie der Universität Kalifornien, San Diego (UCSD) herausgefunden zu haben.

Tödliche Krankheit bei Frühgeborenen

Seit vielen Jahren ist Wissenschaftlern bekannt, dass eine bestimmte Darmerkrankung, die sogenannte nekrotisierende Enterokolitis, zu 90 Prozent Frühchen betrifft – und zwar meistens jene, die nicht gestillt werden. Bei der nekrotisierenden Enterokolitis sterben die Zellen der Darmschleimhaut ab. Es kann sogar zum Durchbruch der Darmwand und damit zu einer lebensgefährlichen Bauchfellentzündung kommen. Bis zu 10 % der betroffenen Babys sterben an dieser Krankheit. Die Ursache der nekrotisierenden Enterokolitis war bisher nicht bekannt.

Fehlende Schleimschicht im Baby-Darm

Bei der Verdauung des Menschen werden immer auch freie Fettsäuren gebildet. Das ist ein ganz natürlicher Vorgang. Diese freien Fettsäuren können jedoch auch die Membran von Zellen aufbrechen und damit zum Tod dieser Zellen führen. Bei älteren Kindern und Erwachsenen kommt das aber nur selten vor, da deren Darm von einer Schleimschicht geschützt wird.

Neugeborene – besonders Frühchen – besitzen diesen "schleimigen Schutz" im Darm allerdings nur in sehr abgeschwächter Form. Daher, so schlussfolgerten die Wissenschaftler, haben die freien Fettsäuren möglicherweise die Chance, die kindlichen Darmwandzellen abzutöten und die nekrotisierende Enterokolitis entwickelt sich.

Muttermilchersatz bildet tödliche Fettsäuren

In besagter Studie der UCSD untersuchten die Forscher die unterschiedliche Verdauung von Muttermilch und neun verschiedenen Sorten Muttermilchersatz. Dazu versetzte man die Milchsorten im Labor mit Verdauungsenzymen. Anschliessend wurden die Muttermilch und der Muttermilchersatz auf ihren Gehalt an freien Fettsäuren untersucht. Danach gab man die entstandenen Fettsäuren in drei verschiedene Zellkulturen, die man aus gesundem Darmwandgewebe gewonnen hatte.

Es stellte sich heraus, dass bei der Verdauung der Kunstmilch freie Fettsäuren gebildet werden. Diese freien Fettsäuren töteten kurzerhand alle drei Typen der beim Test eingesetzten ursprünglich gesunden Darmwandzellen. Bei einem Zelltyp beispielsweise starben 47 bis 99 Prozent ab. In manchen Fällen verursachte der Muttermilchersatz den Tod der Zellen sogar innerhalb weniger als fünf Minuten. Wurde hingegen Muttermilch verdaut, bildeten sich kaum freie Fettsäuren und es konnte auch kein Zelltod beobachtet werden. Wie macht das die Muttermilch? Wie schützt sie den Säugling?

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Muttermilch schützt Babys

Die Forscher fanden heraus, dass Muttermilch allem Anschein nach vom Körper langsamer und kontrollierter verdaut wird als die Muttermilchersatzprodukte. Ob dies an bestimmten Inhaltsstoffen wie z. B. an Darmbakterien oder an der spezifischen Zusammensetzung der Muttermilch liegt, ist noch ungewiss. Sicher jedoch ist, dass die Muttermilch nicht im Geringsten daran denkt, im Babydarm einen Zelltod auszulösen.

Im Gegenteil. Der Körper einer Mutter reagiert nämlich auf die vorzeitige Geburt eines Babys auf eine ganz besondere Weise. Er produziert eine Muttermilch, die genau an die Ansprüche der kleinen Frühchen angepasst ist. Diese spezielle Muttermilch für Frühgeborene, auch Preterm-Milch genannt, enthält mehr Eiweiss und Natrium als Muttermilch für pünktlich geborene Säuglinge. Dadurch wird der Immunschutz der Frühgeborenen verbessert. Ausserdem sind in der Preterm-Milch mehr Fett und weniger Laktose enthalten sowie deutlich mehr Enzyme, die die Verdauung günstig beeinflussen. Innerhalb des ersten Monats wandelt sich die Preterm-Milch dann zur reifen Muttermilch um.

Muttermilch für alle!

Auf vielen Intensivstationen soll nun die alte Praxis der Ernährung von Frühgeborenen mit Muttermilchersatz bald der Vergangenheit angehören. Die Professorin der UCSD, Sharon Taylor sagte, dass mit der Studie diese Bemühungen unterstützt werden sollen. Mütter sollen künftig vom Krankenhauspersonal beim Abpumpen der Muttermilch unterstützt werden. Dadurch könnte den Frühchen mithilfe eines Röhrchens die Muttermilch verabreicht werden.

Die Studie legt zudem nahe, dass Muttermilchersatz nicht nur für Frühgeborene, sondern für jedes Kind mit Problemen im Verdauungstrakt ein Risiko darstellen kann.

Muttermilch auf Antrag?

Wenn Frühchen abgepumpte Muttermilch erhalten, fügt man dieser in manchen Kliniken noch Zusätze bei, das sogenannten Frauenmilchsupplement (FMS). Mit diesem besonders eiweiss-, mineralstoff- und zuckereichen Produkt soll ein schnelleres Zunehmen der Babys und eine verstärkte Versorgung mit Nährstoffen erreicht werden. In manchen Kliniken wird dies grundsätzlich bei allen Frühgeborenen praktiziert, weil man der Meinung ist, dass die Babys dann besser gedeihen. Auf reine Muttermilch werden diese Frühgeborenen also nach wie vor vergeblich warten.

Zusätzlich wird die abgepumpte Muttermilch in einigen Krankenhäusern zunächst auf bestimmte Bakterien oder Viren untersucht, die u.a. von der Haut der Mutter stammen könnten. Enthält die Muttermilch diese Erreger, wird die weitere Vorgehensweise in den Kliniken sehr unterschiedlich gehandhabt:

Entweder darf die Muttermilch einem extrem früh geborenen Baby nicht gegeben werden oder sie wird vorher pasteurisiert, um potentielle Erreger abzutöten. Letzteres ist allerdings mit Qualitätsverlusten der Milch verbunden, weil bei dem Pasteurisierungsvorgang wichtige Bestandteile der Muttermilch zerstört oder deutlich reduziert werden. Diese Vorgehensweise wird damit begründet, dass die Frühgeborenen noch nicht ausreichend Widerstandskräfte gegen die genannten Bakterien entwickelt hätten. Teilweise dauert es auf diese Weise mehrere Wochen, bis die Kleinen endlich in den Genuss der Muttermilch kommen bzw. unverfälschte Muttermilch trinken dürfen.

Manche Kliniken jedoch bieten betroffenen Eltern auch die Möglichkeit, eine Einverständnis-Erklärung zu unterschreiben. Mit dieser Erklärung bestätigen die Eltern, dass sie über die "Gefahren" der Muttermilch aufgeklärt wurden, sie es aber dennoch – selbstverständlich auf eigenes Risiko – wünschen, dass ihr Baby früher als von der Klinik empfohlen Muttermilch erhält.

Mut zur Muttermilch

Fest steht, dass Muttermilch sämtliche für das Baby optimale und aufeinander abgestimmte Inhaltsstoffe enthält, die durch keine künstliche Milch ersetzt werden können. Es braucht also entschlossene, mutige und eigenverantwortliche Eltern, die sich für ihre Frühchen einsetzen und ihnen frühzeitig zur Muttermilch verhelfen. Andernfalls gibt’s Kunstmilch – und dazu ein erhöhtes Risiko für eine (möglicherweise tödliche) nekrotisierende Enterokolitis.

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Zuletzt kommentiert

schrieb am 14.04.2013

Ihr Artikel "Tödlicher Muttermilchersatz" hat mich sehr beunruhigt. Meine Tochter wird von Geburt an mit der BEBA HA Pre-Milch ernährt weil sich bei mir leider, leider eine Stillverwirrung eingestellt hat, aufgrund mein Kind nicht an die Brust wollte und sie regelrecht verweigert hat. Ich habe darunter sehr gelitten es aber mit der zeit akzeptieren gelernt ohne es persönlich zu nehmen. Meine Tochter ist nun 9 Wochen alt. Was soll man füttern wenn Muttermilch nicht vorhanden ist???

Antwort vom Zentrum der Gesundheit

Liebe Bea,
vielen Dank für Ihre Mail.
Beachten Sie bitte, dass es im betreffenden Artikel um Auswirkungen handelt, die bei Frühchen beobachtet wurden. Je ausgereifter ein Baby auf die Welt kommt, umso weniger empfindlich ist sein Verdauungssystem. Nichtsdestotrotz ist Muttermilch natürlich immer die beste Lösung. Ist dies nicht möglich, dann kommt eine hochwertige Babynahrung in Frage. Sie haben bereits eine HA-Nahrung gewählt, was sehr gut ist. Allerdings kann man auch hier nie sagen, welche Nahrung nun für das einzelne Kind ideal ist. Manche Babys bekommen von HA-Nahrung Koliken und vertragen sie nicht. Es geht also darum, das eigene Baby, sein Befinden und seine Ausscheidungen zu beobachten und zusätzlich natürlich auch eine Nahrung zu wählen, die einerseits dem Baby schmeckt und andererseits eine Nahrung, deren Zusammensetzung möglichst muttermilchnah ist - wobei oft gerade jene Babynahrungen am wenigsten muttermilchnah sind, die damit besonders stark werben. Nähere Infos zur Qualität der Nahrungen finden Sie auch in unabhängigen Tests, z. B. hier.
Liebe Grüsse
Ihr Team vom
Zentrum der Gesundheit

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