Still-Kinder sind gesünder

Eigentlich ist es fast schon paradox, dass der Mensch wissenschaftliche Studien benötigt, die ihn von der Sinnhaftigkeit und Nützlichkeit des Stillens überzeugen müssen. Da es sie jedoch nun einmal gibt, möchten wir sie Ihnen nicht vorenthalten.

Viele der vorliegenden Still-Studien haben gezeigt, dass gestillte Kinder langsamer wachsen (was für die Entwicklung deutlich vorteilhafter ist) und auch schlanker sind als Kinder, die Fertigbabynahrung erhalten.

Gestillte Kinder sind in ihrem späteren Leben überdies seltener von Allergien, Diabetes, Übergewicht und entzündlichen Darmerkrankungen betroffen als Menschen, die in ihrer Kindheit nicht oder nicht ausschliesslich gestillt wurden.

Gestillte Kinder vertragen Beikost besser

Babys, die in den ersten sechs Monaten ihres Lebens ausschliesslich gestillt werden, fällt auch der Umstieg auf feste Nahrung bedeutend leichter.

Sie leiden mit Einführung der Beikost seltener unter Magen-Darm-Beschwerden und Koliken als Babys, die nicht oder nicht ausschliesslich gestillt werden.

Der Grund dafür liegt in den Unterschieden der Darmflora verborgen.

Eine dänische Studie der University of Copenhagen bestätigte, dass der viel bessere Gesundheitszustand gestillter Kinder auf den positiven Einfluss des Stillens auf die Darmflora zurückgeführt werden kann.

Studienleiterin Dr. Tine Rask Licht erklärte: "Es wird immer deutlicher, dass eine gesunde und ausgeglichene Darmflora für ein funktionierendes Immunsystem überaus entscheidend ist."

Babys werden ohne Darmbakterien geboren. Erst deren Ernährungsweise und natürlich auch die sie umgebenden Menschen sowie der sie umgebende Hygienegrad bestimmen dann, aus welchen Bakterienstämmen sich deren Darmflora aufbaut. Sind es nützliche Darmbakterien oder eher schädliche?

Ein Forscherteam der University of North Carolina in den USA untersuchte Stuhlproben von Babys im Alter von zwei Wochen bis vierzehn Monaten und verglich deren Ernährungsgewohnheiten.

Die Analyse der Stuhlproben ergab auffällige Unterschiede in der Zusammensetzung der Darmflora.

Babys, die ausschliesslich gestillt wurden, verfügten zwar über eine geringere Anzahl an Bakterienstämmen im Darm. Dafür war bei ihnen der Anteil besonders gesundheitsfördernder Darmbakterien (z. B. der Bifidobakterien) aussergewöhnlich gross.

Bei der Darmflora jener Babys, die nicht ausschliesslich gestillt wurden, verhielt es sich gerade umgekehrt.

Muttermilchersatz begünstigt Koliken

Es zeigte sich, dass Muttermilchersatz die Darmflora regelrecht negativ verändert – und zwar auch dann, wenn das Baby zusätzlich noch gestillt wird.

Diese ungünstige Darmflorazusammensetzung ist dann auch häufig der Grund dafür, dass diese Babys unter Koliken leiden, wenn sie die erste Beikost erhalten.

Die passende Darmflorazusammensetzung der gestillten Babys hingegen führt dazu, dass Beikost gut verdaut und verwertet werden kann und es viel seltener zu Magen-Darm-Beschwerden kommt.

"Der Umstieg auf feste Nahrung ist für das Verdauungssystem von Babys, die nicht ausschliesslich gestillt wurden, viel dramatischer als für den Darm der Stillkinder", erklärt Studienleiterin Prof. Azcarate-Peril.

Über die deutlichen Unterschiede in Bezug auf die Darmflora von gestillten und nicht (ausschliesslich) gestillten Kindern waren die Forscher selbst höchst überrascht.

Stillen: Der perfekte Start ins Leben

Nun beeinflusst die Zusammensetzung der Darmflora natürlich nicht nur die Qualität der Verdauung und damit das Wohlbefinden des Babys, sondern – wie oben erwähnt – auch die Leistungsfähigkeit des Immunsystems.

Das bedeutet:

Je gesünder die Darmflora des Babys, umso kräftiger sein Immunsystem und umso seltener Krankheiten inklusive Allergien und Autoimmunerkrankungen.

Stillen bringt also derart umfassende und lebenswichtige Vorteile mit sich, dass jede Mutter – sofern sie dazu in der Lage ist – ihrem Baby diesen grossartigen Start ins Leben ermöglichen sollte.

Nun hängt es jedoch auch sehr von der Qualität der mütterlichen Darmflora ab, ob Stillen die erwünschten Vorteile auch wirklich mit sich bringt und wie sich die Darmflora des gestillten Babys daraufhin entwickeln wird.

In Studien hat sich ergeben, dass es für Babys äusserst hilfreich ist, wenn stillende Mütter ein hochwertiges Probiotikum einnehmen (am besten schon während der Schwangerschaft).

Wenn dabei überdies darauf geachtet wird, dass das Probiotikum das Lactocacillus reuteri enthält, dann profitiert das Baby gleich mehrfach von dieser Massnahme.

In Studien hat sich gezeigt, dass L. reuteri bei Babys Koliken und Bauchschmerzen ganz massiv reduzieren kann. Auch das Allergierisiko mindert sich in Anwesenheit des L. reuteri beträchtlich.

Details dazu lesen Sie hier: Probiotika mit L. reuteri für Babys

Quellen

  • Prof. Andrea Azcarate-Peril et al., "Milk- and solid-feeding practices and daycare attendance are associated with differences in bacterial diversity, predominant communities, and metabolic and immune function of the infant gut microbiome.", Frontiers in Cellular and Infection Microbiology, Februar 2015, ("Füttern von Milch und fester Nahrung sowie Tagespflege hängen zusammen mit Unterschieden in der bakteriellen Diversität, dominierenden Kulturen sowie Stoffwechsel- und Immunfunktion im Darmmikrobiom bei Kleinkindern")
  • A. Bergstrom, T. R. Licht et al., "Establishment of Intestinal Microbiota during Early Life: a Longitudinal, Explorative Study of a Large Cohort of Danish Infants",Applied and Environmental Microbiology, 2014, (Entwicklung der Darmflora während der ersten Lebensjahre: Eine longitudinale Kohortenstudie mit dänischen Kindern)

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