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25 min

Tattoo - Ein Gesundheitsrisiko

Ein Tattoo ist cool. Weniger cool wird es, wenn die gesundheitlichen Folgen der chemischen Farben eintreffen. Wann und ob dies beim Einzelnen der Fall sein wird, weiss niemand. Denn nach wie vor fehlen Langzeitbeobachtungen zu möglichen Gesundheitsschäden durch Tattoos. Erste Hinweise gibt es jedoch schon heute.

Fachärztliche Prüfung: Gert Dorschner
Aktualisiert: 20 Februar 2024

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Gesundheitsrisiko Tattoo – Immer mehr gesundheitliche Beschwerden

Tattoos können wunderbar verheilen und sich nie bemerkbar machen. Tattoos sind aber auch ein Gesundheitsrisiko und können krank machen. Nur denkt man bei Gesundheitsbeschwerden, die Jahre oder Jahrzehnte nach der Tätowierung auftauchen, natürlich nicht mehr an das Tattoo als mögliche Krankheitsursache. Doch sieht man es dem Tattoo nicht an, wenn die Zutaten seiner Farben im Laufe der Zeit durch den Körper wandern.

Tattoo – Die Hälfte der Tätowierten bereut’s

Psychologische Studien erklären auch, warum Tattoos so beliebt sind: Die Haut ist eine wunderbare Projektionsfläche, auf der man – ohne jedes Wort – all das ausdrücken kann, was je nach Ort des Tattoos die ganze Welt oder nur der aktuelle Liebespartner über einen wissen soll, sei es nun die Einstellung zur Sexualität, die Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen oder Philosophien oder auch einfach nur die aktuelle Stimmungslage.

Man kann also seine Identitätskrisen oder auch Identitätsfindung ganz praktisch auf der Haut bewältigen. Und weil man derartige Phasen besonders intensiv in jungen Jahren erlebt, bereuen auch mindestens 50 Prozent der Tätowierten ihre einstige Tattoo-Begeisterung spätestens dann, wenn sie 40 oder älter sind ( 1 ). Denn während sich der Mensch weiterentwickelt und mit seinen Erfahrungen wächst, bleibt das Tattoo auf dem Stand der Sturm-und-Drang-Zeit.

Tattoos als Therapie

Das Tätowieren ist keine neumodische Erfindung, sondern eine Jahrtausende alte Sitte. Der bekannteste Fund eines Menschen mit Tätowierung ist wohl Ötzi (die Gletschermumie), der vor über 5.000 Jahren gelebt hat.

Ganze 61 Tätowierungen trug Ötzi auf seinem Körper. Forschern zufolge handelte es sich aber nicht um kulturelle, ästhetische oder religiöse Motive, sondern um eine medizinische Anwendung. So könnten dadurch Rücken- und Gelenkschmerzen behandelt worden sein ( 31 ).

Was viele nicht wissen: Das Tätowieren wird auch heute noch als chirurgische Prozedur anerkannt, die allerdings nur noch relativ selten praktiziert wird. Beispielsweise in Form einer plastischen Korrektur bei Augenleiden (Keratographie).

Tattoos können aber auch zur Verarbeitung traumatischer Lebensereignisse durchaus medizinisch sinnvoll sein. So etwa lassen sich manche Frauen nach einer Brustkrebsoperation, bei der die Brustwarze entfernt werden musste, eine solche tätowieren. Und bei Borderline-Patienten kann es durch Tattoos zum Rückgang selbstverletzender Verhaltensweisen kommen ( 2 ).

2018 war etwa jeder Achte in Deutschland tätowiert. Der Risiken sind sich allerdings die wenigsten bewusst: Eine Befragung des Bundesinstituts für Risikobewertung zeigte, dass viele Menschen Tattoos für gesundheitlich unbedenklich halten ( 3 ).

Nadel und Farben jedoch bergen ein nicht zu unterschätzendes Gesundheitsrisiko. Dabei geht es nicht nur um die akuten Reaktionen wie Rötungen und Schwellungen unmittelbar nach dem Stechen, sondern auch um mögliche langfristige Folgen.

Immer mehr Tattoos – immer mehr Gesundheitsprobleme

Eine 2015 veröffentlichte amerikanische Studie fand heraus, dass die meisten Menschen, die nach einer Tätowierung eine akute Reaktion gleich welcher Art erlitten, später chronische Gesundheitsprobleme entwickeln werden ( 4 ). Dabei hatten sich die Tätowierten nicht etwa selbst das Tattoo gestochen oder sich vom Kumpel mit einer im Internet gekauften Tätowiermaschine stechen lassen (was ebenfalls immer wieder vorkommt), sondern im Tattoo-Studio.

Dr. Marie Leger, eine Hautärztin am New York University Langone Medical Center in New York City und Co-Autorin der Untersuchung sagte, sie entschied sich zu Nachforschungen auf diesem Gebiet, da sie in ihrer Praxis beobachten konnte, dass immer mehr Menschen Probleme nach Tätowierungen bekamen. Also sprach sie mit Kollegen und stellte fest, dass auch hier die steigende Zahl der gesundheitlichen Folgen nach Tätowierungen längst bekannt ist, die gesundheitlichen Risiken also viel häufiger eintreffen als allgemein vermutet.

Tattoo: Infektionen, Schwellungen, Allergien und Knötchen unter der Haut

Legers Untersuchung wurde in der Fachzeitschrift Contact Dermatitis veröffentlicht und umfasste eine Umfrage unter 300 tätowierten Menschen im New Yorker Central Park. 10 Prozent gaben an, nach einer Tätowierung merkliche Reaktionen beobachtet zu haben, wie z. B. Ausschläge, Schwellungen, Entzündungen, Rötungen und/oder Juckreiz. Dies ist nichts Besonderes, da bei einer Tätowierung die Haut verletzt wird, was sich dann auch mit den Symptomen einer typischen Hautverletzung äußert.

Von diesen 10 Prozent aber sagten wiederum 60 Prozent aus, sehr lange nach der Tätowierung Gesundheitsprobleme gehabt zu haben oder diese auch Jahre später noch immer zu haben – wie z. B. chronische Infektionen, eine bleibende Schwellung, Allergien oder auch Knötchen unter der Haut, in denen Farbinhaltsstoffe eingeschlossen und vom Körper verkapselt wurden. Besonders häufig kommt es bei intensiver Sonneneinstrahlung zu allergieähnlichen Reaktionen, also dann, wenn sich Tätowierte in der Sonne aufhalten.

Dr. Leger sagt, sie möge eigentlich – rein optisch betrachtet – Tattoos, wolle aber dennoch über die möglichen gesundheitlichen Risiken aufklären, die höchstwahrscheinlich ernster seien, als man bislang annahm. Das Injizieren von unnatürlichen und körperfremden Substanzen unter die Haut könne schließlich niemals ohne Risiken bleiben, schon gar nicht, wenn die Substanzen dort ein Leben lang bleiben und zusätzlich auch noch nachweislich krebserregend oder krebsverdächtig seien – zumindest einige davon.

In einem Bericht des Deutschen Bundestags von 2020 werden als mögliche gesundheitliche Folgen entsprechend Allergien, Hauterkrankungen, Erkrankungen der Organe und Krebs genannt ( 5 ).

Billig-Tattoos im Ausland: Besser nicht

Lässt man sich im Ausland tätowieren, sollte man sich bewusst sein, dass dort sehr wahrscheinlich andere Hygienestandards herrschen als in Deutschland, der Schweiz oder in Österreich. Möglicherweise gibt es überhaupt keine Vorschriften beim Tätowieren, oder aber die Tattoo-Studios werden nicht kontrolliert.

Zudem sind Tattoos im Ausland oft besonders preiswert, was zwar nicht immer auf fehlende Hygienestandards hinweisen muss, aber zur erhöhten Vorsicht animieren sollte. Dazu kommt die Sprachbarriere: Wenn Sie die Sprache nicht einwandfrei beherrschen, ist es nahezu unmöglich, sich nach den Hygienemaßnahmen, der Pflege des Tattoos und den Risiken zu erkundigen. Auch wenn Sie zuhause Unebenheiten an Ihrem Tattoo entdecken und unzufrieden sind, können Sie nicht einfach zum Nachstechen ins Tattoo-Studio zurückkehren.

Auch in manch heimischen Tattoo-Studios und ganz besonders auf größeren Veranstaltungen (Tattoo- oder auch Erotik-Messen) geht nicht immer alles so hygienisch vonstatten, wie man sich das wünschen würde ( 6 ).

Hepatitis-Risiko durch Tattoos

Ernsthafte Infektionen, wie z. B. mit Hepatitis C, sollen unter anderem auch aus diesem Grunde in den nächsten Jahren auf dem Vormarsch sein. Eine entsprechende Studie der New York University vom Sommer 2013 stellte fest, dass Tätowierte häufiger an Hepatitis C erkranken als Nichttätowierte. Und da sich die Folgen von Hepatitis C – schwere Lebererkrankung – oft erst 20 bis 30 Jahre nach der Infektion (sprich Tätowierung) zeigen, rechnet man bis zu diesem Zeitpunkt mit einer regelrechten tattoobedingten Hepatitis-C-Welle ( 7 ).

Was Tattoos und Impfstoffe gemeinsam haben: Schwermetalle

Während jedoch die Hygiene beim Stechen und die Desinfektion der Nadeln in der Hand des "Stechers" bzw. Studios liegen und sich somit bei der Wahl der richtigen Location das gesundheitliche Risiko schon einmal deutlich reduzieren lässt, verhält es sich mit den Tattoo-Farben etwas anders. Hier gäbe es – nach Dr. Leger – in kaum einem Land sinnvolle Regulationen. Infolgedessen finden sich in den Farben nahezu alle Arten von Giften, die – einmal injiziert – nicht mehr vollständig entfernt werden können und sich sodann im Körper einlagern.

Untersuchungen zeigten, dass Tattoo-Farben Schwermetalle wie Titan, Kupfer, Chrom und Eisen enthalten können. Eine italienische Studie von 2009 identifizierte Cadmium, Kobalt, Chrom und Nickel in allen 13 untersuchten Tattoo-Farben. In vielen war zusätzlich auch Quecksilber gegenwärtig ( 8 ).

Warum es gefährlich ist, wenn Tattoo-Farben wie Kosmetika eingeschätzt werden

Viele Länder verfügen nun zwar über Bestimmungen, die sich auf Farbstoffe in pharmazeutischen Produkten oder Kosmetika beziehen, für Tattoo-Farben gelten sie aber nicht unbedingt. Und selbst wenn Tattoo-Farben-Hersteller behaupten, sie richteten sich nach diesen Regelungen – welchen Nutzen hat es?

Niemand ritzt sich die Haut auf und bringt in die Wunde vorsätzlich Kosmetika ein. Kosmetika bleiben AUF der Haut, so dass die Hautbarriere das Eindringen der Inhaltsstoffe zu einem großen Teil verhindert. Daher sind die Bestimmungen für Kosmetikbestandteile auch so wenig beeindruckend. Man isst das Zeug schließlich nicht, also darf in Cremes und Gels alles Mögliche gemischt werden.

Es ist daher wenig hilfreich, wenn auf Seiten von Tattoo-Farben-Herstellern zu lesen ist, dass "die verwendeten Rohstoffe zur Herstellung der Tattoo-Farben dem Reinheitsgrad entsprechen, der auch für kosmetische und pharmazeutische Produkte Verwendung findet…". Denn genau dieser Reinheitsgrad ist für Stoffe, die direkt im Körper platziert werden, nicht ausreichend und bringt entsprechende gesundheitliche Risiken mit sich.

Ebenfalls an den Grenzwerten für Kosmetika orientieren sich "die Messwerte für Arsen, Antimon, Blei, lösliches Bariumsulfat, Chrom und Zink". Nur "auf die produktionsbedingten Verunreinigungen der Pigmente habe man leider keinen Einfluss" – heisst es auf der Seite eines Tattoo-Farben-Herstellers.

Tattoo-Farben: Manche sind nicht verkehrsfähig

Für Tattoo-Farben wären also selbst die Bestimmungen für Kosmetika zu mild. Daher gibt es zumindest in Deutschland seit 2008/09 die Deutsche Tätowiermittelverordnung und in der Schweiz die ganz ähnliche Verordnung über Gegenstände für den Humankontakt (HKV) und die Verordnung über kosmetische Mittel (VKos). Erstere enthält u. a. Negativlisten mit gesundheitsschädlichen Substanzen, die nicht in Tätowierfarben enthalten sein dürfen ( 9 ) ( 10 ) ( 11 ).

Das aber hindert viele Tattoo-Farben-Hersteller (besonders solche im Ausland) nicht daran, bedenkliche Stoffe – auch die verbotenen – in ihre Tattoo-Farben zu mischen. Denn kaum ein Tattoo-Farben-Hersteller in Fernost wird sich die Deutsche Tätowiermittelverordnung zu Gemüte führen, um seine bewährte Tattoo-Farben-Rezeptur gesünder zu gestalten. Immer wieder fanden sich daher bei Kontrollen Farben, die aufgrund dieser hochgiftigen Inhaltsstoffe eigentlich längst nicht mehr verkehrsfähig waren.

Krebserregende Stoffe in Tattoo-Farben

Im Jahr 2012/2013 kümmerte sich ÖKO-TEST (Verbrauchermagazin) um das Tattoo-Thema und testete 20 Tattoo-Farben ( 12 ). Man fand in jeder dritten Farbe starke Belastungen von unter anderem krebsverdächtigen oder konkret krebserregenden Stoffen wie PAK (Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe), Nitrosamine, aromatische Amine, Formaldehyd und Formaldehydabspalter, halogenorganische Farbstoffe, Nickel und Konservierungsmittel wie Benzoisothiazolinon.

Die gefundenen Mengen waren so hoch, dass die betreffenden Farben mit einem Verkaufsverbot aus dem Handel hätten entfernt werden müssen. Der letztgenannte Stoff ist sogar derart allergen, dass er nicht einmal für Kosmetika zugelassen ist.

Tätowiermittelverordnung lässt sich nur schwer umsetzen

ÖKO-TEST erklärt in diesem Zusammenhang, wie wenig hilfreich die Tätowiermittelverordnung in der Praxis sei. So seien beispielsweise die aromatischen Amine laut Tätowiermittelverordnung verboten. Da in der Tätowiermittelverordnung aber keine Grenzwerte auftauchen und auch keine Nachweismethoden genannt seien, lasse sich in der Praxis ein Verkaufsverbot bei Anwesenheit von aromatischen Aminen nur schwer umsetzen.

ÖKO-TEST berichtet weiterhin, dass die Behörden in Baden-Württemberg allein im Jahr 2010 festgestellt hätten, dass ein Drittel der Tattoo-Farben nicht zugelassene Farbpigmente und schädliche Stoffe enthielt.

Das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Niedersachsen habe in den Jahren 2009 bis 2012 in Stichproben Naphthol (wird zur Herstellung von Azofarbstoffen verwendet) und Arsen gefunden.

Das Landesuntersuchungsamt Sachsen habe 2011 in den allermeisten schwarzen Farben polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe entdeckt – und zwar mengenmäßig über den Grenzwerten.

Auch in Nordrhein-Westfalen habe man mehr als 150 Farben untersucht, wovon viele wegen schädlicher Stoffe bemängelt worden seien. Da die "Inverkehrbringer" aber ihren Firmensitz nicht vor Ort hatten – so erklärt ÖKO-TEST – wurde ihnen gesagt, sie sollten sich selbst an ihre zuständige Ordnungsbehörde wenden, sich also quasi selbst anzeigen. Das war also ganz genau so, als sage man einem Raser, er möge sich doch bitte selbst einen Strafzettel ausstellen und sich bei Gelegenheit zwei Punkte in Flensburg eintragen.

Tattoos fördern oxidativen Stress und schwächen Mitochondrien

Weitere Untersuchungen ( 13 ) ( 14 ) wurden von unterschiedlichen Universitäten durchgeführt – wie z. B. die Analyse der Regensburger Universität aus dem Jahr 2010. In der Zusammenfassung der Studie ist zu lesen, dass in den untersuchten schwarzen Tattoo-Farben Benzpyren und hohe Phenolkonzentrationen sowie wiederum die gesundheitsschädlichen PAKs gefunden wurden.

Ein Teil der PAKs – so die Forscher – bleibe ein Leben lang in der Haut, absorbiere UV-Strahlung und erzeuge jetzt freie Radikale, die wiederum der Haut schaden. Tattoo-Farben mit PAKs verminderten auf diese Weise die Mitochondrienaktivität der Hautzellen, was auf eine stark eingeschränkte Gesundheit derselben hinweist. Die Mitochondrien sind die Energieproduktionsstätten, die sich in jeder einzelnen Zelle befinden.

In einer dänischen Studie aus dem Jahr 2013 wurde erklärt, dass zum Beispiel schwarze Tattoo-Farben normalerweise aus Kohle-Nanopartikeln bestehen. Nanopartikel sind besonders winzige Teilchen, denen es infolgedessen auch besonders gut gelingt, die Haut zu verlassen und sich über die Lymphe oder den Blutstrom im ganzen Körper zu verteilen ( 15 ).

Probleme mit Tattoo-Farben auch noch Jahre später

Auch 2019 hat sich die Zusammensetzung von Tattoo-Farben nicht gebessert. Das Landesamt für Lebensmittelsicherheit untersuchte 14 Farben von denen 6 beanstandet wurden. Zwei davon hatten einen zu hohen Cadmium-Gehalt, zwei weitere enthielten einen nicht deklarierten Konservierungsstoff und die anderen waren fehlerhaft gekennzeichnet ( 16 ).

Tattoo-Farben in der RAPEX-Liste

Immer wieder wird daher vor manchen Tattoo-Farben in der sog. RAPEX-Liste gewarnt. RAPEX steht für Rapid Exchange of Information System und ist das Schnellwarnsystem der Europäischen Kommission, mit dem im Wochenrhythmus europaweite Warnungen zu gefährlichen Produkten veröffentlicht werden ( 17 ).

Meist handelt es sich um Dinge wie Rasenmäher, deren Messer sich plötzlich lösen können, Brühwürfel, in denen Glassplitter gefunden wurden oder Matjesfilets, in denen sich Salmonellen tummeln. Immer wieder wird aber auch vor Tattoo-Farben gewarnt, die keinesfalls verwendet werden sollten, da durch sie gesundheitliche Risiken bestehen. Die RAPEX-Liste umfasst gut 200 Meldungen von schädlichen Tattoo-Farben.

Sind organische Tattoo-Farben besser?

Der Trend geht nun inzwischen von anorganischen Pigmenten weg und hin zu organischen – wobei "organisch" nicht bedeutet, dass es sich hier um etwas Natürliches und Gesundes handelt. "Organisch" bedeutet lediglich, dass wir es mit Azofarbstoffen oder polyzyklischen Pigmenten zu tun haben – und diese sind oft besonders giftig.

Bei den Azofarbstoffen handelt es sich um synthetische Farbstoffe. Sie stecken in bunten Tattoo-Farben und waren ursprünglich gar nicht zum Injizieren unter die Haut gedacht, sondern für industrielle Zwecke wie z. B. Autolacke, Textilien, Plastikprodukte etc. produziert werden. Da ein Tattoo aber möglichst genauso brillant wie ein neues Auto leuchten sollte, darf es natürlich auch gerne Farbstoff aus einem Autolack sein ( 18 ).

In anorganischen Pigmenten verbergen sich hingegen Ruß oder Metalloxide und in Folge Schwermetalle sowie Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe, die im Ruß vorkommen. Meist basieren schwarze, rote und weiße Tattoo-Farben auf anorganischen Pigmenten.

Sind Henna-Tattoos eine Alternative?

Ob Ernährung oder auch Tattoos: Immer mehr Menschen sind bei der Auswahl von Produkten auf Natürlichkeit bedacht. Doch das wissen auch die Hersteller. Und so werden Produkte als naturrein beworben, die es eigentlich gar nicht sind.

Auf der Suche nach Alternativen zu ungesunden Farbstoffen landen viele bei den sogenannten Henna-Tattoos. Hennafarben werden aus den getrockneten und zermahlenen Blättern des Hennastrauches (Lawsonia inermis) gewonnen. Henna wird seit ewig langer Zeit verwendet, um die Haare zu färben oder den Körper kunstvoll zu bemalen.

Henna-Tattoos bieten den Vorteil, dass sie nicht mit Nadeln in die Haut, sondern als Paste direkt auf die Haut aufgetragen werden. Sie verblassen nach und nach und sind nach maximal 6 Wochen wieder verschwunden. Es gibt aber auch Fälle, wo das Henna-Tattoo – zumindest teilweise – erhalten bleibt.

Wird reines Henna verwendet, kann dieses eine gute Alternative zu Tattoo-Farben sein. Leider enthalten viele auf dem Markt befindlichen Hennaprodukte synthetische Farbstoffe oder Farbverstärker (z. B. Natriumpikramat), die zwar zu einer intensiveren und schnelleren Farbgebung führen, aber auch das Erbgut schädigen können.

Tattoos mit schwarzem Henna sind gefährlich

Die Food and Drug Administration (FDA) warnt Verbraucher regelmäßig vor temporären Tätowierungen mit schwarzem Henna. Denn dieses enthält potenziell schädliche Inhaltsstoffe wie Silbernitrat, Karmin oder Chrom. Die schwarze Farbe wird durch p-Phenylendiamin (PPD) erzeugt.

Dies ist ein Textilfarbstoff, der von der FDA nur für den menschlichen Gebrauch zum Haarefärben zugelassen ist. In Kanada ist die Verwendung von PPD auf der Haut, einschließlich Haarfärbemitteln, inzwischen sogar verboten ( 37 ) ( 38 ).

Denn eine ganze Reihe von Substanzen in schwarzem Henna wurde schon mit Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht, darunter auch lange nach der Anwendung auftretende allergische Reaktionen (auch auf verwandte Kleidungs- und Friseurfärbemittel) und chronische Entzündungen ( 39 ).

Für Kinder kann PPD fatal sein. In einigen Ländern ist es Tradition, den ganzen Körper männlicher Neugeborener zur Feier ihrer Geburt mit Henna zu färben. Dauert dies mit reinem Henna eine Woche, so kann es mit PPD in wenigen Stunden erfolgen. Im Sudan und in Kuweit starben zwischen 1985 und 1996 mindestens 35 Kinder innerhalb von 24 Stunden eines grauenhaften Todes. Denn PPD kann bei Säuglingen eine Hämolyse (Auflösung von roten Blutkörperchen) verursachen ( 39 ).

Tattoo-Pigmente sammeln sich in den Lymphknoten

Pigmente aus Tattoo-Farben können aus der Haut direkt in die Lymphknoten wandern und sich dort ansammeln oder von dort aus in den ganzen Körper gelangen. Daher muss man durch Tattoos auch nicht an Ort und Stelle Probleme bekommen, wie z. B. Hautkrebs, was viele glauben. Der Krebs kann hingegen überall im Körper auftauchen, einfach weil die Farbchemikalien eben nicht in der Haut bleiben, sondern auf Wanderschaft gehen ( 19 ) ( 20 ) ( 21 ) ( 22 ).

In welchem Maße dies geschieht und um wie viel das Krebsrisiko sowie andere gesundheitliche Risiken steigen, wenn man ein Tattoo hat, wird sich in 20 oder 30 Jahren sagen lassen, weil dann nämlich bei jenen Millionen Menschen, die sich jetzt gerade tätowieren lassen, die ersten Langzeitschäden auftauchen werden – oder eben auch nicht. Mit dieser Masse an Probanden werden sich dann auch Statistiken erstellen lassen, die zeigen werden, um wie viel häufiger Tattoo-Träger Krebs, Autoimmunerkrankungen oder andere chronische Erkrankungen bekommen als Tattoo-Freie.

Wer nun bereits ein Tattoo hat, sich Sorgen macht und sich der Gifte möglichst wieder entledigen will, der könnte eine Lymphreinigung ins Auge fassen, die dabei hilft, Gifte auszuleiten und das Lymphgefäßsystem inklusive der Lymphknoten wieder auf Vordermann zu bringen.

Tattoo-Entfernung mit Laser: Blausäure entsteht

Hat man sich für eine Entfernung seines Tattoos entschieden, weil man es einfach nicht mehr sehen kann, kommt eine Laserbehandlung in Frage. Doch auch diese ist nicht ohne Risiko.

Forscher des Bundesinstituts für Risikobewertung stellten fest, dass bei einer Laserbehandlung insbesondere das blaue Tattoo-Pigment Phthalocyanin-Blau Probleme bereiten kann. Es zerfällt nämlich in verschiedene Substanzen, darunter mindestens drei mit hochgiftigem Potential: Benzol, Benzonitril und Blausäure.

Besonders die Blausäure ist hochgradig zelltoxisch. Als Gas würde sie – wenn man sie einatmet – schon in geringster Konzentration (0,005 Prozent der Atemluft) tödlich wirken. Entsteht Blausäure in der Haut, kommt es schon bei geringen Dosen zu Zellschäden. Wird der Laser in gut durchbluteten Hautbereichen eingesetzt, dann gelangen die entstehenden Gifte zu einem Teil auch in den Blutkreislauf ( 23 ) ( 24 ) ( 25 ).

Die Forscher des Bundesinstituts für Risikobewertung zeigten, dass eine Laserbehandlung zur Tattoo-Entfernung bis zu knapp 30 Mikrogramm Blausäure pro Milliliter freisetzen kann, wovon natürlich ebenfalls Anteile ins Blut fließen können.

Angesichts der Tatsache, dass schon ein Spiegel von 5 Mikrogramm pro Milliliter im Blut tödlich sein kann, ist die örtliche Freisetzung von 30 Mikrogramm Blausäure eindeutig bedenklich – umso mehr natürlich, je grösser das zu entfernende Tattoo ist.

Neue Hygienenorm fürs Tätowieren

Immerhin etwas hat sich in den letzten Jahren aber getan: Im Mai 2020 hat das Deutsche Institut für Normung (DIN) eine neue Norm unter dem Namen Tätowieren – Sichere und hygienische Praxis (DIN EN 17169) veröffentlicht. Diese Norm vereinheitlicht bereits existierende Standards in Europa. Darin werden Anforderungen an die Hygiene, den Tätowiervorgang und die Räume gestellt ( 26 ).

Angestoßen wurde diese Norm von den Verbänden Deutsche Organisierte Tätowierer und United European Tattoo Artist. Dies zeigt immerhin, dass sich in der Branche etwas tut.

Die Norm soll nun verbindlich werden, indem die Gesundheitsämter die Tattoo-Studios anhand dieser Standards überprüfen. So würde es zumindest zu einer Vereinheitlichung kommen. Bisher unterschieden sich die Qualitätsstandards der Gesundheitsämter je nach Bundesland.

Grenzwerte für gefährliche Chemikalien in Tattoo-Farben beschlossen

Bereits im Jahr 2015 beauftragte die Europäische Kommission die Europäische Chemikalienagentur (ECHA), die Gesundheitsrisiken von Chemikalien in Tätowierfarben und Permanent Make-up-Farben zu prüfen und zu bewerten. Die ECHA kam zum Schluss, dass eine EU-weite Verwendungsbeschränkung erforderlich sei.

Im Dezember 2020 tat die Europäische Kommission einen wichtigen Schritt, um Tattoos sicherer zu machen: Endlich wurden Grenzwerte für gefährliche Chemikalien in Farben für Tätowierungen und Permanent Make-up beschlossen ( 28 ).

Das große Ziel war es, Gesetze zu erlassen, die im gesamten EU-Raum gültig sein sollten. Daran beteiligt waren neben der EU-Kommission und der Europäischen Chemikalienagentur auch alle Mitgliedstaaten unter Einbeziehung der Industrie und der Zivilgesellschaft.

Die maximalen Konzentrationsgrenzen wurden sowohl für Stoffgruppen als auch für einzelne Stoffe wie bestimmte Azofarbstoffe und krebserregende aromatische Amine, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Metalle und Methanol festgelegt.

Die Beschränkungen sollten für alle Chemikalien gelten, die in der EU eingestuft sind als ( 32 ):

  1. karzinogene, mutagene oder reproduktionstoxische Substanzen
  2. Hautallergene
  3. Stoffe mit ätzender Wirkung auf die Haut
  4. hautreizende Substanzen
  5. augenreizende Stoffe
  6. augenschädigende Substanzen

Es wurde eine einjährige Übergangsphase beschlossen, bevor die neuen Regeln in Kraft treten sollten.

Tattoos: Die REACH-Verordnung

Am 24. Januar 2022 war es schließlich soweit: Seit dem 4. Januar 2022 gelten nun in der gesamten EU neue und strengere Vorschriften für Tattoo- und Permanent-Make-up-Farben. Als Grundlage gilt die sogenannte REACH-Verordnung (Anhang XVII, Eintrag 75 bzw. Verordnung (EU) 2020/2081). Diese Verordnung umfasst vordergründig drei Bestimmungen ( 29 ):

  1. Verbot des Inverkehrbringens und der Verwendung von bestimmten Stoffen
  2. allgemeine Kennzeichnungspflicht für alle Tattoo- und Permanent-Make-up-Farben
  3. Informationspflicht gegenüber den Kunden

Im Klartext bedeutet dies, dass nun EU-weit zahlreiche in Tattoo-Farben enthaltene Chemikalien verboten sind, da sie entweder potenziell gefährlich oder als nicht ausreichend erforscht angesehen werden. Darüber hinaus wurden neue Kennzeichnungsanforderungen gestellt. So muss das Etikett nun beispielsweise das Verzeichnis aller Bestandteile sowie einschlägige Sicherheitshinweise enthalten.

Zu den bereits 2022 verbotenen Stoffen haben sich ab dem 4. Januar 2023 die beiden Farbstoffe Pigment Blue 15:3 und Pigment Green 7 dazugesellt. Damit sind rund 65 Prozent aller vorher verfügbaren Farbtöne weggefallen ( 33 ).

REACH-Verordnung erschüttert Tattoo-Branche

Das Verbot zahlreicher Tattoo-Farben hat unweigerlich dazu geführt, dass die verfügbaren Farbpaletten stark eingeschränkt wurden. Denn auf der Bannliste landeten mehr als 4.000 Stoffe. Bei vielen Tätowierern bzw. Pigmentierern betrafen die neuen Einschränkungen 100 Prozent der zuvor verwendeten Produkte. Was bis zum Stichtag nicht verbraucht werden konnte, musste entsorgt werden.

Die neuen Regeln haben außerdem dazu geführt, dass all jene Farben, die von den Herstellern als REACH-konform gekennzeichnet sind, plötzlich extrem stark nachgefragt waren. Lieferverzögerungen waren die Folge. Im Zuge dessen wurde beobachtet, dass auf dem Online-Markt Angebote von bis dato unbekannten Farbherstellern auftauchten. Es wurde festgestellt, dass REACH-konforme Farben angeboten wurden, welche die Anforderungen gar nicht erfüllten.

Dies natürlich auch zum großen Bedauern der Tätowierer. Denn Verstöße gegen die Beschränkungen werden beispielsweise in Österreich mit Geldstrafen von bis zu rund 20.000 Euro und im Wiederholungsfall bis 40.000 Euro geahndet! Egal ob verbotene Tattoo-Farben nun bewusst oder unbewusst eingesetzt werden: Es ist mit Schadenersatzansprüchen von Kunden gegen Tätowierer zu rechnen ( 29 ).

Tätowierer haften

Es unterliegt dem Tätowierer bzw. Pigmentierer, auch Farben, die von Händlern als REACH-konform definiert werden, unter Kontrolle des Sicherheitsdatenblattes auf die Zulässigkeit zu überprüfen. Darum ist es Tätowierern anzuraten, bei Bestellungen die dazugehörigen Sicherheitsdatenblätter anzufordern, welche vom Lieferanten kostenlos, in der Muttersprache sowie fachlich richtig und vollständig ausgefüllt zu übermitteln sind und von Tätowierern 10 Jahre aufbewahrt werden müssen.

Wenn Tätowierer Produkte aus dem Ausland kaufen (z. B. Schweiz oder USA), gelten sie selbst als Inverkehrbringer und somit als Importeure in die EU und sind selbst für die Einhaltung der Kennzeichnungsvorschriften verantwortlich. Aus diesem Grund wird dringend dazu geraten, die Farben bei Händlern innerhalb der EU zu kaufen. Hinzu sei gesagt, dass Schadenersatzansprüche von Tätowierern – etwa an die EU-Kommission – mangels Rechtswidrigkeit und Verschulden ausgeschlossen sind ( 29 ).

Tattoos werden farblos

Als im Jahr 2022 die REACH-Verordnung in Kraft trat, war der Aufschrei von Leuten in der Branche und von Tattoo-Fans groß. Der Wirtschaftszweig war ohnehin schon durch Corona schwer gebeutelt und die Kunden verhielten sich ablehnend, da sie Skepsis in Bezug auf die neuen Farben zeigten. Denn es war wenig bekannt, wie es mit den EU-konformen Farben in puncto Haltbarkeit und Qualität bestellt war. Die meisten Tätowierer entschieden sich, grundsätzlich nur noch farblose Tattoos, also in Schwarz, Weiß und Grau, anzubieten ( 30 ).

Anfangs gab es REACH-konformen Ersatz eigentlich nur für Schwarz, Weiß und Grau. Einige Hersteller kündigten zwar an, neue Farben zu entwickeln, die den neuen Anforderungen entsprechen sollten. Bis heute gibt es aber kaum Unternehmen (z. B. die deutsche Firma Edding), denen es gelungen ist, die nicht mehr erlaubten Inhaltsstoffe durch andere zu ersetzen sowie eine über Jahre gleichbleibende Qualität zu garantieren ( 33 ).

Auch stellt sich die dringende Frage, ob die neuen Farben nun wirklich sicherer sind als die verbotenen. Studien gibt es diesbezüglich ja noch keine mangels toxikologischen Daten. Demzufolge ist die Anwendung für die Verbraucher nach wie vor mit einem Risiko verknüpft.

Kritisiert wird in diesem Zusammenhang, dass es zwar eine Negativliste, aber keine Liste mit gesundheitlich unbedenklichen Farben gibt. Darüber hinaus soll der Schwarzmarkt Fahrt aufgenommen haben. Unseriöse Tätowierer gehen mit ihren Kunden nun einfach "in den Keller" und verwenden dort – auf Kundenwunsch – die verbotenen Farben ( 34 ) ( 35 ) ( 36 ).

Verbot von Tattoo-Farben: Resümee zur REACH-Verordnung

Es war und ist bestimmt sehr wichtig, dass sich die EU des Gesundheitsrisikos von Tattoofarben angenommen hat und nun Nägel mit Köpfen macht. Aber es wäre wirklich wichtig gewesen, die in der Tattoo-Branche tätigen Menschen im Vorfeld mehr einzubeziehen ( 40 ).

Man hätte vonseiten der EU beispielsweise Herstellern von Tattoo-Farben rechtzeitig Fördermittel bereitstellen können, um die Entwicklung neuer und möglichst unschädlicher Produkte voranzutreiben und die Sicherheit beim Tätowieren zu verbessern. Denn Tattoos haben eine uralte Tradition, sind Kunstwerke und für viele ein Ausdruck ihrer selbst.

Dinge einfach zu verbieten, für die es keinen Ersatz gibt, kann keine zielführende Lösung sein. Weil dann besorgen sich viele Tattoo-Fans das, was sie haben möchten, einfach auf dem Schwarzmarkt. Und das kommt dann weder der Gesundheit noch der Staatskasse zugute.

Es steht außer Frage, dass Tattoos ein gesundheitliches Risiko darstellen. Gleichzeitig sollte es jeder mündigen Person selbst überlassen werden, sich diesem Risiko auszusetzen oder nicht. Wichtig ist allerdings, dass jeder Mensch, der sich tätowieren lassen möchte, umfassend über die angewendeten Produkte und möglichen Nebenwirkungen aufgeklärt wird. Denn nur dann kann eine besonnene Entscheidung getroffen werden.

Tattoo – Das Gesundheitsrisiko auf einen Blick

Zusammenfassend lässt sich zum Gesundheitsrisiko durch Tattoos folgendes festhalten:

  1. Zahlreiche Chemikalien in Tattoo-Farben gelten als allergen, erbgutverändernd, krebserregend und krebsverdächtig. Sie erhöhen oxidativen Stress und vermindern die Mitochondrienaktivität. Alle diese Eigenschaften zusammen führen zu einer Belastung des körpereigenen Ausleit- und Entgiftungssystems, zu einer Schwächung des Immunsystems und zu einer Reduzierung der Energieproduktion – stellen also ein eindeutiges Gesundheitsrisiko dar. Aus diesem Grund wurden in der EU 2022 / 2023 rund 4.000 Substanzen in Tattoos verboten (REACH-Verordnung).
  2. Allergische Reaktionen und die üblichen Wundreaktionen sind häufig – natürlich insbesondere in der unmittelbaren Zeit nach dem Stechen.
  3. Auch alternative Tattoos, beispielsweise mit schwarzem Henna, bergen gesundheitliche Gefahren. Dazu zählen allergische Reaktionen (auch auf verwandte Kleidungs- und Friseurfärbemittel) und chronische Entzündungen, die lange nach der Anwendung auftreten können.
  4. UV-Strahlen (Sonnenlicht) – oder bei der Entfernung des Tattoos auch Laserstrahlen – können die in der Haut liegenden Pigmente aktivieren, worauf sich diese erst recht in schädliche Abbauprodukte umwandeln.
  5. Inwiefern sich tattoobedingte Infektionen (Hepatitis C), Krebs, Allergien oder andere tattoobedingte chronische Krankheiten langfristig entwickeln, wird man in den nächsten Jahren beobachten können.
  6. Die Kontrolle von Tattoo-Farben ist schwierig, wenn nicht gar bislang noch unmöglich. Daher ist es sowohl für Kunden also auch für Tätowierer nur schwer einschätzbar, welche Farbe mit und welche ohne Gesundheitsrisiko gestochen werden kann.

So können Sie gesundheitlichen Schäden durch Tattoos vorbeugen

Das Naheliegendste wäre natürlich; sich gar nicht erst tätowieren zu lassen. Möchten Sie sich aber dennoch ein Tattoo stechen lassen, sollten Sie folgendes beachten ( 27 ):

  1. Wenn Sie schwanger sind oder eine Nickelallergie haben, sollten Sie sich gar nicht tätowieren lassen.
  2. Bluter, Diabetiker, Herzkranke sowie Personen mit Hauterkrankungen, Allergien oder Immunschwäche sollten zuvor mit ihrem Arzt sprechen.
  3. Lassen Sie sich im Tattoo-Studio beraten und trauen Sie Ihrem Eindruck. Wenn Sie merken, dass Sie nicht richtig aufgeklärt oder Ihre Fragen nicht kompetent beantwortet werden, suchen Sie sich ein anderes Studio.
  4. Seien Sie sich bewusst, dass sich Tattoos auch mit einer Laserbehandlung nicht immer vollständig entfernen lassen und dass diese Behandlung ebenfalls Risiken mitbringt.
  5. Achten Sie auf die Hygiene im Tattoo-Studio. Sind Sie sich auf den ersten Blick bereits unsicher, suchen Sie lieber ein anderes Studio auf. Fragen Sie direkt nach den Hygienemaßnahmen. Der Tätowierer sollte Einweghandschuhe tragen, eine sterilisierte Nadel verwenden und die Haut zwischendurch immer wieder desinfizieren.
  6. Lesen Sie die Inhaltsstoffe der Tattoo-Farbe durch und prüfen Sie, ob das Mittel auf der RAPEX-Liste steht.
  7. Wenn Sie die Etiketten der verwendeten Farben fotografieren und aufbewahren, kann ein Arzt leichter eine Diagnose stellen, wenn es zu Nebenwirkungen kommt.
  8. Zu guter Letzt finden Sie hier einige Checklisten des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, die Sie vorher durchgehen sollten.
  9. Pflegen Sie Ihr Tattoo nach dem Stechen richtig, besonders in der Phase der Wundheilung. Dazu finden Sie ebenfalls eine Checkliste unter dem oben verlinkten Artikel.

Update vom 27.07.2020

Wir haben den Artikel am 27.07.2020 aktualisiert und dabei u. a. die folgenden Absätze hinzugefügt:

  1. Probleme mit Tattoo-Farben auch noch Jahre später
  2. Neue Hygienenorm fürs Tätowieren
  3. So können Sie gesundheitlichen Schäden durch Tattoos vorbeugen

Update vom 18.09.2023

Am 18.09.2023 wurde der Artikel erneut aktualisiert, es wurden u. a. die folgenden Absätze hinzugefügt:

  1. Sind Henna-Tattoos eine Alternative?
  2. Tattoos mit schwarzem Henna sind gefährlich
  3. Grenzwerte für gefährliche Chemikalien in Tattoo-Farben beschlossen
  4. Tattoos: Die REACH-Verordnung
  5. Tattoos werden farblos

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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.