Zentrum der Gesundheit
  • Mediterrane Ernährung
4 min

Gesunde Ernährung erhöht Überlebenschance bei Krebs

Krebspatienten mit Kopf-Hals-Tumoren hatten ein um 93 Prozent niedrigeres Risiko, in den ersten drei Jahren nach ihrer Diagnose zu sterben, wenn sie sich gesund und nährstoffreich ernährten – so eine Studie. Die richtige Ernährung kann also die Überlebenschancen bei Krebs erhöhen.

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Ernährung bessert Überlebenschancen bei Krebs

Tumoren im Kopf- und Halsbereich betreffen den Mundraum, den Rachen oder Kehlkopf. Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei unter 65 Prozent. Als ursächlich gelten Tabak- und Alkoholkonsum (insbesondere, wenn beides kombiniert wird), aber auch die Infektion mit HP-Viren. Sind HP-Viren vorhanden, dann schlagen Therapien im Allgemeinen besser an und es besteht eine höhere Überlebenschance. (Hier könnte unterstützend Curcumin eingesetzt werden, wie Sie im vorigen Link lesen).

Entscheidend für das Überleben scheint aber auch die Ernährung zu sein, wie eine Studie zeigte, die im April 2022 in Frontiers in Nutrition erschien ( 1 ).

Studie: Sechs Ernährungsformen und ihr Einfluss auf Krebs

Die Wissenschaftler rund um Christian A. Maino Vieytes, Doktorand für Ernährungswissenschaften an der University of Illinois Urbana-Champaign untersuchten nun 468 Patienten, die am University of Michigan's Head and Neck Cancer Specialized Program of Research Excellence (auch SPORE genannt) teilnahmen. Es handelt sich dabei um eine prospektive Kohortenstudie, in der dreimal jährlich umfangreiche Daten zur Ernährungs- und Lebensweise der Patienten erhoben wurden.

„Wir schauten, inwiefern sich sechs verschiedene Ernährungsformen auf das Befinden der Patienten auswirkten“, sagte Vieytes. „Wir wollten herausfinden, welche Ernährung am ehesten mit dem Sterberisiko (aufgrund von Krebs, aber auch aufgrund anderer Erkrankungen) in Zusammenhang stand.“

Bei den sechs untersuchten Ernährungsformen handelte es sich um die folgenden:

  1. Ernährung, die dem AHEI-2010 entsprach (siehe weiter unten)
  2. DASH-Diät, eine Ernährung, die gegen Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall entwickelt wurde – pflanzenbasiert, kochsalzarm, wenige gesättigte Fette, vollwertig, wenn Milchprodukte, dann nur fettarme
  3. aMED (alternate Mediterranean Diet – mediterrane Ernährung, die etwas an die Gegebenheiten nicht-mediterraner Länder angepasst wurde – gemüse- und früchtereich, Fisch statt Fleisch und einfach ungesättigte Fettsäuren aus z. B. Olivenöl, Oliven und Mandeln)
  4. Low Carb Ernährung, wobei man hier 3 Merkmale überprüfte: 1. ob die Höhe des Kohlenhydratgehalts eine Auswirkung zeigte, 2. ob es einen Unterschied machte, die Low Carb Ernährung vorwiegend mit tierischen Protein- und Fettquellen zu gestalten oder 3. mit vorwiegend pflanzlichen Protein- und Fettquellen.

Ernährung nach AHEI-2010 zeigte die besten Ergebnisse

Im Verlauf der Studie verstarben 93 Patienten, 74 von ihnen aufgrund ihrer Krebserkrankung. Als man nun schaute, wie sich die Verstorbenen und die Überlebenden ernährten, zeigte sich, dass sich nur bei einer der genannten Ernährungsformen ein deutlicher Zusammenhang zeigte – und zwar mit der Ernährung, die sich am AHEI-2010 orientierte.

Wer sich am konsequentesten nach den Regeln des AHEI-2010 richtete, hatte im Vergleich zu jenen, die sich am wenigsten gesund ernährten, ein um 93 Prozent niedrigeres Risiko im dreijährigen Verlauf der Studie zu sterben (am Krebs oder an einer anderen Ursache).

Einen nur geringfügigen positiven, aber nicht signifikanten Einfluss auf die Sterberate hatte die Low Carb Ernährung – und zwar insbesondere die pflanzenbasierte Low Carb Ernährung. Die DASH-Diät, die aMED-Ernährung und die Low Carb Ernährung mit vorwiegend tierischen Protein- und Fettquellen hatten in der vorliegenden Untersuchung keine merkliche Auswirkung auf die Sterberate der Patienten.

Die Richtlinien der Ernährung nach AHEI-2010

Beim Alternative Healthy Eating Index-2010 (AHEI-2010) handelt es sich um eine Art Skala, mit der sich das Gesundheitspotenzial einer Ernährung beurteilen lässt. Der AHEI-2010 wurde von Wissenschaftlern der Harvard T.H. Chan Medical School als (konsequentere) Alternative zu den offiziellen Ernährungsrichtlinien entwickelt.

Der Index besteht aus 11 Lebensmittel- oder Stoffgruppen, die je nach ihren gesundheitlichen Auswirkungen in drei Kategorien aufgeteilt wurden:

  1. Sechs Lebensmittelgruppen sollten bevorzugt gegessen werden: Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Nüsse und Hülsenfrüchte, langkettige Omega-3-Fettsäuren (Docosahexaensäure und Eicosapentaensäure) und mehrfach ungesättigte Fettsäuren (inkl. Omega 3).
  2. Alkohol sollte nur moderat getrunken werden.
  3. Vier Lebensmittel- oder Stoffgruppen sollten reduziert oder gar nicht gegessen/getrunken werden: zuckergesüsste Getränke und Fruchtsäfte, rotes und verarbeitetes Fleisch, Transfette und Natrium (Kochsalz)). Transfette können insbesondere in Frittiertem enthalten sein, wenn Öl mehrfach verwendet wird.

Je besser man diese Regeln einhält, umso mehr Punkte bekommt die jeweilige Ernährung. Die Bewertungsskala reicht von 0 bis 100 Punkte, wobei 0 auf die schlechtestmögliche Ernährung hinweist und 100 Punkte auf die perfekte Ernährung. Je mehr Punkte eine Ernährung erzielt, umso niedriger wird das Risiko für chronische Erkrankungen, erklärt Vieytes.

Rezepte nach den Kriterien des AHEI-2010

Alle unsere ZDG-Rezepte passen hervorragend in eine Ernährung, die sich an den Richtlinien des AHEI-2010 orientiert. Schauen Sie auch gerne in unserem ZDG-Kochstudio auf Youtube vorbei, wo unsere Köche für Sie köstliche vegane Rezepte zubereiten!

Alle unsere Rezepte bestehen aus den sechs (nach AHEI-2010) empfehlenswerten Lebensmittelgruppen und sind frei von den vier nicht empfehlenswerten Lebensmittelgruppen.

Im folgenden Link stellen wir eine Studie von 2018 vor, in der sich zeigte, dass das Einhalten des AHEI-2010 sogar das Risiko senkt, im Alter eine Schwerhörigkeit zu entwickeln.

Wichtig: Ernährungstherapie für Krebspatienten

Eine Ernährung, die reich an Antioxidantien und anderen Mikronährstoffen ist, scheint also signifikant die Rückfall- und Überlebensrate der Krebspatienten zu beeinflussen. Diese leiden häufig auch an Mangelsymptomen, weil sie aufgrund der starken Nebenwirkungen der Therapie (z. B. wunde Schleimhäute im Mund-Rachenraum) oft nur wenig essen können. Selbst die Gefahr dieser Mängel kann mit der richtigen Ernährung (wenn diese idealerweise schon vor Beginn der Therapie praktiziert wird) verringert werden.

„Unsere Forschungsarbeit ist sehr wichtig, da man bisher nur wenig darüber weiss, wie man mit der Ernährung den Erfolg einer Krebstherapie bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren verbessern kann“, sagte Anna E. Arthur, Professorin für Diätetik und Ernährung an der University of Kansas Medical Center.

Da gerade Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren an schweren Symptomen leiden (und auch an schweren Therapienebenwirkungen) sollte man den positiven Einfluss einer gezielten Ernährung hier nutzen und die Studienerkenntnisse dazu verwenden, eine Ernährungstherapie für diese Patientengruppe zu erstellen, so Arthur.

Wie Wirkstoffe aus Grüntee bei Oralkrebs hilfreich sein könnten, lesen Sie im vorigen Link.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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Quellen
  1. (1) Christian A. Maino Vieytes et al, Adherence to a priori-Defined Diet Quality Indices Throughout the Early Disease Course Is Associated With Survival in Head and Neck Cancer Survivors: An Application Involving Marginal Structural Models, Frontiers in Nutrition (2022).