Serotoninmangel: Liegt die Ursache in der Darmflora verborgen?
Serotonin wird häufig als Glückshormon bezeichnet. Ein niedriger Serotoninspiegel wird daher mit Depressionen in Verbindung gebracht.
Antidepressiva aus der Gruppe der Serotoninwiederaufnahmehemmer haben daher die Aufgabe, den Abbau von Serotonin im Gehirn zu verhindern (damit der Spiegel hoch bleibt).
Wissenschaftler vermuten nun, dass Darmflorastörungen in der Kindheit die Ursache für einen Serotoninmangel im späteren Leben sein könnten. Wie aber könnte der Darm den Serotoninspiegel im Gehirn beeinflussen?
Mentale Störungen und Depressionen durch kranke Darmflora
Die Darmflora bezeichnet die Gesamtheit aller Mikroorganismen, die gemeinsam den Darm bevölkern. Und tatsächlich kann sie vom Darm aus nicht nur das Verdauungssystem, sondern die Gesundheit des gesamten Menschen beeinflussen.
So ist die Darmflora beispielsweise an der Entstehung von Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten genauso beteiligt wie an der Entwicklung von Diabetes, chronisch entzündlichen Erkrankungen, Übergewicht und Autoimmunerkrankungen.
Die Darmflora reguliert auch den Appetit. In manchen Fällen könnte es daher auch so sein, dass sie „ihren“ Menschen im Supermarkt zu jenen Lebensmitteln lenkt, die sie – die Darmflora – heute gerne verspeisen möchte.
Und selbst mentale Störungen wie Autismus und Depressionen können mit Störungen der Darmflora in Zusammenhang gebracht werden.
Darmflora beeinflusst das Gehirn
In einer Studie von Dr. K. Tillisch an der University of California hat sich gezeigt, dass Probiotika (Präparate mit nützlichen Darmbakterien) den Aufbau einer gesunden Darmflora fördern und auf diese Weise Depressionen, erhöhte Stressanfälligkeit und Ängstlichkeit lindern können (1).
Auch die Beschwerden autistischer Kinder konnten u. a. mit der Hilfe von Probiotika merklich reduziert werden (2). Die Darmflora beeinflusst also eindeutig das Gehirn.
Wie die Darmflora das Gehirn kontrolliert
Zunächst einmal ist die Darmflora an der ordnungsgemäßen Verdauung der Nahrung und damit an der optimalen Versorgung – auch des Gehirns – mit Nähr- und Vitalstoffen beteiligt.
Die Darmflora schützt ferner die Darmschleimhaut und verhindert, dass giftige Stoffwechselendprodukte von z. B. schädlichen Darmbakterien oder Pilzen in den Blutkreislauf und so womöglich auch ins Gehirn gelangen können.
Auch ist die Leistungsfähigkeit des Immunsystems nur so hoch, wie die Darmflora dies erlaubt. Bei schwachem Immunsystem ist man jedoch weder körperlich noch mental leistungsfähig.
Schon allein diese drei Zusammenhänge zeigen, dass die Darmflora das Gehirn auf viele verschiedene Arten beeinflusst.
Eine im Fachmagazin Molecular Psychiatry veröffentlichte Studie der Universität im irischen Cork brachte weitere Details ans Tageslicht.
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Die Darmflora-Gehirn-Achse
Die Wissenschaftler untersuchten insbesondere die Bedeutung der Darmflora in der ersten Zeit nach der Geburt.
Sie stellten fest, dass die Darmflora hier eine außerordentliche Rolle bei der Entwicklung und Reifung des Immunsystems und auch des Hormonsystems spielt.
Diese Prozesse wiederum seien Schlüsselfaktoren bei der Entwicklung des Zentralen Nervensystems (Gehirn und Rückenmark).
Man spricht von der Darmflora-Gehirn-Achse, deren perfekte Funktionsfähigkeit die Voraussetzung für das gesamtgesundheitliche Gleichgewicht (Homöostase) ist (3).
Darmflora: Ursache für niedrigen Serotoninspiegel?
Bislang fehlten noch Daten zum Einfluss der Darmflora konkret auf das serotonerge System (also u. a. auf die Serotoninbildung).
Die irischen Forscher konnten nun aber zeigen, dass der Zustand der Darmflora eine Ursache für einen unausgeglichenen Serotoninspiegel darstellen kann.
Die Darmflora – so die Wissenschaftler – wirkt sich nämlich direkt auf den Serotoninspiegel aus.
Darmflorastörungen (die in den ersten Lebensmonaten vorhanden sind) können das serotonerge System und damit auch den Grad der Zufriedenheit des späteren Menschen dermaßen beeinflussen, dass diese Einflüsse nach der Stillzeit nicht wieder rückgängig gemacht werden können, zumindest nicht vollständig.
Fazit: So früh wie möglich an die Darmflora denken!
Es ist also von großer Wichtigkeit, Kindern möglichst alle Voraussetzungen zu bieten, die nötig sind, um frühzeitig eine gesunde Darmflora aufzubauen.
Dazu gehören eine natürliche Geburt, Stillen statt Flaschennahrung, die Einnahme von Probiotika durch die Mutter und möglichst das Vermeiden von Antibiotika und anderer Medikamente, die die Darmflora schädigen können.
Dennoch gibt es auch im späteren Leben zahlreiche Möglichkeiten, einerseits die Darmflora positiv zu beeinflussen und andererseits den Serotoninspiegel zu erhöhen.
Lesen Sie dazu gerne unsere Artikel Darmflora aufbauen - Anleitung und Tipps und Serotoninspiegel natürlich erhöhen. Sie finden beide, in unserer Suche
Ein weiterer wichtiger Artikel ist jener über die Darm-Hirn-Achse. Er heißt Darm-Hirn-Achse beeinflusst die Gesundheit.