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Autistische Kinder: Folsäure hilft

Autistische Kinder: Folsäure hilft

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(Zentrum der Gesundheit) – Folsäure gehört zu den B-Vitaminen. Die natürliche Folsäure, die in Lebensmitteln enthalten ist, nennt man Folat. Mit Folsäure ist hingegen jene Form genannt, die in Tabletten- oder Kapselform eingenommen wird. Dieses B-Vitamin nun kann bei vielen autistischen Kindern die Sprach- und Kommunikationsfähigkeiten verbessern – so die Ergebnisse einer placebokontrollierten Studie, in der man autistischen Kindern entweder hochdosierte Folsäure oder ein Placebopräparat gegeben hatte.

Autismus und Folsäure

Bis zu 2 Prozent aller US-amerikanischer Kinder zeigen autistische Symptome. In Deutschland und der Schweiz liegen geschätzte Zahlen in ähnlichen Bereichen, mindestens aber bei 1 Prozent.

Viele dieser Kinder haben Schwierigkeiten, mit anderen zu kommunizieren und sich in der Gesellschaft zu bewegen. Man kennt noch nicht annähernd die Ursachen für die Entwicklung autistischer Störungen, und folglich gibt es derzeit auch noch keine heilsame Therapie bei Autismus.

Die einzigen Medikamente, die für einen Einsatz bei Autismus zugelassen wurden, sind nichts anderes als Antipsychotika (früher auch Neuroleptika genannt – eine Gruppe Psychopharmaka, die beruhigen und einen Realitätsverlust verhindern sollen). Sie zielen jedoch nicht einmal auf die Kernsymptome des Autismus ab, sondern lediglich auf Begleiterscheinungen und führen ausserdem zu unerwünschten Nebenwirkungen"

so John Slattery, Co-Autor der Studie, die im Oktober 2016 im Springer Fachjournal Molecular Psychiatry veröffentlicht wurde.

Laut aktuellem Stand der Wissenschaft steht Autismus u. a. mit Anomalitäten im Folatstoffwechsel in Zusammenhang. Manche Studien haben auch gezeigt, dass Kinder von Frauen, die vor der Empfängnis und während der Schwangerschaft Folsäure-Nahrungsergänzungen einnahmen, ein geringeres Autismusrisiko tragen.

Folsäure bessert Kommunikationsfähigkeit bei autistischen Kindern

Dr. Richard Frye vom Arkansas Children's Research Institute untersuchte nun mit seinem Team ganz konkret wie eine hochdosierte Folatgabe bei autistischen Kindern wirkt.

48 autistische Kinder in einem Durchschnittsalter von etwa 7 Jahren, die an einer Sprachentwicklungsstörung litten, erhielten 12 Wochen lang entweder hochdosierte Folsäure (2 mg pro Kilogramm Körpergewicht und Tag, maximal 50 mg pro Tag) oder ein Placebo.

Die Verbesserung in der verbalen Kommunikationsfähigkeit war bei den Kindern, die Folsäure erhielten, signifikant grösser als bei jenen, die ein Placebopräparat genommen hatten", berichtet Dr. Frye.

Manche autistischen Kinder reagieren besonders gut auf Folsäure

Interessant an der Untersuchung war ferner, dass man auch spezifische Blutmarker identifizieren konnte, die künftig dabei helfen festzustellen, bei welchen Kindern eine Folsäuretherapie besonders gut anschlagen wird.

Dazu muss man etwas ausholen:

Vor etwa 10 Jahren beschrieben Wissenschaftler einen Zustand, den man als zerebralen Folatmangel bezeichnete (CFD für Cerebral Folate Deficiency). Hier ist die Folatkonzentration im zentralen Nervensystem unterhalb der Normwerte. Im Blut aber ist der Folatwert in Ordnung.

Die Folgen eines CFD können ganz unterschiedlich sein. Eine verzögerte Entwicklung gehört dazu, Schlafstörungen oder epileptische Anfälle. Viele Kinder mit CFD zeigten ausserdem häufig auch Autismus-Symptome.

Gab man den CFD-Kindern nun Folsäure, dann besserte sich ihr Zustand merklich. Bei jenen Kindern, die gleichzeitig auch autistisch waren, gingen die Autismus-Symptome zurück. Also brachte man den chronischen Folatmangel mit einer möglichen Ursache für Autismus in Verbindung.

Autistische Kinder mit bestimmten Antikörpern im Blut brauchen viel Folsäure

Schon in einer früheren Untersuchung konnte das Team rund um Dr. Frye zeigen, dass man bei Kindern mit Autismus häufig sog. Folatrezeptorantikörper finden konnte. Diese Antikörper besetzen die Folatrezeptoren der Zellen und blockieren auf diese Weise die Folataufnahme in die Zelle. Es kommt zu einem Folatmangel im Gehirn.

Die zerstörerische Wirkung der Folatrezeptorantikörper auf die Gehirnentwicklung und Gehirnfunktionen ist längst bestätigt.

In der vorliegenden Studie fanden die Forscher nun heraus, dass jene autistischen Kinder, bei denen sich Folatrezeptorantikörper nachweisen liessen, besonders gut auf eine Folsäuretherapie reagierten. Mit dieser Methode könnte man somit in Zukunft vorab austesten, bei welchen Kindern die Folsäuretherapie besonders wichtig und auch besonders erfolgsversprechend ist.

Folatreiche Ernährung bei Autismus besonders wichtig

Eltern von autistischen Kindern könnten diesen Therapieansatz – falls nicht schon geschehen – mit ihrem Arzt besprechen. Gleichzeitig spricht nichts gegen eine folatreiche Ernährung. Eine solche ist nämlich meist auch besonders gesund. Denn gerade Gemüse, Kräuter, Hülsenfrüchte, Nüsse und manche Früchte liefern sehr viel Folat.

Hier finden Sie Details zu einer folatreichen Ernährung: Folsäurebedarf mit der Ernährung decken

Weitere Informationen zu einer ganzheitlichen Vorgehensweise bei Autismus finden Sie hier:
 

Quellen:



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