Mehr Flavonoide – geringeres Sterberisiko bei Parkinson
In einer 34 Jahre dauernden Studie zeigte sich, dass jene Parkinson-Patienten, die mehr Flavonoide essen, ein geringeres Risiko hatten, während des Studienzeitraumes zu sterben als Patienten, die sich eher flavonoidarm ernährten.
Flavonoide sind Pflanzenstoffe aus der großen Gruppe der Polyphenole. Zu den Flavonoiden wiederum gehören verschiedene Untergruppen:
-Flavanole, z. B. Catechine in Tee, Kakao, Weintrauben und Rotwein und in Zitrusfrüchten,
-Flavone, z. B. Luteolin in Thymian, Rosmarin und Oregano,
-Isoflavone, z. B. Genistein in Sojaprodukten,
-Flavonole, z. B. Quercetin in Zwiebeln und vielen Früchten und Gemüsen und
-Anthocyane in sämtlichen roten und blauen Beeren, in Rotkohl und Auberginen.
Überlebensrate um 70 Prozent höher
„Wenn man regelmäßig flavonoidreiche Lebensmittel verspeist, kann man damit auf ganz einfache Weise seine Lebenserwartung verlängern (2)“, sagte Xinyuan Zhang, Ernährungswissenschaftlerin an der Penn State University und Leiterin oben genannter Untersuchung (2).
An der Studie, die am 26. Januar 2022 im Fachjournal Neurology erschien, nahmen 599 Frauen und 652 Männer teil. Die ProbandInnen hatten kurz vor Studienbeginn eine Parkinson-Diagnose erhalten. Andere Risikofaktoren, die die Lebenserwartung beeinflussen könnten, wurden in der Untersuchung berücksichtigt, wie z. B. das Alter und die täglich verzehrten Gesamtkalorien.
Die Wahrscheinlichkeit, den Studienzeitraum trotz Parkinson zu überleben, war für jene Patienten um insgesamt etwa 70 Prozent höher, wenn sie sich besonders flavonoidreich ernährten (1).
Mehr Anthocyane und Flavanole essen
Schaute man sich zwei der Flavonoide – Anthocyane und Flavanole – genauer an, zeigte sich folgendes Ergebnis: Die Überlebensrate war um 66 Prozent höher, wenn man in der Gruppe jener Teilnehmer war, die am meisten Anthocyane aßen, und um 69 Prozent höher, wenn man in der Gruppe der Teilnehmer war, die am meisten Flavanole zu sich nahmen.
Als flavonoidreich wurde dabei eine Ernährung bezeichnet, die 673 mg Flavonoide pro Tag enthielt. Wer sich flavonoidarm ernährte, nahm nur etwa 134 mg Flavonoide pro Tag zu sich.
Lebensmittel mit Anthocyanen
Hier einige Lebensmittel, die besonders viele Anthocyane enthalten (pro 100 g frisches Lebensmittel). Der Gehalt schwankt stark je nach Sorte, Boden, Region, Umweltbedingungen etc., daher die teilweise recht große angegebene Spanne:
- Apfel 0 – 60 mg (rote Äpfel enthalten viele Anthocyane, gelbe und grüne keine)
- Heidelbeere 300 – 700 mg
- Schwarze Bohne 24 – 44 mg
- Schwarze Olive 42 – 228 mg
- Schwarzer Reis 10 – 493 mg (geschält weniger als ungeschält)
- Schwarze Johannisbeeren 130 – 476 mg
- Kirschen 2 – 450 mg (je dunkler die Sorten, umso höher der Gehalt)
- Apfelbeere (Aronia) 410 – 1480 mg
- Goji 50 mg
- Granatapfelsaft 15 – 252 mg
- Himbeere 20 – 687 mg (je reifer und dunkler, umso höher der Gehalt)
- Rotkohl 322 mg
- Dunkle Trauben 30 – 750 mg
- Roter Rettich 100 – 154 mg
- Felsenbirne 234 mg
Lebensmittel mit Flavanolen
Nachfolgend eine Auswahl mit Lebensmitteln, die einen besonders hohen Flavanolgehalt aufweisen. Flavanole sind – wie die Anthocyane – eine Untergruppe der Flavonoide. Der Gehalt schwankt auch hier stark.
Die Menge bezieht sich auch hier auf 100 g des frischen Lebensmittels:
- Apfel 0,1 – 45 mg
- Aprikosen 0,3 – 11 mg
- Banane 0,1 – 10,3 mg
- Brombeere 3,3 – 23,8 mg
- Kirschen 6,3 – 23 mg
- Trauben 0,1 – 20 mg
- Pfirsich 2 – 17 mg
- Pflaume 3,7 – 79 mg
- Birne 0,4 – 12 mg
- Himbeere 2 – 48 mg
Warum schwanken die Werte so stark?
Der Gehalt schwankt innerhalb ein und desselben Lebensmittels stark, wie Sie sehen können. Der Grund dafür ist, dass der Flavonoidgehalt von vielen Faktoren abhängt, etwa vom Klima, von der Sorte und auch von den Anbaubedingungen. So weiss man beispielsweise, dass Bio-Obst und Bio-Gemüse meist einen deutlich höheren Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen aufweisen (4) als konventionell angebautes Obst und Gemüse.
Was die Sorte angeht, so sind es häufig die alten Obst- und Gemüsesorten oder auch Wildsorten, die einen höheren Gehalt an Pflanzenstoffen aufweisen. In unserem Artikel über Äpfel erklären wir diesen Punkt am Beispiel der Apfelsorten.
So schützen Flavonoide die Nerven im Gehirn
In der Studie wurde nun zwar nicht untersucht, warum und wie genau die Flavonoide das Sterblichkeitsrisiko senkten, doch gehen die Forscher davon aus, dass es u. a. an den antioxidativen Eigenschaften der Pflanzenstoffe liegen könnte, die zu einer Verringerung der bei Parkinson vorliegenden chronischen Nervenentzündung führen könnten.
Es könnte aber auch sein, dass die Flavonoide mit manchen Enzymen interagieren, auf diese Weise den Untergang von Nervenzellen verlangsamen und so vor kognitivem Verfall und Depressionen schützen können – beides steht mit einem erhöhten Sterblichkeitsrisiko bei Parkinson in Zusammenhang.
In früheren Studien hatte sich ausserdem ergeben, dass gesunde Personen ein geringeres Risiko haben, überhaupt erst an Parkinson zu erkranken, wenn sie reichlich Flavonoide verzehren.
Bei Parkinson: Richtige Ernährung hilft
Weltweit leiden etwa 10 Millionen Menschen an der Parkinson Krankheit und jährlich erhalten 60.000 weitere Menschen eine Parkinson-Diagnose. Typische Symptome der neurodegenerativen Erkrankung sind Gleichgewichtsstörungen, Zittern der Arme und ein erhöhter Spannungszustand der Muskulatur.
Die Parkinson Krankheit ist zwar keine Krankheit, die unmittelbar zum Tode führt, doch kann es zu Komplikationen kommen (kognitiver Verfall, Depressionen), die das Sterberisiko erhöhen. Und genau hier kann die richtige Ernährung entgegenwirken und die Lebenserwartung erhöhen bzw. das Sterberisiko reduzieren.
Was bei Parkinson sonst noch wichtig ist
Neben einer pflanzenbasierten Ernährung – die gerne glutenfrei sein darf – ist bei Parkinson auch eine passende Bewegungstherapie wichtig. Tanzen beispielsweise kann hier enorm zur Besserung oder Verlangsamung der Krankheit beitragen.
Genauso wichtig ist aus ganzheitlicher Sicht die Darmgesundheit. Denn längst wird vermutet, dass der Zustand der Darmflora in Verbindung mit einem Leaky Gut Syndrom (durchlässiger Darm) sogar an der Entstehung der Krankheit beteiligt sein könnte.
Bitte nutzen Sie auch unsere Suche und geben in das Suchfeld „Parkinson“ ein. Sie finden dann noch viele andere hilfreiche Tipps und Hinweise, die Sie meist problemlos eigenständig umsetzen und in Ihren Alltag integrieren können.