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Pommes: Prostatakrebs und früher Tod

Pommes: Prostatakrebs und früher Tod

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(Zentrum der Gesundheit) – Frittiertes hatte noch nie einen guten Ruf. Zwei neuere Studien bestätigen, dass man auch weiterhin nicht allzu oft nach Pommes, Berliner & Co. greifen sollte. Wer nämlich mindestens einmal pro Woche Frittiertes isst, erhöht damit bereits sein Prostatakrebsrisiko – vermutlich weil beim Frittieren krebserregende Stoffe im Fett entstehen. Und wer sich zwei- bis dreimal pro Woche Pommes gönnt, hat ein doppelt so hohes Risiko, verfrüht zu sterben als Personen, die Frittiertem nicht so viel abgewinnen können.

Einmal wöchentlich Frittiertes: Höheres Prostatakrebsrisiko

Forscher von der Public Health Sciences Division am Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle schrieben in der Januarausgabe von The Prostate (2013), dass es schon ausreiche, mindestens einmal pro Woche Frittiertes zu essen, um ein erhöhtes Risiko für Prostatakrebs zu haben.

Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass sich Prostatakrebs häufiger einstellt, wenn die Betreffenden gerne hocherhitzte Mahlzeiten zu sich nahmen, wie z. B. Grillfleisch. Die Studie aus Seattle ist jedoch die erste, die sich konkret frittierten Lebensmitteln und ihrem Potential, Prostatakrebs zu begünstigen, widmete.

Frittiertes erhöht auch Risiko für andere Krebsarten

Studienautorin Janet L. Stanford, Direktorin des Hutchinson Center's Program für die Prostatakrebsforschung erklärte:

Die Verbindung zwischen Prostatakrebs und Frittiertem beschränkt sich auf jene Personen, die wirklich häufig Frittiertes essen, nämlich mindestens einmal wöchentlich und mehr. Wer das so handhabt, gehört zur Risikogruppe für Prostatakrebs, hat also ein deutlich höheres Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken als Personen, die nichts Frittiertes essen."

Auch zu anderen Krebsarten gibt es einen Zusammenhang mit der Vorliebe für Frittiertes, beispielsweise mit Brustkrebs, Lungenkrebs, Pankreaskrebs, Hals- und Kopfkrebs sowie mit Speiseröhrenkrebs.

Für ihre Studie untersuchten Janet L. Stanford und ihre Kollegen die Daten von 1.549 Männern, die bereits eine Prostatakrebsdiagnose erhalten hatten und von 1.492 gesunden Männern gleichen Alters. Sie alle stammten aus der Region von Seattle und waren zwischen 35 und 74 Jahre alt.

Protatakrebs ist umso aggressiver, je häufiger Frittiertes auf den Tisch kommt

Die Wissenschaftler stellten fest, dass Männer, die mindestens einmal pro Woche Pommes, frittiertes Hühnchen, frittierten Fisch und/oder Doughnuts assen, ein um 30 bis 37 Prozent höheres Prostatakrebsrisiko hatten als Männer, die weniger oft Frittiertes assen. Ausserdem zeigte sich, dass Männer, die gerne zu Frittiertem griffen, nicht nur häufiger an Prostatakrebs erkrankten, sondern auch noch an einer deutlich aggressiveren Form.

Selbst wenn man noch andere Faktoren (Alter, BMI, Erbanlagen etc.) berücksichtigt, die das Prostatakrebsrisiko ebenfalls beeinflussen können, blieb das erhöhte Risiko durch den Verzehr von Frittiertem bestehen.

Natürlich kann man aus dieser Studie nicht schliessen, dass Frittiertes umgehend Prostatakrebs auslöst, doch vermuten die Forscher, dass es sehr wohl etwas mit dem Fett zu tun haben könnte, das sich während des Frittierprozesses negativ veränderte und daraufhin die Krebszellbildung fördern könnte.

Denn wenn die Temperaturen hoch genug steigen, können sich im Fett giftige Stoffe bilden – dies umso mehr, wenn das Öl mehrfach erhitzt, also immer wieder verwendet wird. Acrylamid kann jetzt entstehen, ausserdem können sich heterozyklische Amine bilden, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Aldehyde und Acrolein (ein besonders giftiges Aldehyd).

Acrylamid bildet sich beim Frittieren oder hohen Erhitzen von kohlenhydratreichen Lebensmitteln, wie z. B. bei der Pommesherstellung. Heterozyklische Amine und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe bilden sich hingegen, wenn Fleisch hohen Temperaturen ausgesetzt wird.

Frittierte Lebensmittel sind überdies bekannt dafür, die höchsten Werte sog. AGEs zu enthalten (Advanced Glycation Endproducts). Es handelt sich um Reaktionsprodukte, die bei der Glykation entstehen und die inzwischen mit chronischen Entzündungsprozessen und oxidativem Stress in Verbindung stehen – zwei Faktoren, die wiederum die Entwicklung von Krebs, aber auch von anderen chronischen Erkrankungen begünstigen können.

Eine Hühnchenbrust beispielsweise, die 20 Minuten lang frittiert wird, enthält 9-mal mehr AGEs als eine Hühnchenbrust, die eine Stunde lang gekoch wird, so Stanfords Team. Vermutet wird nun, dass sich das erhöhte Prostatakrebsrisiko nicht allein auf Frittiertes bezieht, sondern generell auf Fast Food, denn wer häufig Frittiertes isst, isst dieses meist nicht zu Hause, sondern in Fast Food Restaurants.

Wer Pommes liebt, stirbt früher

Wenn nun mit dem Verzehr von Frittiertem ein höheres Krebsrisiko einhergeht, wundern die Ergebnisse einer Studie vom Juni 2017 (The American Journal of Clinical Nutrition) nicht mehr sonderlich.

Luigi Fontana von der italienischen Brescia University Medical School und Kollegen kamen nach der Analyse der Daten von 4.400 Erwachsenen aus den USA zum Schluss, dass sich das Risiko, verfrüht zu sterben, verdoppelt, wenn man zwei bis drei Portionen Pommes frites pro Woche verspeist.

Unfrittierte Kartoffeln bergen kein Gesundheitsrisiko

Kartoffeln zählen zu den Grundnahrungsmitteln. Leider werden sie oft ausschliesslich in verarbeiteter Form, nämlich als Pommes frites oder Chips verzehrt. In den USA beispielsweise werden heutzutage 64 Prozent der Kartoffeln als Pommes und Chips gegessen. In den 1960er Jahren waren es nur 35 Prozent.

Einfache Pellkartoffeln kommen heute also nicht mehr oft auf den Tisch. Gerade diese aber sind ganz und gar nicht schädlich, sondern passen – genau wie Kartoffelpüree oder schonend und fettarm gebratene Bratkartoffeln – als Beilage sehr gut in eine gesunde Ernährung.

Je mehr Pommes, umso höher das Risiko, verfrüht zu sterben

In Fontanas Studie wurden Teilnehmer der Osteoarthritis Initiative (OAI) cohort study untersucht und 8 Jahre lang wissenschaftlich begleitet. Sie waren zwischen 45 und 79 Jahre alt. Im Verlauf der Studie starben 236 Teilnehmer.

Man schaute nun, inwiefern sich der Gesamtverzehr von Kartoffeln, und wie sich der Verzehr von frittierten Kartoffeln auf das Sterberisiko auswirkten. Kartoffeln an sich (unfrittiert verzehrt) beeinflussten den Zeitpunkt des Todes offenbar nicht negativ, problematisch war es nur, wenn man bevorzugt frittierte Kartoffeln, also Pommes, Chips, Kartoffelpuffer etc. mochte.

Wer nämlich zwei bis drei Portionen frittierte Kartoffeln pro Woche ass, hatte ein doppelt so hohes Risiko, verfrüht zu sterben als Personen, die nichts Frittiertes assen. Wer wöchentlich mehr als drei Portionen ass, verstärkte dieses Risiko noch weiter.

Wissenswertes rund um die Kartoffel lesen Sie hier: Kartoffel – Basisch, gesund und heilsam, z. B. ob rohe Kartoffeln giftig sind, ob man die Kartoffelschale nun essen kann oder nicht, welche Nähr- und Vitalstoffe in der Kartoffel enthalten sind und ob die Kartoffel nun dick macht oder nicht.

Quellen:


Ausbildung zum Ernährungsberater an der Akademie der Naturheilkunde


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