Zentrum der Gesundheit
Glauben Sie Ihrem Arzt?

Glauben Sie Ihrem Arzt?

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(Zentrum der Gesundheit) - Sie sind krank. Sie gehen zum Arzt. Er stellt eine Diagnose und verordnet eine Therapie. Stellen Sie seine Verordnungen in Frage? Erkundigen Sie sich nach möglichen Alternativen? Wägen Sie selbst die Vor- und Nachteile der zur Verfügung stehenden Therapiemöglichkeiten ab? Nein? Das aber sollten Sie tun. Eine Umfrage bei Ärzten zeigte, dass viele von ihnen für sich selbst ganz andere Behandlungen wählen würden, als jene, die sie ihren Patienten angedeihen lassen.

Herr Doktor, was würden Sie tun, wenn Sie an meiner Stelle wären?

Stellen Sie sich vor, Ihnen würde eine lebensbedrohliche Krankheit wie zum Beispiel Darmkrebs diagnostiziert. Sie sitzen bei Ihrem Arzt und besprechen mit ihm die in Frage kommenden medizinischen Möglichkeiten. Da nicht Sie, sondern Ihr Arzt ein Medizinstudium der Schulmedizin hinter sich hat, gehen Sie davon aus, dass er wissen muss, welche Therapie die beste ist.

Sie fragen ihn:

"Herr Doktor, was würden Sie tun, wenn Sie an meiner Stelle wären?"

Natürlich erwarten Sie eine ehrliche Antwort. Das Problem jedoch ist, dass Sie sehr wahrscheinlich nicht die Wahrheit gesagt bekommen.

Ärzte sind nicht (immer) ehrlich

Laut einer Studie, die im Jahr 2011 in der April-Ausgabe der Zeitschrift Archives of Internal Medicine (Arch Intern Med. 2011;171(7):630-634) veröffentlicht wurde, ist das, was Ärzte insgeheim für die beste Wahl halten, oft nicht das, was sie Ihren Patienten als die beste Möglichkeit empfehlen.

Beispiel 1: Darmkrebs-Therapie

Peter A. Ubel, M.D., und sein Forscherteam von der Duke Universität in Durham in North Carolina führten eine Umfrage bei 500 amerikanischen Hausärzten durch. Man stellte den Medizinern zwei Therapiemöglichkeiten für Patienten mit Diagnose Darmkrebs vor und bat sie um ihre Patienten-Empfehlung.

Bei beiden zur Auswahl stehenden Therapien handelte es sich um Operationen, die - nach schulmedizinischen Erkenntnissen - den bösartigen Tumor im Darm bei 80 Prozent der Patienten heilen könnten.

Die Sache hatte jedoch - natürlich - einen Haken. So war Operation Nr. 1 zwar für eine höhere Sterblichkeitsrate bekannt, hatte jedoch - einmal überlebt - weniger negative Nebenwirkungen.

Operation Nr. 2 zeichnete sich durch eine höhere Überlebensrate aus, brachte aber auch häufiger unangenehme Begleiterscheinungen mit sich, wie zum Beispiel der Notwendigkeit eines künstlichen Darmausganges, chronischem Durchfall, Darmverschluss oder Wundinfektionen.

Ärzte meiden nebenwirkungsreiche Therapien - empfehlen sie aber ihren Patienten

Fast die Hälfte der Ärzte gab den betreffenden Fragebogen zurück. 37,8 Prozent von ihnen gaben an, dass sie - im Falle einer eigenen Darmkrebs-Diagnose - für sich persönlich Operation Nr. 1 wählen würden, also jene mit der höheren Sterblichkeitsrate, aber einer geringeren Wahrscheinlichkeit für ernsthafte Nebenwirkungen.

Ihren Patienten aber hätte ein Grossteil dieser Ärzte Operation Nr. 2 (geringere Sterblichkeitsrate, grössere Wahrscheinlichkeit für ernsthafte Nebenwirkungen) als die bessere Therapie empfohlen.

Beispiel 2: Vogelgrippe-Therapie

Bei einer zweiten Umfrage wurden 1.600 Ärzte zum Thema "Vogelgrippe" befragt. Von der Hälfte dieser Ärzte wollten die Wissenschaftler wissen, wie sie sich selbst behandeln würden, falls sie während einer neuen Vogelgrippe-Welle von dieser Krankheit infiziert würden.

Die andere Hälfte der Ärzte sollte sich dazu äussern, welche Therapie sie Patienten nahe legen würden, die an Vogelgrippe litten.

Höheres Sterblichkeitsrisiko

Zur Auswahl stand lediglich eine einzige Therapiemöglichkeit (Verabreichung von Immunogobulinen) und die Ärzte sollten sich für oder gegen diese entscheiden. Die Sterblichkeitsrate von Patienten, die keine Immunoglobuline verabreicht bekämen, so hiess es in der Umfrage, betrüge 10 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit einer Einweisung ins Krankenhaus (mit durchschnittlicher Aufenthaltsdauer von 1 Woche) liege - ohne Immunoglobuline - bei 30 Prozent.

Allerdings könne auch die Immunoglobulin-Therapie zum Tode führen - aber nur bei einem Prozent der Patienten. Dauerhafte neurologische Lähmungen - als Nebenwirkung der Immunoglobulin-Therapie - erwarte man jedoch bei immerhin vier Prozent der Patienten.

Ärzte meiden Nebenwirkungen, muten sie aber ihren Patienten zu

698 der 1.600 befragten Ärzte beteiligten sich an der Umfrage. 62,9 Prozent von ihnen gaben an, dass sie persönlich die Behandlung mit Immunoglobulinen ablehnen würden, da ihnen das Risiko ernsthafter Nebenwirkungen zu gross sei. Wenn die Ärzte jedoch für ihre Patienten entscheiden sollten, dann empfahl die grosse Mehrheit der Mediziner die Behandlung mit Immunoglobulinen.

Wenn Ärzte raten, ändert sich ihre Denkweise

Patienten, die sich in schwierigen Situationen befinden, fragen oft ihren Arzt um Rat, erklärten die Autoren. Es ist jedoch wenig darüber bekannt, inwieweit die Entscheidung der Ärzte dadurch beeinflusst wird, dass es sich um einen Ratschlag handelt, der nicht sie selbst, sondern "nur" einen Patienten betrifft.

Die Zielperson der Therapie gibt also den Ausschlag für die Art der ärztlichen Empfehlung. Ist es der Arzt selbst oder ein Familienmitglied, das ihm am Herzen liegt, dann fällt diese Empfehlung oft ganz anders aus, als im Falle eines Patienten. Dr. Ubel schlussfolgerte daher, dass allein der Akt des Empfehlens die Denkweise des Arztes (bezüglich einer medizinischen Therapieauswahl) zu ändern scheine.

Angst vor juristischen Konsequenzen

Eine andere logische Erklärung könnte sein, dass Ärzte rechtliche Konsequenzen fürchten. Wenn sie beispielsweise eine Behandlung empfehlen, die eine höhere Sterblichkeitsrate aufweist und der Patient stirbt, dann könnten die Familienmitglieder Anklage erheben.

Entscheiden Sie selbst!

Was auch immer die Erklärung für den Ausgang dieser Studie sein mag, so ist eines glasklar:

  • Die Therapie-Empfehlung eines Arztes ist nicht über jeden Zweifel erhaben.
  • Verlassen Sie sich also nicht auf den Rat eines einzigen Arztes. Holen Sie erstens mehrere Experten-Meinungen ein und sammeln Sie zweitens eigenständig sämtliche Informationen über die zur Auswahl stehenden Therapiemöglichkeiten.

Wägen Sie daraufhin SELBST ab, welche Therapie Ihnen eher zusagt und entscheiden Sie sich erst dann für einen Weg, wenn Sie das Gefühl haben, dass alle Ihre diesbezüglichen Fragen zufrieden stellend beantwortet wurden und Sie einen Therapeuten gefunden haben, bei dem Sie sich wohl, ernst genommen und verstanden fühlen.

Ärzte und Handwerker

Es ist wie mit den Handwerkern. Stellen Sie sich vor, Sie haben die Maler im Haus. Je mehr sie über Farbqualitäten, Imprägnierungen, Arbeitsmethoden etc. wissen, um so eher sind Sie dazu in der Lage, fähige Handwerker zu engagieren oder rechtzeitig zu erkennen, wenn die bereits engagierten "Experten" pfuschen.

Bei der Ärztewahl ist es nicht anders. Je mehr Sie selbst über deren Fachgebiet wissen, um so leichter fällt Ihnen die korrekte Beurteilung eines Therapeuten und um so erfolgreicher verläuft Ihre Suche nach einem Arzt, der Sie in Ihrem Sinne betreuen kann.

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