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Wissenschaftliche Studien: Nichts als Betrug?

Wissenschaftliche Studien: Nichts als Betrug?

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(Zentrum der Gesundheit) - Glauben Sie nur das, was mit wissenschaftlichen Studien belegt werden kann? Das ist nicht immer klug – wie ein US-amerikanischer Journalist unlängst bewies. Er verfasste eine komplett gefälschte Studie und schickte sie dann an über 300 Online-Fachzeitschriften mit der Bitte um Veröffentlichung. Normalerweise müssen wissenschaftliche Studien vor Publizierung von weiteren Experten auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft werden. Was schätzen Sie? Wie viele Zeitschriften akzeptierten die gefälschte Studie?

Vertrauen auch Sie wissenschaftlichen Studien?

Gehören auch Sie zu jenen Menschen, die an nichts mehr glauben oder gar selbst anwenden, wenn es nicht von einer hieb- und stichfesten wissenschaftlichen Studie – selbstverständlich placebokontrolliert, doppelblind und in einem Fachmagazin veröffentlicht – nachgewiesen wurde?

Manchmal wundert man sich, dass sich diese Menschen überhaupt noch aus dem Haus wagen, ohne zuvor eine wissenschaftliche Studie über die Sinnhaftigkeit oder das Gefahrenpotential des Aus-dem-Haus-Gehens abgewartet zu haben.

Brauchen wir wirklich für alles eine Studie?

Die plausibelsten Dinge werden plötzlich hinterfragt – nur weil es dafür gerade keine akzeptable wissenschaftliche Studie zu geben scheint.

Da kennt man beispielsweise bestimmte Kräuter, die seit Jahrtausenden höchst erfolgreich für diesen oder jenen Zweck eingesetzt werden. Doch plötzlich werden deren Ungefährlichkeit und auch deren heilende Eigenschaften, die sich eigentlich schon längst bewährt haben, massiv angezweifelt – nur weil es (noch?) keine wissenschaftliche Studie dazu gibt.

Oder nehmen Sie das kolloidale Silber. Sensationelle Erfolge insbesondere bei bakteriellen Erkrankungen wie z. B. Staphylokokkeninfektionen gehen auf sein Konto. Wer das kolloidale Silber selbst schon erlebte, weiss, wie hilfreich es sein kann.

Die Studienfreaks jedoch bleiben hartnäckig und rufen:

"Wo ist Ihre perfekt designte klinische Studie, die an mindestens 100.000 Patienten mit Nasennebenhöhlenentzündung zeigt, dass diese mit kolloidalem Silber schneller genesen als die Placebogruppe, die selbstverständlich ebenfalls aus 100.000 Probanden bestehen sollte?"

Gleichzeitig warnen die Studienfreunde voller Inbrunst vor kolloidalem Silber, weil es Einzelfälle mit Argyrie gibt. Argyrie bezeichnet die blaugraue Hautfverfärbung (am ganzen Körper) infolge einer Silbereinlagerung.

Im Netz kursieren dazu auch Fotos und Berichte. Im Grunde jedoch sind es immer dieselben zwei oder drei Fotos von denselben zwei oder drei Menschen, die zudem schon seit Jahrzehnten unter der Argyrie leiden.

Nun haben aber Millionen Menschen kolloidales Silber in ihrer Hausapotheke stehen und nutzen es bei Bedarf, ja viele Menschen führten überdies Hochdosistherapien mit kolloidalem Silber durch (z. B. bei Borreliose).

Andere – nicht wenige – Menschen nehmen kolloidales Silber jahrelang tagtäglich als Nahrungsergänzungsmittel ein (obwohl es das nicht ist) – und trotzdem wird keiner von ihnen blau.

In Anbetracht all dieser Millionen Anwender von kolloidalem Silber müssten eigentlich – wenn die Gefahr einer Argyrie durch kolloidales Silber realistisch wäre – jeden Tag viele neue Argyrie-Fälle bekannt werden. Das aber geschieht nicht.

Dass es überdies keine einzige wissenschaftliche Studie gibt, die zeigen würde, dass der vorschriftsmässigen Einnahme von hochwertigem kolloidalem Silber eine Argyrie folgen können soll, interessiert an dieser Stelle übrigens niemanden – (seltsamerweise) ganz besonders nicht die Studiengläubigen.

Wissenschaftliche Studien für alltägliche Dinge?

Ja, es geht sogar so weit, dass verlangt wird, sogar im Grunde einleuchtende Dinge gefälligst mit wissenschaftlichen Studien zu belegen.

Wir schreiben also beispielsweise, dass die naturbelassene basenüberschüssige Ernährung gesünder ist als die herkömmliche Ernährung. Sofort treffen die Mails der Studienabhängigen ein:

"Woher wollen Sie wissen, dass die basenüberschüssige Ernährung gesünder ist? Haben Sie wissenschaftliche Studien dazu?"

"Wie können Sie behaupten, Süssigkeiten seien ungesund? Und vor allem in welcher Dosis? Dazu gibt es keine einzige plausible randomisierte placebokontrollierte peer-reviewed Doppelblindstudie."

"Wo sind Ihre wissenschaftlichen Studien zur Aussage, dass die herkömmliche Ernährung aus Chips, Kuchen, Pizza und Currywurst Krankheiten fördern können soll?"

"Bitte belegen Sie ordnungsgemäss mit anerkannten wissenschaftlichen Studien, dass das Trinken von Wasser gesünder sein soll als das von Cola. Andernfalls muss ich alle Ihre Artikel in Frage stellen und gehe davon aus, dass Sie lediglich darauf abzielen, die Lebensqualität Ihrer Leser einzuschränken und diesen nicht einmal mehr ihren täglichen Liter Cola gönnen."

"Sie behaupten, Milchkühe wären unglücklich, weil sie schreien, wenn man ihnen das Kalb direkt nach der Geburt wegnimmt. Mir ist keine einzige wissenschaftliche Studie bekannt, die sich dem emotionalen Zustand der Milchkühe widmen würde. Es könnte also genauso sein, dass die Kühe vor Erleichterung und Glück schreien, weil ihnen jetzt die mühsame Aufzucht ihrer Nachkommen erspart bleibt."

Und so weiter und so fort…

Nur wissenschaftlich abgesegnete Pillen kommen in Frage

Bei Unwohlsein und Krankheit schluckt der Studienhörige daher mit Begeisterung die Pillen der Pharmaindustrie. Denn zu Arzneimitteln liegen so wunderbare und zahlreiche Studien vor – an Millionen Mäusen, Ratten, Hasen, Meerschweinchen, Hunden und mit etwas Glück letztendlich auch an ein paar Menschen.

Bei so viel vorausgegangenem Tierversuchsleid kann man die Pharma-Pillen offenbar beruhigt geniessen! Schliesslich ist es – aus Sicht der Versuchstiere – ein Privileg, sich der Wissenschaft zur Verfügung zu stellen und sein Leben für die Behebung der menschlichen Zivilisationskrankheiten opfern zu dürfen – und all das selbstverständlich nur, um dem Menschen zu helfen, seine oft hausgemachten Beschwerden mit Pillen zu beheben, weil er bloss nichts an seiner Lebensweise ändern möchte.

"Keine Nebenwirkung, keine Wirkung"

Zwar weiss man, dass jene wissenschaftlichen Studien, die Nebenwirkungen aufzeigen, gerne mal die Eigenschaft entwickeln, sich auf unerklärliche Weise in Luft aufzulösen. Doch macht das nichts.

Denn schliesslich sind wir doch alle perfekt programmiert und wissen, dass zugelassene Medikamente Nebenwirkungen haben MÜSSEN. "Keine Nebenwirkung, keine Wirkung", so hat man uns eingebläut, nicht wahr?

Und schon sind wir mitten im Thema. Genau so, wie sich Studien oder Studiendetails nämlich in Luft auflösen können, so können sie auch quasi aus dem Nichts überhaupt erst auftauchen – und zwar durchaus direkt in einer Fachzeitschrift.

Vermeintlich wissenschaftliche Studien lassen sich nämlich noch viel leichter fälschen (und veröffentlichen), als bisher angenommen wurde.

Wenn man bislang glaubte, dass vor der Veröffentlichung einer wissenschaftlichen Studie vielleicht am einen oder anderen Detail noch ein wenig gedreht wird, dass ein weiteres unter den Tisch fällt und ein drittes dazu gedichtet wird, so sind „Anpassungen“ dieser Art regelrecht harmlos im Vergleich zu John Bohannons Experiment.

Gefälschte Studie wird von 157 Fachzeitschriften akzeptiert

Der US-amerikanische Journalist John Bohannon dachte sich nämlich einfach eine komplette Studie aus. Gemeinsam mit Mitarbeitern der Harvard Universität brachte er den gefälschten Artikel in die richtige Form, so dass er eine offizielle Optik erhielt und fachmännisch klang.

Zum Schluss baute er einige offensichtliche Fehler in die Daten, Methoden und die Conclusion (Schlussfolgerung) ein. Ja, er fügte sogar noch ein Schaubild ein, das im direkten Gegensatz zu den Daten im Artikel stand.

Bohannon sandte sodann zwischen Januar und August 2013 den mehr als offensichtlich falschen Artikel an 304 Online-Fachzeitschriften, um ihn für eine Veröffentlichung prüfen zu lassen.

Das schockierende Ergebnis war, dass über sechzig Prozent der Fachzeitschriften den gefälschten und fehlerhaften Artikel von Bohannon akzeptierten, die Gebühren für die Publikation verlangten und die gefälschte Studie in ihren Zeitschriften veröffentlicht hätten.

Mit anderen Worten: Bohannon erhielt sage und schreibe 157 Zusagen für seine fehlerhafte Studie und nur 98 Ablehnungen. Von den übrigen 49 Online-Magazinen schien es 29 gar nicht mehr zu geben bzw. meldeten sich nicht. 20 weitere benötigten für die Prüfung der Studie mehr Zeit, als Bohannon für sein Experiment zur Verfügung stellte.

Prüfung von wissenschaftlichen Studien findet sehr häufig nicht statt

„Ich erwartete zehn bis fünfzehn Prozent oder im schlimmsten Fall 25 Prozent Zusagen. Es akzeptierten jedoch unglaubliche 61 Prozent meine gefälschte Studie!“, erzählte Bohannan und fügte hinzu: „Die Prüfung durch Fachleute ist in einem schlechteren Zustand als man es sich je hätte vorstellen können.“

61 Prozent der Fachjournale zeigten also kaum Anzeichen dafür, dass die bei ihnen veröffentlichten wissenschaftlichen Studien in irgendeiner Weise von Experten geprüft würden.

Da ferner Bohannons eingebaute Fehler derart offensichtlich waren, dass u. U. auch ein Nicht-Fachmann diese beim blossen Durchlesen hätte erkennen können, ist davon auszugehen, dass viele wissenschaftlichen Studien vor Veröffentlichung nicht einmal gelesen werden – man also einfach froh zu sein scheint, möglichst viele Studien zu publizieren und daraufhin die entsprechenden Gebühren einstreichen zu können.

"In Fachmagazinen herrschen Zustände wie im Wilden Westen"

Bohannan sagte, dass viele der Online-Magazine nicht einmal Fehler bemerkten, die von jedem, „der etwas mehr als Grundkenntnisse in Chemie besitzt“, hätten erkannt werden müssen. Diese Stichprobe zeige, dass in den wissenschaftlichen Redaktionen mancher Online-Fachmagazine Zustände wie im Wilden Westen herrschen, so Bohannon.

Und selbst wenn nun ein Review (eine Überprüfung) stattfand, dann bezog sich dieses bei einem grossen Teil der Verlage lediglich auf das Layout der Studie, das Format und die Sprache, weniger auf die Inhalte.

Nur 36 Journale machten Bohannon auf die einen oder anderen wissenschaftlichen Mängel der Studie aufmerksam. Doch auch von diesen 36 Magazinen akzeptierten letztendlich immerhin noch 16 den Artikel – trotz seiner fürchterlichen Fehler.

Fachmagazine in Drittweltländern imitieren seriöse Journale

Viele der Journale, die Bohannons gefälschte Studie veröffentlichen wollten, tragen Namen wie American Journal of Medical and Dental Sciences oder European Journal of Chemistry. Damit klingen sie ähnlich wie seriöse Magazine und versuchen in den Genuss von deren Ruf zu gelangen.

Allerdings sind die wenigsten dieser Journale dann auch tatsächlich in den USA oder in Europa ansässig. So führten die IP Adressen der beiden oben genannten Journale beispielsweise nach Pakistan und in die Türkei.

"Wir gehen davon aus, dass die Daten korrekt sind"

Der Chefredakteur des European Journal of Chemistry, Hakan Arslan, Professor für Chemie an der Mersin University in der Türkei meinte, dass hier nicht ein Mangel an fachmännischer Überprüfung vorliege, sondern vielmehr ein Vertrauensbruch von Seiten Bohannons.

Wenn nämlich eine Studie eingereicht werde, so Arslan in seiner Mail an Bohannon, „dann gehen wir davon aus, dass es sich um eine Originalstudie handelt und alle gelieferten Informationen korrekt sind.“

Das American Journal of Medical and Dental Sciences nahm hingegen gar nicht erst Stellung.

Ein Drittel der Journale, denen Bohannon seine Studie geschickt hatte, befanden sich in Indien, dem weltgrössten Stützpunkt für wissenschaftliche Veröffentlichungen mit freiem Zugang. Meist war der Standort nur über die Bankdaten erkennbar. 64 der indischen Fachzeitschriften akzeptierten die Studie, nur 15 lehnten sie ab.

Die USA folgen als zweitgrösster Stützpunkt für frei zugängliche Veröffentlichungen. Doch auch hier gab es 29 Annahmen im Vergleich zu 26 Ablehnungen.

Grosskonzerne streichen die Gewinne ein

Interessant ist jedoch, dass selbst wenn die Herausgeber und Bankkonten der Journale in Drittweltländern lokalisiert sind, Firmen in den USA und Europa deren Profite einstreichen. In einigen Fällen sitzen führende akademische Verlage an der Spitze eines ganzen Journal-Netzwerkes.

Und so akzeptierten durchaus auch Journale, die zu renommierten Verlagsunternehmen wie Elsevier, Wolters Kluwer und Sage gehören, die gefälschte Studie von Bohannon.

Profit wichtiger als qualitativ hochwertige wissenschaftliche Studien

Bohannans Experiment zeigt also, dass viele Online-Zeitschriften nicht einmal grobe Fehler in einer wissenschaftlichen Studie entdecken können. Eine verlässliche Prüfung durch Sachverständige, die bewusst und verantwortlich durchgeführt wird, findet keineswegs selbstverständlich statt. Viele Fachzeitschriften veröffentlichen vielmehr wissenschaftliche(?) Studien, um Gebühren berechnen zu können.

Noch schlimmer natürlich ist es, wenn die Fehler zwar entdeckt wurden, die Studie aber dennoch veröffentlicht worden wäre, WENN der Autor einen Betrag in Höhe von Tausenden von Dollar bezahlt hätte – wie Bohannon angeboten worden war.

Während nun die traditionellen akademischen Print-Magazine strenge Richtlinien befolgen müssen, mit Hilfe derer man falsche wissenschaftliche Informationen auszusondern hofft, bieten Online-Zeitschriften Konzernen die attraktive Möglichkeit, solche Studien und Informationen zu veröffentlichen, welche die Interessen und Geschäfte der Industrie stützen und sich weniger an der Wahrheit orientieren.

Wer also nur das glaubt, was mit vermeintlich wissenschaftlichen Studien belegt werden kann, läuft schnell Gefahr, nicht nur Opfer seines anspruchsvollen Intellekts zu werden, sondern auch eines Schwindels.

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Quellen:



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