Kann eine Chemotherapie Todesursache sein?
Nach einer Krebsdiagnose gibt es laut Schulmedizin nicht sehr viele Wahlmöglichkeiten. Oft wird operiert, häufig bestrahlt und sehr häufig mit einer Chemotherapie behandelt. Die entsprechenden Medikamente nennt man Zytostatika.
Zytostatika wirken sich hemmend auf das Wachstum jener Zellen aus, die eine sehr hohe Zellteilungsrate aufweisen, sich also sehr schnell vermehren. Krebszellen tun das, aber auch Blutzellen, die Zellen der Haarfollikel sowie die Zellen der Magen- und Darmschleimhaut.
Daher entstehen auch die typischen Nebenwirkungen:
Durchfall, Übelkeit, Erbrechen und Haarausfall sowie Anämien (Blutarmut) mit starker Abgeschlagenheit und Müdigkeit.
Eine Therapie mit Zytostatika kann in manchen Fällen aber auch direkt oder indirekt zum Tod beitragen oder selbst die unmittelbare Todesursache sein.
Todesursache Chemotherapie: Inwiefern kann die Therapie tödlich sein?
Wenn eine Chemotherapie auch zur Todesursache werden kann, dann bedeutet das nicht, dass sie „typischerweise tödlich“ ist. Sie wird eingesetzt, weil der erwartete Nutzen höher eingeschätzt wird als das Risiko. Aber sie greift stark in den Körper ein und kann schwere Komplikationen verursachen.
Mögliche tödliche Komplikationen sind zum Beispiel schwere Infektionen durch Unterdrückung des Immunsystems, Organversagen (z. B. Herz, Leber, Lunge), Blutungen, Sepsis oder eine massive Schädigung des Knochenmarks.
Manche Medikamente sind dafür bekannt, bestimmte Organe stark zu belasten, etwa Doxorubicin (Herz) oder auch Cisplatin (Nieren, Nerven).
Wenn in der Todesbescheinigung "Todesursache Chemotherapie" steht
In Todesbescheinigungen wird dann oft differenziert zwischen a.) Todesursache Krebs und b.) Todesursache Chemotherapie bzw. Todesursache infolge einer Komplikation der Therapie.
Konkret steht dann in der Bescheinigung im Feld Todesursache z. B. „Tod infolge einer Sepsis unter Chemotherapie bei Leukämie" oder „Therapiebedingte Komplikationen.“
Gerade bei sehr aggressiven Behandlungen — etwa bei Leukämien oder Knochenmarktransplantationen — ist das Risiko schwerer Nebenwirkungen bekannt und muss sorgfältig gegen die Erfolgschancen abgewogen werden.
Therapieresistenz: Wenn die Therapie nicht mehr wirkt
Wenn ein Tumor nach einer ersten Behandlung wiederkommt (Rezidiv) oder therapieresistent wird, werden oft aggressivere Behandlungsstrategien eingesetzt — und dadurch steigt häufig auch das Risiko schwerer Nebenwirkungen.
Typische Vorgehensweisen sind höhere Dosierungen, Kombination mehrerer Chemotherapeutika, ein Wechsel auf toxischere Medikamente, eine Hochdosis-Chemotherapie, eine Kombination mit Immun- oder Strahlentherapie oder auch - bei manchen Krebsarten - eine Stammzell-/Knochenmarktransplantation.
Dies kann gefährlicher werden als eine "normale" Chemotherapie. Denn einerseits ist der Körper oft bereits geschwächt. Frühere Therapien haben Knochenmark und Organe belastet - und die Reserven von Herz, Nieren, Leber usw. können reduziert sein.
Andererseits haben stärkere Medikamente oder aggressivere Therapien auch stärkere Nebenwirkungen. Das Infektionsrisiko steigt, die Organtoxizität ist schwerer und die Blutbildungsstörungen, die Erschöpfung und die Nervenschäden treten stärker in Erscheinung.
Trotzdem bedeutet „aggressiver“ nicht automatisch „unangemessen“. Bei manchen Krebsarten können solche Therapien rettend sein oder die Überlebenszeit deutlich verlängern. Bei manchen Patienten können die Therapien aber auch Todesursache sein, also früher zum Tod führen, als es der unbehandelte Krebs getan hätte.
Wie entstehen resistente Krebszellen?
Wie aber kommt es überhaupt dazu, dass ein Tumor Resistenzen gegen Zytostatika entwickeln kann? Allzu viel weiß man in diesem Bereich noch nicht. Erklärungsmodelle gibt es jedoch einige:
Da Zytostatika beispielsweise nur auf jene Zellen tödlich wirken, die sich gerade teilen, geht man von der Existenz einzelner „schlafender“ Krebszellen aus. Diese bleiben aufgrund ihrer Inaktivität von der Chemotherapie verschont. Irgendwann wachen sie jedoch auf, wechseln in die Teilungsphase und wachsen zu einem neuen Tumor heran.
Eine andere Möglichkeit wäre, dass manche Tumoren aus Zellen bestehen, die über eine äußerst gute Entgiftungsfähigkeit verfügen. Das heißt, sie nehmen die Zytostatika zwar zunächst auf, werfen sie aber genauso schnell wieder aus der Zelle hinaus. Auf diese Weise können ihnen die Medikamente nichts anhaben.
Studie: Chemotherapie fördert die Entstehung resistenter Krebszellen
US-Wissenschaftler am Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle/USA entdeckten im Jahr 2012 einen bislang unbekannten Mechanismus, der erklären könnte, warum sich Krebszellen anfangs noch von Zytostatika bekämpfen lassen, später aber nicht mehr (3).
Peter S. Nelson, M.D., der leitende Wissenschaftler und seine Kollegen fanden heraus, dass unter dem Einfluss einer Chemotherapie völlig gesunde Fibroblasten (Bindegewebszellen) nicht nur einen, sondern mehrere Wachstumsfaktoren (z. B. das Protein WNT16B) an ihre Umgebung aussenden (2).
Die Fibroblasten tun dies, weil sie hoffen, damit die durch die Chemo-Medikamente eingetretenen Gewebeschäden möglichst schnell wieder reparieren zu können. Doch treffen die Wachstumsfaktoren auch auf benachbarte Krebszellen und stimulieren diese zu einem raschen und verstärkten Wachstum.
Das Protein WNT16B sorgt außerdem nicht nur für Wachstum, sondern verhilft den Krebszellen auch dazu, das umgebende Gewebe leichter durchdringen und sich den Zytostatika besser widersetzen zu können.
Die Forscher berichten von einer bis zu 30-fach höheren Produktion von Wachstumsfaktoren unter dem Einfluss von Chemotherapien. In einem solchen Fall kann die Therapie Todesursache sein, weil sie den Krebs entsprechend stärkt.
Ganzheitliche Konzepte sollten jede Krebstherapie begleiten
Wichtig für Betroffene ist daher, in jedem Fall – auch wenn eine Chemotherapie durchgeführt wird – begleitend ganzheitliche Maßnahmen umzusetzen (in Absprache mit dem Arzt).
Denn diese können nicht nur das Wohlbefinden und die Gesundheit insgesamt sowie die Verträglichkeit von Krebsmedikamenten verbessern, sondern auch dazu beitragen, das Rückfallrisiko zu reduzieren.
Dazu gehören insbesondere eine gesunde Ernährung, adäquate Bewegung, die Behebung möglicher Vitalstoffmängel, ein gutes Stressmanagement, der Einsatz von alternativen Therapiemethoden sowie die Beschäftigung mit möglichen seelischen Aspekten der Erkrankung.
Lesen Sie dazu gerne unseren Artikel Das 3E-Programm gegen Krebs.