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Leukämie und Valin: Krebs durch Aminosäure beschleunigt?

Eine bestimmte Aminosäure – Valin – spielt offenbar eine wichtige Rolle bei der Akuten Lymphatischen Leukämie ALL. In einer Studie zeigte sich, dass die Aminosäure, das Krebswachstum beschleunigte und dass umgekehrt eine valinarme Ernährung den Krebs bremsen konnte.

Fachärztliche Prüfung: Gert Dorschner
Stand: 11 Mai 2026
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Ernährung bei Akuter Lymphatischer Leukämie

Die Akute Lymphatische Leukämie (ALL) wird auch als Blutkrebs oder Akute Lymphoblastische Leukämie bezeichnet. Sie kommt am häufigsten bei Kindern unter 5 Jahren vor. Ab dem 6. Lebensjahr sinkt das Risiko für die Krankheit deutlich und nimmt erst wieder ab dem 50. Lebensjahr zu. Die Akute Lymphatische Leukämie wird sofort mit einer Chemotherapie behandelt. Auch Bestrahlung und Knochenmark- bzw. Stammzelltransplantationen kommen zum Einsatz.

Bei der Akuten Lymphatischen Leukämie empfahl man lange Zeit eine keimfreie Ernährung (die sog. Aplasie-Kost) – nicht weil es dem kranken Körper helfen würde, sich vom Krebs zu befreien, sondern weil die Therapie das Immunsystem so weit herunterfährt, dass man Angst hatte, Keime in der Ernährung könnten den anfälligen Patienten noch kränker machen. Aus diesem Grund müssen die Kranken während der Therapie häufig auch in Isolation leben.

Keimfreie Ernährung – Aplasie-Kost

Der Begriff Aplasie bedeutet eigentlich „Nicht-Vorhandensein eines Organs“. Bei der Aplasie-Kost bezieht sich der Begriff auf das Nicht-Vorhandensein der gesunden Knochenmarkfunktion (im Knochenmark werden die Zellen des Immunsystems gebildet). Das Knochenmark wird bei der Blutkrebs-Therapie zunächst zerstört (da es die kranken Blutkrebszellen bildet). Anschliessend wird neues Knochenmark transplantiert, das dann wieder gesunde Zellen bilden soll.

Bei der Aplasie-Kost sind frisches Obst und Gemüse, Salate sowie frisch gepresste Obst- und Gemüsesäfte tabu. Auch Vollkornprodukte darf man nicht essen, genausowenig frische Nüsse und probiotische Joghurts. Alles – inklusive Fleisch und Fisch – muss gut gekocht und durchgegart sein.

Obst soll man aus der Dose essen und wenn man Kräuter zum Würzen verwendet, müssen auch diese erst abgekocht werden. Im Grunde ist bei dieser Kost alles verboten, was (aus naturheilkundlicher Sicht) dem Organismus bei der Heilung helfen könnte (1).

Keimfreie Ernährung doch nicht so gut

Mittlerweile liegen jedoch Erkenntnisse vor, dass die seit 1966 empfohlene keimfreie Kost bei isolierten Patienten keine Vorteile bietet. Im Gegenteil, sie fördere die Gewichtsabnahme und sei ausserdem wenig appetitlich – so Forscher der Uni Köln.

In der dortigen Uniklinik kocht man nun nach dem Motto „Lasst sie haben, was sie wollen“(3). Das heisst, es gibt auch Vollkornprodukte, gewaschenes Obst und Süssigkeiten.

Neben der Aplasie-Kost gibt es bei der Akuten Lymphatischen Leukämie noch Empfehlungen, welche Lebensmittel man essen könnte, um die Wirkung der Chemotherapie zu unterstützen bzw. welche man nicht essen sollte, da sie die Chemo-Wirkung abschwächen könnten.

Allerdings kommt es hier auf das verwendete Chemo-Medikament an. Wird z. B. Cytarabin eingesetzt, soll man laut mancher Webseiten bei der B-Zell ALL z. B. Adzuki-Bohnen meiden, aber Mandeln essen – umfangreiche Studien dazu gibt es aber unseres Wissens nach nicht (5).

Studie: Aminosäure Valin fördert den Krebs

Was fehlt, sind echte Ernährungstipps, die direkt auf das Krebsgeschehen einen heilenden (!) Einfluss haben könnten. Forscher von der pathologischen Fakultät der New York University und dem Laura and Isaac Perlmutter Cancer Center haben dazu nun erste Erkenntnisse gesammelt. Ihre Studie erschien am 22. Dezember 2021 im Fachjournal Nature.

Darin heisst es, dass bei der T-Zell-Form der Akuten Lymphatischen Leukämie in den entarteten T-Zellen bestimmte Gene aktiver seien als in den gesunden T-Zellen (2) – und genau diese Gene verbrauchen offenbar besonders viel der Aminosäure Valin.

T-Zellen bei der Akuten Lymphatischen Leukämie

T-Zellen gehören zu den Lymphozyten, einer Gruppe von Abwehrzellen des Immunsystems. T-Zellen haben dabei die Aufgabe, ständig im Körper zu patrouillieren und die körpereigenen Zellen auf krankhafte Veränderungen hin zu überprüfen.

Wenn bei der Akuten Lymphatischen Leukämie die T-Zellen entarten und sich unkontrolliert vermehren, spricht man von der T-Zell ALL. Sie macht 25 Prozent aller ALL-Erkrankungen aus. Die übrigen 75 Prozent der ALL-Betroffenen leiden an der B-Zell ALL. B-Zellen sind ebenfalls Zellen des Immunsystems.

Ohne Valin sterben die Krebszellen

Wenn man die oben genannten Valin-abhängigen Gene blockiert, nimmt der Valingehalt in den befallenen T-Zellen ab und die entarteten Zellen wachsen nicht mehr weiter – zumindest in Laborversuchen. Nur 2 Prozent der entarteten T-Zellen blieben bei den entsprechenden Versuchen am Leben.

Eine andere wichtige Beobachtung der Forscher ist, dass bei Patienten mit Leukämie besonders häufig eine Mutation in der DNA eines bestimmten Gens (es heisst NOTCH1) beobachtet wird. Durch diese Mutation wird der Krebsprozess vorangetrieben und zwar abhängig vom Valinspiegel.

Valinarme Ernährung stoppt Blutkrebs bei Mäusen

Als die Forscher Mäusen (die an Leukämie erkrankt waren) drei Wochen lang valinarmes Futter gaben, stoppte der Blutkrebs. Auch die Zahl der zirkulierenden Blutkrebszellen nahm um mindestens die Hälfte ab. In manchen Fällen sank die Zahl auf Null. Gab man den Tieren dann wieder von der Aminosäure ins Futter, nahm der Krebs seine Aktivitäten wieder auf und begann sich wieder auszubreiten.

„Unsere Studie zeigt, dass die T-Zell ALL eindeutig vom Valin-Nachschub abhängig ist und dass das Fortschreiten des Krebses durch einen Valinmangel gestoppt werden kann“, bestätigt einer der beteiligten Forscher, Dr. Palaniraja Thandapani vom Perlmutter Cancer Center.

Fleisch und Fisch enthalten besonders viel davon

Nun will das Forscherteam im Jahr 2022 eine valinarme Diät bei Leukämie-Patienten testen. Dabei werden Lebensmittel, die reich daran sind, – die Forscher nennen hier Fleisch, Fisch und Bohnen – gemieden.

Wenn Sie sich jedoch die untenstehende Liste mit den Lebensmitteln anschauen, sehen Sie, dass trockene Bohnen zwar viel davon enthalten – gekochte Bohnen dann aber aufgrund der viel kleineren Verzehrmenge nicht mehr so sehr. Fleisch und Käse sind eher ein Problem.

Auch Kerne wie Kürbiskerne, Sonnenblumenkerne oder Erdnüsse sind reich daran. Doch isst man davon im Allgemeinen pro Portion nicht so viel wie von Fleisch und Käse. Natürlich sollten sie bei dieser Ernährung aber dennoch gemieden oder stark reduziert werden.

Ernährungstherapie mit Medikamenten kombinieren

Allerdings – so die Forscher – müsse auch die Ernährungstherapie mit Medikamenten kombiniert werden, da die valinarme Ernährung auf Dauer nicht durchgeführt werden könne. Wer nämlich langfristig zu wenig von der Aminosäure zu sich nehme (und damit zu wenig Protein), laufe Gefahr, aufgrund des Mangels Muskelschwund und Gehirnschäden zu entwickeln.

„Wir würden die valinarme Diät zur Reduzierung der Krebszellen einsetzen. Wenn dann nur noch wenige Krebszellen vorhanden sind, können die Medikamente das Krebswachstum stoppen“,

sagt Professor Iannis Aifantis, Leiter des Perlmutter Cancer Centers.

Der Bedarf an der Aminosäure

Valin ist eine Aminosäure, noch dazu eine essentielle Aminosäure, was bedeutet, dass der Organismus sie nicht selbst herstellen kann. Sie muss daher regelmässig mit der Nahrung verspeist werden, um den täglichen Bedarf zu decken.

Der Bedarf liegt offiziellen Quellen zufolge bei etwa 26 mg pro Kilogramm Körpergewicht. Die Bedarfsdeckung ist im Allgemeinen auch kein Problem, da die Aminosäure als Proteinbaustein in allen proteinhaltigen Lebensmitteln vorkommt.

Die valinarme Ernährung bei Leukämie

Die Aminosäure hat im Körper wichtige Aufgaben. So ist sie am Muskelaufbau, am Wachstum und an der Wundheilung beteiligt.

Da Aminosäuren meist immer gemeinsam in Form von Proteinen in Lebensmitteln vorkommen, gibt es einen einzelnen Valinmangel eher nicht. Wer einen Mangel hat, leidet daher auch an einem Proteinmangel – und damit an einem Mangel aller essentieller Aminosäuren.

Umgekehrt verhält es sich ähnlich. Wer zu viel davon isst, isst meist auch zu viel der anderen Aminosäuren und damit insgesamt zu viel Protein. Daher besteht eine valinarme Ernährung aus einer proteinarmen Ernährung.

Bei einer Diät jedoch, die therapeutisch bei einer Akuten Lymphatischen Leukämie eingesetzt werden würde, handelt es sich um eine Fertignahrung, der man konkret diese eine Aminosäure entzogen hat und die dann auf Dauer tatsächlich Symptome eines isolierten Mangels hervorrufen würde. Sollten Sie diese Diät während Ihrer Therapie nicht erhalten, können Sie – in Absprache mit Ihren Ärzten – wenigstens die valinreichen Lebensmittel meiden.

Die Aminosäure in Lebensmitteln

In unserem PDF finden Sie den Gehalt (gerundet) in einigen beispielhaft ausgewählten Lebensmitteln, damit Sie einen groben Überblick erhalten, welche Lebensmittel reich an Valin sind. Der angegebene Gehalt bezieht sich jeweils auf 100 g Lebensmittel (in aufsteigender Reihenfolge). Dieses PDF können Sie bei uns kostenlos per Email anfordern.

Valinreiche Lebensmittel bei einer Leukämie meiden

Die Aminosäure ist ein essentieller Nährstoff, aber hohe Konzentrationen davon im Blut können das Risiko für eine Leukämie erhöhen.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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