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Amalgam ist Giftig

Amalgam: Tödliches Gift auf offizielle Empfehlung

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(Von Angelika Fischer, Wolfratshausen) - Zahlreiche Studien belegen, dass das Zahnfüllungsmaterial Amalgam krank machen kann. Dennoch behaupten Wissenschaftler des Robert Koch-Institutes in einer neuen Stellungnahme, es gäbe hierfür "keine überzeugenden wissenschaftlichen Belege". So werden weiterhin viele Zahnärzte ihre Patienten mit Quecksilber abfüllen, dem giftigsten nichtradioaktiven Element. Allein in Deutschland werden, Schätzungen zufolge, immer noch 10 bis 15 Tonnen davon pro Jahr verwendet. Dieser Artikel erschien zuerst in raum&zeit Nr. 152.

Gesundheitsbehörden halten weiterhin an Amalgam fest

Kleine Randnotizen können oftmals interessanten Aufschluss geben. Am Ende der Stellungnahme des Robert Koch-Institutes zu Amalgam vom Oktober 2007 heisst es:"Prof. Dr. F. Daschner und Dr. J. Mutter Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene, Universitätsklinikum Freiburg waren anfänglich ebenfalls an der Erarbeitung der Stellungnahme beteiligt, haben aber der endgültigen Version der Kommissionsstellungnahme nicht zugestimmt, da sie in einigen Punkten abweichende Auffassungen vertreten." Wie schwerwiegend die Differenzen waren, wird nicht erwähnt. Die Kommission suchte dann Ersatz für die beiden Abweichler und scheinbar dieses Mal in sicheren Gewässern.

Die neuen Sachverständigen waren als amalgamfreundlich bekannt. Sie waren Mitautoren einer Stellungnahme gegen das so genannte Kieler Amalgamgutachten. In diesem bisher grössten Amalgamprozess beauftragte die Frankfurter Staatsanwaltschaft ein Kieler Forschungsinstitut, ein Gutachten zu erstellen. Dieses ergab, dass Zahnamalgam "generell geeignet ist, in einer relevanten Anzahl von Fällen die Gesundheit von Amalgamträgern zu schädigen...".

Verordnete Wissenschaft

Trotz dieser Befunde schafften es Wissenschaftler, die von der Gegenpartei beauftragt wurden, Amalgam wieder ein gutes Stück zu rehabilitieren. (Näheres siehe im nachfolgenden Interview mit Joachim Mutter). Hat sich das Gremium des Robert Koch- Institutes, das zum Bundesministerium für Gesundheit gehört, auf diese Weise die Kommissionsmitglieder und Sachverständigen nach dem Ergebnis ausgewählt, das am Ende der wissenschaftlichen Betrachtungen stehen sollte?

Angeblich keine wissenschaftlichen Belege zur Schädlichkeit von Amalgam

Amalgam

Schliesslich vertrat die Amalgam-Kommission des Robert Koch-Institutes "Methoden und Qualitätssicherung in der Umweltmedizin" in ihrer Stellungnahme die Überzeugung, dass es keine gravierenden schädigenden Nebenwirkungen von Amalgam gibt. Sie empfiehlt:"Mit dem Patienten ist detailliert zu besprechen, dass es hinsichtlich der Vermutungen über Zusammenhänge zwischen Amalgam und bestimmten Krankheiten (wie z. B. Morbus Alzheimer, Morbus Parkinson, Amyotrophe Lateralsklerose, Autismus, multiple Sklerose) oder Hormonstörungen keine überzeugenden wissenschaftlichen Belege gibt."

Meta-Studien beweisen das Gegenteil

Daschner und Mutter kamen da zu völlig anderen Ergebnissen. Sie veröffentlichten in den letzten Jahren verschiedene Meta-Studien, in denen sie die umfangreiche wissenschaftliche Literatur zu Amalgam auswerteten. Diese zeigten ernst zu nehmende Hinweise auf einen Zusammenhang von Amalgambelastung und Entstehung von Alzheimer, Autismus, MS, Autoimmunerkrankungen im Allgemeinen, Unfruchtbarkeit und vielen anderen Krankheiten.

Einschlägige Nachweise der fatalen Wirkung

Alzheimer und Quecksilber
Die Abbildung zeigt eine starke Ansammlung von Ablagerungen bei einem Alzheimer-Patienten (rechts)

Eine Studie zeigte beispielsweise in den Gehirnen von Alzheimer-Patienten eine deutliche Erhöhung des Quecksilber-Gehaltes gegenüber Gehirnen von Nicht-Alzheimer-Patienten.

Oder bei Studien an Nervenzellen und Tieren führte eine Zugabe von einer sehr geringen Menge an Quecksilber zu Veränderungen, die für Alzheimer typisch sind: Durch die Zerstörung von Tubulin (Protein, welches die Zelle benötigt) kam es zur Degeneration der Axone (Nervenzellenfortsätze) und der Bildung von krankhaft gebündelten Neurofibrillen (Zusammenlagerung von zerstörten Fasern in Nervenzellen). Bei diesen Studien wurde nur ein Tausendstel der Quecksilbermenge verwendet, die in den Gehirnen von vielen Amalgamträgern gemessen werden kann.

Neben experimentellen Untersuchungen an Zellen, Tieren und Menschen berücksichtigten die Wissenschaftler auch empirische Beobachtungen. So führten sie beispielsweise eine Befragung von 24 000 Eltern autistischer Kinder an. Sie sollten beurteilen, welche Therapie ihren Kindern am Besten geholfen hat. Von 88 Therapiearten einschliesslich 53 Medikamenten stellte sich hier die Ausleitung von Quecksilber als effektivstes Mittel heraus.

Befürworter von Amalgam stützen sich auf fragwürdige Studien

Weiterhin offenbarten Daschner und Mutter eklatante Defizite gerade in den Studien, auf die sich die Amalgambefürworter oft vollmundig stützen. Ein Hauptkritikpunkt war dabei, dass für die Kontrollgruppe Probanden herangezogen wurden, an deren Amalgamfreiheit gezweifelt werden muss. Zwar trugen diese zum Zeitpunkt der Erhebung kein Amalgam mehr im Mund, frühere Amalgam-Belastungen wurden jedoch nicht berücksichtigt.

Bei der viel angeführten Zwillingsstudie waren beispielsweise 25 Prozent der "Nicht-Amalgam-Gruppe" zahnlos. Es liegt nahe, dass von diesen Probanden sehr viele ihre Zähne durch Karies verloren haben und dass die früheren kariösen Löcher Jahrzehnte lang mit Amalgam gefüllt waren. Von daher ist es wahrscheinlich, dass sich trotz ihrer Zahnlosigkeit Quecksilber in ihren Organismen befand, das sich im Körper angelagert hat und noch nicht ausgeschieden werden konnte. An wissenschaftlichen Institutionen und Politikern scheinen diese Gegenargumente abzuprallen.

Unisono vertreten das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sowie das Robert Koch Institut die Überzeugung, dass es weiterhin berechtigte Gründe dafür gibt, Amalgam einzusetzen. Im Originalwortlaut des Robert-Koch-Institutes heisst es:"Die Entscheidung, ob Amalgam, ein anderes plastisches Füllungsmaterial oder eine andere Restaurationstechnik zur Anwendung kommt, ist stets im konkreten Einzelfall unter Berücksichtigung der jeweiligen individuellen Situation des Patienten zu treffen. Amalgam wird von vielen Zahnmedizinern wegen seiner Haltbarkeit und guten Verarbeitbarkeit für noch nicht ohne weiteres ersetzbar gehalten."

Wie so oft, kommt die Gegenbewegung nicht von staatlichen Institutionen, die sich um gesundheitliche Vorsorge bemühen. – Merkwürdig, beim Impfen nimmt der Staat diese Vorsorge immer so ernst. – Nein, die Gegenbewegung ging in erster Linie von Patienten aus. Auf den umgekehrten Vorschlag von Daschner und Mutter, Zurückhaltung mit der Verwendung von Amalgam zu gebieten, bis dessen Unschädlichkeit wissenschaftlich nachgewiesen wäre, antwortet die Kommission des Robert-Koch-Institutes: „Dieser Denkansatz ist unwissenschaftlich, ist doch akzeptierter erkenntnistheoretischer Konsens, dass grundsätzlich der Nachweis einer Unschädlichkeit, einer Wirkungslosigkeit nicht zu führen ist. Man kann allenfalls versuchen zu quantifizieren, wie klein (oder gross) ein Risiko ist.“ Mal sehen, als wie klein oder gross sich das Risiko dann irgendwann einmal erwiesen haben wird…

Sondermülldeponie Mensch

Amalgam

Warum wird der zahnmedizinische Einsatz von Amalgam nicht verboten? Wie leitet man das Gift am besten aus? Welche Auswirkungen hat Quecksilber eigentlich auf die Umwelt? Der Amalgam-Experte Dr. med. Joachim Mutter erläutert im Interview mit Angelika Fischer die Hintergründe.

raum&zeit: Sie kämpfen seit sechs Jahren dafür, dass die Gefahren von Amalgam offiziell anerkannt werden…

Dr. med. Joachim Mutter: …ich kämpfe nicht, ich versuche Lösungen für Betroffene zu finden und präsentiere einfach nur die wissenschaftlichen Daten und diese zeigen international, dass Amalgam sehr wahrscheinlich doch sehr toxisch ist und dass von ihm schwere Nebenwirkungen ausgehen können.

r&z: Und ausserdem waren Sie in der Kommission „Qualitätssicherung in der Umweltmedizin“ am Robert Koch Institut…

J. M.: Richtig, da bin ich 2003 als Sachverständiger berufen worden genau zu dem Thema Amalgam. Seitdem hat die Kommission immer wieder getagt, das Problem besprochen und evaluiert. Die Ergebnisse wurden gerade eben veröffentlicht.

Behördlicher Segen zur Giftschwemme im zahnmedizinischen Bereich

r&z: Die offizielle Stellungnahme der Kommission haben Sie nicht unterschrieben. Vielmehr entgegneten Herr Daschner und Sie mit einem Sondervotum…

J. M.: Naja, die Kommission behauptet, es sei nicht erwiesen, dass Amalgam giftig ist. Man hat ja einige Sachverständige berufen, die allgemein als bekannte Amalgam-Befürworter gelten, die früher teilweise schon als Gutachter für die Amalgamindustrie aufgetreten sind. Mich hat die Kommission vielleicht eher mit dem Ziel einberufen, auch die Unterschrift eines kritischen Wissenschaftlers unter das Amalgampapier zu bekommen. Immerhin hatte ich anfangs etwa fast zwei Jahre an dem Papier gearbeitet und Literaturvorschläge gemacht. Es wurde aber später gänzlich umgeschrieben. Und dieses Amalgampapier sagt stark vereinfacht: Amalgam ist weiterhin für die meisten Menschen akzeptabel und eine Vergiftung träte praktisch nie auf, da die Grenzwerte immer eingehalten würden. Deshalb sollte bei Krankheiten nicht empfohlen werden, Amalgamfüllungen zu entfernen und Quecksilber aus dem Körper auszuleiten.

r&z: Wie sehr kann man sich denn darauf verlassen, dass eine Anreicherung innerhalb der Grenzwerte ungefährlich ist?

J. M.: Die WHO gab schon 1991 an, dass kein Grenzwert für Quecksilber angegeben werden kann, da die Messwerte im Blut oder Urin niedrig sein können, auch wenn hohe Quecksilbermengen im Gehirn oder anderen Organen gespeichert sind. Viele nachfolgende Studien bestätigten diese Tatsache. Trotzdem pochen die RKI-Kommission und alle offiziellen Institutionen weltweit darauf, dass die Quecksilberwerte im Urin zu messen sind und über diese der Gehalt im Körper abgeschätzt werden könne. Dabei beruft sich das RKI aber nicht auf Studien, sondern auf die persönliche Mitteilung von Prof. Dr. Stefan Halbach vom Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit.

Da die Quecksilbermesswerte praktisch bei allen Amalgamträgern unterhalb der gültigen „Grenzwerte“ gelegen sind, wird behauptet, dass keine Quecksilberbelastung vorläge und die Quecksilbermengen zu gering wären, als dass Gesundheitsstörungen ausgelöst werden könnten. Es ist aber oftmals genau das Gegenteil der Fall: Bei gesunden Personen können oft höhere Quecksilberausscheidungen im Urin gemessen werden als bei kranken Personen. Viele Hinweise sprechen dafür, dass es empfindliche Menschen gibt, die weniger Quecksilber ausscheiden können als andere und deshalb eben kränker sind. Insbesondere wurde dies auch bei autistischen Kindern gezeigt.

r&z: Die Position der EU zu Amalgam erscheint merkwürdig ambivalent. Auf der einen Seite hat die EU im Januar 2005 beschlossen, die Exposition mit Quecksilber zu reduzieren. Der Export von Quecksilber soll ab 2011 verboten werden, der Verkauf von Messinstrumenten mit Quecksilber ab 2009. Den zahnmedizinischen Bereich scheint die EU jedoch nicht anzutasten. Ende letzten Jahres verabschiedete ein wissenschaftliches Gremium der EU eine vorläufige Erklärung zur Sicherheit von Zahnamalgam. Dieser zufolge gibt es keinen Hinweis darauf, dass Amalgam über lokale Effekte hinaus Krankheiten begünstigen könnte.

J. M.: Dies war nicht anders zu erwarten, weil in der Kommission wohl alte industrienahe Experten sassen. Aufgrund dieser Vorabmeldung startete Jean Huss, ein EU-Ratsmitglied und Abgeordneter im Luxemburger Parlament, den Luxemburger Appell, bei dem bis 1. Januar 2008 Unterschriften für ein weltweites Amalgamverbot gesammelt wurden.

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Angst vor Anzeigen-Lawine

r&z: Was denken Sie? Gibt es eine Chance, dass die Politiker sich doch noch umstimmen lassen?

J. M.: Das wird schwierig. Es geht um sehr viel Geld und wahrscheinlich um Schuld. Wenn anerkannt würde, dass Millionen Menschen mit giftigem Amalgam belastet wurden und werden, würde es sicher zu Anzeigen kommen. Diese würden sich wohl gegen die Amalgamhersteller und damit gegen die chemische Industrie richten, gegen die Zahnärzteorganisationen, das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und die Krankenkassen.

Auch das Bundesministerium für Gesundheit würde wohl mit drin stecken, weil es die Verwendung von Amalgam immer abgesegnet hat. Da ginge es dann richtig rund. Man nimmt an, dass dann Schadensersatzklagen kämen die vom Umfang her diejenigen gegen die Tabakindustrie bei weitem überschreiten könnten. Dies gilt es natürlich unter allen Umständen zu vermeiden.

r&z: Gäbe es nicht eigentlich schon genügend ernst zu nehmende Studien, die den Zusammenhang zwischen Amalgam und verschiedenen Krankheiten herausgestellt haben, um die offiziellen Darstellungen zu kippen?

J.M.: Ja, aber die werden offensichtlich missachtet. Die lässt man unter den Tisch fallen. Und dann werden nur die Studien hochgejubelt, die anscheinend keinen Schaden herausgestellt haben. Und dann sagt man, dass ist der wissenschaftliche Beweis dafür, dass Amalgam nicht schädlich ist. Das läuft genauso wie früher bei Asbest oder Rauchen und aktuell beim Mobilfunk.

r&z: Prof. Dr. Erich Schöndorf hatte 1996 als Staatsanwalt einen Prozess von Amalgam-Geschädigten gegen die Amalgam- Hersteller geführt. Aber er konnte lediglich einen Vergleich bewirken. Warum sind die 1 500 Geschädigten, die er vertreten hat, leer ausgegangen, obwohl im Urteil eindeutig auf die Schädlichkeit von Amalgam hingewiesen wurde?

J. M.: Es gab damals das so genannte Kieler Amalgamgutachten. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main hatte es im Zuge der Ermittlungen beim Toxikologischen Institut der Universität Kiel in Auftrag gegeben. Dieses Gutachten hat die Schädlichkeit von Amalgam deutlich dargelegt und dieses wurde sogar vom damaligen BfArM gelobt. Eigentlich hatten die Angeklagten keine Chance mehr. Die drei angeklagten Verantwortlichen der Firma Degussa mussten im Vergleich aber jeweils nur 100 000 DM zahlen. Degussa hat dann noch 1,2 Millionen DM gezahlt für die weitere Amalgam-Forschung.
Wenn Sie Herr Prof. Schöndorf heute fragen, macht er sich Vorwürfe, dass er dem Vergleich zugestimmt und den Prozess nicht zu Ende geführt hat. Aber so war es eben und die Gegenseite ist sozusagen mit einem blauen Auge davongekommen.

r&z: Hätte es für Schöndorf denn eine Alternative gegeben?

J. M.: Es wäre auf jeden Fall schwierig geworden. Genauso wie beim Holzschutzmittelprozess war die chemische Industrie letztendlich angeklagt worden und die haben wohl genug Mittel, einen Rechtsprozess zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Zuerst hatte es für die Kläger zwar sehr gut ausgesehen. Das Thema war sehr stark in der Öffentlichkeit und die damalige rotgrüne Opposition wollte im Falle einer Regierungsübernahme Amalgam verbieten lassen. Aber die Amalgam-Lobbyisten konnten das Ruder herumreissen. Sie haben das Kieler Amalgamgutachten bombardiert mit einem Gegenpapier, das eine Reihe von Falschargumenten enthielt.

Dass diese keine wissenschaftliche Grundlage hatten, wurde unter anderem in einer Replik der Kieler Toxikologen belegt. Die Fehler waren aber nicht für Politiker oder Richter offensichtlich. Die Kieler Wissenschaftler wurden dann auch noch in den Medien diskreditiert und ihr Institut wurde aufs wissenschaftliche Abstellgleis gestellt. Selbst im eigenen Universitätscampus wurden sie nicht mehr gegrüsst und in der Mensa setzen sich Mitglieder anderer Fakultäten von den Kieler Toxikologen weg.

Man behandelte sie wie Aussätzige, dabei hatten sie nur die Literatur zu Amalgam zusammengetragen und herausgestellt, dass dieses Material schädlich sein kann. Seitdem gibt es keine kritischen Sendungen oder Berichte in den Medien mehr, das Thema scheint zensiert worden zu sein. Der damalige Gesundheitsminister Horst Seehofer hat zusammen mit Zahnärzteorganisationen 1997 ein Positionspapier erstellt, das Konsenspapier Amalgam, das – einfach ausgedrückt – besagt, dass Amalgam weiterhin das beste Füllmaterial ist und weiterhin als einziges Füllmaterial voll von den Krankenkassen bezahlt wird.

Wo bleiben die Medien?

r&z: Wäre es nicht möglich, dass die Medien jetzt die Aufklärung unterstützen?

J. M.: Die machen das nicht, die sind ja abhängig von den Konzernen. Mein Kollege Dr. Johannes Naumann und ich hatten schon bei grossen Zeitungen Interviews gegeben. Unter anderem wurden dann aber die Fakten verdreht oder wir wurden in den Zeitungsberichten ziemlich dumm dargestellt, unter anderem in der Süddeutschen Zeitung 2006 oder in der Badischen Zeitung 2006. Uns wurde darin von dem Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, dem Dachverband der deutschen Zahnärzte, unterstellt, Geld von der Kunststoffindustrie zu bekommen.

Unsere Richtigstellungen wurden dagegen nicht veröffentlicht, dafür kam prompt eine Drohung von einem bekannten Amalgambefürworter, Prof. Halbach per e-mail. Von daher haben wir dann auch verschiedene Interviews abgelehnt, da die Redakteure sich aus Zeitgründen meist nur oberflächlich mit der Thematik befassen können und daher oft falsch berichten oder den sehr seriös wirkenden Amalgambefürwortern mehr Glauben schenken.

Kürzlich hatte ich doch einmal wieder ein Interview mit dem Deutschlandfunk, doch dann bekamen sie das Interview plötzlich nicht mehr unter. Ich hatte auch ein Interview mit anderen Zeitungen wie „Die Welt“ zum Beispiel. Die lehnten das dann komplett ab. Es gibt da wohl einen gewissen Bann, vor allem bei auflagenstarken Medien. Die erste Fernsehsendung, die wieder kritisch über Amalgam berichtet hat, war die Landesschau Baden-Württemberg vom 6.11.2007 im SWR-Fernsehen, dort bin ich eingeladen worden.

Für viele ist Amalgam halt ein Tabuthema. Dies gilt besonders, seit die Kieler Amalgamkritiker mundtot gemacht wurden. Man riskiert seine Karriere, wenn man Kritisches zum Thema Amalgam sagt. Für mich wäre es auch besser gewesen, ich hätte den Mund nicht auf gemacht. Wir, mein Kollege Johannes Naumann, mein ehemaliger Chef Prof. Dr. Franz Daschner und ich haben hier ziemliche Angriffe bekommen.

Einschlägige Therapieerfolge durch Ausleitung

r&z: Dennoch sind viele Menschen sensibilisiert, sehen Zusammenhänge zwischen ihren Beschwerden und einer Amalgam- Belastung und wollen das Quecksilber loswerden. Oft haben sie bemerkenswerte Heilerfolge. In einer Ihrer Meta-Studien weisen Sie auf eine schwedische Studie an 700 Männern und Frauen hin, die von verschiedenen Krankheiten betroffen waren und denen bisher keine Therapie helfen konnte. Nachdem bei ihnen Quecksilber ausgeleitet wurde, erfuhren 70 Prozent von ihnen eine Besserung oder sogar eine Heilung ihrer Beschwerden

J. M.: Ähnliche Ergebnisse zeigen auch andere fundierte Studien. Dann gab es noch eine kleine Studie an Patienten mit Autoimmunerkrankungen, die hatten eine ähnliche Verbesserungsrate. Bei den sechs Patienten mit Multipler Sklerose (MS) war die Besserungsrate sogar bei 100 Prozent. Diese Beobachtungen überschneiden sich mit denen vieler Therapeuten. Ich habe zahllose Dankesbriefe bekommen und auch im Internet berichten zahlreiche Patienten von ihrer Heilung durch Ausleitung.

Allerdings gibt es bei einigen auch keinerlei Verbesserungen, manchmal sogar Verschlechterungen, vor allem bei ungeschützter Amalgamentfernung oder falscher Ausleitung. Es ist andererseits auch nicht unbedingt zu erwarten, dass die Entfernung schon Krankheiten heilt, da das im Körper befindliche Quecksilber nur sehr lang langsam, wenn überhaupt, abgebaut wird oder der Schaden durch Quecksilber nicht mehr rückgängig gemacht werden kann, genauso wenig, wie wenn Sie eine Alkoholvergiftung hatten und dadurch ein paar Hirnzellen abgestorben sind. Auch wenn nun nach einiger Zeit der Alkohol im Körper komplett abgebaut ist, ist der Hirnschaden immer noch vorhanden. Deshalb bin ich erstaunt darüber, wie viel Verbesserung durch eine intensive Ausleitung doch noch oft, wenn auch nicht immer, erreicht werden kann.

r&z: Sie arbeiten ja tagtäglich mit Patienten, die zu Ihnen zur Therapie kommen. Wie hoch liegt Ihre Erfolgsquote?

J. M.: Erfolgsraten sind schwierig anzugeben. Man muss sehen, dass zu uns richtig schwere Fälle kommen, Patienten mit allen möglichen Krankheiten. Sie leiden oft schon jahrelang unter chronischen Schmerzen, Müdigkeit, Schlafstörungen, Bluthochdruck, Depressionen, Unfruchtbarkeit, Autoimmunerkrankungen, Konzentrationsstörungen, Unruhegefühl, Gedächtnisstörungen, Infektanfälligkeit, Aufmerksamkeitsdefizit, Hyperaktivität, Migräne und vielem mehr.

J. M.: Erfolgsraten sind schwierig anzugeben. Man muss sehen, dass zu uns richtig schwere Fälle kommen, Patienten mit allen möglichen Krankheiten. Sie leiden oft schon jahrelang unter chronischen Schmerzen, Müdigkeit, Schlafstörungen, Bluthochdruck, Depressionen, Unfruchtbarkeit, Autoimmunerkrankungen, Konzentrationsstörungen, Unruhegefühl, Gedächtnisstörungen, Infektanfälligkeit, Aufmerksamkeitsdefizit, Hyperaktivität, Migräne und vielem mehr.

Es muss aber betont werden, dass wir aus Zeitgründen die Daten bisher noch nicht wissenschaftlich systematisch veröffentlichen konnten und zum anderen in der Therapie viele Register ziehen, um schnellstmöglich zum Ziel zu kommen. Wir kommen aber immer mehr zu dem Schluss, dass viele chronische Erkrankungen auch durch Gifte oder Schadfaktoren zumindest mit verursacht wurden und andererseits eine Ausleitung dieser Gifte und das Meiden von zum Beispiel elektromagnetischen Feldern erstaunlich positiv auf die körpereigene Heilkräfte wirken können

Auch andere alternativmedizinische Therapiearten welche auf die körpereigene Regulationsfähigkeit einwirken sollen, wie zum Beispiel Neuraltherapie, Akupunktur, Fasten, Ordnungstherapie, Psychotherapie oder Homöopathie wirken unserer Erfahrung nach meist erst richtig nach Ausleitung von Schwermetallen und anderen Chemiegiften.

r&z: Quecksilber greift in verschiedenster Weise in die Prozesse des Körpers ein. Können Sie die wesentlichsten bekannten Wirkungen anführen?

J. M.: Es kann alle Körperprozesse, die es gibt, behindern, auch die Ausleitung von anderen Giften.
Im Endeffekt kann die ganze Erbsubstanz, die DNA geschädigt werden. Die Zellkanäle können gehemmt oder zerstört werden. Das Tubulin kann zerstört werden, also bestimmte Proteine, die am Zellaufbau und den ganzen Transportvorgängen in den Zellen beteiligt sind. Der Transport von Nährstoffen, von Botenstoffen oder Abfallstoffen in oder aus den Zellen kann deshalb behindert sein, die Mitochondrien können sehr stark geschädigt werden, was zu Müdigkeit, aber auch zu Krebs führen kann. Dann können sich viele Freie Radikale, die im Zentrum der Entstehung der meisten Krankheiten stehen, bilden.

Insgesamt wurde schon 1995 von einer von der Bundesregierung geförderten Studie nachgewiesen, wie Autoimmunerkrankungen entstehen: nämlich durch Quecksilber, aber auch durch Gold.

r&z: Und am schädlichsten ist der Quecksilberdampf, der dauernd aus Amalgamfüllungen austritt und verstärkt auch beim ungeschützten Entfernen der Amalgamfüllungen entsteht?

J. M.: Ja, in Form von Dampf kann Quecksilber zu 80 Prozent durch die Lunge aufgenommen werden, etwa 10 Prozent davon gehen dann direkt innerhalb von ein bis zwei Minuten durch die Blut-Hirn-Schranke ins Gehirn. Diese schützt eigentlich das Gehirn vor schädlichen Einflüssen.

Quecksilberdämpfe und Methylquecksilber, zu dem Amalgam durch Mikroorganismen im Mund reagiert, können jedoch in diesen hochsensiblen Bereich leicht gelangen. Quecksilber hat die Eigenschaft, sich dann sofort an körpereigenen Strukturen fest zu binden. So kann es im Gehirn viel Schaden anrichten. Im Fisch verbindet sich Quecksilber mit Selen oder schwefelhaltigen Aminosäuren und wird dadurch unschädlich gemacht, weshalb der Verzehr belasteten Fisches für den Menschen wohl weniger problematisch ist als das Einatmen von chemisch ungebundenem Quecksilberdampf.

Belastungsnachweis kaum möglich

r&z: Wie findet man denn am besten heraus, ob man mit Quecksilber belastet ist?

J. M.: Das kann man nicht, solange man lebt. Das ist zumindest quantitativ exakt unmöglich. Meistens ist es so, dass die Patienten, die am meisten Quecksilber im Körper in der Tiefe eingelagert haben, am wenigsten davon in das Blut leiten und dann über den Urin oder Haare ausscheiden. Und diese sind wohl deshalb oft kränker als die Personen, die mehr Quecksilber durch den Urin oder die Haare ausscheiden.

r&z: Und was empfehlen Sie Ihren Patienten, wenn diese wissen wollen, ob ihre Beschwerden durch Quecksilber verursacht werden?

J. M.: Als Arzt muss man da ein gewisses Feingefühl haben. Man muss eine Anamnese erheben. Wir wissen, dass Amalgamträger bis zu zwölf Mal mehr Quecksilber im Körper haben als Menschen, die davon verschont geblieben sind und dass die Halbwertszeit bis zu 30 Jahre ist. Wir wissen, dass Kinder von Amalgam tragenden Müttern mehr Quecksilber in ihrem Körper haben, auch wenn sie selbst nie Amalgamfüllungen trugen.

Wenn jetzt ein 40-Jähriger kommt und sagt, er habe seit seiner Kindheit zehn Amalgamfüllungen und habe die-se vor fünf Jahren entfernen lassen, dann weiss ich, der hat noch einiges an Quecksilber im Körper. Das weiss man von Studien an Tieren und menschlichen Leichen.
Ich selbst mache den Mobilisationstest mit den Ausleitungsmitteln DMPS oder DMSA. Das sind Chelatbildner, deren Schwefelanteil sich mit Quecksilber verbindet. In dieser Verbindung kann der Körper sich dann leichter von dem Quecksilber befreien.

Manchmal zeigt sich dadurch dann erst Quecksilber im Urin. Bei schwer kranken Menschen kommt aber oft gar nichts raus, das heisst, das Quecksilber sitzt wahrscheinlich so tief, dass es nicht wirklich mobilisiert werden kann. Das ist sehr wahrscheinlich der Grund, warum sie krank sind.

Trotzdem zeigt die kontinuierliche Ausleitung immer wieder, dass zum Beispiel erst nach der achten oder 20. DMPS- Gabe auf einmal mehr Quecksilber ausgeschieden wird. Irgendwie scheinen dann die Ausleitungsprozesse durch das beharrliche Wegnehmen von Quecksilber besser zu unktionieren.
Bei durchschnittlichen Amalgamträgern können auch schon mal 50 bis 100 Ampullen DMPS notwendig sein, damit sich Erfolge einstellen. Dies ist auch logisch, da mit einer Spritze DMPS oder DMSA nur wenig von den seit Jahrzehnten durch Amalgambelastung angesammelten Quecksilberdepots beseitigt werden kann.

r&z: Vor diesem Hintergrund erscheint es absurd, dass die Experten des Robert Koch-Institutes in ihrer Stellungnahme behaupten, der Urintest stelle eine „praktikable, gut standardisierte und geeignete Methode“ dar, um die Quecksilberbelastung zu ermitteln. Und dass sie sogar von dem DMPS-Test regelrecht abraten.

J. M.: Ja, weil mit DMPS plötzlich Viele als Quecksilber belastet aufgedeckt würden. Deshalb wird der Test „wegen falsch positiver Befunde“ abgelehnt. Hinzu kommt, dass etwa 15–25 Prozent der Bevölkerung aufgrund ihrer ererbten Enzymmuster schlechte Ausscheider von Umweltgiften sind. Bei denen finden Sie im Urin meist noch niedrigere Werte als bei durchschnittlich belasteten Menschen. Die offizielle Schulmedizin sagt dann: „ja schauen Sie, der hat ja gar keine Quecksilberbelastung“. Dummerweise aber, wenn er gestorben ist und man ihn seziert, kriegen alle grosse Augen, wie viel Quecksilber im Körper aufgetaucht ist.

Es ist wirklich ein Irrtum, dass man die Quecksilberbelastung im Körper über den Urin, Blut oder Haare messen könne. Das ist wissenschaftlich falsch. Trotzdem basieren alle offiziellen Empfehlungen oder Gerichtsgutachten auf diesen Werten.
DMPS selbst ist völlig untoxisch, aber es mobilisiert im Körper abgelagerte Gifte und kann diese, wenn es ungünstig läuft, nur teilweise zur Ausscheidung bringen, sodass sie sich an anderen Körperstellen wieder anlagern. Es kann auch soviel Quecksilber in der Niere und im Blut anfluten, dass altbekannte Quecksilber bedingte Beschwerden auftreten oder sogar eine akute Quecksilbervergiftung zum Nierenversagen führt. Dafür ist aber nicht DMPS verantwortlich, sondern das Gift im Körper.

In unserer Ambulanz haben wir so etwas aber glücklicher Weise noch nicht erlebt. Wir haben festgestellt, dass durch ein paar Vorsichtsmassnahmen die Nebenwirkungen deutlich weniger werden. Ausserdem scheint die Gabe von zwei oder drei Ampullen DMPS auf einmal besser vertragen zu werden. Wahrscheinlich mobilisieren die zusätzlich gegebenen Ampullen nicht mehr Quecksilber als eine Ampulle, können dafür aber mehr von dem freigesetzten Quecksilber abbinden und deshalb besser zur Ausscheidung bringen.

Begleitung durch fachkundigen Therapeuten ist wichtig

r&z: Wenn ein Patient sich entschieden hat, das Quecksilber auszuleiten, gibt es verschiedene Möglichkeiten, dies zu tun. Sie unterscheiden da zwischen schwer kranken Menschen, die zum Beispiel autistisch sind oder Multiple Sklerose haben, und Menschen mit leichteren Symptomen wie zum Beispiel Allergien oder Kopfschmerzen.

J. M.: Ja, bei schweren Krankheiten versucht man eine schnelle Ausleitung zu machen, damit man nach ein bis zwei Monaten einen guten Erfolg sieht, sonst könnte die Krankheit schneller sein. Da geht man relativ aggressiv vor und verabreicht zum Beispiel jeden Tag DMPS- Spritzen. Bei chronischen Kopfschmerzen gebe ich manchmal nur natürliche Mittel wie Chlorella, Bärlauch oder Koriander. Oder ich gebe nur zwei DMPS-Spritzen, aber keine 50 oder 100.

Insgesamt muss man sagen, dass kein Ausleitungsmittel auf der Welt wirklich als gutes Ausleitungsmittel bezeichnet werden kann. DMPS ist weltweit immer noch das stärkste Ausleitungsmittel, aber es hat, wie beschrieben, Schwächen und ist klinisch gesehen nicht das Optimale. Auf das warten wir noch. Natürliche Mittel sind meist deutlich schwächer wirksam als klassische Chelatbildner wie DMPS oder DMSA, dies gilt auch für zerkleinertes Chlorella oder Extrakte davon. Die Natursubstanzen haben aber durchaus ihre Berechtigung.

r&z: Wenn ein Patient nur leichtere Symptome hat, hinter denen er eine Amalgamvergiftung vermutet. Kann er dann etwas verkehrt machen, wenn er nach eigenem Ermessen Chlorella einnimmt?

J. M.: Leider ja. Es ist schwer, Grundsatzempfehlungen zu geben, bis auf die, dass man kein neues Amalgam mehr eingesetzt bekommen soll. Ausserdem sollte man sich für die Entfernung des Amalgams in vertrauenswürdige Hände begeben. Denn dies ist eine richtig gefährliche Sache Das darf nur mit intensivsten Schutzmassnahmen wie zum Beispiel Cofferdamm, Atemmaske und Sauerstoffzufuhr etc. durchgeführt werden. Es erfordert viel Erfahrung und gute Kenntnis um die Gefahren und Auswirkungen auch noch so kleiner, aber hochgiftiger Quecksilbermengen.

Keine dieser Massnahmen darf fehlen. Man sollte lieber zu viel als zu wenig tun, um die Entfernung wirklich unschädlich durchzuführen. Das macht man nur einmal im Leben und ich kenne viele Menschen - mich eingeschlossen -, die erst durch das Entfernen von Amalgamfüllungen richtig krank geworden sind, jahrzehntelang oder andauernd.

Leider gibt es nur sehr wenige Zahnärzte, die diese Standards erfüllen. Fünfzig Prozent der MS-Patienten, die bei uns erscheinen, haben ihre Krankheit erst nach dem unqualifizierten Herausnehmen des Amalgams bekommen. Ausserdem dürfen keine anderen Metalle, auch keine Hochgoldlegierung mehr gelegt werden. Und nach dem Entfernen muss ein individuelles Entgiftungsprogramm durchgeführt werden.

r&z: Was kann der Therapeut neben der Gabe von Ausleitungsmitteln noch tun, um den Körper bei der Ausleitung zu unterstützen?

J. M.: Zum einen muss der Körper basisch sein, meist müssen Basenmittel genommen oder infundiert werden. Dann müssen alle Vitalstoffe vorher aufgefüllt werden. Alle Spurenelemente müssen ausreichend vorhanden sein. Die Ernährung muss passend sein. Berücksichtigt man all das, wird die Nebenwirkungsrate wesentlich geringer, da die Bindungsstärke von Quecksilber zu DMPS fester wird in einem gut vorbereiteten Körpermilieu. Zudem sollten andere Belastungsfaktoren wie Mobilfunk oder andere Gifte reduziert werden. Dann funktioniert die Ausleitung nach neuesten Studien sehr gut. Funkstrahlung kann die Quecksilberausleitung blockieren, wie eine neue Studie gezeigt hatte.

r&z: Sie haben bereits geschildert, dass die Nieren bei der Ausleitung sehr stark belastet werden können. Kann man irgendetwas tun, um speziell auch die Nieren zu unterstützen?

J. M.: Ja, auf jeden Fall. Es gibt da Sicherheitsmassnahmen, ein paar Tricks, damit die Niere diese Entgiftung gut schafft. Aber das ist sehr kompliziert. Da bräuchte ich einen Tag, um das zu erklären. Ein basischer pH-Wert bringt aber schon viel.

Wird all dies berücksichtigt, stellt sogar eine eingeschränkte Nierenleistung keine Kontraindikation für DMPS dar. Meist wird die Nierenleistung im Verlauf der Entgiftung normalisiert. Bei schweren Fällen ist es auch günstig, während der Gabe von DMPS eine spezielle Dialyse zu machen.

r&z: Wie ist es mit den Gefässen? Werden diese durch die Ausleitung belastet?

J. M.: Nein, sie profitieren nur davon. Durchblutungsstörungen werden weniger, der Blutdruck sinkt, die Arteriosklerose nimmt ab. Die Chelattherapie ist hierbei sehr hilfreich, da sie auch Bleiablagerungen aus dem Gefässsystem entfernt.

r&z: Kann DMPS auch Quecksilber aus dem Gehirn ziehen?

J. M.: Nach bisheriger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht. Interessant ist aber, dass trotzdem neurologische, psychiatrische oder psychische Probleme nach DMPS-Ausleitung besser werden können. Dazu gibt es Studien. Irgendwie muss DMPS doch Quecksilber aus dem Gehirn ausleiten können. Man erklärt sich das so, dass DMPS das Quecksilber aus dem Bindegewebe rausschmeisst. Dadurch gibt es ein osmotisches Gefälle und das Quecksilber aus dem Gehirn wandert ins Bindegewebe. So das Erklärungsmodell, mit dem man versucht zu verstehen, warum die neurologischen oder psychiatrischen Symptome nach Ausleitung abklingen.

Manche Hirnareale, wie zum Beispiel die Hypophyse, sind auch nicht durch die Blut-Hirn-Schranke geschützt. Dort kann DMPS direkt wirken, wie ein publizierter Fall aus unserer Praxis deutlich zeigt.3,4 Es lag eine unheilbare Hypophysenerkrankung vor, die nach einigen DMPS Gaben ausheilte. Störungen in der Peripherie der Nerven werden durch DMPS auch erreicht. Hier kann die Ausleitung auch direkt greifen.

r&z.: Gilt dies auch für Chlorella?

J. M.: Zum Teil. Chlorella leitet nur viel langsamer aus und bei schweren Krankheiten ist das zu langsam. Manche vertragen Chlorella aber nicht. Dies kann unter anderem auch daher kommen, dass die konventionell gezüchteten Chlorella-Algen selbst mit Schwermetallen belastet sein könnten oder Allergien bestehen. Das heisst, man kann Chlorella auch nicht uneingeschränkt empfehlen. Wir empfehlen mittlerweile nur noch Wildchlorella, die nicht mit Kunstdünger und Chemikalien behandelt wurde.

r&z: Zahlt die Krankenkasse Ausleitungen?

J. M.: Die privaten Krankenkassen manchmal schon. Die Gesetzlichen nicht. Das wäre ja auch paradox, wenn sie auf der einen Seite das Einsetzen der Amalgamfüllungen bezahlen und dann die Entfernung und Ausleitung übernehmen würden.

Im Kreislauf der Natur

r&z: Noch zur Umwelt: Sie haben drastisch darauf hingewiesen, dass Quecksilber nicht nur in den Menschen gelangt und dann verschwindet, sondern dass es über den Menschen in riesigem Ausmass in den Naturkreislauf gelangt. Können Sie dies kurz darlegen?

J. M.: Im Prinzip ist es so, dass Amalgam seit über 170 Jahren in sehr grosser Menge in Millionen von Menschen eingebracht wird. Das Meiste davon ist in die Umwelt gelangt. Heutzutage wird sogar so viel Amalgam eingesetzt wie noch nie in der Geschichte der Menschheit, obwohl sich viele Menschen in der EU und den USA aus gesundheitlichen Gründen kein Amalgam mehr einsetzen lassen. Aber in Dritte- Welt-Ländern und Zweite-Welt-Ländern wie China ist die Kariesrate sprunghaft angestiegen, seit dort auch westliche „Lebensmittel“ mit oft extrem hohem Zuckergehalt und wenig Nährstoffen Einzug erhalten haben. Die Leute trinken Cola, essen Produkte mit Auszugsmehl und bekommen Löcher in den Zähnen, was dort seit Jahrtausenden nur selten der Fall war.

r&z: Unsere Fehler werden einfach übernommen?

J. M.: Na, ja, in diesen ärmeren Ländern füllt man die Zähne vornehmlich mit Amalgam, weil das billiger und einfacher ist. In China leben 1,2 Milliarden Menschen. Insgesamt wird bei über einem Drittel der Menschheit in ansteigendem Masse Amalgam eingesetzt. Die Zahnärzteorganisationen, zum Beispiel die amerikanische Zahnärztegesellschaft (American Dental Association, ADA), besitzen sogar Patente für Amalgammischungen. Das heisst, sie verdienen daran.

r&z: Gäbe es für die ärmeren Länder nicht andere günstige Füllmaterialien als Alternative?

J. M.: Zement zum Beispiel. Das ist deutlich weniger toxisch aber leider lange nicht so haltbar. Höherwertige und intelligent verarbeitete Komposites wären auch möglich. Diese sind etwa 800-mal weniger giftig als Amalgam, auch wenn die Zahnärzte gerne das Gegenteil behaupten. Oder man versorgt gleich mit höherwertigen Materialien, da diese, wenn alle Umweltkosten und Krankheitskosten eingerechnet würden, deutlich günstiger als Amalgam für das Gesundheitssystem sind.

r&z: Und über die Menschen gelangt das Quecksilber dann in die Umwelt?

J. M.: Ja, wenn ein Amalgamträger stirbt, setzt er auf dem Friedhof oder im Krematorium oft tödliche Dosen von Quecksilber frei. Drei Gramm gelten für einen Menschen als tödlich, aber auch 300 Milligramm können schon tödlich sein, je nach individueller Entgiftungsleistung. Mehr als drei Gramm haben sie schnell im Mund, wenn sie mehrere Füllungen haben.
Wenn der tote Körper mit seinen drei Gramm Amalgam im Mund dann verbrannt wird, wird das Quecksilber in die Luft gestossen. Es ist nur mit grösstem Aufwand möglich, Quecksilber auszufiltern, weshalb es von den meisten Krematorien weltweit ungehindert in die Luft geblasen wird.

In der EU gelangen wohl pro Leiche im Schnitt bis über zwei Gramm Quecksilber in die Umwelt – und das ist viel. Über die Luft wird das Quecksilber global verteilt, da Quecksilber, im Gegensatz zu anderen Schwermetallen, verdampft. Das Quecksilber aus China landet deshalb auch bei uns. Das hat auch die EU erkannt, weshalb sie das Ziel hat, die Anwendung und den Export von Quecksilber zu verbieten.

Wenn verstorbene Amalgamträger auf dem Friedhof bestattet werden, wird das Amalgam auch nach einer gewissen Zeit frei. Es verdampft oder gelangt ins Grundwasser, in die Flüsse, in die Fische, in den Nahrungsmittelkreislauf und damit zurück zu uns. Hinzu kommt, dass auch lebende Amalgamträger Quecksilber-Dämpfe ausatmen und Quecksilber-haltigen Stuhl und Urin ausscheiden.

Nach einer Studie dürften etwa 20 Prozent aller Amalgamträger nicht mehr spucken, da ihr Speichel wegen zu hoher Quecksilbermengen als Sondermüll gilt. Nach einer anderen Studie dürften ein Grossteil der Amalgamträger ihren Speichel nicht schlucken, da der Grenzwert für Trinkwasser überschritten wird.

Angelika Fischer (r&z Redakteurin): Weiss man, wie Tiere und Pflanzen auf Quecksilber reagieren?

J. M.: Es gibt ein mysteriöses Sterben und Krankheitsanfälligkeiten bei Fischen und Walen. Bei den Pflanzen scheint es nicht so schlimm zu sein, die nehmen Quecksilber nicht so gut auf, wie eine Promotions-Arbeit von Dr. rer. nat. Rainer Trittler von unserem Institut zeigte.

Vor 14 Jahren wurden in der EU noch etwa 400 Tonnen Quecksilber verwendet, mehr als das Vierfache von heute. Heute sind es nach Schätzungen allein in Deutschland immer noch zehn bis 15 Tonnen und Quecksilber kann in der Umwelt nicht abgebaut werden. Kein Wunder, dass die toxischen Umweltbelastungen in den letzten Jahrzehnten um das Zigfache zugenommen haben. Raubfische dürften vielleicht mehr als das 100-fache an Quecksilber haben wie vor 300 Jahren.

Die lebenden EU-Bürger tragen etwa 2 000 Tonnen von diesem giftigsten nichtradioaktiven Element mit sich rum. Alleine damit könnten Sie 666 666 666 Menschen sofort töten, wenn man von einer tödlichen Dosis von drei Gramm pro Mensch ausgeht. Amalgam befindet sich in der höchsten Gift- Kategorie von Sondermüll. Der einzige sichere Ort für die Aufbewahrung dieses Sondermülls scheint bis jetzt nur der Mensch zu sein!

Artikel veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Ehlers Verlages

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Schwermetalle und ihre Wirkung auf die Gesundheit

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