Was ist Aktivkohle?

Die Aktivkohle – auch medizinische oder aktivierte Kohle genannt – ist nicht mit Grillkohle zu verwechseln. Es handelt sich hingegen um eine speziell hergestellte Kohle voller winziger Poren und Kanäle. Ihre Struktur ähnelt eher einem Schwamm. Dadurch verfügt sie über einen enorme Oberfläche. Ja, ein paar Gramm Aktivkohle haben bereits die Fläche eines Fussballfeldes von 5000 Quadratmetern. Ein einziges Gramm die Fläche von 1300 Quadratmetern.

Wie wird Aktivkohle hergestellt?

Aktivkohle kann z. B. aus Kokosnussschalen hergestellt werden. Die Schalen werden in riesigen Öfen mit 900 Grad heissem Dampf behandelt, man entfernt nur die Feuchtigkeit aus den Schalen, verbrennt sie also nicht, sonst hätte man Asche. Man behandelt weiter mit Dampf und Hitze, wodurch immer mehr Poren entstehen und sich auf diese Weise die Oberfläche vergrössert.

Wo ist Aktivkohle enthalten und wozu verwendet man Aktivkohle?

Aktivkohle findet sich an vielen Stellen des täglichen Lebens, etwa im Luftfilter im Auto, im Dunstabzug der Küche, im Wasserfilter, inzwischen auch in Kosmetikprodukten und als Farbstoff in Lebensmitteln (z. B. im Kaviar).

Besonders bekannt ist die Aktivkohle als Arzneimittel. In Form von Aktivkohletabletten haben viele Menschen sie in der Haus- und Reiseapotheke vorrätig. Meist nimmt man sie gegen Durchfall, da die Aktivkohle Bakterien, Bakteriengifte und auch überschüssiges Wasser im Darm binden kann. Auch gegen Blähungen ist Aktivkohle geeignet, da sie auch Gase aufnimmt.

Welche Produkte gibt es mit Aktivkohle?

Das bekannteste Produkt war einst die eben genannte Aktivkohletablette. Neben all den Einsatzgebieten im technischen Bereich kam die Aktivkohle in den letzten Jahren verstärkt im Lebensmittel- und Kosmetikbereich zum Einsatz. So gibt es mittlerweile pechschwarze Kaugummis und auch schwarze Zahncreme, da die Aktivkohle die Zähne in strahlendes Weiss tauchen können soll. Aber auch Burgerbrötchen, Getränke und Speiseeis werden mit der Aktivkohle schwarz gefärbt und sollen einfach nur cool aussehen oder aber den Konsumenten ganz nebenbei entgiften.

Die reine Aktivkohle gibt es als Pulver, Pellets, Tabletten oder Kapseln. In den Kapseln ist natürlich ebenfalls das Pulver abgefüllt. Während Tabletten und Kapseln eingenommen werden, sind Pellets eher für Filteranlagen gedacht, während das Pulver für äussere Anwendungen eingesetzt werden kann.

Soll man Tabletten oder Kapseln nehmen?

Tabletten enthalten überflüssige Hilfs- und Geschmacksstoffe, wie etwa Saccharose (Zucker), Lactose, Magnesiumstearat etc. Bei Kapseln sind diese Stoffe nicht erforderlich. Auch kann man Kapseln bei Bedarf öffnen und die Aktivkohle dann für äusserliche Anwendungen, Mundspülungen o. ä. verwenden.

Kann Aktivkohle entgiften?

Die Aktivkohle kann aufgrund ihres schwammartigen Aufbaus Stoffe der unterschiedlichsten Art an sich binden (adsorbieren). Im Darm ist dies besonders praktisch, da diese Stoffe dann nicht in die Blutbahn gelangen, sondern mit dem Stuhl ausgeschieden werden können. Ist ein Gift jedoch erst einmal in der Blutbahn, kann die Aktivkohle nicht mehr helfen. Sie bindet also nur Stoffe/Gifte, die sich im Darm befinden.

Aktivkohle gehört aufgrund ihrer starken Entgiftungsfähigkeiten auch zu den fünf Gegengiften („Bremer Liste“), die sich in der Ausstattung von Rettungswägen befinden.

Welche Gifte bindet Aktivkohle?

Die Aktivkohle bindet nicht alle Stoffe. Ihre Adsorptionsfähigkeiten sind bei Säuren, Laugen, Alkohol und Metallen nur eingeschränkt wirksam. Viele Medikamente hingegen kann sie gut binden und eignet sich daher auch sehr gut, wenn man eine Überdosis eingenommen hat. Auch oral aufgenommene Drogen und Pflanzengifte bindet sie meist.

Hat man versehentlich ein Gift (oder eine Medikamenten- oder Drogenüberdosis) eingenommen, dann ist es am besten, umgehend bei der Giftnotrufzentrale anzurufen. Dort erfährt man, welches Gegenmittel das beste ist und ob man Aktivkohle einsetzen soll oder nicht.

Die Geschichte der Aktivkohle

Im Jahr 1811 hat der französische Chemiker Michel Bertrand 5 Gramm Arsen zusammen mit Aktivkohle eingenommen, um die Wirkung der Aktivkohle zu demonstrieren – und er hat überlebt.

Eine ähnliche Idee hatte im Jahr 1831 der Wissenschaftler Touéry. Der Professor nahm vor den Augen seiner skeptischen Kollegen an der französischen medizinischen Akademie eine grössere Menge Strychnin zusammen mit Aktivkohle ein und hat ebenfalls überlebt.

Die entgiftende oder eher giftbindende Wirkung der Aktivkohle ist also schon mindestens 200 Jahre lang bekannt.

Hilft Aktivkohle bei Blähungen?

Bei Blähungen gilt Aktivkohle als altes Hausmittel. Verschiedene ältere Studien zeigen, dass die Einnahme von Aktivkohle Blähungen und Bauchkrämpfe lindern kann. Andere Studien ergaben keine Erfolge bei Blähungen, so dass es offenbar vom jeweiligen Menschen und der Art der Blähung abhängt, ob die Aktivkohle wirksam sein kann.

Im Handel gibt es kombinierte Produkte aus Aktivkohle und Fenchel. Fenchel ist eine bewährte Heilpflanze, die schon seit Jahrhunderten als erste Wahl bei Blähungen und Verdauungsbeschwerden gilt. Man nimmt davon dreimal täglich 2 Kapseln bzw. 500 mg Aktivkohle.

Hilft Aktivkohle gegen Durchfall?

Durchfall ist das traditionelle Einsatzgebiet von Aktivkohle. Auch in einem Review von 2018 gilt Aktivkohle als potentielle Therapiemöglichkeit bei Durchfall – ganz gleich, ob dieser bakteriell-toxisch bedingt ist oder im Rahmen des Reizdarmsyndroms auftritt, denn die Kohle bindet nicht nur Bakterien und toxische Stoffe, sondern auch das überschüssige Wasser im Darm.

Hilft Aktivkohle bei einem Kater?

Da Aktivkohle Alkohol nicht gut binden kann bzw. dieser bei einem Kater ja längst im Blut bzw. grösstenteils abgebaut ist und man unter den „Nachwehen“ leidet, hilft Aktivkohle bei einem Kater nicht, indem sie Alkohol bindet, wie viele glauben. Es könnte höchstens sein, dass sie giftige Stoffwechselabbauprodukte bindet, die beim Abbau des Alkohols entstanden sind, sich bereits im Darm befinden und nun von der Aktivkohle gebunden werden, bevor sie wieder in den Blutkreislauf gelangen können.

Kann Aktivkohle den Cholesterinspiegel senken?

Laut einer Studie von 1986 senkt Aktivkohle offenbar den (schlechten) LDL-Spiegel und erhöht gleichzeitig den (guten) HDL-Spiegel. Allerdings waren es nur 8 Probanden, die überdies eine sehr hohe Aktivkohle-Menge pro Tag einnahmen (vier Wochen lang dreimal täglich je 8 g). Nebenwirkungen seien seinerzeit vernachlässigbar gewesen. Doch stellt sich die Frage, ob man währenddessen auch die Vitalstoffspiegel überprüfte (da es bei längerer Aktivkohleeinnahme zu einem Vitaminmangel kommen könnte) oder bei Nebenwirkungen nur an Verdauungsbeschwerden dachte.

Kann Aktivkohle zwischen guten und schlechten Bakterien unterscheiden?

In einer In-Vitro-Studie aus 2001 zeigte sich, dass Aktivkohle schädliche E. Coli-Bakterien adsorbierte. Die maximale Adsorption erreichte die Aktivkohle innerhalb von fünf Minuten. In Bezug auf die normale, also gesunde Darmflora hingegen zeigte die Aktivkohle nur eine geringe Bindungskapazität. Wie es sich im Menschen selbst verhält, weiss man jedoch noch nicht, weil dazu noch keine Untersuchungen vorliegen.

Kann Aktivkohle auch Vitamine binden?

In einer Studie aus dem Jahr 2007 ergab sich, dass Aktivkohle bei gleichzeitiger Einnahme mit einem vitaminreichen Saft, zu einer starken, aber auch dosisabhängigen Reduzierung von Vitamin C und den Vitaminen B1, B3, B6 sowie von Biotin führte.

Aktivkohle kann also auch hilfreiche Stoffe (wie Vitamine) an sich binden (Mineralien eher weniger), was natürlich auf Dauer nicht erwünscht ist, weshalb man die Aktivkohle auch besser nur dann einnimmt, wenn man etwas Verdorbenes gegessen hat, wenn man versehentlich eine zu hohe Medikamentendosis eingenommen hat, man sich einen Magen-Darm-Infekt zugezogen hat oder aber an Blähungen leidet.

Man nimmt die Aktivkohle also keinesfalls prophylaktisch oder gar täglich ein, wenn es keinen driftigen Grund dafür gibt.

Warum entfärbt Aktivkohle Cola?

Gibt man eine grössere Portion Aktivkohle in ein Glas Cola, dann entfärbt sich das Getränk, was daran liegt, dass die Aktivkohle Farbstoffe aus der Cola an sich bindet, so dass nur noch eine mehr oder weniger geschmacklose klare Flüssigkeit übrig bleibt. Lediglich eine etwas saure Note bleibt erhalten, was daran liegt, dass Aktivkohle Säuren nicht gut bindet.

Hat man also versehentlich an einer Flasche Salzsäure genippt, dann ist Aktivkohle nicht das geeignete Gegenmittel. In diesem Fall heisst es eher, sehr viel Wasser zur Verdünnung der Säure trinken und am besten auch die Notaufnahme kontaktieren.

Macht Aktivkohle die Zähne weiss? Greift Aktivkohle die Zähne dabei an?

Die bakterien- und giftbindende Fähigkeit der Aktivkohle kann natürlich auch im Mund- und Zahnbereich nützlich sein und dort Kariesbakterien und sonstigen Unrat binden. Allerdings dürfte der Einsatz von Aktivkohle in der Zahncreme nicht viel hilfreicher sein als eine anderweitig gute Mund- und Zahnpflege.

Auch könnte die Aktivkohle aufgrund ihrer pulverigen Konsistenz abrasive Wirkung haben, was bedeutet, dass sie – wie viele Zahncremes, die weisse Zähne versprechen – eine Art Schmirgeleffekt hat und den Zahnschmelz beschädigen kann.

Man könnte gelegentlich eine Mundspülung mit der Aktivkohle machen, wenn man das möchte oder sie mit dem Finger vorsichtig auf die Zähne auftragen, kurz einwirken lassen und wieder ausspülen. Eine anderweitig hochwertige Zahnpflege ersetzt sie jedoch nicht, wozu z. B. das Ölziehen gehören kann, der Einsatz von Zahnseide, Xylitspülungen und natürlich dem Putzen mit einer natürlichen Zahncreme ohne abrasive Wirkung.

Wann und wie lange nimmt man am besten Aktivkohle ein?

Will man mit Aktivkohle ein akut verzehrtes Gift entgiften, dann sollte die erste Dosis – je nach Gift – innerhalb der ersten Stunde bis maximal vier Stunden später eingenommen werden.

Bei Beschwerden wie Durchfall, einem Kater oder Blähungen nimmt man die Kohle ein bis drei Tage lang. Aktivkohle wird also nicht regelmässig oder dauerhaft und auch nicht prophylaktisch eingenommen.

Wie dosiert man die Aktivkohle?

Die Dosis hängt vom Einsatzgebiet ab. Will man Blähungen bekämpfen, nimmt man Aktivkohle mehrmals täglich in kleinen Mengen (z. B. 3 x täglich 500 mg). Ist es akuter Durchfall, nimmt man Aktivkohle wie in der Packungsbeilage beschrieben, meist ebenfalls mehrere Dosen täglich.

In der Packungsbeilage geläufiger Kohletabletten werden bei Durchfall 3- bis 4-mal täglich 2 bis 4 Tabletten empfohlen (Kinder nehmen die Hälfte). Bei einer akuten Vergiftung könne die Zahl der Tabletten ohne Bedenken auf 50 erhöht werden.

Nicht vergessen! Die Aktivkohle sollte immer mit ausreichend Wasser eingenommen werden.

Bei einer akuten Vergiftung hingegen wird in der Schulmedizin oft nur eine einzige sehr hohe Dosis gegeben, z. B. 50 bis 100 g (mit der entsprechenden Menge Flüssigkeit!). Man kann aber auch in den folgenden Stunden noch weitere Dosen einnehmen (z. B. alle 2 bis 4 Stunden 25 bis 50 g), um möglicherweise noch übriggebliebene Partikel zu binden, was offenbar besonders hilfreich ist, wenn man eine Überdosis mancher Epilepsie- bzw. Narkosemittel eingenommen hat.

Kinder erhalten in der Erstdosis 1 bis 2 g Aktivkohle pro Kilogramm Körpergewicht, anschliessend alle 2 bis 4 Stunden 0,25 bis 0,5 g pro Kilogramm Körpergewicht.

Oft ersetzt ein Aktivkohletrunk selbst in der Klinik die früher übliche Magenspülung oder das herbeigeführte Erbrechen. In manchen Fällen ist es ratsam 30 bis 60 Minuten nach der Aktivkohlegabe ein salinisches Abführmittel (z. B. Glaubersalz) zu nehmen bzw. zu geben, damit die gebundenen Gifte den Körper schnellstmöglich verlassen können.

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Kann Aktivkohle äusserlich bei Wunden verwendet werden?

Auch äusserlich zur Wundauflage kann Aktivkohle verwendet werden. Sie nimmt aus Wunden sodann Bakterien, austretende Gewebeflüssigkeit, abgestorbene Gewebepartikel und auch Gerüche auf. Zu diesem Zweck gibt es fertige Wundauflagen mit Aktivkohlekern und oft auch Silberanteil zur Abtötung der Bakterien zu kaufen.

Bei kleinen Wunden oder Insektenstichen, verwendet man besser Heilerde, Bentonit oder Zeolith, die man mit etwas Wasser zu einem Brei verrührt, aufträgt und noch feucht nach z. B. 20 Minuten wieder abwäscht.

Kann Aktivkohle Gerüche aus dem Kühlschrank aufnehmen?

Stellt man ein Schälchen mit Aktivkohlepulver in den Kühlschrank, riecht es dort immer schön frisch. Schlechte Gerüche werden adsorbiert.

Kann Aktivkohle eingenommen werden, wenn man Medikamente nehmen muss?

Die gleichzeitige Einnahme von Medikamenten mit Aktivkohle würde die Wirkung des Medikaments beträchtlich herabsetzen, da die Aktivkohle die Wirkstoffe des Medikamentes adsorbiert, wie sich auch in dieser Untersuchung von 1988 zeigte.

Ein Zeitabstand von mehreren Stunden (mindestens vier) sollte eingehalten bzw. mit dem Arzt besprochen werden.

Kann Aktivkohle Nebenwirkungen haben?

Grundsätzlich gilt Aktivkohle für den kurzfristigen Einsatz als sicher, doch kann es auch hier in seltenen Fällen zu Nebenwirkungen kommen, wie z. B.

  • Magenschmerzen
  • Durchfall
  • Verstopfung
  • Erbrechen

Ausserdem sollte Aktivkohle wie bereits erwähnt nicht zusammen mit Medikamenten eingenommen werden, da es deren Wirkung beeinträchtigen könnte. Das gilt auch für die Antibaby-Pille.

Bei längerfristiger Einnahme von Aktivkohle kann es zu einem Vitaminmangel kommen.

Wie macht man eine Black Lemonde, die schwarze Limonade?

Ein trendiges Getränk ist derzeit die Black Lemonade, eine mit Aktivkohle schwarz gefärbte Limonade, die zur Entgiftung und auch zum Abnehmen getrunken wird. Was es damit auf sich hat und ob die schwarze Limonade tatsächlich entgiftet und schlanker macht, lesen Sie in unserem entsprechenden Artikel über schwarze Limonade.

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