Graues Haar – Wenn es nur ein natürliches Mittel gäbe!
Sobald die ersten grauen Haare in Erscheinung treten, macht sich beim Betreffenden nicht selten regelrechte Panik breit. Glücklicherweise gibt es Haarfarben, die in aller Kürze das Problem kaschieren, zumindest zwei oder drei Wochen lang.
Dann jedoch ist ein Nachfärben erforderlich, da sich das Grau mit jedem Millimeter Haarwachstum immer wieder in Erinnerung ruft.
Einst dachte man, ein natürliches Mittel - nämlich Zwiebelsaft - gefunden zu haben, damit die Haare wieder ihre ursprüngliche Farbe annehmen.
Graues Haar – So entsteht es
Europäische Wissenschaftler veröffentlichten 2013 im The FASEB Journal einen Bericht über die vermutlichen Ursachen des Ergrauens (1) sowie über eine Möglichkeit, graues Haar zu verhindern oder zu stoppen.
Bei Menschen, die graue Haare bekommen – so die Forscher – komme es im Haarfollikel aufgrund massiven oxidativen Stresses zu einer Anhäufung von Wasserstoffperoxid.
Eine gewisse Wasserstoffperoxidbildung in den Körperzellen ist normal. Dieses Wasserstoffperoxid wird jedoch im gesunden Körper schnell von bestimmten Enzymen (Katalasen) wieder abgebaut.
Bei Menschen nun, die graues Haar bekommen, könnte nicht nur die Wasserstoffperoxidbildung höher sein als gewöhnlich, sondern es könnte auch ein Mangel jener Enzyme vorliegen (2), die eigentlich für den Abbau des Wasserstoffperoxids zuständig sind.
Wasserstoffperoxid aber blockiert den natürlichen Aufbau des Melanins (dem Farbpigment von Haut und Haar) und bleicht das Haar auf diese Weise aus. Man bekommt weisses bzw. graues Haar.
Also müsste man "nur" noch ein Mittel finden, das sich um die Entfernung des Wasserstoffperoxids kümmern könnte und das natürlich nebenwirkungsfrei und einfach angewendet werden kann. Und genau dieses Mittel gegen graues Haar glaubten die Forscher gefunden zu haben.
Ein Mittel gegen graues Haar
Es handelt sich um eine sog. modifizierte und mit UVB-Strahlung aktivierte Pseudokatalase. "Pseudo" deshalb, weil es sich um ein nachgebautes Enzym handelt, das jenem körpereigenen Enzym ähnelt, welches im Organismus Wasserstoffperoxid rasch zu Wasser und Sauerstoff abbauen kann, so dass dieses seine bleichende Wirkung verliert (4) .
Die Pseudokatalase wird auch PC-KUS abgekürzt und soll zum Zwecke der Repigmentierung des Haares direkt auf die Kopfhaut aufgetragen werden.
Ein Mittel gegen Vitiligo
PC-KUS wurde jedoch insbesondere für die Therapie von Vitiligo entwickelt. Vitiligo ist die sog. Weissfleckenkrankheit, eine Hautkrankheit, bei der sich manche Hautpartien entfärben, so dass letztendlich ein fleckiges Erscheinungsbild zurück bleibt.
Der Entstehungsmechanismus von Vitiligo ist nach Meinung der Wissenschaftler annähernd derselbe wie jener, der zu grauem Haar führt.
Beide Problematiken – graues Haar und Vitiligo – belasten die Betroffenen insbesondere sehr stark seelisch, so die Studienleiterin Prof. Dr. Karin U. Schallreuter. Können Haar und Haut wieder pigmentiert werden, also ihre natürliche Farbe zurückgewinnen, dann verbessere dies ganz enorm die Lebensqualität dieser Menschen.
Studie mit Vitiligo-Patienten
Schallreuter führte die Studie in enger Zusammenarbeit mit der Universität von Greifswald in Deutschland und dem britischen Centre for Skin Sciences der Universität in Bradford.
Dabei wurde eine internationale Gruppe aus 2411 Patienten mit Vitiligo untersucht. Man stellte fest, dass die Patienten unter extremem oxidativen Stress litten und bei ihnen gleichzeitig eine niedrige Katalaseaktivität gemessen werden konnte.
Und was hat all das nun mit Zwiebelsaft zu tun?
Zwiebelsaft gegen graues Haar?
Zwiebelsaft wird schon seit Jahrhunderten von Naturheilkundigen als Hausmittel gegen graues Haaroder auch gegen Haarausfall empfohlen.
Allerdings gilt es zu unterscheiden zwischen dem ausgekochten Sud der Zwiebelschale, der zur Färbung von Ostereiern oder auch zur Tönung von Haaren eingesetzt wird und dem tatsächlichen Zwiebelsaft, der dafür sorgen soll, dass das graues Haar in seiner natürlichen Farbe wieder nachwächst.
Wie macht das der Zwiebelsaft? Zunächst einmal hat Zwiebelsaft eine gewisse klärende und antibakterielle Wirkung, wodurch die Kopfhaut gereinigt und ihre Durchblutung angeregt wird. Zusätzlich soll der Saft die Produktion der Katalase in der Kopfhaut anregen – und die Katalase kennen Sie ja inzwischen: Sie baut Wasserstoffperoxid ab und beugt so grauem Haar vor.
Zwiebelsaft und Sonne gegen Haarausfall
Die oben genannte von den Forschern nachgebaute Pseudokatalase namens PC-KUS wirkt stärker als die Naturform, und zwar deshalb, weil sie mit UVB-Strahlung aktiviert wird.
Interessant ist in diesem Zusammenhang, was der berühmte naturheilkundige Arzt John Gerard (1545-1612) einst in Bezug auf Haarausfall und Zwiebelsaft schrieb:
"Der Saft von Zwiebeln, der auf einen kahlen Kopf in der Sonne aufgetragen wird, bringt das Haar sehr schnell wieder zurück."
Also arbeitete man auch schon damals mit einer Aktivierung der UV-Strahlung, um die Wirkung des Zwiebelsaftes zu verstärken. Nur wusste man seinerzeit sicher noch nicht viel von Katalasen und UV-Strahlung.
Zwiebelsaft – Die Anwendung
Noch heute empfehlen viele Heilpraktiker oder Kräuterkundige Zwiebelsaft entweder allein oder in Kombination mit anderen natürlichen Stoffen als Heilmittel gegen dünner werdendes oder graues Haar.
Die Anwendungsempfehlungen sind dabei nur wenig exakt:
Man nimmt – was bei Kurzhaarfrisuren möglich ist – eine angeschnittene Zwiebel und reibt die Schnittfläche über die Kopfhaut. Oder aber man entsaftet die Zwiebel mit einem Entsafter und massiert den Saft mehrmals täglich in die Kopfhaut ein.
Nebenwirkungen der Zwiebelsaft-Kur
Wenn man jedoch den Zwiebelsaft auf die Kopfhaut aufträgt, was ja laut der obigen Anleitung mehrmals täglich geschehen soll und es natürlich auch nicht ausreicht, wenn dies nur an einem Tag gemacht wird, dann riecht man auch nach Zwiebel. Das merken nicht nur die Mitmenschen, sondern man selbst hat ebenfalls ständig den Zwiebelgeruch in der Nase, was äusserst unangenehm sein kann.
Ist die Wirkung tatsächlich belegt?
Die Idee, Zwiebelsaft gegen graues Haar einzusetzen, wurde jedoch nie belegt. Man zweifelt hingegen, ob der Saft überhaupt in der Lage ist, so tief in der Kopfhaut die Katalasebildung anzuregen. Und selbst wenn dies gelänge, oft sind gar keine aktiven pigmentbildenden Zellen im Haarfollikel mehr vorhanden, die zur Entstehung "farbiger" Haare beitragen könnten.
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Nährstoffe für die Gesundheit Ihrer Haare
Ganz gleich, ob das Haar nun grau oder dünner wird, es braucht in jedem Fall eine gute Pflege und Nährstoffversorgung. Eine gesunde naturbelassene und nährstoffreiche Ernährung ist für das Haar - genau wie für den übrigen Organismus - die entscheidende Basis.
Die beste Ernährung für gesundes Haar ist basenüberschüssig, vollwertig, reich an Silizium, B-Vitaminen, Omega 3-Fettsäuren, Calcium sowie Eisen und verfügt über die individuell passende Proteinmenge. Andere wichtige Mikronährstoffe sind ausreichend Antioxidantien, Spurenelemente und Vitamin A.
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Viele weitere Empfehlungen finden Sie in unserem Artikel 12 natürliche Tipps für schönes Haar.
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Update 12.10.2026
Wir ergänzten den Artikel mit dem Abschnitt "Ist die Wirkung tatsächlich belegt?".