Kinder-Rheuma, wenn häufig Antibiotika geschluckt werden

Bislang wusste man nicht viel über die Ursachen der juvenilen Arthritis (Kinder-Rheuma) und steckte sie kurzerhand in die Schublade der Autoimmunerkrankungen.

Eine Studie, die im Juli 2015 im Fachjournal Pediatrics veröffentlicht wurde, liess jetzt aber erkennen, dass Antibiotika eine der bislang unbekannten Ursachen für Kinder-Rheuma sein können. Wenn nämlich – laut besagter Studie – Kinder öfter Antibiotika bekommen, dann steigt ihr Risiko deutlich, in wenigen Jahren an Kinder-Rheuma zu erkranken.

Und wenn bis vor wenigen Jahren noch müde gelächelt wurde, wenn man in der Naturheilkunde vor der schädlichen Wirkung der Antibiotika auf die Darmflora warnte, so wird jetzt die Entstehung der juvenilen Arthritis auf genau diesen Mechanismus zurückgeführt.

Darmflora-Schäden durch Antibiotika sind Ursache von Kinder-Rheuma

Antibiotika – so heisst es nun – schädigen die Darmflora, schwächen somit das Immunsystem und ermöglichen jetzt Infektionen mit seltenen Krankheitserregern. Diese aber können das Immunsystem derart irritieren, dass es zu Autoimmunerkrankungen wie der juvenilen Arthritis komme.

In der Studie des Forscherteams der Rutgers University aus New Jersey wurden Daten von 450.000 Kindern ausgewertet, von denen 152 an einer juvenilen idiopathischen Arthritis litten. Es zeigte sich, dass die Rheuma-Kinder in der frühen Kindheit doppelt so häufig Antibiotika erhalten hatten (z. B. bei Atemwegsinfektionen) als gesunde Kinder. Ja, das Risiko, an Rheuma zu erkranken, verdreifachte sich, wenn Kinder mehr als fünf Antibiotikatherapien bekommen hatten. Meist trat die Arthritis schon im ersten Jahr nach einer Antibiotikagabe ein.

Darmflora erholt sich nach Antibiotika nicht immer

Darmflora-Schäden durch Antibiotika werden dennoch nach wie vor massiv unterschätzt. So glauben beispielsweise immer noch viele Ärzte, dass sich die Darmflora nach einer Antibiotikatherapie selbständig erholen werde. Oft tut sie das auch, aber nicht immer. Nichtsdestotrotz kann diese Erholungsphase viele Wochen oder Monate lang dauern – und in genau dieser Zeit ist das Kind oder auch der Erwachsene für viele Krankheiten sehr viel anfälliger, als er es mit gesunder Darmflora wäre.

Drei Antibiotikatherapien – und die Darmflora erholt sich nicht mehr

Zusätzlich zeigen Ergebnisse einer Studie, die im Juni 2015 im Magazin Nature Communications veröffentlicht wurde, dass die durch Antibiotika veränderte Darmflora sich allein über die Ernährung nicht mehr in eine gesunde Darmflora zurückverwandeln konnte. Sie war – und zwar nach etwa drei Antibiotikatherapien – resistent gegen positive Ernährungseinflüsse geworden (zumindest bei Mäusen).

Antibiotika wirken wie Mastverstärker

Ausserdem führten Antibiotika – laut dieser Untersuchung – zur Entwicklung grösserer Knochen und einer höheren Muskelmasse, weshalb Antibiotika (in regelmässigen kleinen Dosen) auch gerne in der Viehmast zur Mastförderung eingesetzt werden. Die häufigen Antibiotikagaben in der Kindheit könnten somit auch ein Grund dafür sein, dass viele Kinder heutzutage viel schneller wachsen als Gleichaltrige, die kein Antibiotikum erhalten und auch grösser und massiger sind als diese.

Antibiotika verändern Leberfunktionen

Dieses übermässige Wachstum – so Martin Blaser von der New York University – könnte auf die (durch Antibiotika) veränderte Leberfunktion zurückzuführen sein. Die Leber bilde unter Antibiotikaeinfluss veränderte Enzyme, die nun auch ein verändertes Wachstumsschema initiierten.

Es ist also unabdingbar, vor jeder Antibiotika-Einnahme genau abzuwägen, ob eine solche Therapie notwendig ist oder ob es nicht gar Alternativen geben könnte. Darüber hinaus sollten während der Antibiotika-Therapie (bis mindestens sechs Wochen nach der Therapie) hochwertige Probiotika eingenommen werden, um auf diese Weise die Darmflora wieder zu regenerieren (siehe auch hier: Aufbau der Darmflora).

Quellen

  • Strom BL et al., Antibiotic Exposure and Juvenile Idiopathic Arthritis: A CaseControl Study, Pediatrics, Juli 2015, (Einsatz von Antibiotika un juvenile idiopathische Arthritis: Eine Fall-Kontroll-Studie)
  • Blaser MJ et al., Metabolic and metagenomic outcomes from early-life pulsed antibiotic treatment, Nature Communications, Juni 2015, (Metabolische und metagenomische Auswirkungen von gepulster Antibiotikabehandlung in der frhen Kindheit)

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