Schilddrüsenkrebs nur scheinbar häufiger

Aus schulmedizinischen Kreisen wurde in den letzten Jahren verschiedentlich die Meldung laut, dass die Zahl der an Schilddrüsenkrebs erkrankten Menschen in alarmierender Weise angestiegen sei.

Es handle sich hauptsächlich um den sog. Papillären Schilddrüsenkrebs, der heute am weitesten verbreiteten Form des Schilddrüsenkrebses.

Die Anzahl der Betroffenen habe sich in den letzten drei Jahrzehnten verdreifacht. Eine neue Untersuchung von Forschern der Dartmouth Medical School in New Hampshire, USA liefert endlich auch die ersehnte Erklärung für diese "Epidemie".

Nicht die Zahl des Schilddrüsenkrebses habe sich vervielfacht - so die Wissenschaftler - sondern die zum Zwecke der Schilddrüsenuntersuchung durchgeführte Zahl der Ultraschalltests und der Biopsien.

Schilddrüsenkrebs ohne Behandlung überleben?

Gleichzeitig fanden die Forscher heraus, dass die grosse Mehrheit der Menschen mit dieser Art von Krebs die Krankheit überlebt - auch dann, wenn sie überhaupt nicht gegen ihren Krebs behandelt werden.

Die Details der Untersuchung wurden in der Maiausgabe der Archives of Otolaryngology, Head & Neck Surgery veröffentlicht.

Die beteiligten Forscher gingen unter anderem darauf ein, dass Papillärer Schilddrüsenkrebs oft bei Autopsien von Menschen festgestellt werde, die aus ganz anderen Gründen verstorben waren, zu Lebzeiten also gar nicht wussten, dass sie von Schilddrüsenkrebs befallen waren.

Dies - so die Wissenschaftler - sei eine Tatsache, die schon seit einschlägigen Untersuchungen aus dem Jahre 1947 bekannt seien.

Jeder hat Schilddrüsenkrebs

Erst kürzlich erläuterte ein weiterer Bericht, dass bei nahezu jeder Schilddrüse eine Krebserkrankung festzustellen sei, wenn man nur lange genug danach suche,

schrieben die Autoren der Studie.

Die Einführung von Ultraschall und Biopsien erlaubt es heute, Krebstumoren zu identifizieren, die früher mangels passender Diagnoseverfahren nicht aufzuspüren waren - was selbstverständlich die ganze Epidemiologie dieser Krankheit veränderte. Innerhalb der letzten 30 Jahre erhöhte sich daher die Zahl von Schilddrüsenkrebs um den Faktor 3. Die Rede ist dabei ausschliesslich von Papillärem Schilddrüsenkrebs und hier zum Grossteil (zu 87 Prozent) von Tumoren, die kleiner als zwei Zentimeter waren.

Die Studie

Louise Davies, M.D. vom Uniklinikum Dartmouth und Gilbert Welch, M.D. vom Institut für Gesundheitspolitik und Klinische Praxis in Dartmouth, untersuchten sämtliche Fälle von Schilddrüsenkrebs und deren Therapien aus den Datenbanken des National Cancer Institutes (NCI).

Dann suchten sie im National Vital Statistics System nach den Todesursachen der ursprünglich mit Schilddrüsenkrebs diagnostizierten Menschen.

Die Forscher fanden heraus, dass sich von 35.663 Menschen mit Papillärem Schilddrüsenkrebs (der sich bei Diagnosestellung noch nicht auf die Lymphknoten oder andere Bereiche des Körpers ausgebreitet hatte) 440 Patienten (1,2 Prozent) keiner sofortigen Behandlung (in diesem Fall: Operation) unterzogen hatten.

Sechs Jahre später waren nur 6 dieser Patienten auf Grund des Schilddrüsenkrebses verstorben.

Die übrigen 35.223 an Schilddrüsenkrebs erkrankten Patienten wurden operiert. Man entfernte ihnen also - teilweise oder vollständig - die Schilddrüse und behandelte sie anschliessend ggfs. mit den üblichen Methoden (Chemotherapie, Bestrahlung, etc.).

Nach sechs Jahren war in dieser Gruppe dieselbe Sterbe- bzw. Überlebensrate zu beobachten wie in der Gruppe der nicht operierten Patienten.

Identische Überlebensrate bei Behandelten und Nicht-Behandelten

In Zahlen: In der Gruppe der behandelten Patienten betrug die Überlebensrate 99 Prozent, in der Gruppe der nicht behandelten Patienten betrug sie 97 Prozent.

Der geringe Unterschied wurde von den Wissenschaftlern in Dartmouth als statistisch nicht signifikant bezeichnet. Das Ergebnis der Studie kann mit folgendem Satz zusammen gefasst werden:

Fast jeder, der die Diagnose Papilläres Schilddrüsenkarzinom erhalten hatte, überlebte diese Erkrankung – unabhängig davon, ob eine Behandlung stattfand oder nicht. Daher sollten Ärzte und Patienten ernsthaft darüber nachdenken, den Tumor eventuell erst einmal für ein Jahr oder gar länger zu beobachten, bevor zur Tat geschritten bzw. zum Messer gegriffen werde,

empfahlen die Forscher Louise Davies und Gilbert Welch.

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