Bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) wird häufig nicht an Nährstoffmängel gedacht

Bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa liegt ein Ungleichgewicht des Immunsystems vor. Durch die entzündlichen Prozesse kommt es nachweislich zu einer Schädigung der Darmschleimhaut: Schmerzen, Übelkeit und Durchfall sind die Folge. Während bei Colitis ulcerosa verwiegend der End- und Dickdarm betroffen sind, kann bei Morbus Crohn der gesamte Verdauungstrakt in das Krankheitsgeschehen involviert sein.

Nur zu oft wird vergessen, dass eine intakte Darmschleimhaut auch für die korrekte Aufnahme von Nahrungsmittelbestandteilen essentiell ist. In der aktuellen Therapie-Leitlinie für Ärzte wird im Zusammenhang mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen zwar auf mögliche Vitamin-B12-, Vitamin-D-, Eisen- und Zinkmängel verwiesen. In der Praxis wird daran aber oft nur bei schweren Verläufen gedacht, beispielsweise wenn der Patient bereits stark untergewichtig ist (4).

Bei CED Vitamin- und Mineralstoffspiegel überprüfen

Eine Studie von 2019 zeigte jedoch, dass bei CED generell eine Überprüfung der Vitamin- und Mineralstoffspiegel stattfinden sollte, da Mängel häufiger vorliegen als vermutet. Kanadische Forscher untersuchten aus diesem Grund den Zusammenhang zwischen Chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und Nährstoffmängeln bei Erwachsenen und geben in ihrer Veröffentlichung im Fachjournal Nutrients einen Überblick über die wichtigsten Mikronährstoffe und ihre Bedeutung in der Behandlung (1, 2).

Bei CED leiden Patienten an mehrfachen Nährstoffdefiziten

Es ist bekannt, dass ein vermehrter Konsum von fetten Nahrungsmitteln, verarbeiteten Fleisch- und Eiweissprodukten die Symptome von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa in vielen Fällen verschlimmern kann (3). Viele Menschen verzichten zusätzlich wegen Unverträglichkeiten auf bestimmte Nahrungsmittelgruppen, wie stark gewürzte Speisen, rohes Gemüse oder Obst und säurehaltige Fruchtsäfte. In Kombination mit der geschädigten Darmbarriere kann es dadurch zu einem Mangel an Nährstoffen kommen.

Folglich überrascht es nicht, dass gleich ein ganzes Dutzend relevanter Vitamine, Mineralien und Spurenelemente bei Menschen mit CED fehlen können. Im Besonderen sollte auf eine ausreichende Zufuhr von Vitamin A, Folsäure, Vitamin B12, Vitamin D, Calcium, Eisen und Zink geachtet werden.

Wird an eine Basis-Supplementation gedacht, ist ein Multivitaminpräparat gegenüber Einzelsubstanzen vorzuziehen und das ausgewählte Produkt bestenfalls mit dem behandelnden Arzt abzusprechen. Bei einem nachgewiesenen Mangel einzelner Vitalstoffe empfiehlt sich eine ärztlich kontrollierte Hochdosistherapie mit den entsprechenden Stoffen, um das Defizit rasch auszugleichen.

Nachfolgend stellen wir die einzelnen bei CED besonders wichtigen Nährstoffe und ihre Bedeutung für CED-Patienten vor.

Vitamin A – Gegen Entzündungen

Vitamin A gehört zu den fettlöslichen Vitaminen und ist im Körper unter anderem an der Regulation des Immunsystems und auch an der Entzündungshemmung beteiligt. Aufgenommen wird es meist in Form von Betacarotin (aus Obst und Gemüse, z. B. Karotten, Süsskartoffeln, Kürbis), welches eine Vorstufe von Vitamin A darstellt, im Körper also ganz nach Bedarf in Vitamin A umgewandelt werden kann.

Bis zu 90 % der CED-Patienten sind von einem Vitamin-A-Mangel betroffen, was ungünstig ist, denn Vitamin A senkt die Produktion entzündungsfördernder Zytokine (Botenstoffe im Körper) wie Interleukin-6, erhöht die Widerstandsfähigkeit der Darmschleimhaut und fördert die Einwanderung regulatorischer T-Zellen (Immunzellen) in die Darmschleimhaut, die das bei CED übermässig aktive Immunsystem beruhigen.

Die allgemeinen Symptome eines Vitamin-A-Mangels (auch bei Menschen ohne CED) sind eine gestörte Wundheilung und eine erhöhte Infektanfälligkeit bis hin zu Nachtblindheit.

Folsäure – Besonders Frauen mit CED haben oft einen Mangel

Folsäure wird im menschlichen Körper für die Blutbildung benötigt. Ein Mangel kann zu einer Anämie führen bzw. diese verstärken. Des Weiteren wird die Konzentration des pro-oxidativen Homocysteins erhöht, welches mit thrombotischen Ereignissen (Bildung von Blutgerinnseln in den Gefässen) in Verbindung gebracht wird.

Homocystein ist ein Stoffwechselprodukt, das im Rahmen des Proteinstoffwechsels entsteht und zügig abgebaut werden muss, da es andernfalls entzündungsfördernde Eigenschaften bzw. die genannte pro-oxidative Wirkung hat. Pro-oxidativ bedeutet, dass Homocystein die Entstehung freier Radikale fördert. Besteht nun ein Mangel an Folsäure und Vitamin B12 kann das Homocystein nicht mehr umfassend abgebaut werden.

Bei CED wird eine erhöhte Anzahl thrombotischer Ereignisse beobachtet, was möglicherweise auf den besagten Mangel zurückzuführen ist. Bei bis zu drei Vierteln der CED-Patienten kann ein Folsäuremangel nachgewiesen werden, deutlich häufiger bei Frauen.

Als weitere Nebenwirkungen eines Folsäuremangels können neben einer Anämie auch Entzündungen des Zungenkörpers und der Mundschleimhäute beobachtet werden.

Vitamin B12 – Bei CED fast immer zu wenig

Vitamin B12 ist nicht nur für die Verstoffwechselung von Kohlenhydraten, Eiweissen und Fetten notwendig, sondern auch für die Blutbildung und ein gesundes Nervensystem. Meist resultiert ein Mangel in Fehlempfindungen an den Füssen und Händen, wie Taubheit, Zittern oder Brennen. Aber auch Tagesmüdigkeit, Schlafstörungen und Konzentrationsstörungen könenn bei einem B12-Mangel auftreten.

Für die Aufnahme aus dem Darm muss das Vitamin B12 an ein Transprorterprotein (Intrinsic Faktor) gebunden werden, welches wiederum von der Magenschleimhaut gebildet wird. Dieses Vitamin-B12-Protein-Paket wird dann am Ende des Dünndarms resorbiert. Tatsächlich ist dieser Mechanismus bei vielen CED-Patienten gestört und so verwundert es nicht, dass nahezu alle untersuchten Personen einen Vitamin-B12-Mangel aufwiesen.

Bei Vitamin B12 ist es oft besser höhere Mengen als die üblicherweise empfohlenen 3 bis 5 µg aufzunehmen. Werden 1000 µg (oder mehr) eingenommen, dann kann der Bedarf häufig über die sog. passive Resorption gesichert werden. Bei der passiven Resorption können etwa 1 Prozent des aufgenommenen Vitamin B12 über Diffusion direkt die Darmschleimhaut passieren.

Wir stellen hier die Vor- und Nachteile der verschiedenen Vitamin-B12-Darreichungsformen vor (Tropfen, Kapseln, Spritzen, Nasentropfen und Zahncreme mit Vitamin B12).

* Sie finden z. B. hier ein kombiniertes Folsäure-Vitamin-B12-Präparat, das 1000 µg Vitamin B12 und 400 µg Folsäure liefert.

Vitamin D – Weniger Medikamente und weniger Operationen bei gesundem Vitamin-D-Spiegel

Eigentlich ist Vitamin D gar kein Vitamin, da es unter Einfluss von Sonnnenlicht vom Körper (in der Haut) selbst gebildet werden kann. Im Hinblick auf seine vielfältigen Aufgaben im Organismus wäre vielmehr die Bezeichnung Hormon angebracht. Vitamin D ist besonders aktiv im Knochenstoffwechsel, hat aber auch bedeutende Aufgaben im Immunsystem inne und kann die Entzündungsantwort im Darm reduzieren.

Sei es nun wegen der Krankheit selbst, einer speziellen Diät oder einfach aus dem Grund, dass man bei CED seltener vor die Tür (in die Sonne) geht: Bei fast 70 % der Patienten kann ein Mangel an diesem Vitamin nachgewiesen werden.

In einer Studie von 2016, die im American Journal of Gastroenterology veröffentlicht wurde (5), stellte man anhand von 965 CED-Patienten fest, dass jene, die einen niedrigen Vitamin-D-Spiegel aufwiesen, einen schwereren Krankheitsverlauf hatten. Sie benötigten deutlich mehr Medikamente, liessen häufiger eine CT durchführen, mussten öfter in der Klinik behandelt werden und wurden auch öfter operiert als CED-Patienten, die einen normalhohen Vitamin-D-Spiegel hatten.

Wenn die Vitamin-D-Mangel-Patienten nun aber Vitamin D in Form von Nahrungsergänzungen erhielten, dann benötigten sie deutlich seltener medizinische Hilfe.

Wir haben hier bereits eine Studie vorgestellt, die zeigte, dass Vitamin-D-Mangel das Risiko für einen Schub bei Colitis ulcerosa erhöhen kann. Und hier geht es um eine Metaanalyse aus dem Jahr 2018, in der sich zeigte, dass Vitamin D bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen die Zahl der Schübe verringern konnte.

Was Sie bei der Einnahme von Vitamin D beachten sollten (die immer individuell und gemäss dem aktuellen Vitamin-D-Status erfolgen sollte), lesen Sie in unserem Artikel über die richtige Einnahme von Vitamin D.

Calcium – Knochengesundheit bei CED fördern

Das Mineral Calcium ist ohne Frage für einen gesunden Knochen essentiell. Die Aufnahme findet im Dünndarm über spezielle Rezeptoren statt. Diese Rezeptoren werden bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa in ihrer Arbeit gestört, so dass Calcium nicht mehr im vollen Umfang resorbiert werden kann, sondern vermehrt mit dem Stuhl ausgeschieden wird.

Wird jedoch zu wenig Calcium über die Nahrung aufgenommen, zapft der Körper die Reserven im Knochen an, um den Calcium-Blutspiegel zu erhöhen. Im Blut muss die Calciumkonzentration innerhalb sehr enger Grenzen gehalten werden. Das ist wichtig für eine gesunde Herz- und Muskelfunktion. In den bisherigen Studien weisen oft bis zu 90 % der CED-Patienten einen Calciummangel auf. Als Symptom werden am häufigsten Muskelkrämpfe beschrieben.

Falls bei Ihnen eine Calciumsupplementierung erforderlich sein sollte, bieten wir hier einen Überblick über die besten Calciumpräparate.

Eisen – Bei Blutarmut

Eisen ist eines der am besten untersuchten Spurenelemente bei CED-Patienten. Viele von ihnen entwickeln im Laufe ihrer Erkrankung bedingt durch die gastrointestinalen Blutungen eine Anämie. In der Tat geht ein Grossteil des Eisens über diese Blutverluste verloren und bei fast allen Erkrankten wird ein relevanter Eisenmangel festgestellt.

Ziel einer Supplementierung ist daher die Normalisierung der Eisen- und Hämoglobinlevel im Blut. Eisenmangel führt bekanntermassen zu typischen Symptomen wie Müdigkeit, Konzentrationsproblemen und Infektanfälligkeit. Unterstützen sollten Sie eine Supplementierung soweit möglich mit eisenreichen Lebensmitteln.

Besonderheit bei der Bestimmung der Eisenwerte bei CED

Normalerweise wird der Eisenspiegel mit Hilfe des Ferritinwertes im Serum bestimmt. Ferritin ist das Speichereisen, das also anzeigt, wie gut die Eisenspeicher gefüllt sind. Bei einer chronisch entzündlichen Erkrankung kann der Ferritinspiegel jedoch verfälscht sein. Er kann also normal oder sogar hoch sein, obwohl die Eisenvorräte leer sind.

Bei einer CED sollte der Eisenspiegel daher mit Hilfe der sog. Transferrinsättigung bestimmt werden. Transferrin ist der Eisentransporter im Körper. Transferrin transportiert das Eisen also z. B. vom Darm an jene Orte im Körper, wo gerade Eisen benötigt wird. Die Transferrinsättigung zeigt an, in welchem Umfang die Transporter mit Eisen beladen sind. Ist dieser Wert niedrig, liegt ein Eisenmangel vor (6).

Herkömmliche Eisenpräparate sind oft nicht gut verträglich und schlagen vielen Menschen auf den Magen-Darm-Trakt, was gerade bei CED alles andere als erwünscht ist. Wir stellen hier natürliche und gut verträgliche, aber dennoch hochdosierte Eisenpräparate vor.

* Eisen aus dem Curryblatt und Vitamin C finden Sie hier unter diesem Link.

Zink – Senkt Anzahl der Klinikaufenthalte bei CED

Das Element Zink ist ein wesentlicher Ko-Faktor von lebensnotwendigen Enzymen und besonders an der Wundheilung beteiligt. Ein guter Zinkstatus senkt nachweislich die Anzahl der Klinikaufenthalte, der notwendigen Operationen und Komplikationen bei Menschen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen.

Bei bis zu zwei Dritteln der Patienten kann jedoch ein Zinkmangel nachgewiesen werden. Man geht davon aus, dass vorab bei starken Durchfällen 20 bis 40 mg Zink täglich über den Stuhl verloren gehen. Ein Zinkmangel zeigt sich in Wundheilungsstörungen und einer erhöhten Infektanfälligkeit. Auch Vitamin-B-Defizite werden durch einen Zinkmangel begünstigt, da Zink Bestandteil zahlreicher, für den Vitamin-B-Stoffwechsel notwendiger Enzyme ist.

* Chelatiertes Zink finden Sie hier unter diesem Link.

Fazit: Vitamin- und Mineralstoffmängel bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen

Menschen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen leiden somit nicht nur an den Symptomen ihrer Krankheit, sondern auch an multiplen Mikronährstoffmängeln und den davon verursachten Beschwerden. Die Europäische Gesellschaft für klinische Ernährung und Metabolismus (ESPEN) empfiehlt daher zumindest eine jährliche Kontrolle der Mikronährstoffe und bei Defiziten gegebenenfalls eine Supplementierung.

Ein guter Mikronährstoffstatus ist natürlich nicht nur im Hinblick auf die Krankheitsaktivität bedeutend, sondern steigert auch das allgemeine Wohlbefinden und die Lebensqualität der an Morbus Crohn und Colitis ulcerosa Erkrankten.

Mikronährstoffmängel können heutzutage problemlos (vom Arzt oder Heilpraktiker) mit einer Blutabnahme festgestellt werden. Das Ergebnis erhalten Sie üblicherweise binnen weniger Tage. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt das weitere Vorgehen.

Sie finden hier interessante Informationen zur Diagnose von Vitaminmängeln und Mineralstoffmängeln.

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Quellen

  1. Kyle K., Holly M., Lindsay B. et al.: Micronutrient Absorption and Related Outcomes in People with Inflammatory Bowel Disease: A Review, Nutrients, 2019; 11(6): 1388
  2. Hwang C., Ross V., Mahadevan U.: Micronutrient deficiencies in inflammatory bowel disease: from A to zinc, Inflamm Bowel Dis, 2012; 18(10):1961-81
  3. Limdi, J.K. Dietary practices and inflammatory bowel disease. Indian J. Gastroenterol. 2018, 37, 284–292
  4. Preiß JC et al., Aktualisierte S3-Leitlinie, „Diagnostik und Therapie des M. Crohn“ 2014, AWMF-Registriernummer: 021-004
  5. Kabbani TA et al. Association of Vitamin D Level With Clinical Status in Inflammatory Bowel Disease: A 5-Year Longitudinal Study. Am J Gastroenterol 2016; 111 (5): 712–719.
  6. Eisenmangel, Amboss – Fachwissen für Mediziner, abgerufen am 2.6.2020