Ballaststoffe

Schwangerschaft: Ballaststoffe schützen Kind vor Asthma

  • Autor: Carina Rehberg
  • aktualisiert: 13.03.2019
Schwangerschaft: Ballaststoffe schützen Kind vor Asthma
© gettyimages.ch/Anna_Om

In der Schwangerschaft sind Ballaststoffe besonders wichtig. Getreidekeimlinge, Früchte, Nüsse, Samen und Gemüse regen die Darmtätigkeit an, vermindern Heisshungerattacken und versorgen die werdende Mutter und ihr Baby mit wichtigen Nährstoffen. Doch Ballaststoffe schützen den Nachwuchs nach der Geburt auch vor einer Krankheit, unter der immer mehr Kinder zu leiden haben: Eine Studie hat nun gezeigt, dass eine ballaststoffreiche Kost in der Schwangerschaft die Asthma-Anfälligkeit drastisch reduziert.

Inhaltsverzeichnis

Asthma im Kindesalter

In den Industrieländern zählt Asthma mittlerweile zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindesalter – in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist etwa jedes zehnte Kind betroffen.

Asthmatiker leiden an einer dauerhaften Entzündung der Bronchialschleimhaut, was zu einer Überempfindlichkeit der Atemwege führt. Der Begriff "Asthma" kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet so viel wie "schweres Atmen", was auch auf die Symptome der Erkrankung hindeutet: ständiger Hustenreiz, pfeifende Atmung, Engegefühl in der Brust, Müdigkeit und Atemnot.

Aber warum erkranken immer mehr Kinder an Asthma? Die Kleinen kommen vermehrt mit Faktoren in Kontakt, die das Risiko für eine Erkrankung erhöhen. Grundsätzlich wird zwischen allergischem und nichtallergischem Asthma unterschieden – es gibt jedoch auch Mischformen. Zu den Asthma-Auslösern gehören beispielsweise:

  • Allergene (z. B. Pollen, Hausstaubmilben und Schimmelpilzsporen)
  • Medikamente (z. B. Acetylsalicylsäure und Antibiotika)
  • übertriebene Hygiene
  • Umweltverschmutzung (z. B. Luftbelastung durch Abgase sowie Boden- und Wasserbelastung durch Düngemittel, Pestizide und Schwermetalle)
  • Tabakrauch
  • Duftstoffe (z. B. in Deo-Sprays oder Parfüms).

Wissenschaftler von der Monash University in Australien haben nun aufgezeigt, dass es einen noch viel früher wirkenden Faktor gibt: die Ernährung in der Schwangerschaft.

Ernährung der werdenden Mutter beeinflusst Asthma-Risiko beim Kind

Dr. Alison Thorburn und ihre Kollegen haben herausgefunden, dass die Ernährung der Mutter einen grossen Einfluss auf das Asthmarisiko ihres Babys hat: Je ballaststoffreicher die Kost in der Schwangerschaft, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind später an Asthma erkranken wird.

Dr. Thorburn erläutert, dass es schon länger bekannt sei, dass typisch westliche Ernährungsgewohnheiten – von Fertiggerichten bis Fast Food – das Asthmarisiko erhöhen, während die Fasern pflanzlicher Lebensmittel gegen Asthma im Kindesalter schützen.

Das Neue an der Studie ist, dass die werdende Mutter die Asthma-Anfälligkeit ihres Kindes schon während der Schwangerschaft positiv beeinflussen kann. Hierbei ist ausschlaggebend, dass eine ballaststoffreiche Ernährung die Darmflora verändert.

Die Darmbakterien bilden aufgrund der Ballaststoffe nämlich besonders viel Acetat. Untersuchungen haben gezeigt, dass dieses Stoffwechselprodukt gegen Entzündungen wirkt, das Immunsystem stärkt und in Folge die Anfälligkeit für Asthma beeinflusst.

Mehr Ballaststoffe – weniger Asthma-Kinder

Bislang wurde angenommen, dass einerseits die Gene und andererseits die Umweltbedingungen bestimmen, ob ein Kind an Asthma erkrankt oder nicht. Nun steht aber fest, dass der Ursprung von Asthma schon im Mutterleib liegen kann und die Ernährung der Mutter dabei eine essenzielle Rolle spielt.

Um diese Erkenntnisse zu untermauern, haben die australischen Forscher in einer zusätzlichen Studie 40 schwangere Frauen untersucht und festgestellt, dass bei einer ballaststoffreichen Ernährung der Acetatgehalt im Blut deutlich erhöht war.

Ihre Kinder mussten im ersten Lebensjahr viel seltener aufgrund von Keuchen und anderen Atemwegsbeschwerden ärztlich behandelt werden. Hier handelt es sich um Symptome, die als typische Asthma-Vorboten gelten.

Worauf ist bei einer ballaststoffreichen Kost zu achten?

Ballaststoffreiches Essen in der Schwangerschaft

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für Erwachsene mindestens 30 g Ballaststoffe pro Tag. Die meisten Menschen erreichen diesen Richtwert aber nicht. So nehmen bei den Frauen 75 Prozent deutlich weniger Ballaststoffe zu sich.

Dies liegt mitunter daran, dass zu viel und zu oft Fleisch – das frei von Ballaststoffen ist – und Weissmehlprodukte gegessen werden, während gesunde Vollkornprodukte, Nüsse, Obst und Gemüse oftmals auf der Strecke bleiben.

Dabei wäre es so einfach, die Ballaststoffbilanz auszugleichen, denn schon mit einer Portion Erbsen (200 g) kann ein Drittel des Tagesbedarfs an Ballaststoffen gedeckt werden.

Schwangere, die sich ballaststoffreich ernähren und somit das Asthmarisiko ihres Kindes positiv beeinflussen möchten, sollten folgende Lebensmittel bevorzugen:

  • Gemüse: z. B. Hülsenfrüchte wie Bohnen, Kichererbsen und Linsen, Artischocken, Brokkoli, Karotten, Weiss- und Rosenkohl
  • Obst: z. B. Avocado, Äpfel, Beeren, Birnen und Kiwis
  • Sprossen, Samen und Nüsse: z. B. Kresse, Leinsamen, Chia-Samen, Pistazien und Macadamia-Nüsse.
  • Vollkornprodukte: bevorzugt Pseudogetreide und glutenfreie Getreide oder Dinkel und daraus z. B. Vollkornbrot und Vollkornnudeln
  • Auch ballaststoffreiche Nahrungsergänzungsmittel können sehr gut die tägliche Ballaststoffzufuhr optimieren, z. B. Kokosmehl, Baobab-Pulver, Flohsamenschalenpulver u. a.

Doch bedenken Sie, dass der plötzliche erhöhte Verzehr von Ballaststoffen zu Blähungen führen kann. Aus diesem Grunde sollte der Körper langsam daran gewöhnt werden. Zu Beginn der Ernährungsumstellung können Sie beispielsweise Weissbrot durch Vollkornbrot ersetzen. Oder Sie essen einfach mehr Obst und Gemüse und dafür weniger Fleisch und Milchprodukte.

Des Weiteren sollten Sie auch Ihre Trinkgewohnheiten anpassen: Bei einer ballaststoffreichen Kost ist es besonders wichtig, ausreichend zu trinken (ca. 1,5 Liter pro Tag), da Ballaststoffe im Darm Wasser binden können. Erleichtert wird eine Umstellung auf gesündere und ballaststoffreichere Kost durch die Einnahme eines hochwertigen Probiotikums (z. B. Combi Flora), das für den gesunden Aufbau der Darmflora sorgt, die – wie wir oben gesehen haben – für die Asthma-Prävention des Kindes sehr wichtig ist.

Sollte Ihr Kind bereits an Asthma leiden, haben wir hier interessante Informationen für Sie zusammengestellt.

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Quellen

  • Alison N. Thorburn et al, "Evidence that asthma is a developmental origin disease influenced by maternal diet and bacterial metabolites", Nature Communications, 6. Juni 2015, (Beweis, dass der Ursprung von Asthma entwicklungsabähngig ist, beeinflusst von der Ernährung der Mutter und bakteriellen Metaboliten)
  • Aurlien Trompette et al, "Gut microbiota metabolism of dietary fiber influences allergic airway disease and hematopoiesis", Nature Medicine 20, Januar 2014, (Stoffwechsel der Darmflora bei Ballaststoffverzehr beeinflusst allergische Atemwegserkrankung und Hämatopoese)
  • Honor Whiteman, "High-fiber diet during pregnancy may protect offspring against asthma", MNT, Juni 2015, (Ballaststoffreiche Ernährung während der Schwangerschaft kann Nachwuchs vor Asthma schützen)
  • Denise Mann, "Pregnant? Some Foods May Raise Baby`s Asthma, Allergy Risk", Health, Februar 2010, (Schwanger? Einige Lebensmittel können bei Babys Asthma, Allergierisiko erhöhen)
  • Laura Leitner, "Asthma im Kindes- und Jugendalter. Sozio-Sozio-konomische und Umweltfaktoren in Prävention und Management", Diplomarbeit an der Medizinischen Universität Innsbruck, Juni 2013
  • Aida Semic-Jusufagic et al, "Assessing the association of early life antibiotic prescription with asthma exacerbations, impaired antiviral immunity, and genetic variants in 17q21: a population-based birth cohort study", The Lancet Respiratory Medicine, August 2014, (Bewertung der Assoziation von Antibiotika-Verschreibung im frühen Leben mit Verschlimmerung von Asthma, beeinträchtigter Antiviren-Immunität und genetischen Varianten bei 17q21: eine bevölkerungsbasierte Geburtskohortenstudie)
  • "Kohlenhydrate und Ballaststoffe in der Ernährung", Wissenschaftliches Symposium der DGE am 22./23. September 2010