Zentrum der Gesundheit
  • PFOA-Beschichtetes Kochgeschirr
12 Dezember 2021
3 min

Umweltchemikalie PFOA erhöht den Cholesterinspiegel

Die Chemikalie namens Perfluoroctansäure (PFOA) ist inzwischen nahezu überall zu finden - in der Umwelt, im Essen und auch im menschlichen Körper. Dort kann sie u. a. den Cholesterinspiegel erhöhen und der Schilddrüse schaden.

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PFOA korreliert mit Anstieg des Cholesterins

PFOA steht für Perfluoroctansäure - eine Industriechemikalie, die wie viele andere aus der Gruppe der sog. PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) - in vielen Produkten des täglichen Lebens enthalten ist (Verpackungen, Beschichtungen, Papier, Textilien mit Ausrüstung und überall dort, wo wasser-, öl- und schmutzabweisende Eigenschaften erwünscht sind). 

PFOA gilt als schwer abbaubar und ist daher überall in der Umwelt aufzufinden, im Trinkwasser, in der Luft, in Nahrungsmitteln, ja sogar im Staub und natürlich auch im Menschen selbst nachweisbar. 

Laut einer Studie, die im renommierten Fachmagazin für Kinderheilkunde Archives of Pediatrics and Adolescent Medicine veröffentlicht wurde (Studie wurde gelöscht), korrelieren hohe PFOA-Werte ganz signifikant mit einem Anstieg sowohl des Gesamtcholesterins als auch des LDL-Cholesterins. Letzteres wird auch als das sog. "schlechte" Cholesterin bezeichnet, im Gegensatz zum "guten" Cholesterin, dem sog. HDL-Cholesterin.

In einer weiteren Studie bestätigte die Angaben. Die Studienpopulation umfasste 753 Personen (663 Männer und 90 Frauen) im Alter von 50 bis 65 Jahren, eingebettet in eine dänische Kohorte von 57.053 Teilnehmern ( 3 )

Gefährliche Nebenwirkungen durch cholesterinsenkende Medikamente

Normalerweise wird ein zu hoher Cholesterinspiegel mit Medikamenten, sog. Statinen behandelt. Statine blockieren die Cholesterinsynthese in der Leber. Sie können aber auch Nebenwirkungen haben, wie zum Beispiel Nieren- und Leberschäden verursachen, Muskelschwäche und Augenprobleme auslösen. In Einzelfällen kann es auch zum Tode aufgrund von Muskelzerstörung kommen.

Eine im British Medical Journal veröffentlichte Studie ergab, dass von 10.000 Frauen, die Statine einnahmen, zwar 217 eine Herzkrankheit abwenden konnten, dafür aber – im Vergleich zu jenen Frauen, die keine Statine schluckten – mehr Frauen an Nierenversagen, an Leberversagen, an Muskelschwäche und an grauem Star litten ( 2 ).

Der Einsatz von cholesterinsenkenden Medikamenten darf daher keinesfalls leichtfertig erfolgen. Zu allererst sollten alle anderen möglichen Ursachen eines zu hohen Cholesterinspiegels ausgeschaltet werden, wozu u. U. eine mögliche Belastung mit PFOA gehören könnte.

PFOA schädigt Schilddrüse

PFOA ist ausserdem nicht nur im Gespräch, den Cholesterinspiegel zu erhöhen. Die Chemikalie gilt als lebertoxisch, schädlich für die Fortpflanzungsorgane und scheint ausserdem die Schilddrüse zu schädigen. Forscher der Universität Exeter haben die PFOA-Konzentration im Blut von mehr als 3000 Menschen bestimmt – und anschliessend deren Schilddrüsenfunktionen kontrolliert.

Sie stellten fest, dass die Schilddrüse um so häufiger Funktionsstörungen aufwies und die Betroffenen gezwungen waren, Medikamente gegen eine Über- oder Unterfunktion einzunehmen, je höher die PFOA-Werte in ihrem Blut waren ( 4 ).

PFOA stammt aus Verpackungen, Pizzakartons und vielem mehr

PFOA wird auch zur Beschichtung von Pfannen verwendet. Der Stoff ist ausserdem in jeder Antihaft-Oberfläche zu finden, die irgendetwas mit Lebensmitteln zu tun hat, wie zum Beispiel in Sandwichtoastern, Grills, Backformen etc.

Auch Lebensmittelverpackungen sind mit fett- und wasserabweisenden Chemikalien beschichtet. Sie sollen verhindern, dass Getränkebecher, Pizzakartons oder Fast-Food-Schalen aufweichen und noch unter der Pizza zerfallen. Bei diesen Chemikalien handelt es sich um Perfluorchemikalien, die mit sog. FTOH (Fluortelomer-Alkohole) verunreinigt sein können. FTOH stehen unter Verdacht, auf die Lebensmittel überzugehen und sich dann im Körper des Menschen in PFOA umzuwandeln.

So vermeiden Sie PFOA

Verwenden Sie statt beschichtetem Kochgeschirr besser Pfannen aus Gusseisen, Edelstahl oder Kupfer. Meiden Sie einschlägig verpacktes Fastfood und bevorzugen Sie generell frische Lebensmittel, die Sie selbst zu Hause zubereiten.

Update: PFOA-Verbot ab 2020

Nachdem sich nun die giftige Chemikalie über Jahrzehnte hinweg überall so ausbreiten konnte, dass Menschen, Tiere und die Umwelt darunter leiden, wurde sie jetzt (2020) endlich verboten, zumindest in der EU.

  1. Zwar hätten viele Unternehmen bereits auf Alternativen umgestellt, so das Umweltbundesamt, doch gelte es vorsichtig zu sein, da auch andere per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) ganz ähnlich schädlich sein können und führten im Baden-Württembergischen Rastatt bereits zur Schliessung von Trinkwasserbrunnen. An weiteren Verboten wird daher noch gearbeitet ( 1 ).

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Quellen
  1. (1) Umweltbundesamt: EU verbietet PFOA, 9.5.2017 
  2. (2) Geoff Watts, Thyroid disease in women is linked to non-stick chemicals, study finds, BMJ 2010; 340 doi: https://doi.org/10.1136/bmj.c401 (Published 21 January 2010)
  3. (3) Eriksen KT, Raaschou-Nielsen O, McLaughlin JK, Lipworth L, Tjønneland A, Overvad K, et al. (2013) Association between Plasma PFOA and PFOS Levels and Total Cholesterol in a Middle-Aged Danish Population. PLoS ONE 8(2): e56969. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0056969
  4. (4) Alltagschemikalie schädigt die Schilddrüse, Juli 2014, Focus