Östrogen und Progesteron regulieren
- Sind die beiden Hormone Östrogen und Progesteron im Ungleichgewicht, spricht man häufig von einer Östrogendominanz.
- Doch bedeutet nicht jede Östrogendominanz auch, dass zu viel Östrogen vorhanden ist. Häufig liegt vielmehr ein Progesteronmangel vor, während der Östrogenspiegel völlig normal oder sogar bereits erniedrigt ist (relative Östrogendominanz).
- Deshalb geht es bei einer Östrogendominanz nicht immer darum, Östrogen abzubauen. Oft ist es wichtiger, den Progesteronspiegel zu erhöhen.
- Das Ziel ist in jedem Fall ein harmonisches Gleichgewicht zwischen den beiden Hormonen.
- Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt – wie immer – von der persönlichen Situation ab. Wir stellen natürliche Mittel und Wege vor, die bei der Regulierung des Hormonahaushalts helfen können.
Welche Form der Östrogendominanz liegt bei Ihnen vor?
Bevor Sie sich Ihr persönliches Therapiekonzept zusammenstellen können, wäre es gut, wenn Sie wüssten, welche Form der Östrogendominanz bei Ihnen vorliegt.
In unserem Hauptartikel zur Östrogendominanz erklären wir, wie Sie bei der Diagnose vorgehen. Lesen Sie bitte dort nach: Östrogendominanz – Symptome und Ursachen. Wenn Sie einen entsprechenden Test machten, dann sind die Ergebnisse so zu deuten:
Relative Östrogendominanz
- Progesteron zu niedrig
- Östrogen normal oder niedrig
- Ziel: Progesteronbildung unterstützen
Absolute Östrogendominanz
- Östrogen tatsächlich erhöht
- Ziel: Östrogenbildung bzw. Östrogenwirkung reduzieren
Die folgenden Merkmale können eine erste Orientierung bieten. Eine sichere Unterscheidung ist anhand der Beschwerden allein jedoch meist nicht möglich. Machen Sie daher in jedem Fall einen Test.
Eher eine relative Östrogendominanz liegt vor:
- Wenn Ihre Beschwerden vor allem in der zweiten Zyklushälfte auftreten.
- Wenn Sie unter PMS, Brustspannen, Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen oder Schlafstörungen leiden.
- Wenn Ihr Zyklus unregelmäßiger wird oder häufiger Eisprünge ausbleiben.
- Wenn Ihr Progesteron-Estradiol-Quotient auf eine relative Östrogendominanz hindeutet – siehe Artikel Östrogendominanz – Symptome und Ursachen
Eher eine absolute Östrogendominanz liegt vor:
- Wenn bei Ihnen erhöhte Estradiolwerte festgestellt wurden.
- Wenn Sie deutlich übergewichtig sind, insbesondere nach den Wechseljahren.
- Wenn Sie eine Östrogentherapie erhalten oder erhalten haben.
- Wenn bei Ihnen eine Endometriumhyperplasie festgestellt wurde.
Myome und starke Blutungen können zwar durch einen Östrogenüberschuss begünstigt werden, können aber ebenso bei Frauen mit relativer Östrogendominanz vorkommen.
Wenn bei Ihnen Myome oder eine Endometriose vorliegen, lesen Sie bitte unsere entsprechenden Artikel. Zu Myomen ist es dieser: Myome - gutartige Geschwülste in der Gebärmutter. Zum Thema Endometriose haben wir bereits mehrere Artikel. Geben Sie daher am besten Endometriose in unser Suchfeld ein.
Zwar gibt es auch Hormon-Heimtests. Da viele Symptome aber auch andere Ursachen haben können bzw. ja auch die Östrogendominanz Ursachen haben kann, wäre eine Abklärung beim Arzt sinnvoll.
Dieser kann dann gleich auch die Schilddrüse überprüfen, eine Histaminintoleranz ausschließen (siehe weiter unten) und Ihren Vitalstoffstatus prüfen (Vitamin D, B-Vitamine, Zink, Magnesium).
* Hier erhalten Sie einen Hormonspeicheltest für zu Hause (inkl. Laborbericht).
Was tun bei Östrogendominanz?
Da wir ein ganzheitliches Portal sind, möchten wir nicht nur einzelne Mittel aufzählen, die Östrogen abbauen oder Progesteron erhöhen könnten. Wir möchten vielmehr betonen, wie wichtig die Gesamtlebensweise bei der Östrogendominanz ist.
Denn das hormonelle Gleichgewicht reagiert hochsensibel auf alltägliche Verhaltensweisen. Das bedeutet: Alles, was Sie tun oder nicht tun, greift direkt in das Hormongeschehen ein.
Übergewicht reduzieren – Östrogen abbauen
Übergewicht (Adipositas) ist für beide Formen der Östrogendominanz ein massiver Treiber. Die Gewichtsreduktion ist daher eine der wirksamsten und nachhaltigsten ganzheitlichen Maßnahmen überhaupt.
Warum Abnehmen bei absoluter Östrogendominanz so gut ist
Bei der absoluten Östrogendominaz produziert das (zu viel vorhandene) Fettgewebe reichlich Östrogen. Dies liegt am Enzym Aromatase. Es befindet sich in den Fettzellen und wandelt hormonelle Vorstufen in Östrogene (Estradiol und Estron) um.
Je mehr Fettgewebe vorhanden ist, desto mehr Aromatase ist aktiv und desto mehr Östrogen flutet ununterbrochen den Blutkreislauf.
Da bei Übergewicht oft auch eine Insulinresistenz und eine erhöhte Entzündungsaktivität vorliegen (das Fettgewebe schüttet ständig auch Entzündungsbotenstoffe aus), wird in der Leber die Produktion des Transportproteins SHBG blockiert.
SHBG würde ansonsten das überschüssige Östrogen binden und könnte dann auch Östrogenüberschuss-Symptome verhindern. Fehlt SHBG aber, steigt die Menge des freien Östrogens und die absolute Östrogendominanz entfaltet ihre Wirkung.
Wenn Sie nun abnehmen, dann schrumpfen Ihre Fettzellen, die Aromatase-Aktivität geht drastisch zurück, es werden weniger Entzündungsbotenstoffe produziert und Ihr erhöhter Östrogenspiegel im Blut sinkt auf natürliche Weise.
Warum Abnehmen auch bei relativer Östrogendominanz so wichtig ist
Auch bei der relativen Östrogendominanz wirkt sich Übergewicht negativ aus.
Wenn das viszerale Fettgewebe permanent Entzündungsbotenstoffe (wie TNF-alpha) ausschüttet, dann bedeutet diese ständige Entzündungsbelastung für das Gehirn Stress. Und genau wie bei psychischem Stress, so führt auch dieser körperliche Stress dazu, dass die Progesteronbildung im Eierstock sinkt.
Wenn Sie abnehmen, nimmt das Entzündungsgeschehen ab, der Stress sinkt und die Progesteronbildung wird wieder angestoßen.
Alkohol meiden – Östrogen abbauen
Alkohol kann eine Östrogendominanz auf mehreren Wegen begünstigen. Regelmäßiger Alkoholkonsum kann die Aktivität der Aromatase fördern – jenes Enzyms, das Androgene in Östrogene umwandelt.
Außerdem kann Alkohol den Östrogenstoffwechsel in der Leber beeinträchtigen, sodass Östrogene langsamer abgebaut werden. Studien zeigen entsprechend, dass regelmäßiger Alkoholkonsum mit höheren Östrogenspiegeln in Verbindung stehen kann – insbesondere bei Frauen vor und nach den Wechseljahren.
Wenn Sie unter einer Östrogendominanz leiden, sollten Sie Alkohol daher möglichst nur selten und in kleinen Mengen trinken oder gar nicht (1).
Rauchen aufhören – Progesteron erhöhen
In einer Studie mit 403 Frauen zeigte sich, dass Rauchen (die Chemikalien im Tabakrauch) den Hormonhaushalt verändern kann. Raucherinnen wiesen Anzeichen für einen höheren Östrogeneinfluss und – bei starkem Rauchen – einen geringeren Progesteroneinfluss auf (7).
Tabakrauch beeinträchtigt vermutlich direkt die Funktion der Eierstöcke und begünstigt dadurch Menstruationsstörungen, eine verminderte Fruchtbarkeit sowie eine frühere Menopause.
Wenn Sie daher mit Rauchen aufhören, tun Sie bereits viel für Ihren Hormonhaushalt.
Zucker und isolierte Kohlenhydrate meiden – Östrogen reduzieren
Der regelmäßige Konsum von raffiniertem Zucker und Weißmehlprodukten – Süßigkeiten, Kuchen, Gebäck, Eis, Limonaden – lässt immer wieder den Blutzuckerspiegel stark steigen und führt zu chronisch erhöhten Insulinspiegeln. Insulin wiederum ist ein starker Stimulator der Aromatase im Fettgewebe.
Je mehr Insulin zirkuliert, desto aggressiver wandelt der Körper Vorstufenhormone in Östrogen um. Zudem senkt ein hoher Insulinspiegel die Produktion des Sexualhormon-bindenden Globulins (SHBG) in der Leber. Dieses würde andernfalls Östrogenüberschüsse binden und könnte Östrogendominanz-Symptome verhindern.
Wenn Sie nun mit einer gesunden Ernährung Ihren Blutzucker stabilisieren, sinkt auch die Östrogenproduktion im Fettgewebe und das SHBG steigt, was den Hormonüberschuss auf natürliche Weise drosselt.
* Unsere Ernährungspläne helfen Ihnen bei der Ernährungsumstellung.
Das derzeit gesündeste Süßungsmittel stellen wir im Artikel Tagatose – Wie gesund ist die Zuckeralternative vor. Tagatose ist zahnfreundlich, hat einen niedrigen glykämischen Index und beeinflusst den Blutzucker- und Insulinspiegel kaum.
Im Vergleich zu anderen Süßungsmitteln (auch Xylit, Erythrit etc.) verschlechtert sie die kognitive Leistung des Gehirns nicht. Der einzige Nachteil ist der Preis.
Mehr Bewegung – weniger Östrogendominanz
Körperliche Aktivität hilft bei der Regulierung des Hormonspiegels sehr gut. Regelmäßiges Ausdauer- und Krafttraining senkt nachweislich die Konzentration zirkulierender Östrogene.
Zum einen reduziert es das viszerales Fettgewebe (die Aromatase-Fabrik), zum anderen verbessert es die Insulinsensitivität der Muskelzellen, was wiederum den SHBG-Spiegel anhebt. Das SHBG kann den Östrogenüberschuss nun wieder binden und die Menge des aktiven Östrogens sinkt.
Weniger Stress – mehr Progesteron
Stresshormone – ob durch psychischen oder körperlichen Stress ausgelöst – führen dazu, dass die Progesteronbildung in den Eierstöcken gehemmt wird. Dies kann zum Ausbleiben des Eisprungs führen – und zu einer Östrogendominanz.
In einer Studie zeigte sich, dass Frauen mit höherem Alltagsstress niedrigere Progesteronspiegel in der zweiten Zyklushälfte aufwiesen und häufiger keinen Eisprung hatten (8).
Daher gehört ein wirksames Stressmanagement zu den sinnvollen Maßnahmen, um den Hormonhaushalt zu unterstützen. Nehmen Sie das Thema ernst und kümmern sich um stressreduzierende alltagstaugliche Maßnahmen, die Sie auch wirklich regelmäßig umsetzen können.
Viele Tipps dazu finden Sie in unserem Artikel Vagusnerv aktivieren – Der Schlüssel zur Entspannung.
Guter Schlaf erhöht Melatonin - und hemmt Östrogen
Wer ausreichend schläft, unterstützt schon allein damit einen ausgeglichenen Hormonhaushalt.
Während der Dunkelheit bildet die Zirbeldrüse das Hormon Melatonin. Es kann die Wirkung von Östrogen abschwächen und die Aktivität der Aromatase – des Enzyms zur Östrogenbildung – hemmen.
Schlafmangel hingegen senkt die Melatoninproduktion und kann die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol erhöhen, was wiederum den Progesteronspiegel senkt.
7 bis 9 Stunden erholsamer Schlaf sind daher ein wichtiger Bestandteil eines gesunden Lebensstils – auch im Hinblick auf das hormonelle Gleichgewicht.
Gesunde Beziehungen: Oxytocin besiegt Cortisol
Toxische Beziehungen, soziale Isolation oder ungelöste emotionale Konflikte bedeuten für das vegetative Nervensystem permanenten Mikrostress und damit einen chronisch erhöhten Cortisolspiegel.
Harmonische Beziehungen hingegen versorgen das System mit reichlich Oxytocin (dem Bindungshormon). Oxytocin kann die körpereigene Stressreaktion abschwächen, so dass selbst in belastenden Situationen weniger Cortisol freigesetzt wird.
Ein stabiles soziales Umfeld ist somit für Ihren Hormonhaushalt Gold wert!
Wie der Östrogenabbau in der Leber gefördert werden kann
Die Leber kann Östrogen meist problemlos abbauen. Sie ist also nicht zu schwach dazu, wie es manchmal heißt. Man kann aber die Art des Östrogenabbaus in der Leber beeinflussen. Denn hier kann tatsächlich ein Problem bzw. Ungleichgewicht bestehen.
Der Abbau von Estradiol (dem aktivsten körpereigenen Östrogen) erfolgt in der Leber in zwei aufeinanderfolgenden Phasen. Wir beschreiben diese nachfolgend und erklären, an welcher Stelle man diese Phasen mit welchen natürlichen Maßnahmen unterstützen könnte.
1. Wie Phase 1 des Östrogenabbaus gefördert werden kann
In der ersten Phase nutzen die Leberzellen verschiedene Enzyme aus der Familie der Cytochrom-P450-Monooxygenasen (CYP-Enzyme).
Je nachdem, welches Enzym dominiert, wird das Östrogen in unterschiedliche Metaboliten (Abbauprodukte) umgewandelt. Die zwei Metaboliten heißen 2-Hydroxyestron (2-OHE1) und 16-Alpha-Hydroxyestron (16-Alpha).
Das erste (2-OHE1) hat eine schwächere Östrogenwirkung und schützt daher vor einer Östrogen-Überstimulation. Das zweite (16-Alpha) bindet sich hingegen sehr stark an Östrogenrezeptoren und löst eine starke Östrogenwirkung aus.
Das Gleichgewicht zwischen beiden Metaboliten sollte bei 2:1 liegen, also doppelt so viel 2-OHE1 als 16-Alpha. Verschiebt sich das Gleichgewicht in Richtung 16-Alpha, kann dies zu Beschwerden führen:
Es können sich Gewebewucherungen bilden (z. B. Myome, Zysten, Endometriose) und es kann zu den klassischen Östrogendominanzsymptomen kommen, wie Brustschmerzen und ausgeprägte PMS-Symptome – selbst dann, wenn der Gesamtestradiolspiegel im Serum unauffällig oder sogar niedrig ist (relative Östrogendominanz).
DIM (Diindolylmethan) – der Pflanzenstoff hilft beim Abbau von Östrogen
DIM entsteht bei der Verdauung von Kreuzblütler-Gemüse – und zwar aus dem Stoff Indol-3-Carbinol. DIM greift direkt in Phase 1 des Östrogenabbaus in der Leber ein und sorgt dafür, dass verstärkt das harmlose, schwach wirksame 2-Hydroxyestron (2-OHE1) entsteht und die Umwandlung in das unerwünschte (weil u. a. gewebestimulierende 16-Alpha) blockiert wird (3).
Bei einer absoluten Östrogendominanz hilft DIM auf diese Weise, den Östrogenüberschuss abzubauen, bei einer relativen Östrogendominanz ist zwar insgesamt weniger Östrogen vorhanden, doch liegt auch das wenige Östrogen hier oft als unerwünschtes 16-Alpha vor. DIM hilft auch hier, das Gleichgewicht in Richtung des günstigeren 2-OHE1 zu verschieben.
Die benötigte DIM-Dosis liegt meist bei 100-200 mg. DIM ist fettlöslich und wird zu den Mahlzeiten eingenommen. In der EU gilt DIM aber als Novel Food, darf also nicht als Nahrungsergänzung verkauft werden.
Zu Beginn der Einnahme kann es zu harmlosen Kopfschmerzen oder einer temporären Dunkelfärbung des Urins kommen (Anzeichen für den aktivierten Abbau).
* Hier erhalten Sie ein kombiniertes Produkt mit DIM (150 mg), Vitamin D (4000 IE) und Calcium-D-Glucarat (100 mg).
Zu Calcium-D-Glucarat lesen Sie weiter unten interessante Informationen.
DIM gilt als Novel Food und wird daher nur von wenigen Händlern angeboten. Eine Alternative wäre ein Produkt mit Indol-3-Carbinol. Dieser Stoff wird im Organismus zu etwa 30 bis 50 Prozent zu DIM umgewandelt, so dass er entsprechend höher dosiert werden sollte (das 2- bis 3-Fache der DIM-Dosis).
* Hier erhalten Sie Indol-3-Carbinol mit 500 mg pro Tagesdosis.
Lignane aus Leinsamen
Auch Pflanzenstoffe - die Lignane - aus Leinsamen helfen in der Phase 1 dabei, dass mehr 2-OHE1 gebildet wird. Lignane gehören zu den Phytoöstrogenen. Dazu weiter unten mehr.
Empfehlenswert sind 1 bis 2 Esslöffel (10–20 g) frisch geschrotete Leinsamen täglich. Ergänzend liefern auch Sesam, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte Lignane, wenn auch in deutlich geringeren Mengen.
2. Wie Phase 2 des Östrogenabbaus in der Leber gefördert werden kann
In der zweiten Phase werden die beiden Metaboliten weiterverarbeitet, so dass sie schließlich mit dem Stuhl oder Urin ausgeleitet werden können.
Magnesium und B-Vitamine
Für die Weiterverarbeitung von 2-OHE1 zum hormonell inaktiven 2-ME1 (2-Methoxyestron) braucht es das Enzym COMT (Catechol-O-Methyltransferase). COMT wiederum braucht unbedingt Magnesium und S-Adenosyl-Methionin (SAMe) als Co-Faktoren.
Achten Sie daher darauf, gut mit Magnesium versorgt zu sein. Ideal ist ein Magnesiumglycinat, da das enthaltene Glycin gleichzeitig etwas beruhigend wirkt. Östrogendominanz ist meist auch stressmitbedingt, so dass alles willkommen ist, was ein wenig innere Ruhe schenkt.
* Hier erhalten Sie ein Magnesiumglycinat als Pulver – damit man nicht so viele Kapseln schlucken muss.
Von der Einnahme von SAMe wird im Allgemeinen abgeraten. Zwar ist das Enzym COMT auf SAMe angewiesen, doch kann SAMe den Hirnstoffwechsel beeinflussen und zu Angstzuständen, Panikattacken und Schlafstörungen führen.
Die weitaus sicherere Lösung ist hier, jene B-Vitamine zu nehmen, die der Körper zur Herstellung bzw. zum Recycling von verbrauchtem SAMe benötigt. Dabei handelt es sich um aktive Folsäure (5-MTHF, 400 µg), Vitamin B12 (Methylcobalamin, 500-1000 µg) und B6 (P-5-P, 15-25 mg). Letzteres fördert auch die Progesteronbildung.
Calcium-D-Glucarat
Für die Weiterverarbeitung des problematischeren 16-Alpha kommt die Glucuronidierung zum Einsatz. Dabei kleben spezielle Enzyme der Leber die Glucuronsäure an das 16-Alpha.
Dadurch verliert das aggressive 16-Alpha die Fähigkeit, sich an den Östrogenrezeptor zu binden. Es ist nun ungiftig, wasserlöslich und kann über die Galle in den Darm abgeschoben werden. Doch ist die Gefahr noch nicht gebannt.
Wenn die Darmflora aufgrund einer Dysbiose (Darmflorastörung) zu viel Beta-Glucuronidase (ein Enzym) produziert, wird die Glucuronsäure wieder vom 16-Alpha entfernt. 16-Alpha wird wieder aktiv und kann über die Darmschleimhaut erneut ins Blut gelangen und dort wieder Östrogenwirkung entfalten.
Die Nahrungsergänzung Calcium-D-Glucarat (CDG) soll die Beta-Gucuronidase blockieren können, so dass 16-Alpha mit dem Stuhl ausgeschieden werden kann. Oft wird empfohlen, täglich 500 bis 1.500 mg pro Tag zu den Mahlzeiten zu nehmen – aufgeteilt auf zwei bis drei Einzeldosen.
* Hier erhalten Sie Calcium-D-Glucarat – 500 mg pro Kapsel.
Bei Nagetieren führte CDG zu einer messbaren Erhöhung der Östrogenausscheidung im Stuhl und zu einer Senkung des Östrogenspiegels im Blut um bis zu 23 Prozent. CDG konnte auch das Tumorwachstum bei östrogenabhängigem Brustkrebs bei Ratten bremsen. Allerdings gibt es noch keine Humanstudien dazu (4).
Ernährung, Ballaststoffe und Probiotika
Sie können Calcium-D-Glucarat probieren, aber – da die Studienlage noch so dünn ist – eher zusätzlich zu den bewährten Maßnahmen, die eine Dysbiose beheben können, wie z. B. eine ballaststoffreiche pflanzenbasierte und gesunde Ernährung in Kombination mit Probiotika.
Proteinreiche, ballaststoffarme Ernährungsformen fördern hingegen die Darmbakterien, die Beta-Glucuronidase bilden (5).
Als Ballaststoff-Nahrungsergänzung, die eine gesunde Darmflora fördert, gilt z. B. Inulin. Das Pulver lässt sich problemlos in Getränke, Joghurt oder Müslis rühren und schmeckt angenehm. Dosieren Sie jedoch vorsichtig, da es auch zu Blähungen führen kann.
* Hier erhalten Sie ein Kombi-Präparat aus Inulin und einem Probiotikum.
Bestimmte sekundäre Pflanzenstoffe gelten zudem als Hemmstoffe in Bezug auf die Beta-Glucuronidase. Dazu gehören Catechine aus grünem Tee, Theaflavine aus schwarzem Tee, Myricetin aus Heidel-, Preisel- und Johannisbeeren (schwarzen), Luteolin aus Sellerie und Petersilie sowie Morin aus Feigen, Guaven und weißen Maulbeeren (6).
Mit einer gesunden Ernährung nehmen Sie von diesen Pflanzenstoffen bereits viele zu sich, so dass Sie diese nicht auch noch in Kapselform nehmen müssen.
Sulforaphan
Sulforaphan ist ebenfalls ein Pflanzenstoff, der seinen Ursprung in Kreuzblütengewächsen hat. Der Stoff zeigte in Zellstudien, dass er sogar beide Entgiftungsphasen in der Leber (Phase 1 und Phase 2) optimieren könnte.
Zusätzlich kann der Pflanzenstoff als Antioxidans das Gewebe vor den aggressiven Chinonen schützen. Das sind aggressive Zwischenprodukte, die zwischen Phase 1 und Phase 2 entstehen. Klinische Studien gibt es dazu aber noch nicht.
Vitamine und Mineralstoffe, die Östrogen senken helfen
Manche Vitalstoffe helfen bei der Regulierung des Hormonhaushalts. Eine Wirkung nach Einnahme macht sich meist dann bemerkbar, wenn zuvor ein Mangel am jeweiligen Vitamin oder Mineralstoff bestanden hatte.
Vitamin D
Wenn Sie einen zu niedrigen Vitamin-D-Spiegel haben, nehmen Sie das Vitamin ein. Der Zielwert sollte bei 40-50 ng/ml liegen. (Offiziell gelten bereits Spiegel von 30 ng/ml als in Ordnung). In unserem Artikel Vitamin D - Die richtige Einnahme erklären wir, worauf Sie bei der Vitamin-D-Einnahme achten sollten.
* Hier erhalten Sie hochwertige und individuell dosierbare Vitamin-D-Tropfen (kombiniert mit Vitamin K2).
Eine placebokontrollierte Humanstudie zeigte, dass Frauen (nach der Menopause), die mit 2000 IE täglich nach 12 Monaten einen ausreichenden Vitamin-D-Status erreichten, niedrigere Spiegel des biologisch aktiven Estradiols aufwiesen (9).
Phytoöstrogene – Östrogene aus Soja und Leinsamen
Sojaprodukte enthaltenen Isoflavone – Pflanzenstoffe, die zu den Phytoöstrogenen gehören. Diese Stoffe können sich an Östrogenrezeptoren binden und östrogenähnliche Wirkung entfalten.
Bei absoluter Östrogendominanz
Da ihre Wirkung aber sehr viel schwächer ist als die des körpereigenen Östrogens, können Phytoöstrogene bei absoluter Östrogendominanz hilfreich sein, wenn also zu viel Östrogen im Körper zirkuliert.
Denn dort, wo ein Phytoöstrogen am Östrogenrezeptor bindet, kann kein körpereigenes Östrogen andocken. Da Phytoöstrogene den Rezeptor jedoch deutlich schwächer aktivieren als das eigene Östrogen (Estradiol), fällt die Gesamtwirkung des Östrogens geringer aus.
Bei relativer Östrogendominanz
Auch bei einer relativen Östrogendominanz sind Phytoöstrogene sinnvoll. Ist zu wenig körpereigenes Östrogen vorhanden, können sie dessen Wirkung teilweise ersetzen und so zu einem ausgeglicheneren Hormonsignal beitragen. Ist der Östrogenspiegel hingegen normal, verstärken sie die Östrogenwirkung nicht zusätzlich.
Empfehlenswert sind vor allem natürliche Sojalebensmittel wie Tofu, Tempeh, Edamame oder Sojajoghurt.
Neben Soja zählen auch Lignane zu den Phytoöstrogenen. Besonders Leinsamen sind dafür eine gute Quelle. Lignane werden von der Darmflora zu Enterolignanen umgewandelt (die eigentlich wirksamen Phytoöstrogene), die dann ähnlich wie die beschriebenen Sojaisoflavone am Östrogenrezeptor binden.
Oben - beim Thema Phase 1 unterstützen - wird Leinsamen ebenfalls erwähnt, inkl. der empfohlenen Tagesmenge.
Xenoöstrogene aus der Umwelt meiden
Xenoöstrogene sind Stoffe mit östrogenähnlicher Wirkung, die in der Umwelt vorkommen. Zu den bekanntesten Xenoöstrogenen zählen Bisphenol A (BPA) aus manchen Kunststoffen, Phthalate (Weichmacher), PFAS, bestimmte Pestizide sowie Parabene in manchen Kosmetikprodukten.
Im Gegensatz pflanzlichen Phytoöstrogenen gelten Xenoöstrogene als hormonelle Störstoffe. Sie wirken nicht nur stärker am Östrogenrezeptor, sondern können den Hormonhaushalt noch über andere Wege stören, beispielsweise indem sie die Bildung, den Abbau oder die Regulation von Hormonen negativ beeinflussen.
Xenoöstrogene lassen sich zwar nicht vollständig vermeiden, ihre Belastung kann jedoch reduziert werden - umso besser, je weniger man mit Kunststoffen hantiert und je mehr man auf Bio-Qualität achtet.
Erhitzen Sie Lebensmittel z. B. nicht in Kunststoffbehältern und bewahren Sie Getränke und Speisen n Glas oder Edelstahl auf. Wählen Sie im Bereich Kosmetik zertifizierte Naturkosmetik, da diese keine Parabene und auch keine anderen schädlichen Stoffe enthält.
Östrogendominanz oder Schilddrüsenerkrankung?
Die Beschwerden einer Östrogendominanz ähneln häufig denen einer Schilddrüsenunterfunktion oder einer Hashimoto-Thyreoiditis. Müdigkeit, Gewichtszunahme, depressive Verstimmungen, Konzentrationsprobleme, Haarausfall oder Zyklusstörungen können bei allen drei Zuständen auftreten.
Da sich die Symptome stark überschneiden, ist anhand der Beschwerden allein meist keine eindeutige Unterscheidung möglich. Lassen Sie daher in jedem Fall auch die Schilddrüse untersuchen, bevor Sie mit einer bestimmten Therapie beginnen.
Denn nicht selten steckt hinter den vermeintlichen Hormonbeschwerden eine bislang unerkannte Schilddrüsenunterfunktion oder Hashimoto-Thyreoiditis. Eine Bestimmung von TSH sowie der freien Schilddrüsenhormone (fT3 und fT4) und – bei Verdacht auf Hashimoto – der Schilddrüsenantikörper kann hier Klarheit schaffen.
Wenn Sie Hashimoto oder Schilddrüsenunterfunktion in unser Suchfeld eingeben, finden Sie zahlreiche Hinweise und Tipps zu einer ganzheitlichen Therapie.
Östrogendominanz und Histaminintoleranz
Zwischen Östrogen und Histamin besteht eine enge Wechselwirkung. Östrogene fördern die Freisetzung von Histamin aus den Mastzellen. Umgekehrt kann Histamin die Östrogenbildung anregen. Eine Histaminintoleranz und eine Östrogendominanz können sich also gegenseitig verstärken.
Wird die Östrogendominanz behandelt, bessert sich oft auch die Histaminintoleranz. Letztere zeigt sich typischerweise mit Kopfschmerzen, Migräne, Hautrötungen, Juckreiz, Fließschnupfen, Herzklopfen und Verdauungsbeschwerden nach histaminreichen Lebensmitteln (z. B. Rotwein, länger gereifter Käse, fermentierte Produkte (z. B. Sauerkraut, Kimchi)).
Details zur Histaminintoleranz lesen Sie in unserem Artikel Histaminintoleranz – Symptome und Ursachen.
Fazit: Viele Maßnahmen helfen bei der Regulierung des Hormonspiegels
Es gibt somit sehr viele Maßnahmen, die Sie umsetzen können, um Ihren Hormonspiegel wieder in ein gesundes Gleichgewicht zu verhelfen. Konzentrieren Sie sich auf die Lebensstil-Maßnahmen – und wählen dann aus den vorgestellten Nahrungsergänzungsmitteln die zu Ihnen passenden aus (abhängig von Ihren Testergebnissen). Es ist also nicht Sinn der Sache, alle gleichzeitig zu nehmen.