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Östrogendominanz: Symptome und Ursachen

Viele Beschwerden werden oft mit einer Östrogendominanz in Verbindung gebracht – ob Brustspannen, starke Blutungen, Migräne, Gewichtszunahme, Schlafstörungen, Brustkrebs, Myome oder Wechseljahresbeschwerden. Auch bei Männern wird gelegentlich von Östrogendominanz gesprochen. Was genau ist mit Östrogendominanz gemeint und welche Ursachen gibt es dafür?

Stand: 29 Juni 2026
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Östrogendominanz – Was ist das genau?

  1. Eine Östrogendominanz kann sich je nach Lebensphase ganz unterschiedlich bemerkbar machen.
  2. Man unterscheidet eine relative von einer absoluten Östrogendominanz. Dies bedeutet: Nicht immer steckt ein zu hoher Östrogenspiegel dahinter – entscheidend ist oft das Verhältnis der Hormone zueinander.
  3. Von Lebensstil über Umweltfaktoren bis hin zu den Wechseljahren kommen zahlreiche Ursachen infrage – manche sind umstritten, andere gut belegt.
  4. Zur Diagnose stehen Blut- und Speicheltests zur Verfügung.

Was steckt hinter einer Östrogendominanz?

Der Hormonhaushalt ist auf ein ausgeklügeltes Zusammenspiel vieler Hormone angewiesen. Sobald vom einen zu viel oder vom anderen zu wenig da ist, können sich Beschwerden entwickeln. Besonders empfindlich ist das Verhältnis zwischen Östrogen und Progesteron bei Frauen.

Östrogen und Progesteron – Welche Aufgaben haben die beiden Hormone?

Östrogen und Progesteron sind die beiden wichtigsten weiblichen Sexualhormone, die hauptsächlich in den Eierstöcken gebildet werden und den Menstruationszyklus steuern. Sie wirken als Gegenspieler, um den Körper auf eine Schwangerschaft vorzubereiten.

Östrogen ist das "Aufbauhormon". Es steigt in der ersten Zyklushälfte und sorgt für die Reifung der Eizelle, den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut und ist auch wichtig für den Knochenschutz.

Progesteron ist das "Erhaltungshormon" (Gelbkörperhormon). Es steigt in der zweiten Zyklushälfte, während gleichzeitig das Östrogen wieder sinkt. Progesteron bereitet die aufgebaute Schleimhaut für die befruchtete Eizelle vor und wirkt zudem beruhigend auf das Nervensystem ein.

Das Zusammenspiel von Östrogen und Progesteron ist anfällig für Störfaktoren

Die zirkulierende Menge der beiden Hormone ändert sich also ständig während des Zyklus. Es ist ein immer wiederkehrendes Auf und Ab, aber eines, das sehr anfällig für äußere Einflüsse ist – ob Stress, Ernährung, Insulinspiegel, Rauchen, Alkohol, Übergewicht oder hormonwirksame Stoffe aus der Umwelt.

Dazu kommen bestimmte Lebensphasen, in denen sich der Hormonspiegel immer wieder grundlegend ändert – etwa in der Pubertät, in Schwangerschaften und in den Wechseljahren. Auch hier spielen Östrogen und Progesteron eine wichtige Rolle.

Östrogendominanz: Zu viel Östrogen im Verhältnis zum Progesteron

Von einer Östrogendominanz spricht man nun, wenn der Östrogenspiegel im Verhältnis zum Progesteron (oder beim Mann im Verhältnis zum Testosteron) zu hoch ist. Man unterscheidet dabei die relative von der absoluten Östrogendominanz:

Relative Östrogendominanz

Bei der relativen Östrogendominanz ist der Östrogenspiegel entweder im normalen Bereich und der Progesteronspiegel ist zu niedrig – oder aber das Östrogen ist niedrig und das Progesteron ist noch niedriger. Dadurch wirkt das Östrogen im Verhältnis in jedem Fall stärker, als es sollte.

Absolute Östrogendominanz

Bei der absoluten Östrogendominanz ist die Menge an Östrogen im Körper zu hoch. Es befindet sich also nicht mehr im normalen Bereich. Selbst wenn der Progesteronspiegel nun völlig normal ist, reicht er nicht aus, um gegen das Übermaß an Östrogen anzukommen.

Welche Folgen und Symptome hat eine Östrogendominanz?

Je nach Lebensphase kann eine Östrogendominanz unterschiedliche Folgen haben:

Die Folgen der Östrogendominanz in den fruchtbaren Jahren

In diesen Lebensphasen – im Alter zwischen 15 und ca. 40 Jahren – wechseln sich relative Formen (oft durch Stress oder fehlende Eisprünge) und absolute Formen (oft durch Übergewicht oder Umweltfaktoren) ab.

Die Folgen einer relativen Östrogendominanz (also Östrogen normal, Progesteron zu niedrig) können die folgenden sein:

Ein ausgeprägtes prämenstruelles Syndrom (PMS) mit Wassereinlagerungen, Spannungsgefühle in der Brust (Mastodynie) und prämenstrueller Migräne kann sich einstellen, da der entwässernde und gefäßstabilisierende Effekt von Progesteron fehlt (1).

Dazu können auch psychische PMS-Symptome kommen, wie Reizbarkeit und depressive Verstimmungen kurz vor der Periode. Denn dem Gehirn fehlt der beruhigende Einfluss von Progesteron (über GABA-Rezeptoren).

Selbst Fruchtbarkeitsprobleme können auftreten. Es besteht die Gefahr von Fehlgeburten und unerfülltem Kinderwunsch aufgrund einer Gelbkörperschwäche, da sich die Gebärmutterschleimhaut mangels Progesteron nicht optimal auf eine Einnistung der befruchteten Eizelle vorbereiten kann.

Die Folgen der absoluten Östrogendominanz (Östrogen messbar über der Norm) können hingegen diese sein:

Es können sich eine Hypermenorrhoe oder Dysmenorrhoe einstellen. Dabei handelt es sich um extrem starke, langanhaltende und schmerzhafte Regelblutungen. Die Überdosis Östrogen führt zu einer extremen Wucherung der Gebärmutterschleimhaut, die dann unter starken Krämpfen abgebaut werden muss.

Auch dauerhafte Zyklusstörungen, wie zu kurze Zyklen oder Dauerblutungen sind möglich. Denn der Östrogenüberschuss erstickt die normale Eireifung praktisch im Keim. Dies deshalb, weil ein chronisch hoher Östrogenspiegel dem Gehirn eine falsche Zyklusphase vortäuscht und dadurch die Hormone blockiert, die für den Start der Eireifung zwingend notwendig wären.

Die Folgen der Östrogendominanz in der Prä- und Perimenopause

Diese Lebensphase findet im Alter zwischen 40 und 50 plus statt und ist die Hoch-Zeit der relativen Östrogendominanz (Östrogen sinkend/normal, Progesteron bricht ein).

Die Prämenopause ist die ganz frühe Phase der Wechseljahre. Sie beginnt oft ab Anfang/Mitte 40 und geht mit langsam abnehmendem Progesteronspiegel einher. Es kommt zu ersten subtilen Veränderungen im Zyklus. Der Eisprung ist jedoch noch vorhanden.

Die Prämenopause geht dann in die Perimenopause über, ein Zeitraum, der einige Jahre vor bis 1 Jahr nach der letzten Menstruation andauert. Jetzt fällt der Progesteronspiegel massiv (5).

In dieser Phase (Prä- und Perimenopause) sind bei einer relativen Östrogendominanz die folgenden Folgen und Symptome möglich:

Es kann zu massiven Schlafstörungen und Angstzuständen kommen. Denn Progesteron hat auf das Gehirn beruhigende Wirkung. Wenn der Progesteronspiegel so plötzlich und fast vollständig sinkt, führt das zu Einschlafproblemen, nächtlichem Erwachen, Reizbarkeit bis hin zu grundlosen Panikgefühlen (2).

Ebenfalls können Depressionen, extreme Müdigkeit, ADHS-ähnliche Symptome (Nervosität, Konzentrationsstörungen) und Verdauungsbeschwerden eintreten - also eher unspezifische Beschwerden.

Auch eine Gewichtszunahme kann sich einstellen – und das auch noch bei unveränderter Ernährung. Denn Progesteron wirkt stoffwechselaktivierend und anabol, es fördert also u. a. den Muskelaufbau. Fällt es weg, verlangsamt der Stoffwechsel und es fällt schwerer, Muskeln aufzubauen (3).

Allerdings können alle diese Beschwerden auch andere Ursachen oder Mitursachen haben. Alles auf eine Östrogendominanz zu schieben, wäre unklug.

Wenn es in dieser Lebensphase zu einer absoluten Östrogendominanz kommt, dann können sich Myome bilden. Bestehen die gutartigen Geschwülste bereits, wird ihr Wachstum von einer Östrogendominanz noch angeheizt. Sie können jetzt auch Beschwerden verursachen, etwa Druckschmerz.

Frauen, die an Endometriose leiden, können bei steigendem Östrogenspiegel einen heftigen Entzündungs- und Schmerzschub erleben. Das Hormon stimuliert die Krankheit regelrecht.

Die Folgen der Östrogendominanz nach der Menopause

Nach der Menopause – also in einem Alter von meist über 50 Jahren – haben die Eierstöcke ihre Aktivität eingestellt. Es wird also kein Progesteron mehr gebildet. Eine relative Östrogendominanz entsteht hier rein durch den Totalausfall von Progesteron bei minimalem Rest-Östrogen.

Die schon oben beschriebenen Folgen (Gewichtszunahme, Schlafstörungen, Ängste) können sich jetzt verstärken (4). Weitere Folgen und Symptome, die jetzt eintreten, sind als die typischen Wechseljahresbeschwerden bekannt, wie Schleimhauttrockenheit, Gelenkschmerzen, Herzrasen, innere Unruhe, Panikgefühle, Schlafstörungen, Nachtschweiß und Stimmungsschwankungen.

Hitzewallungen sind zwar eher als Folge eines Östrogenmangels bekannt. Ein Progesteronmangel verstärkt sie jedoch.

Da Progesteron als natürliches Entwässerungsmittel (Diuretikum) komplett ausfällt, speichert das Gewebe unter dem Einfluss des verbliebenen Östrogens vermehrt Wasser – typischerweise geschwollene Finger, Knöchel oder ein "aufgedunsenes" Gefühl am Morgen.

Es kann auch zum sog. Brain Fog (Gehirnnebel) kommen. Damit sind Konzentrationsstörungen gemeint, Wortfindungsstörungen und das Gefühl, "Watte im Kopf“ zu haben. Dies ist die Folge aus der Kombination von Östrogenabfall und dem durch Progesteronmangel gestörten Tiefschlaf.

Zu den Folgen der absoluten Östrogendominanz in dieser Phase, wenn also der Östrogenspiegel messbar erhöht ist, z. B. durch Übergewicht, gehört ein steigendes Krebsrisiko (Brust- und Gebärmutterkrebs).

Denn ein dauerhaft echter Östrogenüberschuss in der Postmenopause stimuliert die Zellteilung in Brust und Gebärmutter. Ohne Progesteron, das diesen Prozess stoppen könnte, steigt das Risiko für hormonabhängige Tumore.

Ein hoher Östrogenspiegel erhöht auch die Cholesterinausscheidung in die Galle, was die Entstehung von Gallensteinen stark begünstigt.

Die Folgen der Östrogendominanz bei Männern

Bei Männern (meist ab der Lebensmitte) ist eine relative Östrogendominanz extrem selten (nur bei bestimmten Hodenerkrankungen). In der Regel handelt es sich immer um eine absolute Östrogendominanz – und zwar aufgrund von Übergewicht und Adipositas.

Das Fettgewebe (besonders Bauchfett) speichert nicht nur Fett, sondern ist ein hormonaktives Organ. Es bildet verstärkt ein Enzym namens Aromatase. Dieses Enzym kann Testosteron in Östrogen umwandeln. Dies geschieht umso mehr, je ausgeprägter das Übergewicht ist. Der Testosteronspiegel sinkt.

Gleichzeitig bemerkt das Gehirn den Östrogenüberschuss und schlussfolgert, dass offenbar genügend Sexualhormone im Umlauf sind. Daraufhin drosselt es die Ausschüttung von LH (dem luteinisierenden Hormon), das in den Hoden die Testosteronproduktion anregen würde.

Wenn LH jedoch wegfällt, wird jetzt auch noch die Testosteronneubildung reduziert. Der Testosteronspiegel sinkt weiter.

Da zu den Aufgaben von Testosteron auch der Fettabbau gehört, begünstigt ein Testosteronmangel Fetteinlagerungen und weiteres Übergewicht – ein Teufelskreis.

Der Östrogenüberschuss kann nun gemeinsam mit dem Testosteronmangel u. a. zum Wachstum des Brustgewebes (Gynäkomastie), zu Libidoverlust, Muskelabbau und einer erektilen Dysfunktion (Erektionsstörungen) führen.

Wie kann man eine Östrogendominanz feststellen?

Oft weisen die Symptome bereits auf eine Östrogendominanz hin. Will man dennoch den konkreten Hormonstatus überprüfen lassen, kommen eine Blutanalyse und/oder ein Speicheltest in Frage. In manchen Fällen hilft aber auch schon das sog. Zyklus-Tracking, das Sie selbst – ohne Arzt – durchführen können.

Diagnose der Östrogendominanz bei Frauen im fruchtbaren Alter

Bei Frauen im fruchtbaren Alter (15 bis ca. 40 Jahre) muss die Diagnostik an den Zyklus angepasst werden. Die Blut- oder Speichelentnahme findet in der Mitte der zweiten Zyklushälfte statt – idealerweise 7 bis 5 Tage vor der erwarteten Periode (Lutealphase), weil dann der Gelbkörper sein Progesteron-Maximum erreicht hat.

Der Gelbkörper entsteht nach dem Eisprung im Eierstock – und zwar aus der leeren Eihülle (in der noch vor dem Eisprung die Eizelle war) – und ist nun der Hauptproduzent von Progesteron. Kommt es zu keiner Schwangerschaft, bildet er sich nach 10-14 Tagen zurück und es kommt zur Blutung.

Für die Bestimmung der absoluten Östrogendominanz misst man das Estradiol. Es ist das wirksamste Östrogen bei Frauen im fruchtbaren Alter. Ist der Wert erhöht, hat sich die absolute Östrogendominanz bestätigt.

Für die Bestimmung der relativen Östrogendominanz misst man Estradiol und Progesteron zeitgleich und berechnet ihr Verhältnis. Dazu teilt man den Progesteronwert durch den Estradiolwert.

Ein gesunder Quotient in der Lutealphase liegt meist zwischen 100:1 und 300:1. Liegt das Verhältnis deutlich darunter (z. B. 30:1), liegt eine relative Östrogendominanz vor – selbst wenn das Östrogen absolut gesehen niedrig ist.

Eine weitere Methode zur Diagnose der relativen Östrogendominanz ist das Zyklus-Tracking. Wenn Sie täglich Ihre Basaltemperatur messen (also frühmorgens vor dem Aufstehen) und die Kurve in der zweiten Zyklushälfte flach bleibt, dann wissen Sie:

Es hat kein Eisprung stattgefunden, was wiederum ein Hinweis auf eine relative Östrogendominanz ist.

Diagnose der Östrogendominanz in den Wechseljahren (ab ca. 40 bis 50 plus)

Da die Zyklen in diesem Alter unregelmäßig werden oder ganz aufhören, ist das Timing der Blutabnahme hier nebensächlich. Gemessen werden Estradiol, Progesteron sowie die Steuerhormone aus dem Gehirn (FSH und LH).

Bei der absoluten Östrogendominanz wäre der Estradiolwert trotz hohem FSH erhöht. Ein hoher FSH-Wert weist auf eine erloschene Eierstockfunktion hin.

Per Ultraschall (vaginal) könnte der Frauenarzt zudem die Dicke der Gebärmutterschleimhaut messen. Ist diese in der Postmenopause verdickt (über 4–5 mm), ist auch dies ein Beweis für eine absolute Östrogendominanz. Denn Östrogen lässt die Schleimhaut wuchern.

Bei einer relativen Östrogendominanz wären die Werte des FSH und LH stark erhöht (Zeichen der Postmenopause), das Estradiol wäre niedrig und das Progesteron wäre kaum mehr vorhanden. Der Quotient kippt nun extrem zugunsten des Östrogens.

Diagnose der Östrogendominanz beim Mann

Beim Mann gibt es keine zyklischen Schwankungen, weshalb eine Blutabnahme jederzeit (idealerweise morgens, da hier die Hormonspiegel am höchsten sind) durchgeführt werden kann.

Für eine Östrogendominanz (meist eine absolute) spricht ein erhöhter Estradiolwert, während die Testosteronwerte meist im unteren Normbereich sind. Der LH-Wert ist niedrig.

Ein hoher Östrogenwert kurbelt außerdem die Produktion von SHBG (Sex-Hormon-Bindendes Globulin) in der Leber an. Ein hoher SHBG-Wert bindet aber das restliche freie Testosteron im Blut, sodass dem Mann noch weniger freies (aktives) Testosteron zur Verfügung steht.

Welcher Test ist sinnvoller: Bluttest oder Speicheltest?

Beim klassischen Bluttest (Serumtest beim Arzt) wird die Gesamtmenge der Hormone im Blut gemessen. Das Problem dabei ist, dass etwa 95–98 % dieser Hormone an Transportproteine (wie SHBG) gebunden und biologisch inaktiv sind. Nur ein winziger Bruchteil ist frei und wirksam.

Der Test wird jedoch von den Krankenkassen bezahlt (wenn der Arzt ihn für wichtig erachtet) und ist medizinischer Standard.

Der Speicheltest (gibt es auch als Heimtest) misst nur die freien, ungebundenen und damit biologisch aktiven Hormone. Daher gilt er insbesondere bei ganzheitlichen/naturheilkundlichen Therapeuten als genauer, da er nur das widerspiegelt, was in den Zellen ankommt.

Die Methode ist aber - was die Sexualhormone angeht - anfälliger für Messfehler (z. B. durch Zahnfleischbluten, Essen oder wenn man vor dem Test eine Hormoncreme aufträgt, Reste davon an den Fingern hat, die dann die Probe kontaminieren könnten).

Die klassische Medizin erkennt Speicheltestergebnisse daher nicht an, weshalb auch die Kosten (ca. 50–120 € - je nach Anzahl der gemessenen Hormone) in den meisten Fällen selbst übernommen werden müssen.

Wenn Ihr Arzt einen Bluttest empfiehlt, dann genügt dieser sicherlich. Sieht er keinen Grund, Sie aber möchten dennoch wissen, wie es um Ihre Hormone bestellt ist, dann ist ein Speicheltest eine Alternative.

* Hier erhalten Sie einen Hormon-Speicheltest für zu Hause. (Man erhält einen ausführlichen Laborbericht, nur keine Therapieempfehlungen, da man das Ergebnis am besten mit einem ganzheitlich orientierten Gynäkologen, Endokrinologen oder entsprechend versierten Heilpraktiker besprechen sollte).

Ergänzung: Für Cortisol (Stresshormon), das mit obigem Test ebenfalls gemessen wird, ist die Situation eine andere. Denn hier gilt der Speicheltest als sehr gut validiert. Er ist nicht sehr fehleranfällig und wird somit auch von der herkömmlichen Medizin genutzt und anerkannt.

Müssen Nahrungsergänzungen vor dem Test abgesetzt werden?

Es kommt darauf an, was Sie mit dem Test herausfinden möchten. Für die Erstdiagnose, wenn Sie also überhaupt erst einmal herausfinden möchten, ob Ihre Beschwerden von einer Östrogendominanz kommen, sollten Sie hormonell wirksame Pflanzenstoffe absetzen – mindestens 1 vollen Zyklus bzw. 4 Wochen lang.

Dazu gehören insbesondere Präparate mit dem Mönchspfeffer (Vitex agnus castus). Er kurbelt die körpereigene Progesteronproduktion an.

Yamswurzel-Extrakte (Wild Yam), DIM (Diindolylmethan), Indol-3-Carbinol und Sulforaphan werden häufig ebenfalls genannt und sollen die Progesteronwerte erhöhen können, was aber nicht als belegt gilt. Aus medizinischer Sicht müssen Sie daher diese Präparate auch nicht vor einem Test absetzen.

Wenn Sie Mönchspfeffer jedoch weiter nehmen würden und Ihre Werte ok sind, weiß man nicht, ob Sie nun von Natur aus gesund sind oder der Pflanzenstoff das Problem schon erfolgreich behandelt hat.

Handelt es sich hingegen um eine Verlaufskontrolle, bei der überprüft werden soll, ob das Präparat anschlägt, dann dürfen Sie es natürlich nicht absetzen. In diesem Fall wollen Sie ja genau wissen, ob die Dosis ausreicht, um Ihren Hormonstatus in Balance zu bringen oder zu halten.

Biotin (Vitamin B7) müssen Sie jedoch immer absetzen (3-7 Tage vorher). Denn Biotin ist in vielen Laboren Bestandteil bestimmter Testverfahren, um Hormone im Blut sichtbar zu machen.

Hat man nun aufgrund einer Biotineinnahme zu viel Biotin im Blut, wird der Test verfälscht. Er täuscht dem Arzt in diesem Fall eine Östrogendominanz vor, die biologisch gar nicht existiert. Biotin kann auch in Multivitaminpräparaten oder sogar Multivitamin-Säften enthalten sein. Prüfen Sie daher entsprechende Produkte.

Andere Nahrungsergänzungen müssen nicht abgesetzt werden.

Welche Ursachen hat eine Östrogendominanz?

Die Ursachen einer relativen und einer absoluten Östrogendominanz können unterschiedlich sein. Aus vielen möglichen Ursachen erkennt man bereits, welche Maßnahmen bei der Problematik hilfreich sein können.

Die Ursachen einer absoluten Östrogendominanz

Besonders Übergewicht und Adipositas zählen zu den Ursachen der absoluten Östrogendominanz – bei Mann und Frau. Denn das Bauchfett bildet reichlich vom Enzym Aromatase. Dieses wandelt Östrogenvorstufen unaufhörlich in aktives Östrogen um. Der Östrogenspiegel steigt deutlich und messbar.

Auch eine schwankende Aktivität der Eierstöcke in den frühen Wechseljahren kann eine Ursache sein. In dieser Phase beginnen die Eierstöcke langsam nachzulassen. Das Gehirn versucht die Eierstöcke anzutreiben und schüttet dazu das stimulierende Hormon FSH aus. Die Eierstöcke reagieren darauf jedoch sehr unzuverlässig – mal gut, mal gar nicht und mal viel stark, nämlich mit extremen Östrogenspitzen, die weit über der gesunden Norm liegen.

Umweltfaktoren (Xenoöstrogene) zählen ebenfalls zu den möglichen Ursachen. Denn hormonell wirksame Chemikalien sind weit verbreitet (z. B. PFAS, Phthalate, Dioxine, Pestizide, Weichmacher, Bisphenol A aus Plastik oder Kosmetika). Diese Stoffe blockieren oder aktivieren die Östrogenrezeptoren im Körper und täuschen einen Überschuss an Östrogen vor. In diesem Fall liegt kein körpereigener Überschuss vor (6).

Ein aktuelles Review kommt zu dem Schluss, dass die endokrin wirksamen Chemikalien die weibliche Fruchtbarkeit so weit beeinträchtigen können, dass diese mit Eizellreifungsstörungen, Endometriose, vorzeitiger Ovarialinsuffizienz sowie einer geringeren Erfolgsrate bei künstlichen Befruchtungen in Zusammenhang stehen (7).

Manche Frauen erhalten eine Hormonersatztherapie (HRT) – also Östrogene als Medikament. Wenn nicht auch ausreichend Progesteron gegeben wird oder das Östrogen zu hoch dosiert wird oder beides, kann sich eine Östrogendominanz einstellen.

Die Ursachen einer relativen Östrogendominanz (Progesteron- bzw. Testosteronmangel)

Neben Ursachen, wie einem ausbleibenden Eisprung oder einer Gelbkörperschwäche gibt es noch weitere mögliche Ursachen für eine relative Östrogendominanz, z. B. eine Schilddrüsenunterfunktion, Hashimoto, chronischer Stress, Bewegungs- und Schlafmangel, Alkohol, Rauchen, Darmflorastörungen, hohe Insulinspiegel, falsche Ernährung sowie Nährstoffmängel (z. B. Zink, Magnesium, Vitamin B6 oder Vitamin C).

All das wird gemeinsam mit den nötigen Maßnahmen in unserem Artikel Östrogen abbauen - Progesteron erhöhen näher erklärt werden. Er erscheint im Juli 2026.

Aber auch die oben genannten Xenoöstrogene können zu einer relativen ÖD beitragen.

Welche Ursachen werden diskutiert – aber von der Medizin abgelehnt?

In der Alternativmedizin und Naturheilkunde (insbesondere geprägt durch den US-Arzt Dr. John R. Lee, den Begründer des Konzepts der Östrogendominanz) werden mehrere Ursachen diskutiert, die von der evidenzbasierten Medizin entweder gar nicht anerkannt, als unwissenschaftlich eingestuft oder völlig anders interpretiert werden.

Drei der am häufigsten diskutierten alternativmedizinischen Ursachen sind die folgenden:

Die Nebennierenschwäche

Das ist die wohl populärste Ursache in der Naturheilkunde für eine relative Östrogendominanz. Bei chronischem psychischem oder körperlichem Dauerstress brennen die Nebennieren irgendwann aus und „erschöpfen“. Da sie erschöpft sind, können sie nicht mehr genügend Hormone (wie DHEA oder Progesteron) herstellen. Dies führe direkt zu einem Progesteronmangel im gesamten Körper.

Die Schulmedizin lehnt den Begriff und das Konzept der „Nebennierenerschöpfung“ bzw. „Nebennierenschwäche“ ab. Sie begründet, dass es zwar eine Nebenniereninsuffizienz (Morbus Addison) gäbe, aber keine funktionelle Erschöpfung des Organs.

Lesen Sie mehr dazu in unserem Artikel Nebennierenschwäche - Symptome und Ursachen.

Das Konzept des „Pregnenolon-Steals“ (Cortisol-Raub)

Alle Steroidhormone - dazu gehören Östrogene, Progesteron, Cortisol, DHEA - werden aus der gemeinsamen Vorstufe Pregnenolon gebildet. Bei Stress nun – so heißt es – stehle der Körper dieses Pregnenolon, um daraus lebenswichtiges Cortisol zu bauen. Für die Produktion von Progesteron bleibe dann nichts mehr übrig.

Aus Sicht der Medizin gilt die Theorie wissenschaftlich als widerlegt. Die Hormonbildung in der Nebenniere (Cortisol) und in den Eierstöcken (Progesteron) läuft in getrennten Gewebebereichen und über unterschiedliche Signalwege ab. Die Cortisol-Raub-Theorie kann also nicht stimmig sein.

Der Progesteronabfall bei Stress ist dennoch Realtiät und entsteht folgendermaßen:

Ist man chronischem Stress (körperlich oder psychisch) ausgesetzt, schüttet das Gehirn vermehrt Stresshormone aus. Sie wirken im Gehirn wie eine Art biologische Notbremse. Sie blockieren direkt die Steuerungszentrale (den Hypothalamus = hormonproduzierender Bereich im Gehirn), so dass nun weniger FSH und LH ausgeschüttet wird – die zwei Hormone, die wiederum im Eierstock die Progesteronbildung anregen (8).

Der Körper reagiert also stark auf Überlastung - nicht nur auf psychischen Dauerstress, sondern auch auf Stress durch Schlafmangel, Kaloriendefizite oder entzündliche Belastungen. Ein gutes Stressmanagement ist daher keinesfalls nur Wellness, wie oft geglaubt wird, sondern ein echte hormonwirksame Maßnahme eines guten Therapiekonzepts (9).

Die geschwächte Leber kann Östrogen nicht abbauen

Die Leber muss im modernen Alltag ununterbrochen Umweltgifte abbauen, etwa Pestizide, Weichmacher aus Plastik (BPA), Alkohol, Kaffee, Zucker und Medikamente. Nun wird an mancher Stelle erklärt, dass die Entgiftung von echten Giften für die Leber immer Vorrang vor dem Abbau von körpereigenen Hormonen habe. Wenn daher die Leber mit Alltagsgiften ausgelastet sei, könne sie das Östrogen nicht mehr abbauen, so dass ein Überschuss entstehe.

Aus Sicht der evidenzbasierten Medizin besitzt die Leber eine enorme Kapazität. Sie entscheidet nicht, ob sie erst ein Glas Wein, ein BPA-Teilchen oder ein Östrogenmolekül abbaut – diese Prozesse laufen über völlig unterschiedliche Enzymfamilien zeitgleich und unabhängig voneinander ab.

Dennoch kann natürlich ein regelmäßiger Alkoholkonsum die Leber so beeinflussen, dass tatsächlich der Östrogenspiegel steigt. Dann nämlich verlangsamt Alkohol den Östrogenabbau und fördert sogar die Neubildung von Östrogen (da Alkohol zu erhöhten Spiegeln der Vorstufe DHEA führt).

Auch können Maßnahmen für die Leber bei einer Östrogendominanz in jedem Fall helfen. Denn Leberkuren enthalten Bitterstoffe und Maßnahmen zum Abbau einer Fettleber. All das unterstützt auch einen gesunden Stoffwechsel und das Abnehmen – und genau das senkt wiederum die wahre Ursache der (absoluten) Östrogendominanz: das Fettgewebe.

Ist eine Östrogendominanz weit verbreitet?

Genaue statistische Erhebungen zur Häufigkeit der Östrogendominanz (ÖD) als eigenständige Diagnose gibt es im deutschsprachigen Raum kaum, da die Schulmedizin die ÖD – im Gegensatz zu Heilpraktikern und ganzheitlichen Ärzten – selten als isoliertes Krankheitsbild sieht.

Betrachtet man jedoch die zugrundeliegenden Störungen (wie Progesteronmangel, Zyklen ohne Eisprung oder die hormonelle Umstellung ab der Lebensmitte), schätzen Endokrinologen und Labore das Vorkommen im deutschsprachigen Raum als sehr hoch ein.

Hersteller von entsprechenden Tests schreiben gelegentlich, dass im Laufe des Lebens rund 4 von 5 Frauen (80 %) und bis zu 2 von 5 Männern (40 %) Phasen einer Östrogendominanz entwickeln.

Diese hohen Zahlen sind auch tatsächlich nicht von der Hand zu weisen. Denn ab Mitte 30 nimmt die Qualität der Eizellen ab, wodurch immer häufiger Zyklen ohne Eisprung ablaufen, was den Progesteronspiegel sinken lässt.

Dazu kommt unsere Leistungsgesellschaft mit einem hohen Anteil an chronischem Alltags- und Arbeitsstress. Da Stresshormone (Cortisol) die Progesteronbildung blockieren, ist der stressbedingte, relative Progesteronmangel hierzulande ein Massenphänomen.

Bei der absoluten Östrogendominanz ist die Hauptursache das Übergewicht. Laut statistischer Daten sind in Deutschland derzeit über 50 % der Frauen und über 60 % der Männer übergewichtig oder adipös – was automatisch auf eine hohe Östrogenbildung hinweist (10).

Fazit: Östrogendominanz ist häufig – kann aber behandelt werden

Eine Östrogendominanz ist weit verbreitet. Sobald Sie aber wissen, dass Sie betroffen sind, können Sie behandelt werden. Einerseits geht es darum, die Ursachen im Bereich des Lebensstils zu beheben.

Andererseits können bestimmte Präparate eingesetzt werden, die den Hormonhaushalt günstig beeinflussen können und insbesondere den Progesteronspiegel heben. Dies ist bei der relativen Östrogendominanz oft der Fall.

Seltener wird man Maßnahmen umsetzen, die das Östrogen abbauen helfen, also den Östrogenspiegel senken. Dies ist eher bei der absoluten Östrogendominanz eine Möglichkeit (insbesondere durch Gewichtsreduktion).

Was Sie bei einer Östrogendominanz aus naturheilkundlicher Sicht genau tun können und wie Sie dabei vorgehen, beschreiben wir in unserem Artikel Östrogen abbauen - Progesteron erhöhen, der im kommenden Newsletter erscheinen wird.

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Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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