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Fieber, die natürliche Abwehrstrategie des Körpers

Fieber ist keine Krankheit, sondern ein natürlicher Abwehrmechanismus des Immunsystems. Daher sind fiebersenkende Medikamente nicht immer nötig und auch nicht immer sinnvoll. Im Gegenteil, Fieber kann bei manchen Erkrankungen sogar als Therapie eingesetzt werden.

Fachärztliche Prüfung: Gert Dorschner
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10 Mai 2021

Fiebersenkende Medikamente sind nicht immer sinnvoll

Fieber, auch Pyrexie genannt, ist eine angeborene Reaktion des Immunsystems auf Erreger. Zu dieser körpereigenen Reaktion sind nicht nur Menschen fähig, sondern auch Tiere. Man schätzt, dass Fieber bereits seit vier Millionen Jahren auftritt [1]. Es ist ein Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt und der Körper – in den meisten Fällen – gerade gegen einen Erreger kämpft.

Weshalb also sollte man diese so wichtigen körpereigenen Abwehrmechanismen durch fiebersenkende Medikamente ausser Kraft setzen? Fieber ist völlig natürlich und nichts, wovor man Angst haben muss. Das Gegenteil ist jedoch der Fall, so dass in der Wissenschaft sogar von einer regelrechten „Fieberphobie“ der Gesellschaft gesprochen wird [2, 3, 4].

Ab 38 Grad spricht man von Fieber

Die Normaltemperatur des Körpers liegt zwischen 36.5 und 37.5 Grad. Eine einheitliche Definition, ab wann jemand Fieber hat, gibt es nicht. Häufig wird ab einer Körperkerntemperatur von 38 Grad von Fieber gesprochen. Die Körperkerntemperatur bezieht sich dabei auf das Innere des Körpers, nicht auf die Hautoberfläche. Übersteigt die Temperatur 40 Grad, spricht man dagegen von einer Hyperpyrexie [5]. Diese kann beispielsweise bei Grippe, Erkältungserkrankungen, Lungenentzündungen, Nieren- und Prostataentzündungen und vielen bakteriellen Entzündungen auftreten. Auch bei Malaria kann es zu sehr hohem (in diesem Fall meist wechselhaftem) Fieber kommen [6].

Von der Hyperpyrexie wird die Hyperthermie unterschieden: Dabei handelt es sich nicht wirklich um Fieber, denn die Überhitzung hat äussere Ursachen. Bei einem Hitzschlag zum Beispiel steigt die Körpertemperatur unkontrolliert auf über 40 Grad an, weil die Wärmeabgabe des Körpers nicht ausreicht (oder nicht schnell genug ist) um den Körper herunterzukühlen. Auch eine gesteigerte Wärmeproduktion, zum Beispiel durch schwere körperliche Arbeit, kann die Ursache einer Hyperthermie sein. Die Hyperthermie ist lebensgefährlich, da sie zu einem Wärmestau im Körper führt. Kontrolliert eingesetzt, stellt sie jedoch auch eine Therapieform dar, z. B. bei Tumoren [7].

Wie Sie richtig Fieber messen

Fieber kann unter der Achsel (axillar), unter der Zunge, an der Stirn, in den Ohren (aurikulär) oder im After (rektal) gemessen werden. Am genauesten ist die Fiebermessung mit einem digitalen Stabthermometer im After, da die Messergebnisse unter der Achsel und am Kopf ungenau sind und stark von der tatsächlichen Körpertemperatur abweichen können. Wird das Fiebermessen rektal als zu unangenehm empfunden, ist das Fiebermessen mit einem Ohrenthermometer die beste Alternative. Beachten Sie, dass die Körperkerntemperatur am Abend generell etwas höher liegt als am Morgen – sie kann bis zu einem Grad schwanken.

Was bei Fieber im Körper passiert

Befallen Krankheitserreger, wie etwa Viren oder Bakterien den Körper, startet das Immunsystem seine natürliche Abwehrreaktion. Die Immunzellen bilden Fieber auslösende Botenstoffe, die sogenannten Pyrogene. Diese Pyrogene können auch als Bestandteil von Viren und Bakterien in den Körper gelangen.

Die Pyrogene beeinflussen den Hypothalamus, einen Teil des Gehirns, der die Atmung und den Kreislauf reguliert und in dem sich das Wärmeregulationszentrum des Körpers befindet. Im Hypothalamus wird daraufhin der Sollwert der Körpertemperatur erhöht, und es werden Prostaglandine ausgeschüttet. Prostaglandine sind Botenstoffe, die Mechanismen zur Temperaturerhöhung in Gang setzen:

Es werden Signale an die Muskeln gesendet, die dann durch Bewegung Wärme erzeugen. Der Körper beginnt zu zittern. Gleichzeitig verengen sich die Blutgefässe, um zu verhindern, dass Wärme über die Haut verloren geht. Deshalb friert man zu Beginn eines Fiebers häufig und hat manchmal auch Schüttelfrost. Dieses Stadium nennt man Fieberanstieg (Stadium incrementi).

Ist die Körpertemperatur erhöht, weiten sich die Blutgefässe wieder, was die Durchblutung steigen lässt. Dadurch gelangen die Abwehrzellen, schneller an ihr Ziel. Die Krankheitserreger können sich bei höheren Temperaturen zudem schlechter vermehren.

Wurden die Krankheitserreger erfolgreich bekämpft, ist der Temperatur-Sollwert, den der Hypothalamus angestrebt hat, erreicht – dieses Stadium nennt man Fieberhöhe (Stadium fastigium). Der Hypothalamus peilt nun wieder den normalen Sollwert von 36.5 bis 37.5 Grad an. Die Blutgefässe bleiben geweitet, um die Körpertemperatur zu senken. Der Körper zeigt uns, dass ihm zu heiss ist: Man fängt an zu schwitzen, deckt sich ab und sehnt sich nach etwas Kühlem.

Das Schlimmste ist jetzt aber überstanden und die Körpertemperatur normalisiert sich langsam wieder. Das Stadium des Fieberabfalls ist erreicht (Stadium decrementi). Dieser ganze Prozess kostet viel Energie und dauert meistens mehrere Tage, weshalb man sich bei Fieber so schlapp fühlt.

Bei vielen Infektionskrankheiten, wie etwa einer Grippe, kommt es zu Fieber – muss es aber nicht unbedingt. Eine einfache Erkältung kann auch abklingen, ohne dass der Körper das volle Abwehrprogramm mit Fieber auffährt. Meistens reicht eine leicht erhöhte Temperatur (auch subfebrile Temperatur genannt) aus, um eine Erkältung in den Griff zu kriegen.

Fieber bekämpfen oder nicht?

Ob Fieber mit Hilfe fiebersenkender Medikamente bekämpft werden sollte, wird in der Wissenschaft kontrovers diskutiert. Die einen plädieren dafür, dass Fieber eine schützende Reaktion des Körpers ist, die die Evolution bis heute überstanden hat – also einen Nutzen bringt und deshalb nicht künstlich unterdrückt werden sollte. Die anderen plädieren dafür, dass Fieber bekämpft werden sollte, da das Risiko den bereits geschwächten Körper durch Fieber zusätzlich zu schwächen, den Nutzen überwiegt [1].

Fiebersenkende Medikamente werden zu schnell verschrieben

Dr. Martin Fleck von der Universität Regensburg kritisiert, dass Patienten mit erhöhter Temperatur zu schnell fiebersenkende Medikamente gegeben wird und spricht sogar von einem Automatismus. Dies führe allerdings dazu, dass Infektionen länger dauern, da das Fieber unterdrückt werde.

Fieber zu senken, sei laut Fleck, Chefarzt der Klinik für Rheumatologie und Klinische Immunologie, eigentlich gar nicht nötig. Wenn der Betroffene stark darunter leide, könne man schon etwas nachhelfen, aber dann eher mit kühlenden Wadenwickeln als mit Medikamenten, um die Nebenwirkungen zu umgehen. Er rät aber dazu, Fieber eher auszuhalten als zu senken.

Wenn Patienten ein schwaches Herz, Nieren- oder Lungenerkrankungen haben, könne es dagegen sinnvoll sein, das Fieber zu senken, da es den Kreislauf stark belastet. Dies müsse aber von Fall zu Fall abgewogen werden.

So wirken fiebersenkende Medikamente

Medikamente gegen Fieber werden Antipyretika genannt. Dazu gehören die sog. Nichtsteroidalen Antiphlogistika. Es lassen sich folgende Wirkstoffe unterscheiden [8, 9, 10, 11]:

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  1. Paracetamol (auch als Zäpfchen) – Hauptnebenwirkung: leberschädigend
  2. Acetylsalicylsäure, wie z. B. Aspirin – Hauptnebenwirkung: Magen-Darm-Geschwüre
  3. Ibuprofen (auch als Zäpfchen) – Hauptnebenwirkung: Nieren und Herz schädigend
  4. Novaminsulfon – Hauptnebenwirkung (selten): Agranulozytose (Verminderung von Granulozyten, eine Untergruppe weisser Blutkörperchen)

Diese Wirkstoffe sorgen dafür, dass der Körper weniger Prostaglandine bildet. Wie im Abschnitt weiter oben beschrieben, sind dies Botenstoffe, die für die Regulierung der Körpertemperatur verantwortlich sind. Alle üblichen Antipyretika wirken mehr oder weniger nicht nur gegen Fieber, sondern auch entzündungs- und schmerzhemmend. Paracetamol wirkt am schwächsten schmerzstillend.

Bei allen drei Wirkstoffen sind Nebenwirkungen häufig, und wenn man die erlaubte tägliche Dosis betrachtet, sogar zu erwarten. Bei Paracetamol zum Beispiel liegt eine Einzeldosis bei Erwachsenen zwischen 500 und 1000 mg. Erlaubt sind aber 2000 bis 4000 mg pro Tag, da man nach ein paar Stunden wieder eine Einzeldosis nehmen kann. Bei Paracetamol kann es daraufhin zu einem Anstieg der Leberwerte kommen, bei Acetylsalicylsäure und Ibuprofen zum Beispiel zu Sodbrennen, Magenschmerzen und Übelkeit.

Nutzen fiebersenkender Medikamente umstritten

Der Nutzen von Fieber ist unbestritten: Es schützt den Körper vor Infektionen, indem es die Funktion der Immunzellen verbessert, die dann wiederum die Krankheitserreger bekämpfen. Fiebersenkende Medikamente hingegen, werden vielfach aus Angst vor dem Fieber selbst oder zur Verbesserung der Krankheitssymptome eingenommen. Dies führt zwar dazu, dass man sich besser fühlt, aber nicht zu einer schnelleren oder besseren Genesung [2]. Das Gegenteil könnte sogar der Fall sein:

So führte die Einnahme von Paracetamol in einer Studie mit 50 Malaria-erkrankten Kindern zu einer um 16 Stunden verzögerten Heilung [12]. In zwei Studien aus Skandinavien mit jeweils über 2000 Patienten war Fieber darüber hinaus mit einer geringeren Sterblichkeit verbunden – diejenigen Personen mit dem höchsten Fieber überlebten am ehesten [13, 14]. In einer weiteren Studie mit 700 Patienten führte die Einnahme von Paracetamol umgekehrt ebenfalls nicht zu einem geringeren Sterblichkeitsrisiko [15].

Ab wann sollte man bei Fieber zum Arzt gehen

Eine feste Regel, wann man bei Fieber zum Arzt gehen sollte, gibt es nicht. Die Schulmedizin rät dazu, ab einer Temperatur von 39 Grad und spätestens ab 40 Grad einen Arzt aufzusuchen, da es im schlimmsten Fall (sehr selten) zu einem Herzstillstand kommen könnte.

So hohes Fieber kann ein Hinweis darauf sein, dass eine ernsthaftere Erkrankung vorliegt. Tropenkrankheiten wie Malaria und Ebola gehen zum Beispiel oftmals mit hohem Fieber einher. Falls Sie zuvor in einem betroffenen Gebiet waren, ist es also ratsam, gleich zum Arzt zu gehen und ihn von Ihrem kürzlichen Urlaub zu unterrichten. Aber auch bei uns gibt es Krankheiten, die mit hohem Fieber einhergehen (siehe oben): Lungenentzündungen, Nierenentzündungen oder die Grippe.

Dabei kommt es immer auf die begleitenden Symptome an, ob man zum Arzt gehen sollte oder sich einfach zu Hause auskurieren kann. Wenn das Fieber beispielsweise länger als 2 Tage anhält und Symptome wie Schmerzen beim Wasserlassen oder eitriger Auswurf auftreten, deutet dies auf eine bakterielle Infektion hin. Dann kann es in manchen Fällen sinnvoll sein, wenn der Arzt der infizierten Person Antibiotika verordnet.

Mit Virusinfekten dagegen wird der Körper in der Regel ohne Medikamente fertig (auch bei hohem Fieber). Zudem helfen antivirale Medikamente nur bei einzelnen Virusarten – es ist also gar nicht so einfach, Viren mit Medikamenten zu bekämpfen [16].

Fieber bei Säuglingen und Kindern

Säuglinge und Kinder leiden generell häufiger an Fieber als Erwachsene. Es ist nicht selten, dass Kinder unter drei Jahren bis zu 12 Infekte pro Jahr durchmachen, da ihr Immunsystem erst noch lernen muss, wie es mit Erregern umzugehen hat [17]. Verständlicherweise sind Eltern dann sehr besorgt und suchen schnell ärztlichen Rat.

Wann sollte man mit Säuglingen und Kindern zum Arzt

Bei einem Säugling, der jünger als drei Monate alt ist, ist es ratsam schon bei einer Temperatur von 38 Grad zum Arzt zu gehen, da das Abwehrsystem noch sehr schwach ist. Ein Infekt kann sich daher schnell im Körper ausbreiten [18, 19].

Wenn das Baby älter als drei Monate alt ist, sollte man ab einer Temperatur von 39 Grad einen Arzt aufsuchen. Treten zusätzlich Durchfall, Erbrechen oder Bauchschmerzen auf, ist meistens ein Magen-Darm-Infekt die Ursache für das Fieber [18, 19].

Das oberste Ziel des Arztbesuches sollte jedoch sein, die Ursache des Fiebers abzuklären und das Befinden des Kindes zu verbessern und nicht, in erster Linie Massnahmen zu ergreifen, die das Fieber senken [4].

Drei-Tage-Fieber: Häufig aber meistens harmlos

Tritt ganz plötzlich Fieber auf, könnte es sich um das Drei-Tage-Fieber handeln. Dies kommt bei Säuglingen und Kleinkindern relativ häufig vor und dauert in der Regel drei bis vier Tage. Darauf folgt typischerweise ein Hautausschlag, der nach ein paar Tagen wieder zurückgeht [20] – wobei es aber auch bei den folgenden Erkrankungen zu Hautausschlägen kommen kann:

  1. Masern (grosse ineinander übergehende Hautflecken, starkes Krankheitsgefühl)
  2. Röteln (mittelgrosse Flecken, mässiges Krankheitsgefühl)
  3. Windpocken („Sternenhimmel“-Phänomen, d. h. grosse und kleine Pusteln – auch an der behaarten Kopfhaut und auf den Schleimhäuten, mässiges Fieber)
  4. Scharlach (kleinfleckig, kleieförmig-schuppend, starkes Krankheitsgefühl, hohes Fieber)

Ausgelöst wird das Drei-Tage-Fieber durch eine Tröpfcheninfektion mit Herpesviren („Humanes Herpesvirus“ oder HSV-Typ-6 genannt). Das Drei-Tage-Fieber verläuft aber in der Regel harmlos und bleibt häufig unbemerkt. Wer es einmal hatte, ist anschliessend immun dagegen. Infizieren sich Erwachsene mit dem Virus, entwickeln sie grippeähnliche Symptome wie Schnupfen und Halsweh [20].

Fieber aufgrund von Mittelohrentzündungen

Häufig erkranken Säuglinge und Kleinkinder auch an einer Mittelohrentzündung, die mit Fieber einhergeht. Eine Mittelohrentzündung entwickelt sich, wenn Erkältungsviren auf das Ohr übergreifen. Krankheitszeichen dafür sind Schmerzen in den Ohren sowie ein schlechteres Gehör.

Der erhöhte Druck im Ohr kann dabei das Trommelfell zum Platzen bringen (Trommelfellperforation), wodurch die Schmerzen häufig nachlassen. Ein kleiner Riss im Trommelfell heilt in der Regel von allein, ein grösserer dagegen muss operiert werden [21].

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Eine Entzündung des äusseren Gehörgangs ist zwar seltener als die Mittelohrentzündung, doch auch dafür sind Kinder anfälliger als Erwachsene, da die Verbindung zwischen Nasen-Rachen-Raum und Ohren bei ihnen kürzer ist und Bakterien so schneller eindringen können [22].

Wenn Kinder häufig an Ohrentzündungen (oder auch Atemwegsinfekten) leiden, kann dahinter eine Milcheiweissunverträglichkeit (oder eine andere Nahrungsmittelunverträglichkeit) stecken. Probieren Sie es aus! Lassen Sie einige Monate lang Milchprodukte weg und beobachten Sie, wie es Ihrem Kind mit der neuen Ernährung geht.

Das rheumatische Fieber

Ebenfalls sind Kinder und Jugendliche zwischen 3 und 16 Jahren anfälliger für rheumatisches Fieber als Erwachsene. Das rheumatische Fieber ist eine Autoimmunerkrankung, die in den Industrieländern allerdings nur noch sehr selten vorkommt. In Entwicklungsländern dagegen ist sie die häufigste Ursache für eine Herzerkrankung in der Kindheit [23].

Rheumatisches Fieber kann durch eine unbehandelte Racheninfektion auftreten. Dabei können sich die Gelenke, die Herzinnenhaut, die Haut und das Nervensystem entzünden. Wie der Name schon sagt, leiden die Betroffenen an Fieber, aber auch an Gelenk- und Brustschmerzen, Ausschlag und teilweise kommt es zu unkontrollierten Bewegungen.

Fieber beim Zahnen

Es muss sich aber natürlich nicht gleich um eine Erkrankung handeln, wenn ihr Säugling eine erhöhte Temperatur hat: Denn auch beim Zahnen kann es zu einer Temperaturerhöhung kommen. Diese steigt allerdings nicht auf über 38 Grad. Tut sie es doch, ist dies schon eher ein Anzeichen für einen gleichzeitigen Infekt [24].

Fieberkrämpfe ähneln epileptischen Anfällen

Durch eine plötzliche Temperaturerhöhung können Kinder einen sogenannten Fieberkrampf bekommen. Dieser äussert sich wie ein epileptischer Anfall: Augen verdrehen, Zuckungen bis hin zum Bewusstseinsverlust und Erschlaffen des Körpers. Solche Anfälle dauern in der Regel einige Sekunden bis zu fünf Minuten, sind aber recht selten [25].

Während des Fieberkrampfs können Sie nicht viel tun, ausser aufzupassen, dass Ihr Kind sich nicht verletzen kann. Am besten nehmen Sie es auf den Arm, so kann es auch ungehindert Atmen. Nach zwei Stunden hat sich das Kind dann meistens wieder komplett vom Krampf erholt [25].

Obwohl Fieberkrämpfe in der Regel keine gesundheitlichen Folgen haben, raten Kinderärzte dazu, die Gehirnströme des Kindes anschliessend sofort untersuchen zu lassen. In seltenen Fällen kann die Ursache eine Hirnhautentzündung sein. Häufiger treten Fieberkrämpfe beim Drei-Tage-Fieber oder bei einem Magen-Darm-Infekt auf [25].

Homöopathie bei Fieber

Die Homöopathie ist zwar offiziell nicht anerkannt, da ihre Wirkungsmechanismen laut Aussagen der offiziellen Wissenschaft noch nicht genügend erforscht seien (es gibt "erst" ca. 9000 Studien zur Wirksamkeit der Homöopathie), dies bedeutet allerdings nicht, dass sie nicht wirken kann. Dr. Margarete Jäger beispielsweise setzt in ihrer homöopathischen Praxis in München bei der Behandlung von Fieber auf eine Kombination aus Homöopathie und Allgemeinmedizin.

Wenn die Körpertemperatur des Kindes 39 Grad übersteigt, empfiehlt die ganzheitlich orientierte Kinderärztin, Belladonna in einer D-Potenz (einmalig 5 Globuli) zur Fiebersenkung zu geben. Sinkt das Fieber dadurch nicht, könne man immer noch auf Dolormin (Wirkstoff: Ibuprofen) oder Nurofen (Wirkstoff: ebenfalls Ibuprofen) zurückgreifen. Diese Mittel sind nicht nur fiebersenkend, sondern auch entspannend, so dass das Kind gut schlafen kann. Ist das Fieber allerdings tiefer als 39 Grad und das Kind hat keine Schmerzen, rät auch sie von fiebersenkenden Medikamenten ab [26].

Fieber nach Impfungen

Fieber und Fieberkrämpfe können auch nach Impfungen auftreten, zum Beispiel bei der Kombinationsimpfung gegen Diphterie, Keuchhusten, Tetanus, Kinderlähmung, Hepatitis B und Haemophilus Influenza Typ B innerhalb der ersten 24 Stunden oder bei der Mumps-Masern-Röteln-Impfung (MMR-Impfung) nach 8 bis 14 Tagen [25]. Weitere Informationen dazu, finden Sie unter vorigem Link.

Das Fieber tritt in diesen Fällen als Reaktion auf den Impfstoff auf. Der Körper soll sozusagen am Impfstoff den Ernstfall lernen, weshalb eine ähnliche Abwehrreaktion auftritt, wie es bei der tatsächlichen Krankheit der Fall wäre.

Fieber durch Medikamente

Auch Medikamente können Fieber verursachen, beispielsweise bei einer Unverträglichkeit. Das Fieber ist dann Ausdruck einer Überempfindlichkeit auf einen Inhaltsstoff oder eine Kombination von Inhaltsstoffen, die der Körper zu bekämpfen versucht [27]. 

Das Fieber tritt aber nicht unbedingt direkt nach dem Einnehmen des Medikaments auf. Durchschnittlich dauert es sieben bis zehn Tagen bis nach Medikamenteneinnahme Fieber entsteht [27]. Manche Medikamente wirken jedoch erst nach mehreren Wochen, beispielsweise Herzmedikamente. Unter Umständen tritt das Fieber dann erst mehrere Wochen später auf und wird gar nicht mehr mit dem Medikament in Verbindung gebracht [28].

Wenn ein Medikament die Körpertemperatur steigen lässt, sollte es in Absprache mit Ihrem Arzt abgesetzt werden, es sei denn, die fiebererzeugende Wirkung ist beabsichtigt. In der Krebstherapie wird manchmal künstliches Fieber erzeugt, um den Krebs zu bekämpfen. Näheres dazu finden Sie unter vorigem Link.

Fieber durch Allergien

Auf starken Heuschnupfen kann der Körper ebenfalls mit Fieber reagieren. Daneben treten meistens die typischen Symptome wie Schnupfen, juckende Nase, Augen und Hals, Husten und Erschöpfung auf. Auch in diesem Fall sollten Sie sich Ruhe gönnen, da der Kreislauf durch die Abwehrreaktion des Körpers genauso belastet wird wie bei einem Infekt. Wie Sie Heuschnupfen langfristig lindern können, erfahren Sie im verlinkten Artikel.

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Fieber durch Stress

Tatsächlich gibt es auch Fieber, das von der Psyche ausgeht und nicht durch einen Erreger ausgelöst wird [29]. Bei psychischem Stress hält sich die Körpertemperatur meistens zwischen 37 und 38 Grad, bei starken emotionalen Ereignissen oder chronischem Dauerstress kann sie jedoch auch weiter ansteigen. Fiebersenkende Mittel zeigen in diesen Fällen kaum Wirkung. Stattdessen sollten Sie die Ursache angehen und den Stress reduzieren.

Warum psychischer Stress zu Fieber führen kann, ist allerdings noch nicht geklärt. Forscher gehen davon aus, dass das sympathische Nervensystem (Sympathikus) dabei eine Rolle spielt. Dieses gehört zum vegetativen Nervensystem und versetzt den Körper in erhöhte Leistungsbereitschaft.

Fieber ungeklärter Ursache

Es gibt allerdings auch Fälle von Fieber, die zuerst keiner spezifischen Ursache zugewiesen werden können. Dies wird „Fieber ungeklärter Ursache“, kurz FUO genannt. Dr. Martin Fleck erklärt in einem Review, worum es sich dabei handelt [30, 31].

Bei der klassischen FUO übersteigt die Körpertemperatur 38.3 Grad und das Fieber dauert länger als drei Wochen an. Zudem fehlt nach einer mindestens einwöchigen stationären Untersuchung immer noch eine definitive Diagnose. Zwischendurch können Betroffene immer wieder fieberfrei sein, bis das Fieber dann plötzlich wiederkehrt.

Früher wurden diese Fälle von FUO schlussendlich häufig auf Krebserkrankungen zurückgeführt, da Fieber in diesen Fällen ein Versuch des Körpers ist, sich gegen den Tumor zu wehren. Manche Tumorarten erzeugen aber auch Pyrogene, die den Sollwert der Körpertemperatur im Hypothalamus verstellen. Auch dadurch kann es zu Fieber kommen.

Da Krebs heutzutage aber meistens früher entdeckt wird, sind es heute öfters Fälle von entzündlichen nicht-infektiösen Krankheiten, wie etwa RheumaHashimotoMultiple Sklerose, Lupus und andere Autoimmunerkrankungen. Bei Autoimmunerkrankungen greift das Immunsystem den eigenen Körper an, wobei Fieber dann häufig das erste Anzeichen für die Krankheit ist [30, 31].

Fieber bei Hunden und Katzen

Wie eingangs geschrieben, können auch Tiere Fieber bekommen. Auch bei ihnen ist dies eine völlig natürliche Immunreaktion. Bei Hunden beträgt die normale Körpertemperatur 37.5 bis 39 Grad. Bei Katzen liegt sie zwischen 38 und 39 Grad, also etwas höher als beim Menschen.

Eine erhöhte Körpertemperatur muss bei Hunden und Katzen genauso wie beim Menschen aber nicht gleich Fieber bedeuten. Auch hohe körperliche Aktivität, Stress oder eine hohe Umgebungstemperatur können die Körpertemperatur steigen lassen. Fieber dagegen tritt häufig gleichzeitig mit anderen Symptomen wie Appetitlosigkeit, Erschöpfung oder einer gestörten Darmtätigkeit auf.

Wie beim Menschen kann Fieber auch bei Tieren vielfältige Ursachen haben und muss nicht unbedingt behandelt werden. Geht es Ihrem Haustier sehr schlecht, sollten Sie es allerdings untersuchen lassen. Häufig sind bakterielle Infektionen der Auslöser für Fieber [32, 33].

Auch bei Hunden und Katzen sind die Messergebnisse im After am zuverlässigsten. Wenn Ihr Tier Ihnen sein Hinterteil nicht anvertrauen möchte, vermeiden Sie zusätzlichen Stress, indem Sie ihm das Fiebermessen nicht aufzwingen. Lassen Sie entweder den Tierarzt das Fieber messen oder aber Sie gehen die Sache langsam an.

Lassen Sie Ihr Tier zunächst das Fieberthermometer genau inspizieren. Halten Sie das Thermometer dann zunächst einfach an das Hinterbein. Wenn Ihr Hund oder Ihre Katze es zulässt, gibt es eine Belohnung. Dann drücken Sie das Thermometer ganz leicht an den Hinterschenkel, wieder gibt es eine Belohnung. Auf diese Weise tasten Sie sich langsam bis zu Ihrem Ziel vor.

Ideal ist es, wenn Sie Ihrem Hund oder Ihrer Katze das Fiebermessen bereits im gesunden Zustand beigebracht haben. Inzwischen gibt es sogar ein konkretes Arzt-Training, damit das Tier – falls es irgendwann einmal einen Arztbesuch brauchen sollte – sich dort in Ruhe untersuchen lässt und mit den Untersuchungsmethoden nichts Negatives verbindet, weil es diese bereits aus dem täglichen Training mit Ihnen kennt und damit eher eine Menge feiner Leckerchen in Verbindung bringt.

Das können Sie bei Fieber tun

  1. In erster Linie sollten Sie sich bzw. der fiebernden Person Ruhe gönnen, damit der Körper sich kurieren kann und nicht noch zusätzliche Energie verbraucht.
  2. Zu Beginn des Fiebers, wenn die Körpertemperatur zu steigen beginnt (Fieberanstieg), unterstützen Sie den Körper am besten mit Wärme, denn er erhöht die Temperatur ja absichtlich, um die Erreger zu bekämpfen. Wickeln Sie die betroffene Person in eine Decke oder benutzen Sie eine lauwarme Wärmflasche. Kühlen wäre in diesem Stadium kontraproduktiv.
  3. Wenn die Körpertemperatur langsam wieder sinkt (Fieberabfall), fängt man an zu schwitzen. Dann unterstützen Sie den Körper am besten, indem sie ihn leicht kühlen. Ein altes Hausmittel sind kühlende Wadenwickel. Legen Sie dafür einige in kühlem Wasser getränkte Tücher um die Waden und decken diese mit trockenen Tüchern ab. Der Kranke sollte aber keinesfalls frieren. Decken Sie sie daher noch mit einer dünnen Decke zu. Sobald die Wadenwickel nicht mehr kühl sind, sollten Sie diese erneuern.
  4. In der Phase des Fieberabfalls können Sie den Körper auch mit einem fiebersenkenden Tee aus Weidenrinde unterstützen: 1 Teelöffel Weidenrinde mit einer Tasse kochendem Wasser aufgiessen, den Tee 20 Minuten ziehen lassen und dann die Rinde entfernen. Für die Behandlung von Kindern mit Weidenrinde sollten Sie sich zuerst bei Ihrem Heilpraktiker oder Kinderarzt erkundigen.
  5. Trinken Sie viel Wasser, denn der Körper hat einen erhöhten Flüssigkeitsbedarf (ca. 0,5 Liter mehr Wasser oder Tee pro Grad Celsius Fieberanstieg). Kommt es zu einem Flüssigkeitsmangel kann dies lebensgefährlich werden. Lindenblüten- und Holunderblütentee fördern das Schwitzen.
  6. Bei Appetitlosigkeit sollte die fiebernde Person sich nicht zum Essen zwingen, sondern auf den eigenen Körper hören. Vielleicht haben Sie auf etwas anderes Appetit als normalerweise, zum Beispiel auf frische Säfte, Smoothies und leichte Suppen. Merke: Ein krankes Tier isst natürlicherweise meist nichts mehr!

Bei Kindern können grundsätzlich dieselben Massnahmen – mit Ausnahme des Weidenrindentees – getroffen werden, wie oben beschrieben. Vor allem viel Trinken ist wichtig. Sorgen Sie daher dafür, dass Ihr Kind alle 30 Minuten etwas trinkt, damit der Körper nicht austrocknet.

Unter dem nachfolgenden Link finden Sie einen selbstgemachten Erkältungstee für Kinder mit Fieber. Falls Tee Ihrem Kind nicht schmeckt, kann es auch verdünnte Säfte trinken: Orangen- und Ananassaft zum Beispiel sind gute Vitamin-C-Lieferanten.

Auch frische Bettwäsche und das Lieblingsplüschtier können das Wohlbefinden steigern. Messen Sie ausserdem regelmässig Fieber und geben Sie Ihrem Kind besonders viel Aufmerksamkeit und Zuneigung. Weitere Hausmittel für Kinder mit Fieber finden Sie unter dem verlinkten Artikel.

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Quellen
  1. (1) Ray JJ, Schulman CI. Fever: suppress or let it ride?. J Thorac Dis. 2015;7(12):E633-E636. doi:10.3978/j.issn.2072-1439.2015.12.28
  2. (2) Wrotek S, LeGrand EK, Dzialuk A, Alcock J. Let fever do its job: The meaning of fever in the pandemic era. Evol Med Public Health. 2020 Nov 23;9(1):26-35. doi: 10.1093/emph/eoaa044. PMID: 33738101; PMCID: PMC7717216.
  3. (3) Sullivan, J. E., & Farrar, H. C. (2011). Fever and Antipyretic Use in Children. PEDIATRICS, 127(3), 580–587. doi:10.1542/peds.2010-3852
  4. (4) Chiappini E, Bortone B, Galli L, de Martino M. Guidelines for the symptomatic management of fever in children: systematic review of the literature and quality appraisal with AGREE II. BMJ Open. 2017 Jul 31;7(7):e015404. doi: 10.1136/bmjopen-2016-015404. PMID: 28760789; PMCID: PMC5642818.
  5. (5) Rosenfeld-Yehoshua, N., Barkan, S., Abu-Kishk, I., Booch, M., Suhami, R., & Kozer, E. (2018). Hyperpyrexia and high fever as a predictor for serious bacterial infection (SBI) in children—a systematic review. European Journal of Pediatrics, 177(3), 337–344. doi:10.1007/s00431-018-3098-x
  6. (6) Amboss - Fachwissen für Mediziner im ärztlichen Alltag und Studium, abgerufen am: 19.04.2021.
  7. (7) Habash, R. W. Y. (2018). Therapeutic hyperthermia. Handbook of Clinical Neurology, 853–868. doi:10.1016/b978-0-444-64074-1.00053-7
  8. (8) Beipackzettel Paracetamol
  9. (9) Beipackzettel Aspirin
  10. (10) Beipackzettel Ibuprofen
  11. (11) Graulich Frieder, Auf der Maur Markus, Mang Georg, Agranulozytose mit Fieber, Swiss Med Forum 2017;17(48):1078-1082
  12. (12) Brandts CH, Ndjavé M, Graninger W, Kremsner PG. Effect of paracetamol on parasite clearance time in Plasmodium falciparum malaria. Lancet. 1997 Sep 6;350(9079):704-9. doi: 10.1016/S0140-6736(97)02255-1. PMID: 9291905.
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