Zentrum der Gesundheit
  • Ärztin hält die Hand einer Patientin
10 Mai 2022
4 min

Antibiotika erhöhen Darmkrebsrisiko

Die Einnahme von Antibiotika erhöht die Wahrscheinlichkeit, einen Darmkrebs zu entwickeln – und zwar besonders dann, wenn Antibiotika über mehr als zwei Wochen hinweg eingenommen werden. Diese Ergebnisse unterstreichen einmal mehr, wie wichtig eine gesunde Darmflora ist. Denn die nützlichen Darmbakterien werden bei der Einnahme von Antibiotika stark dezimiert. Je länger bzw. häufiger Antibiotika genommen werden, umso schwerer fällt es der Darmflora, sich wieder zu erholen. Krebszellen können sich jetzt manifestieren, wachsen und ausbreiten.

Fachärztliche Prüfung: Dr. med. Jochen Handel

Kostenlosen Newsletter abonnieren

Mit Ihrer Anmeldung erlauben Sie die regelmässige Zusendung des Newsletters und akzeptieren die Bestimmungen zum Datenschutz.

Antibiotika ist ein Risikofaktor für Darmkrebs

Allein in Deutschland erhalten jährlich mehr als 60.000 Menschen eine Darmkrebsdiagnose. Mehr als 25.000 Menschen sterben daran. Nach Brust- und Prostatakrebs ist der Darmkrebs in Deutschland die häufigste Krebsform. Darmkrebs wird meist im höheren Lebensalter diagnostiziert. Nur 10 Prozent erkranken vor ihrem 55. Lebensjahr. Die Hälfte aller Darmkrebsfälle wird nach dem 70. Lebensjahr diagnostiziert.

Nun könnte man in jungen Jahren denken, dass man später ja immer noch gesund leben könnte, um das Darmkrebsrisiko zu reduzieren, wenn der Darmkrebs erst so spät auftritt. Man weiss jedoch, dass gerade die Fehler der Lebensweise im jüngeren und mittleren Lebensalter zu einem späteren Darmkrebs führen.

Zu den Darmkrebsrisikofaktoren gehören mangelnde Bewegung, ein zu geringer Verzehr von Obst und Gemüse, Übergewicht und Alkoholkonsum. Eine Studie, die im April 2017 im Fachmagazin Gut veröffentlicht wurde, fügt nun auch einen langfristigen Antibiotikagebrauch zur Liste der Risikofaktoren hinzu ( 1 ) ( 2 ).

Antibiotika zerstören die Darmflora

Schon lange weiss man, dass Antibiotika zu einem Reizdarmsyndrom führen können, zu einer Zöliakie oder anderen Unverträglichkeiten, ja selbst zu Übergewicht und vielen weiteren chronischen Beschwerden mehr. Denn Antibiotika stören das gesunde Gleichgewicht der Darmflora – und eine gesunde Darmflora wiederum wäre die Voraussetzung dafür, gesund und schlank zu bleiben.

Sobald die Zahl der nützlichen Darmbakterien oder ihre Diversität (die Zahl der Bakterienstämme) reduziert wird, löst dieser Umstand spezielle krankhafte Stoffwechselprozesse aus, die chronische Beschwerden und ein erhöhtes Darmkrebsrisiko nach sich ziehen können.

Antibiotika in jungen Jahren – höheres Darmkrebsrisiko im Alter

Foscher der Harvard Medical School in Boston untersuchten die Angelegenheit anhand der Daten aus der Nurses Health Study, einem Projekt, für das seit 1976 die Daten von 121.700 Krankenschwestern gesammelt werden.

Von 16.642 Frauen, die im Jahr 2004 älter als 60 waren und bereits eine Darmspiegelung hatten machen lassen, fand man bei 1.195 Frauen Darmpolypen, also gutartige Darmtumoren, die als Krebsvorstufe gelten.

  1. Wer in seinen 20ern und 30ern zwei Monate lang oder länger Antibiotika eingenommen hatte, hatte ein um 36 Prozent höheres Risiko, mit 60 oder später einen Darmkrebs zu entwickeln als jene Frauen, die keine Antibiotika eingenommen hatten oder nur kurzfristig.
  2. Frauen, die in Ihren 40ern und 50ern über zwei Monate hinweg oder länger Antibiotika eingenommen hatten, hatten sogar ein um 69 Prozent höheres Risiko, später einen Darmkrebs bzw. Darmkrebsvorstufen zu bekommen.
  3. In einer dritten Gruppe – diejenigen Frauen, die im Alter zwischen 50 und 59 Jahren Antibiotika eingenommen hatten, und zwar 15 Tage und länger – beobachtete man ein um 73 Prozent erhöhtes Risiko für Darmkrebsvorstufen.

Antibiotika machen positive Auswirkungen gesunder Ernährung zunichte

Natürlich kommen hier immer auch andere Ursachen in Frage. So könnte z. B. auch allein die bakterielle Infektion (deretwegen Antibiotika genommen wurden) zu entsprechenden Darmschleimhautveränderungen geführt haben.

Grundsätzlich sollten jedoch möglichst alle Faktoren vermieden werden, die die gesunde Darmflora in irgendeiner Weise beeinträchtigen – und ein übermässiger Gebrauch von Antibiotika gehört in jedem Falle dazu.

Eine dänische Studie – ebenfalls vom Frühjahr 2017 – zeigte, dass die Einnahme von Antibiotika derart gravierende Auswirkungen auf die Darmflora hat, dass sie sogar teilweise die positiven Einflüsse einer gesunden Ernährung wieder zunichte machen kann, z. B. jene von Vollkornprodukten ( 4 ) ( 5 ).

Diese werden stets mit einem geringeren Risiko für Herzprobleme, Diabetes und auch Krebs in Verbindung gebracht. Besonders den sekundären Pflanzenstoffen im Vollkorngetreide wird diese präventive Wirkung zugesprochen, insbesondere den Lignanen. Im Auszugsmehl sind davon nur noch minimale Mengen enthalten.

Lignane werden von der Darmflora in Enterolignane verwandelt (was so viel wie "darmeigene Lignane" heisst), die einen dem Östrogen ähnliche Struktur haben und als brustkrebsvorbeugend gelten.

Ist die Darmflora jetzt aber geschädigt – z. B. durch Antibiotika – dann sinkt der Enterolignanspiegel und der hilfreiche Effekt der Vollwertprodukte bleibt aus. Offenbar bleibt der Enterolignanspiegel noch viele Monate lang nach einer Antibiotikaeinnahme niedrig, was auch ein Hinweis darauf ist, dass sich die Darmflora eben nicht so schnell regenerieren kann, wie viele Ärzte oft sagen.

Bei und nach Antibiotika-Einnahme Darmflora aufbauen

Sind Antibiotika unumgänglich, sollten parallel dazu Probiotika eingenommen werden, wie einzelne Ärzte und Heilpraktiker heute auch bereits empfehlen. Die Probiotika sollten ausserdem nicht nur während der Antibiotika-Einnahme, sondern noch mehrere Wochen darüber hinaus eingesetzt werden. Wie dies geht, haben wir hier beschrieben: Darmflora-Aufbau – Die Anleitung

Natürliche Antibiotika

In manchen Fällen helfen bereits natürliche Antibiotika, die auch präventiv (kurweise) zur Stärkung der körpereigenen Abwehrkräfte eingenommen werden können. Dazu zählen Lebensmittel und Gewürze, die über starke antibakterielle Wirkung verfügen, wie z. B. Knoblauch, Chili, Meerrettich, Kurkuma und Ingwer.

Der grosse Vorteil ist, dass ein natürliches Antibiotikum nicht einfach nur antibakteriell wirkt, sondern auch antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften mit sich bringt. Einige der genannten natürlichen Antibiotika wirken zudem nachweislich krebsbekämpfend. Gleichzeitig verschonen sie die Darmflora, so dass sich insgesamt der Gesundheitszustand verbessert und das Krebsrisiko sinkt. Wie ein natürliches Antibiotikum konkret wirkt und wie Sie es herstellen können, lesen Sie hier: Natürliches Antibiotikum, wo Sie auch ein Video ansehen können.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

Liebe Leserinnen und Leser,
Hier haben Sie die Möglichkeit, bei unseren Artikeln einen Kommentar zu hinterlassen. Wir freuen uns über Lob, aber auch über konstruktive Kritik. Wenn Sie Kritik anbringen, geben Sie bitte auch die Quelle/Studie an, auf die Sie sich beziehen.
Lieben Dank, Ihre Redaktion vom Zentrum der Gesundheit

Quellen
  1. (1) Newman T, Antibiotics may increase the risk of bowel cancer, 5.4.2017, Medical News Today
  2. (2) Yin Cao et al., Long-term use of antibiotics and risk of colorectal adenoma, 4.4.2017, Gut
  3. (3) Ahn J et al., Human gut microbiome and risk for colorectal cancer, Dezember 2013, J Natl Cancer Inst
  4. (4) Bolvig AK et al., The effect of antibiotics and diet on enterolactone concentration and metabolome studied by targeted and non-targeted LC-MS metabolomics, .Journal of Proteome Research, 2017
  5. (5) Aarhus University, Antibiotics counteract the beneficial effect of whole grain, ScienceDaily, 28. April 2017