Ihr Risiko für Darmerkrankungen
Immer mehr Menschen sind von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen betroffen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa). Die konkreten Ursachen sind nicht bekannt. In unserem Artikel über Nebenwirkungen von Antibiotika auf unserer Seite haben wir jedoch schon von einer Studie aus dem Jahr 2011 berichtet, in der sich gezeigt hatte, dass Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen in den Jahren vor dem Ausbruch ihrer Krankheit das Medikament eingenommen hatten, was bei den gesunden Kontrollpersonen nicht der Fall war.
Im Juli 2020 erschien nun eine weitere Studie zu diesem Thema (im Fachmagazin Cell Host and Microbe). Forscher der University of California, Davis, stellten fest, dass es nicht allein Antibiotikagaben sind, die das Risiko für chronisch entzündliche Darmerkrankungen erhöhten, sondern dass eine typisch westliche fettreiche Ernährung das Schadpotential von Antibiotika noch weiter verstärken kann (1).
Fett und Antibiotika legen Mitochondrien lahm
Die Kombination kann offenbar die Mitochondrien in den Zellen der Darmschleimhaut lahmlegen, was dort zu Entzündungsprozessen führt und die Entstehung von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) bzw. zu deren Vorstufe begünstigen kann.
Die Mitochondrien sind winzige Kraftwerke in den Zellen. Sie erzeugen jene Energie, die wir zum Leben brauchen, Energie, die für jeden einzelnen Stoffwechselprozess erforderlich ist.
Besonders betroffen sind Reizdarmpatienten
Besonders betroffen von diesem erhöhten Risiko für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen sind Personen, die bereits an einem Reizdarmsyndrom leiden, was auf 11 Prozent der Weltbevölkerung zutrifft. Beim Reizdarmsyndrom leidet man immer wieder unter Phasen mit Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfällen oder Verstopfung. Entzündet sich dabei die Darmschleimhaut und verändert sich die Darmflora auf ungünstige Weise, spricht man von einer CED-Vorstufe.
An genannter Studie nahmen 43 gesunde Erwachsene und 49 Reizdarmpatienten teil. 19 der Reizdarmpatienten hatten erhöhte Calprotectin-Werte im Stuhl. Calprotectin ist ein Marker für Darmentzündungen. Wer einen erhöhten Calprotectin-Wert aufweist, gilt als Betroffener einer Vorstufe von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.
Gefahr für Darmerkrankungen steigt auf das 8-Fache
Schaute man sich nun die Ernährungsgewohnheiten der Studienteilnehmer an, konnte man feststellen, dass jene, die sich fettreich ernährten, ein 2,8-mal höheres Risiko hatten, an einer CED-Vorstufe zu leiden als Teilnehmer, die sich fettarm ernährten. Wer Antibiotika nahm, hatte ein um 3,9-fach erhöhtes Risiko für eine CED-Vorstufe.
Kombinierte man jedoch beides, dann zählte man mit 8,6-mal grösserer Wahrscheinlichkeit zu den 19 CED-Vorstufe-Fällen als Teilnehmer, die sich fettarm ernährten und keine Therapie mit dem Medikament hinter sich hatten.
"Wer sich also in der Vergangenheit einer Antibiotikatherapie unterziehen musste und sich zudem noch fettreich ernährte, hatte das höchste Risiko, eine CED-Vorstufe zu entwickeln", erklärte Andreas Bäumler, Professor für medizinische Mikrobiologie und Immunologie und Leiter der Studie. "Bis jetzt haben wir derartige Risikofaktoren viel zu wenig berücksichtigt."
Wie die Kombination Ihre Zellen sabotiert
Die beiden scheinen regelrecht zu kooperieren. Gemeinschaftlich sabotieren sie die Arbeit der Mitochondrien in den Zellen der Darmschleimhaut und verhindern, dass diese aus Glucose und Sauerstoff Energie erzeugen können. Der Sauerstoffverbrauch der Zelle sinkt, was dazu führt, dass der überschüssige Sauerstoff in den Darm austritt.
Die meisten nützlichen Darmbakterien jedoch gedeihen am besten in einem sauerstoffarmen Milieu. Wenn jetzt der Sauerstoffgehalt im Darm steigt, dann führt dies zu einer Veränderung des Darmmilieus und infolgedessen zu einer Änderung der Darmflorazusammensetzung. Ab sofort überwiegen jene Bakterien, die sauerstofftoleranter sind.
Diese wiederum gelten als schädliche und entzündungsfördernde Mikroben, die man besser nicht im Übermass im Darm haben sollte, da sie zur genannten Vorstufe für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen führen können.
Antibiotika und Fett besser meiden – Darmerkrankungen vorbeugen
"Wenn Sie daher einen gesunden Darm möchten, sollten Sie besser genau das meiden, was schädliche Darmbakterien lieben. Meiden Sie also fettreiche Nahrung und meiden Sie – wenn immer möglich – die Einnahme von Antibiotika!",
so Professor Lee.
Denken Sie daran: Wenn das Medikament unumgänglich ist, immer auch Probiotika zum Schutz der Darmflora einnehmen! Eine Anleitung finden Sie in unserem Artikel zum Aufbau der Darmflora nach Antibiotikaeinnahme auf unserer Seite.
Hinweis
Da es ganz unterschiedliche fettreiche Ernährungsformen gibt, möchten wir darauf hinweisen, dass es in der Studie um die typisch westliche Ernährung geht, die bekanntlich auch enorm kohlenhydratreich ist, so dass es möglicherweise insbesondere die Kombination aus viel Fett und viel Zucker/Weissmehl ist, die (insbesondere unter Antibiotikaeinfluss) zur beobachteten Verschlechterung des Darmmilieus führte. In der Untersuchung ging es also nicht um Low Carb oder ketogene Ernährungsformen.