Wie wird Alzheimer heute festgestellt? - Die Diagnose
Die Diagnose der Alzheimer-Erkrankung ist erst nach umfangreichen Tests und Untersuchungen möglich. Ein einzelner Gedächtnistest oder ein bestimmter Blutwert reichen dazu also nicht aus.
Doch wann sollte man den Hausarzt überhaupt in Bezug auf eine mögliche Demenz ansprechen? Schon dann, wenn man das Gefühl hat, etwas vergesslicher zu werden?
Wann sollte man wegen Vergesslichkeit zum Arzt?
Gelegentliche Gedächtnislücken sind zunächst nichts Ungewöhnliches. Jeder Mensch verlegt einmal seine Brille oder vergisst einen Namen. Der Klassiker ist: Man geht in ein Zimmer und weiß nicht mehr, was man dort eigentlich erledigen wollte. Müdigkeit, Stress, Zeitdruck oder mangelnde Aufmerksamkeit können solche Situationen begünstigen.
Auffällig ist Vergesslichkeit hingegen, wenn diese verstärkt auftritt, über Monate zunimmt oder sogar schon den Alltag beeinträchtigt. Manchmal wollen Betroffene die Veränderungen selbst gar nicht wahrhaben. In diesem Fall sind die Angehörigen gefragt, für die betroffene Person eine ärztliche Untersuchung zu organisieren.
Wichtig dabei ist, dass sich eine Demenz langsam entwickelt, also über Wochen und Monate und nicht von einem Augenblick auf den anderen.
Wenn jedoch Verwirrtheit, Sprachstörungen oder Orientierungslosigkeit ganz plötzlich auftreten, also innerhalb von Minuten, Stunden oder wenigen Tagen, handelt es sich eher um einen Notfall.
Rufen Sie dann einen Notarzt! Denn die genannten Symptome könnten auf einen Schlaganfall hinweisen (oder auf andere Ursachen, die unmittelbar abgeklärt werden müssen).
Alzheimer-Diagnose: Die erste Untersuchung beim Hausarzt
Will man nun eine auffällige Vergesslichkeit abklären lassen, ist der Hausarzt der erste Ansprechpartner. Er geht folgendermaßen vor:
Anamnese/Gespräch mit dem Betroffenen und Angehörigen
In einem ausführlichen Gespräch (Anamnese) – sowohl mit dem Betroffenen als auch seinen Angehörigen – verschafft er sich einen Überblick vom Befinden des Patienten und erkundigt sich, wie dieser im Alltag zurechtkommt.
Wie ist die körperliche Verfassung?
Zusätzlich wird der Patient untersucht (z. B. Blutdruck, Puls, Herz und Kreislauf, Seh- oder Hörstörungen).
Eine Blutanalyse wird gemacht (Schilddrüsenwerte, Vitamin B12, Folsäure, Elektrolyte, Blutzucker, Entzündungswerte u. a.), um andere Ursachen auszuschließen. Denn auch eine Schilddrüsenunterfunktion oder ein Vitamin-B12-Mangel kann bei älteren Menschen demenzähnliche Symptome verursachen.
Auch neurologische Tests werden durchgeführt (Reflexe, Muskelkraft, Koordination etc.), womit auch andere Erkrankungen ausgeschlossen oder bestätigt werden können, etwa eine Parkinson-Erkrankung.
Wie ist die psychische Verfassung?
Die psychische Verfassung wird ebenfalls überprüft. Manchmal wirkt – gerade bei älteren Menschen – eine schwere Depression wie eine beginnende Demenz. Umgekehrt können depressive Symptome natürlich auch bei einer Demenzerkrankung auftreten.
Welche Medikamente nimmt der Patient?
Auch sollten die bisherigen Medikamente durchgesehen werden. Denn manche können durchaus die geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Man glaubt dann häufig an eine Demenz – und in Wirklichkeit sind es „nur“ die Neben- oder Wechselwirkungen von Arzneimitteln.
Alzheimer-Diagnose: Welche Gedächtnistests werden durchgeführt?
Manchmal kann schon der Hausarzt erste Gedächtnistests durchführen, in anderen Fällen macht dies der Facharzt bzw. die Memory Clinic. Die Memory Clinic ist ein spezialisiertes Zentrum/eine Abteilung für Demenzerkrankungen in einem Krankenhaus.
Dorthin überweist der Hausarzt, wenn er nach seinen Untersuchungen eine Demenz vermutet oder auch wenn er zum Ausschluss einer Demenz weitere Tests für erforderlich hält.
Zu den häufigsten Gedächtnistests zählen der Mini-Mental-Status-Test (MMST), der Montreal Cognitive Assessment Test (MoCA), der neuere DemTect oder der Uhrentest. Meist wird von den ersten drei einer gewählt plus der Uhrentest.
Der Mini-Mental-Status-Test (MMST)
Der MMST ist ein kurzer, etwa 10-minütiger Test zur groben Einschätzung der geistigen Leistungsfähigkeit. Typische Fragen sind z. B. welches Datum haben wir heute? In welcher Stadt sind wir?
Auch einfache Aufgaben gehören dazu, z. B. drei Wörter nachsprechen und später wiederholen. Rückwärts von 100 in Siebener-Schritten zählen (100-93-86-79-…).
Der Montreal Cognitive Assessment-Test (MoCA)
Der MoCA ist ein etwas anspruchsvollerer Test als der MMST und kann schon leichte kognitive Störungen besser erkennen.
Bei diesem Test soll man z. B. einen Zahlen-Buchstaben-Abfolge erstellen, z. B. 1–A–2–B–3 …, einen dreidimensionalen Würfel nachzeichnen oder innerhalb von 1 Minute so viele Wörter mit K (oder einem anderen Anfangsbuchstaben) wie möglich aufzählen.
Falls Sie üben wollen, hier die Regeln: Zusammengesetzte Wörter zählen nur 1-mal (z. B. wenn Sie aufzählen krank, Krankenbett, Krankenpflege, gilt nur einer der Begriffe). Auch wenn Sie Verben konjugieren, also z. B. kommen, komme, kommt, wird nur einer der Begriffe gezählt.
Wenn Sie mehr als 15 Wörter aufzählen, ist alles super, bei 11-14 ist es kritisch und bei unter 11 könnte dies auf eine konkrete kognitive Beeinträchtigung hinweisen.
Der Demenz-Detektions-Test (DemTect)
Dieser Test ist ein neuerer Test. Auch dieser soll insbesondere frühe Gedächtnisstörungen erfassen. Man soll sich z. B. eine Wortliste einprägen (10 völlig verschiedene Wörter), dann wird zwischendurch eine andere Aufgabe absolviert und erst jetzt soll man die 10 gemerkten Wörter wiedergeben.
Eine andere Aufgabe könnte sein, möglichst viele Begriffe aus einer Kategorie zu nennen (z. B. alles, was man im Supermarkt kaufen kann) oder eine Zahlenfolge rückwärts zu wiederholen.
Der Uhrentest
Sehr bekannt ist der Uhrentest, bei dem der Patient ein Zifferblatt zeichnen, alle Zahlen richtig eintragen und anschließend die Zeiger auf eine vorgegebene Uhrzeit einzeichnen soll (z. B. 10 nach 11).
So einfach der Test auch klingen mag, er ist sehr aussagekräftig. Denn man kann damit gleichzeitig die Fähigkeit zur Planung, das räumliche Vorstellungsvermögen, die Aufmerksamkeit und das Verständnis der Aufgabe beurteilen.
Der Uhrentest wird jedoch vermutlich früher oder später aussterben, da nachfolgende Generationen kaum noch Uhren mit Ziffernblätter kennen.
Alzheimer-Diagnose: Was wird in der Memory Clinic gemacht?
Wenn sich bei den oben vorgestellten Kurztests Einschränkungen zeigen, muss man nach der Ursache suchen. Denn für eine konkrete Alzheimer-Diagnose reichen die Tests nicht aus.
Spätestens jetzt wird man zu einem Facharzt (z. B. einem Neurologen) oder besser an eine Memory Clinic überwiesen. In der Memory Clinic trifft der Patient auf ein Team verschiedener Fachärzte (Neurologen, Psychiatern, Psychotherapeuten, Psychologen, Neuropsychologen, Sozialpädagogen), so dass dort gründliche Untersuchungen in allen Bereichen möglich sind.
Ausführliche Gedächtnistests
Man macht ausgiebigere Gedächtnistests (CERAD-Testbatterie) und spricht mit den Angehörigen (Fremdanamnese).
Die Abkürzung CERAD steht für Consortium to Establish a Registry for Alzheimer’s Disease (auf Deutsch übersetzt: Konsortium zur Einrichtung eines Registers für die Alzheimer-Krankheit). Es wurde ursprünglich 1986 in den USA entwickelt.
Die CERAD-Testbatterie ist der weltweite Goldstandard in der neuropsychologischen Demenzdiagnostik. Es handelt sich dabei nicht um einen einzelnen kurzen Test, sondern um eine wissenschaftlich abgestimmte Sammlung aus mehreren Untertests.
Der Test dauert meist 30 bis 45 Minuten (manchmal auch länger) und prüft systematisch verschiedene Bereiche des Gehirns:
- Verbale Flüssigkeit (Wortflüssigkeit): In einer Minute so viele Tiere wie möglich aufzählen.
- Benennen (Boston Naming Test): Dem Patienten werden Bilder von Objekten gezeigt (z. B. eine Baumrinde oder eine Hängematte), die er exakt benennen muss.
- Mini-Mental-Status-Test (MMST): Der klassische Kurztest ist als fester Baustein komplett in die CERAD-Batterie integriert.
- Konstruktive Praxis: Geometrische Figuren (Kreis, Diamant, sich überschneidende Rechtecke, Würfel) müssen exakt nachgezeichnet werden oder müssen dann später aus dem Gedächtnis gezeichnet werden.
Auch die Wortliste, die wir oben schon beim DemTect erklärt haben (10 Wörter merken etc.), ist dabei. Man testet damit Lernen, Abrufen und Wiedererkennen. Zum Schluss werden dann noch Wörter vorgelesen und man soll mit „Ja“ oder „Nein“ sagen, ob das Wort in der ursprünglichen Liste war.
MRT vom Kopf
Anschließend macht man eine MRT (Magnetresonanztomographie) vom Kopf.
Andere Erkrankungen werden ausgeschlossen
Eine MRT ist für jeden Demenz-Verdachtspatienten verpflichtend (laut ärztlicher Leitlinie), da man andere Erkrankungen wie Tumore, Hirnblutungen oder schwere Gefäßschäden sofort ausschließen kann.
Auch ein Normaldruckhydrozephalus kann mit einer MRT ausgeschlossen werden. Bei einem Normaldruckhydrozephalus sind die mit Gehirnflüssigkeit gefüllten Hirnkammern erweitert. Typische Beschwerden können Gangstörungen, nachlassende geistige Leistungsfähigkeit und Probleme mit der Blasenkontrolle sein (Inkontinenz).
Eine Normaldruckhydrozephalus-Diagnose wäre u. U. sogar positiv, denn die Erkrankung ist behandelbar – wenn sie rechtzeitig erkannt wird, wenn sie die alleinige Ursache ist und wenn der Patient auf die dann benötigte OP anspricht.
Schrumpfungen des Gehirns werden beurteilt
Daneben wird beurteilt, ob bestimmte Gehirnregionen geschrumpft erscheinen. Bei der typischen Alzheimer-Erkrankung erkannt man Schrumpfungen (Nervenzellverlust) oft schon früh im Hippocampus und angrenzenden Bereichen.
Der Hippocampus ist wesentlich daran beteiligt, neue Erlebnisse und Informationen als längerfristige Erinnerungen abzuspeichern.
Ein solcher Befund kann den Alzheimer-Verdacht stützen, ist aber nicht beweisend. Auch bei gesunden älteren Menschen wird das Gehirn mit zunehmendem Alter etwas kleiner. Außerdem können andere Erkrankungen ähnliche Veränderungen verursachen.
MRT zeigt nicht immer eindeutige Ergebnisse
Eine MRT kann in sehr frühen Alzheimer-Phasen noch relativ unauffällig sein. Die MRT zeigt auch nicht, ob im Gehirn die typischen Alzheimer-Proteine (Amyloid-Plaques oder Tau-Fibrillen) vorhanden sind.
Wenn keine MRT durchgeführt werden kann
Kann keine MRT durchgeführt werden, kommt häufig eine Computertomographie, kurz CT, infrage. Dies kann beispielsweise bei bestimmten nicht MRT-tauglichen Implantaten, bei starker Platzangst oder dann der Fall sein, wenn kurzfristig eine Aufnahme benötigt wird.
Nervenwasser-Untersuchung oder PET-Scan
Wenn die Gedächtnistests und das MRT-Ergebnis eindeutig sind, reicht das für die Diagnose oft schon aus.
Ist man sich aber immer noch nicht sicher, kann anschließend noch eine Liquor-Untersuchung (Lumbalpunktion für Nervenwasser aus dem Rückenmark) ODER ein PET-Scan durchgeführt werden (1).
Diese beiden Verfahren können konkret die Alzheimer-Eiweiße (Beta-Amyloid und Tau-Protein) nachweisen.
Beta-Amyloid bildet Plaques (also Ablagerungen) zwischen den Nervenzellen. Das Tau-Protein hingegen verklumpt im Innern der Nervenzellen und bildet dort Fibrillen – feine, fadenförmige Eiweißbündel, die die Nervenzellen schädigen und ihre Funktion beeinträchtigen.
- Bei der Liquor-Untersuchung misst man die Konzentration dieser Proteine im Nervenwasser.
- Beim PET-Scan kann man die Alzheimer-Eiweiße hingegen direkt im Gehirn als leuchtende Flecken auf dem Bildschirm sichtbar machen.
Anschließend lässt sich relativ sicher die exakte Diagnose stellen, z. B. Alzheimer-Demenz oder vaskuläre Demenz.
Bei einer vaskulären Demenz sterben Nervenzellen aufgrund von Gefäßschäden im Gehirn (z. B. Arteriosklerose) ab, weil sie nicht mehr mit ausreichend Sauerstoff versorgt werden. Bei Alzheimer sind es die Alzheimer-Eiweiße, die zu Nervenzellschäden führen.
Wann ist die Liquor-Untersuchung oder das PET-Scan Pflicht?
In einem speziellen Fall ist eine dieser beiden Untersuchungen sogar Pflicht – und zwar wenn ein Patient im frühen Stadium für die neuen Alzheimer-Medikamente (Antikörper-Therapien, z. B. mit Lecanemab) infrage kommt.
Da diese Medikamente schwere Nebenwirkungen haben können, verlangt der Gesetzgeber vor dem Start der Therapie den Nachweis der Amyloid-Plaques im Gehirn.
Meistens entscheidet man sich in einer Memory Clinic dann für die Nervenwasser-Untersuchung, weil sie schneller verfügbar und kostengünstiger ist.
Alzheimer-Diagnose: Der Bluttest
Inzwischen steht auch ein Bluttest zur Verfügung, der die Diagnostik deutlich erleichtert. Er misst das krankhaft veränderte Tau-Protein im Blut. Das Tau-Protein ist im Grunde ein normales Protein im Innern von Nervenzellen. Bei Alzheimer verändert es sich jedoch auf krankhafte Weise.
Diese krankhafte Veränderung kann unterschiedlich ausfallen. Daher gibt es unterschiedliche krankhaft veränderte Tau-Proteine, z. B. pTau217, pTau181 oder pTau231.
Geringe Mengen dieser veränderten Tau-Proteine gelangen auch ins Blut und können dort nun gemessen werden – und zwar das pTau217.
Allein der Bluttest genügt jedoch nicht für eine Alzheimer-Diagnose. Er ist lediglich eine weitere Komponente der Diagnose. Das Testergebnis wird deshalb immer zusammen mit den Symptomen, Gedächtnistests und den MRT-Befunden beurteilt.
Ist der Bluttest auffällig, kann man nun noch eine Liquor-Untersuchung oder ein PET-Scan durchführen – insbesondere dann, wenn an eine Antikörper-Therapie gedacht wird.
In Deutschland wird der Bluttest noch nicht als allgemeine Vorsorgeuntersuchung angeboten. Er kommt vor allem in Gedächtnisambulanzen (in der Memory Clinic) oder in neurologischen Facharztpraxen zum Einsatz.
Möglicherweise können auch Hausärzte die Blutprobe entnehmen und an ein Speziallabor schicken. Ob die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten übernehmen, hängt dann vom einzelnen Fall ab.
Alzheimer-Diagnose: Was sagt ein Gen-Test aus?
Man kann auch einen Gen-Test machen lassen, der dazu beitragen kann, das persönliche Alzheimer-Risiko einzuschätzen. Beim Gen-Test wird im Speichel das APOE-Gen bestimmt. Eine Variante dieses Gens wird umgangssprachlich auch als „Alzheimer-Gen“ bezeichnet. Diese Gen-Variante heißt APOE4 und erhöht das Risiko für die Alzheimer-Krankheit.
Rund 20 bis 25 Prozent der Menschen tragen eine APOE4-Kopie, etwa 2 Prozent sogar zwei APOE4-Kopien.
Von zwei Kopien spricht man, weil jedes Gen zweifach vorkommt – eine Kopie erhält man vom Vater, die andere von der Mutter.
Was bedeutet es, wenn man die APOE4-Gen-Variante hat?
Als man Daten von mehr als 10.000 Personen auswertete, zeigte sich, dass bei fast allen Betroffenen (mit zwei Kopien) bereits ab etwa 55 Jahren typische Alzheimer-Biomarker nachweisbar waren (2).
Mit 65 Jahren wiesen nahezu alle auffällige Amyloid-Werte im Nervenwasser auf, und etwa 75 Prozent hatten bereits einen positiven Amyloid-PET-Befund. Wichtig: Dies bedeutet aber nicht, dass auch Symptome da waren.
Bei Betroffenen, die Symptome entwickelten, traten diese schon früher auf (im Durchschnitt mit 65 Jahren) als bei Personen mit anderen Gen-Varianten.
Menschen mit einer APOE4-Kopie entwickeln im Laufe ihres Lebens schätzungsweise in 15 bis 25 Prozent der Fälle eine Alzheimer-Krankheit, bei zwei APOE4-Kopien liegt das Risiko bei etwa 30 bis 40 Prozent (3), manche Quellen schreiben bei bis zu 60 % (4).
Wichtig: Nicht allein die genetische Veranlagung macht krank!
Wer das Alzheimer-Gen hat, erkrankt also nicht in jedem Fall. Er hat „nur“ ein erhöhtes Risiko für die Erkrankung. Denn nicht allein die Erbanlagen entscheiden, ob man Alzheimer bekommt. Es gibt noch andere Risikofaktoren – siehe weiter unten.
Umgekehrt besitzen etwa die Hälfte aller Alzheimer-Patienten überhaupt keine APOE4-Kopie. Auch Menschen ohne diese Genvariante können also an Alzheimer erkranken.
Wo kann man den Gen-Test machen lassen?
Der Gen-Test wird in manchen Fällen beim Arzt durchgeführt. Man kann ihn aber auch selbst machen lassen.
Gen-Test beim Arzt
Wenn schon eine Diagnose feststeht und die Antikörpertherapie Lecanemab zum Einsatz kommen soll, wird in jedem Fall ein Gen-Test gemacht. Denn das Medikament ist in der EU nur für einen eingeschränkten Patientenkreis zugelassen – und zwar für Personen mit früher Alzheimer-Erkrankung, die KEINE APOE4-Kopie haben oder maximal eine.
Der Grund dafür ist, dass Personen mit zwei APOE4-Kopien ein höheres Risiko für bestimmte Nebenwirkungen haben und deshalb von dieser Zulassung ausgenommen sind. In diesem Fall wird der Test ärztlich verordnet und von den Krankenkassen bezahlt.
Gen-Test in Eigenregie
Wenn Sie noch keine Diagnose haben oder auch als völlig gesunder Mensch einfach nur wissen möchten, ob Sie das „Alzheimer-Gen“ haben, können Sie sich ein Test-Kit besorgen und den Gen-Test selbst in Auftrag geben. Es handelt sich dabei um einen Speicheltest. Blut muss also keines abgenommen werden.
* Sie erhalten hier das DNA-Testkit mit genauer Anleitung. (Für unsere LeserInnen gibt es einen 10 Euro-Rabatt-Code: 20501).
Dazu entnehmen Sie sich einfach eine Speichelprobe, senden diese ein, registrieren sich auf der entsprechenden Seite (damit Ihre Probe zugeordnet werden kann) und erhalten nach 4-6 Wochen das Ergebnis.
Das Testergebnis liefert viele Informationen zu Ihrer genetischen Veranlagung
Im Test werden über 500 Genvarianten (SNPs) analysiert, um persönliche Veranlagungen in den Bereichen Ernährung, Stoffwechsel, Hormone, Entgiftung und Sport für eine maßgeschneiderte Gesundheits- und Lebensstil-Optimierung aufzudecken. Sie erfahren also nicht nur, ob Sie Träger des APOE4-Gens sind, sondern erhalten einen über 90-seitigen Befund mit z. B. den folgenden Informationen:
- wie stark Ihre Entgiftungsfähigkeit ist,
- wie effizient Ihre Mitochondrien arbeiten,
- wie empfindlich Sie auf Umweltgifte reagieren,
- ob Sie eine genetische Veranlagung für Lactose- oder Histamin- oder Glutenintoleranz haben,
- wie empfindlich Sie auf Salz reagieren,
- ob Ihr Mikronährstoffbedarf höher oder niedriger als beim Durchschnitt ist
- und viele weitere persönliche Hinweise zu Ihrem Fettstoffwechsel, Hormonstatus etc.
Unter obigem Link finden Sie auch einen Musterbefund, in dem Sie sehen, was alles analysiert wird.
Risikofaktoren für Alzheimer
Inzwischen sind zahlreiche Risikofaktoren für Alzheimer bekannt. Wir führen diese nachfolgend in aller Kürze auf. Wenn Sie die Begriffe in unser Suchfeld eingeben, finden Sie einzelne Artikel dazu, die auf die Details des jeweiligen Themas eingehen.
Das Risiko für Alzheimer kann durch die folgenden Faktoren steigen
Zucker, Stress, erhöhte Homocystein-Werte, Vitamin-D- und Vitamin-B12-Mangel, Parodontitis und Zahnfleischentzündung, Antipsychotika, Darmflorastörung (Dysbiose), Süßstoffe, Transfettsäuren und Schwermetalle sowie Aluminium
Das Risiko für Alzheimer kann durch die folgenden Maßnahmen sinken
Olivenöl, MIND-Diät, Walnüsse, ausreichend Trinken, Beeren, MCT-Öl, Omega-3-Fettsäuren, Flavonoide, Fasten, grünes Gemüse, Vitamin E, Folsäure, Vitamin-B-Komplex, Meditation und Musik, Ginkgo, Silicium, Apigenin und Sport
Die beiden Aufzählungen sind sicher nicht vollständig und werden - je nach Studienlage - im Laufe der Zeit immer wieder ergänzt.
Weitere Tipps für ein gesundes und leistungsfähiges Gehirn finden Sie im Artikel Nahrungsergänzungen für Ihr Gehirn.
Fazit: Alzheimer-Diagnose besteht aus verschiedenen Komponenten
Die Alzheimer-Diagnose besteht also aus verschiedenen Komponenten – Untersuchungen, Gesprächen, Bluttest und Gedächtnistests – und erfolgt daher schrittweise. Ein Gen-Test kann zudem ein erhöhtes Risiko anzeigen.
Nicht jeder muss alle Schritte durchlaufen. Oft zeigt sich schon nach den ersten Tests, dass kein Grund zur Sorge besteht. Im Zweifel werden weitere Schritte nötig, bis eine Diagnose gestellt oder ausgeschlossen werden kann.