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Chemische Blutverdünner erhöhen Risiko für Demenz

Blutverdünner gehören zu den am häufigsten verordneten Medikamenten. Besonders nach Operationen, bei Herzrhythmusstörungen oder allgemein zur Thromboseprophylaxe werden die sog. Antikoagulanzien oder Gerinnungshemmer eingesetzt. Viele Menschen nehmen die Arzneimittel jahrzehntelang. Jetzt hat sich gezeigt, dass die Blutverdünner das Risiko für die Entstehung einer Demenz erhöhen, man also mit höherer Wahrscheinlichkeit dement wird, wenn man langfristig Blutverdünner einnimmt.

Fachärztliche Prüfung: Gert Dorschner
Aktualisiert: 21 Januar 2023

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Der Boom mit den Blutverdünnern

Vorhofflimmern gehört zu den Herzrhythmusstörungen und ist – besonders in der älteren Bevölkerung – eine recht verbreitete Erkrankung. Das Herz schlägt dabei unregelmässig und oft ungewöhnlich schnell, selten auch langsamer als gewohnt. Müdigkeit, Schwindel und Kurzatmigkeit sind die Folgen.

Der Absatz von chemischen Blutverdünnern boomt daher. Denn bei unbehandeltem Vorhofflimmern könnte es zu einer Thrombembolie kommen, einer Komplikation, bei der sich kleine Blutgerinnsel in den Vorhöfen des Herzens lösen, anschliessend Blutgefässe verstopfen und so zu einem Schlaganfall führen. Das Risiko für einen Schlaganfall steigt bei Vorhofflimmern gar auf das Fünffache.

Es heisst folglich, dass Blutverdünner unzählige Leben gerettet hätten.

Chemische Blutverdünner und das Demenzrisiko

Jetzt zeigte sich in Untersuchungen, dass chemische Blutverdünner auch eine bislang unbekannte Gefahr bergen: Sie können bei Patienten zu Demenz führen ( 2 ).

Ganz konkret ging es dabei um Warfarin, dem in den USA bevorzugt eingesetzten Blutverdünner. In Europa hingegen wird eher Marcumar verordnet. Beide Medikamente gehören jedoch zur selben Arzneimittelgruppe und arbeiten nach demselben Wirkmechanismus.

Schätzungsweise 20 Millionen US-Amerikaner nehmen derzeit Warfarin. Doch kann es – genau wie andere Blutverdünner – zu kleinsten Blutungen im Gehirn führen, die wiederum im Laufe der Zeit negative Auswirkungen auf die Hirnfunktionen haben können und so eine Demenz begünstigen.

Demenz besonders bei Warfarin-Patienten mit Vorhofflimmern

Beim 37. Treffen der Heart Rhythm Society wurden Studienergebnisse präsentiert, die aus Daten von mehr als 10.000 Patienten entstanden waren. Jeder dieser Patienten war ein Langzeitnutzer von Warfarin. Einige nahmen das Medikament infolge eines Vorhofflimmerns, andere aufgrund von Herzklappenfehlern und wieder andere, um Thrombembolien zu verhindern. Niemand hatte zunächst eine Demenz gehabt.

Nach 7 Jahren jedoch stellte man fest, dass besonders in der Gruppe der Vorhofflimmer-Patienten Demenzerkrankungen entstanden waren. Fast 6 Prozent zeigten Demenzsymptome.

Die Studie wurde von Dr. T. Jared Bunch und seinem Forscherteam am Intermountain Medical Center Heart Institute in Salt Lake City, Utah durchgeführt ( 1 ).

Demenzrisiko unabhängig von der Qualität des Warfarin-Managements

Warfarin ist bekannt dafür, dass es sehr genau dosiert werden muss. Es kommt schon fast einer Gratwanderung gleich, bei der sich die Patienten stets zwischen der Gefahr von Blutgerinnseln auf der einen Seite und inneren Blutungen auf der anderen Seite bewegen.

Jeder Patient reagiert überdies anders auf das Medikament. Darüber hinaus wird die Wirkung von Warfarin von verschiedenen Faktoren beeinflusst (Lebens- und Ernährungsweise, andere Medikamente etc.). Und zuguterletzt braucht es eine Weile (ca. 3 bis 7 Tage), bis die volle Wirkung des Arzneimittels auch einsetzt.

Es kann also ein langer Weg sein, die individuell richtige Dosis des Medikaments herauszufinden.

Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass ein schlechtes Warfarin-Management, wenn also unpassende Dosen eingenommen werden, bei Patienten mit Vorhofflimmern das Demenzrisiko erhöhen kann ( 6 ).

Die vorliegende Studie unterstützt diese früheren Ergebnisse. Denn das Demenzrisiko war in der Tat bei Personen mit schlechtem Warfarin-Management erhöht.

Dennoch zeigte sich, dass die Demenzzahlen bei den Warfarin-Patienten auch dann stiegen, wenn das Medikament perfekt dosiert und die Dosis regelmässig kontrolliert und angepasst wurde ( 3 ) ( 4 ).

Ob also nun die Warfarin-Dosis zu hoch, zu niedrig oder gerade richtig ist, das Demenzrisiko steigt, sobald die Blutverdünner eingenommen werden.

Demenzrisiko steigt bei allen Warfarin-Patienten – unabhängig von der Indikation

Auch ergab sich in der vorliegenden Studie, dass das Demenzrisiko nicht nur bei Patienten stieg, die das Medikament zur Behandlung von Vorhofflimmern einnahmen, sondern bei allen Patienten, die Warfarin schluckten – ganz egal, warum sie es schluckten.

Dr. Bunch rät daher dringend, Blutverdünner wie Warfarin und Marcumar wirklich nur dann zu nehmen, wenn es auch tatsächlich erforderlich ist. Andere Medikamente, die ebenfalls die Blutgerinnung hemmen, wie z. B. Aspirin bei Kopfschmerzen, Fieber etc., sollten von Warfarin- bzw. Marcumar-Patienten überhaupt nicht genommen werden ( 5 ).

Natürliche Blutverdünnung mit Nattokinase

Nattokinase ist ein Enzym, das aus fermentierten Sojabohnen (dem japanischen Gericht Natto) gewonnen wird. Es gilt in naturheilkundlichen Kreisen als natürlicher Blutverdünner. Details dazu lesen Sie im vorigen Link. Es wird häufig zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt.

Allerdings darf das Enzym nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden, insbesondere wenn Vorerkrankungen vorliegen. Auch dürfen keinesfalls bestehende Medikamente eigenmächtig gegen Nattokinase ausgetauscht werden, da seine Wirkung nicht bei jedem Menschen identisch ist und daher eine gerinnselauflösende Eigenschaft nicht garantiert werden kann. Unter folgendem Link finden Sie weitere natürliche Blutverdünner.

Update 24.2.2024: Wir haben den letzten Abschnitt umformuliert, weil dort fälschlicherweise der Eindruck erweckt wurde, man könne statt Warfarin und Marcumar einfach Nattokinase nehmen.

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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.