Die Trinkmenge beeinflusst das Risiko für Ablagerungen
Eine gute Versorgung mit Flüssigkeit ist für den gesamten Organismus wichtig – ob für den Kreislauf, den Stoffwechsel oder die Konzentrationsfähigkeit. In einer Studie von 2025 zeigte sich nun, dass offenbar selbst die Entwicklung der alzheimertypischen Ablagerungen im Gehirn von der täglichen Trinkmenge beeinflusst werden könnte (1).
Die Forscher fanden bei älteren Menschen, die mehr als fünf Tassen Flüssigkeit pro Tag zu sich nahmen, weniger Amyloid-Ablagerungen im Gehirn – einem der wichtigsten Kennzeichen der Alzheimer-Krankheit.
Alzheimer beginnt Jahrzehnte vor den Symptomen
Alzheimer entwickelt sich meist schleichend über viele Jahre hinweg. Lange bevor erste Gedächtnisprobleme auftreten, lagern sich im Gehirn bestimmte Eiweiße ab, z. B. das sogenannte Beta-Amyloid. Diese Eiweißfragmente verklumpen zu Plaques und gelten als eines der frühesten Merkmale der Demenz-Erkrankung.
Je mehr Amyloid sich im Gehirn ansammelt, desto höher ist das Risiko, später eine Alzheimer-Demenz zu entwickeln. Daher versuchen Forscher seit Jahren herauszufinden, welche Lebensstilfaktoren die Amyloid-Ablagerung beeinflussen können.
Je mehr Flüssigkeit, umso weniger Ablagerungen im Gehirn
Für die Studie werteten Wissenschaftler Daten von 287 geistig gesunden Erwachsenen im Alter von 55 bis 90 Jahren aus. Alle Teilnehmer unterzogen sich umfangreichen Gedächtnistests, Blutuntersuchungen sowie modernen Hirnscans mittels PET und MRT.
Anschließend wurden die Teilnehmer nach ihrer täglichen Trinkmenge eingeteilt. Dabei galten Personen als Vieltrinker, wenn sie mehr als fünf Tassen täglich tranken. Eine Tasse entsprach etwa 240 ml.
Die Grenze lag somit bei rund 1,2 Litern täglich. Zur Flüssigkeitszufuhr zählten Wasser, Kaffee, Tee, Milch und Fruchtsäfte.
Die Auswertung zeigte, dass Personen die mehr als diese 1,2 Liter tranken, deutlich weniger Amyloid-Ablagerungen im Gehirn hatten als Teilnehmer, die über den Tag im Allgemeinen weniger tranken.
Besonders interessant war, dass dieser Zusammenhang auch dann bestehen blieb, wenn zahlreiche Einflussfaktoren berücksichtigt wurden, darunter Alter, Geschlecht, Bildungsstand, Einkommen, Bewegung, Übergewicht, Rauchen, Alkoholkonsum sowie Ernährungsgewohnheiten.
Außerdem entdeckten die Forscher, dass die Amyloid-Ablagerungen bei Personen mit höherer Flüssigkeitsaufnahme langsamer zunahmen als bei jenen, die weniger tranken.
Wie genau schützt Flüssigkeit das Gehirn?
Die Autoren verweisen auf frühere Labor- und Tierstudien. Diese deuten darauf hin, dass Wassermangel die Verklumpung von Amyloid-Eiweißen fördern könnte.
Denn bei Wassermangel verändern sich die Bedingungen im Gewebe. Dadurch könnten die Amyloid-Eiweiße leichter miteinander in Kontakt kommen und Aggregate bilden. Gleichzeitig kann Dehydrierung die Durchblutung verschlechtern und oxidativen Stress fördern.
Der Körper benötigt Wasser zudem für den Abtransport von Stoffwechselprodukten (früher Schlacken). Einige Forscher vermuten daher, dass eine gute Wasserversorgung die körpereigenen Reinigungsmechanismen des Gehirns unterstützen könnte.
Flüssigkeitsmangel könnte auch die Hirngefäße belasten
Die Wissenschaftler untersuchten nicht nur die Alzheimer-typischen Amyloid-Ablagerungen. Sie suchten auch nach gefäßbedingten Veränderungen der weißen Hirnsubstanz, wenn also kleine Blutgefäße im Gehirn beschädigt sind.
Derartige Gefäßveränderungen werden mit einem erhöhten Risiko für kognitive Einschränkungen und Demenz in Verbindung gebracht. Auch hier zeigte sich, dass Teilnehmer, die viel trinken, weniger Gefäßschäden hatten als Personen, die weniger trinken.
Der Grund dafür könnte sein, dass FWassermangel das Blut dicker macht (also die Blutviskosität erhöht), die Durchblutung des Gehirns beeinträchtigt und langfristig zu den genannten Hirngefäßschäden beiträgt.
Der Zusammenhang zwischen hoher Wasseraufnahme und geringerer Amyloid-Belastung zeigte sich vor allem bei Personen ohne APOE4-Risikogen. Das APOE4-Gen gilt als wichtigster genetischer Risikofaktor für Alzheimer.
Bei Trägern des Gens hingegen war kein statistisch signifikanter Zusammenhang nachweisbar. Vermutlich fallen bei Menschen mit hohem genetischem Risiko die erblichen Einflüsse stärker ins Gewicht als einzelne Lebensstilfaktoren.
Fazit: Trinken ist auch zur Alzheimer-Prophylaxe wichtig!
Eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme ist also auch in der Alzheimer-Prophylaxe wichtig – besonders bei älteren Personen. Achten Sie daher darauf, mehrmals täglich ein Glas Wasser zu trinken – am besten 1,5 Liter pro Tag. Auch wenn in der Studie auch andere (alkoholfreie) Getränke berücksichtigt wurden, bleibt Wasser nach wie vor das gesündeste Getränk.