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Binaurale Beats: Weniger Stress per Kopfhörer

Binaurale Beats sollen beim Entspannen, Einschlafen oder auch beim Konzentrieren helfen. Bereits 20 Minuten haben messbare Effekte. Die Methode können Sie ganz einfach zu Hause ausprobieren. Wie funktioniert sie und kann sie tatsächlich helfen?

Fachärztliche Prüfung: Gert Dorschner
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Binaurale Beats zur Entspannung?

Atemübungen, Meditation oder Entspannungsmusik sind bekannte Möglichkeiten, um im Alltag schneller zur Ruhe zu kommen. Eine weniger bekannte Methode sind binaurale Beats.

Dabei handelt es sich um spezielle Töne, die man sich über Kopfhörer (stereo) anhört. Sie sollen das Gehirn sanft beeinflussen und dadurch zum Beispiel Entspannung, Schlaf und Konzentration fördern.

Das Phänomen ist schon lange bekannt – in letzter Zeit wurde es im Internet jedoch häufiger zum Thema. Und mittlerweile gibt es auch einige Studien, die untersucht haben, ob die Klänge tatsächlich messbare Effekte auf das Gehirn und den Körper haben.

Wie funktionieren binaurale Beats?

Binaural ist lateinisch und bedeutet „mit beiden Ohren“. Binaurale Beats könnte man daher sinngemäß mit „beidohriger Takt“ übersetzen.

Dabei hört jedes Ohr über Kopfhörer einen leicht unterschiedlichen Ton. Ein Beispiel: Auf dem linken Ohr ertönt ein Ton mit 240 Hertz, auf dem rechten einer mit 246 Hertz. Das Gehirn verarbeitet einen dritten, scheinbaren Ton daraus – in diesem Fall mit 6 Hertz.

Dieser dritte Ton ist in der Aufnahme nicht enthalten, wir hören ihn also nicht wirklich – das Gehirn nimmt ihn jedoch wahr. Es handelt sich um eine akustische Täuschung. Die Töne sollen die elektrische Aktivität des Gehirns so beeinflussen können, dass dieses sich an die Frequenz des dritten Tons anpasst.

Welche Wirkungen sollen die Frequenzen haben?

Die elektrische Aktivität des Gehirns verläuft in verschiedenen Frequenzbereichen. Diese werden als Hirnwellen bezeichnet und je nach ihrer Frequenz in Delta-, Theta-, Alpha-, Beta- und Gamma-Wellen eingeteilt.

Da die einzelnen Hirnwellen mit unterschiedlichen Bewusstseins- und Aktivitätszuständen in Verbindung gebracht werden, erhofft man sich je nach Frequenz eines binauralen Beats unterschiedliche Wirkungen.

Hat ein binauraler Beat beispielsweise eine Frequenz von 3 Hertz, soll er die Hirnaktivität in Richtung der Delta-Wellen beeinflussen, die überwiegend während des Tiefschlafs auftreten. Man erhofft sich also, dass dieser Beat dann die Schlafqualität bessert.

Nachfolgend die unterschiedlichen Hirnwellen und ihre Frequenzen:

Delta-Wellen im Tiefschlaf

Delta-Wellen (0,5–4 Hz) treten überwiegend während des Tiefschlafs auf.

Theta-Wellen bei tiefer Entspannung

Theta-Wellen (4–8 Hz) werden häufig während tiefer Entspannung, Meditation oder Tagträumen beobachtet.

Alpha-Wellen bei Ausgeglichenheit

Alpha-Wellen (8–13 Hz) sind typisch für einen entspannten Wachzustand mit geschlossenen Augen. Sie werden mit innerer Ausgeglichenheit, Ruhe und Stressabbau in Verbindung gebracht.

Beta-Wellen bei geistiger Aktivität

Beta-Wellen (13–30 Hz) dominieren bei geistiger Aktivität, Aufmerksamkeit und konzentriertem Denken.

Gamma-Wellen bei geistiger Hochleistung

Gamma-Wellen (30–100 Hz) treten bei komplexen Wahrnehmungs- und Denkprozessen auf und werden mit der Verarbeitung von Informationen sowie Gedächtnisleistungen in Verbindung gebracht.

Letztere stehen selten im Fokus von Alltagsanwendungen, spielen aber gelegentlich in der Forschung eine Rolle, wenn es um die geistige Leistungsfähigkeit und das Gedächtnis geht.

Dass diese Frequenzen tatsächlich genau diese Wirkungen auslösen, ist wissenschaftlich nicht gesichert, wie die nachfolgende Studie beispielhaft zeigt.

Studie: Wirkung auf das autonome Nervensystem

Forscher untersuchten in einer experimentellen Studie von 2025, welche Wirkung binaurale Beats auf das autonome Nervensystem haben (1). Dieses steuert unbewusste Körperfunktionen wie Herzschlag, Blutdruck, Atmung und Verdauung.

Für die Studie hörten 65 Studenten an unterschiedlichen Tagen jeweils 20 Minuten lang Naturgeräusche, in die binaurale Beats eingebettet waren.

Getestet wurden drei Frequenzen: 6 Hertz (Theta-Wellen), 10 Hertz (Alpha-Wellen) und 25 Hertz (Beta-Wellen). Zwischen den einzelnen Sitzungen lag jeweils eine Woche Pause. Alle Teilnehmer hörten alle Frequenzen einmal.

Vor und nach den Sitzungen wurden Blutdruck, Herzfrequenz und die Herzfrequenzvariabilität gemessen. Letztere beschreibt, wie flexibel das Herz auf Belastung und Erholung reagiert.

Binaurale Beats senkten Blutdruck und Herzfrequenz

Gesamthaft gingen nach den 20-minütigen Sitzungen mehrere körperliche Stresszeichen zurück. Nach den 6-Hertz-Beats sanken im Durchschnitt die Herzfrequenz um rund 2 Schläge pro Minute sowie der obere Blutdruckwert um etwa 4 mmHg und der untere Blutdruckwert um etwa 1,5 mmHg.

Nach den 10-Hertz-Beats sank nur der obere Blutdruckwert eindeutig. Die Werte gingen im Durchschnitt von 111 auf 104 mmHg zurück. Das war die größte Senkung des oberen Blutdruckwerts in der Studie.

Nach den 25-Hertz-Beats sanken die Herzfrequenz und der obere Blutdruckwert. Erstere ging im Durchschnitt um gut 3 Schläge pro Minute zurück – das war die größte Abnahme bei der Herzfrequenz. Auch einzelne Werte der Herzfrequenzvariabilität veränderten sich günstiger.

Zwischen den drei Frequenzen gab es jedoch keinen klaren Unterschied. Die Autoren schlossen daraus, dass die Frequenzen kurzfristig die körperliche Stressregulation beeinflussen können. Welche Frequenz dafür am besten geeignet ist, bleibt aber offen.

Übersichtsarbeit: Studienlage noch uneinheitlich

In einer Übersichtsarbeit von 2023 werteten Forscher 14 Studien aus. Dabei ging es um die Frage, ob binaurale Beats die Gehirnwellen messbar beeinflussen können (2). Gemessen wurde jeweils mittels EEG (Elektroenzephalografie).

Die Studien waren sehr unterschiedlich aufgebaut. Zum Teil ging es lediglich um Grundlagenforschung – also ob sich die Gehirnwellen wirklich verändern. Teilweise ging es zusätzlich um konkrete Wirkungen, z. B. auf die Entspannung, Aufmerksamkeit, Stimmung, emotionale Erregung oder das Gedächtnis.

Das Ergebnis war gemischt: Fünf Studien sprachen eher dafür, dass binaurale Beats die Gehirnwellen beeinflussen. Acht Studien sprachen eher dagegen und eine zeigte gemischte Ergebnisse. Auch die getesteten Frequenzen unterschieden sich stark. Positive Hinweise gab es vor allem für Theta-, Alpha- und Gamma-Frequenzen.

Es ist also noch nicht klar, ob und wann die Methode wirklich hilft und für wen sie geeignet ist.

Binaurale Beats zu Hause ausprobieren

Die Methode lässt sich ganz einfach zu Hause anwenden. Daher können Sie direkt selbst testen, ob sie Ihnen hilft oder nicht.

Dafür benötigen Sie Kopfhörer, damit beiden Ohren ein anderer Ton zugespielt werden kann – über Lautsprecher entsteht die gewünschte Wirkung nicht zuverlässig.

* Sie könnten diese Kopfhörer nehmen, wenn Sie noch keine haben. Sie sind kabelgebunden und daher auch für jene, die Bluetooth nicht mögen.

Dann suchen Sie sich über eine Musikplattform oder einen Musikstreamingdienst Ihrer Wahl eine Aufnahme heraus – geben Sie einfach „binaurale Beats“ und z. B. „Alpha“ (oder Ihre gewünschte Frequenz) ins Suchfeld ein. Viele Anbieter kombinieren die Töne mit ruhiger Musik, Naturgeräuschen oder weißem Rauschen.

Dann setzen oder legen Sie sich am besten an einen ruhigen Ort, stellen eine für Sie angenehme Lautstärke ein, schließen die Augen und lauschen den Klängen für etwa 20 Minuten.

Gelegentlich wird davor gewarnt, die Klänge beim Autofahren, beim Bedienen von Maschinen oder bei Neigung zu Krampfanfällen und Schwindel zu hören. Auch in den Studien wurden teilweise Probanden ausgeschlossen, die an Epilepsie oder Schwindel leiden.

Fazit: Binaurale Beats als Auszeit im Alltag

Binaurale Beats können offenbar kurzfristig zur körperlichen Entspannung beitragen – ob sie Wirkungen haben, die darüber hinausgehen, wird sich in weiteren Studien erst noch zeigen müssen.

Sie sind aber auf jeden Fall eine einfache Methode, um sich bewusst eine Ruhepause zu nehmen. Vielleicht trägt bereits dieses kleine Ritual zur erhofften Wirkung bei.

Weitere Methoden stellen wir Ihnen im Artikel Entspannungstherapien – Schmerzen mit Gedanken beeinflussen vor. Für ein gutes Stressmanagement empfehlen wir außerdem den Artikel Vagusnerv aktivieren – Der Schlüssel zur Entspannung.

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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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