Zentrum der Gesundheit
  • bipolare Störung
06 August 2022
17 min

Stimmungsstabilisierung bei bipolarer Störung

Bei einer bipolaren Störung kommt es immer wieder zu starken Stimmungsschwankungen. Betroffene erleben einen Wechsel zwischen manischen Phasen mit übermäßiger Euphorie und depressiven Phasen mit Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit. Die klassische medikamentöse Behandlung führt häufig zu schweren Nebenwirkungen bei oft nur mäßigem Behandlungserfolg. Wir stellen natürliche Alternativen vor, die in das Therapiekonzept einer bipolaren Störung integriert werden könnten.

Fachärztliche Prüfung: Gert Dorschner
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Was ist eine bipolare Störung?

Die bipolare affektive Störung (kurz als „bipolare Störung“ bezeichnet) zeichnet sich durch extreme Schwankungen der Stimmung, des Antriebs sowie der Aktivität eines Menschen aus. Dabei treten phasenweise die beiden entgegengesetzten Pole der Manie und der Depression auf – daher auch „bipolar“.

Symptome einer manischen Phase („himmelhoch jauchzend“)

Die meisten Menschen erleben ab und an Momente des Glücks, der Freude oder des Stolzes, bei denen man das Gegenüber spontan umarmen könnte, nicht mehr zu lachen aufhören oder freudestrahlend durch die Gegend hüpfen oder tanzen könnte.

Leichte Züge einer Manie kann etwa das glückliche Verliebtsein haben: Man glaubt, Berge versetzen zu können, sieht die Welt bunter und macht auch mal weniger bedachte Geldausgaben und Geschenke. Auch Momente, in denen einem alles auf die Nerven geht und man am liebsten etwas an die Wand werfen würde, sind den meisten nicht unbekannt.

Bei Manien sind diese Zustände besonders stark ausgeprägt und lang andauernd (mindestens eine Woche), sodass sie nicht mehr situationsangemessen sind. Typische Kennzeichen einer manischen Episode sind die folgenden:

  1. Wechsel zwischen Euphorie und gereizt-aggressiver Stimmung
  2. geringeres Schlafbedürfnis (z. B. Erholung schon nach drei Stunden)
  3. erhöhter Rede- und Bewegungsdrang
  4. Konzentrationsschwierigkeiten
  5. schnelles Eingehen von Kontakten mit fremden Menschen oder Risiken (z. B. übermäßiges Geldausgeben, sexuelle Exzesse)

Symptome einer depressiven Phase („zu Tode betrübt“)

Die depressiven Phasen hingegen sind das genaue Gegenteil der manischen Phasen. Man könnte sagen, dass das „Zuviel“ an Aktivität oder Emotionen durch ein „Zuwenig“ davon ersetzt wird. Depressive Phasen sind durch folgende Symptome gekennzeichnet, die über mindestens zwei Wochen andauern:

  1. niedergeschlagene, depressive Stimmung
  2. Freudlosigkeit
  3. Interessensverlust
  4. Antriebslosigkeit
  5. Schlafstörungen
  6. Schuldgefühle
  7. Selbstzweifel
  8. Suizidgedanken

Nicht selten werden auch Narzissten fälschlicherweise als bipolar eingestuft, da auch diese zu sehr unterschiedlichen affektiven Zuständen neigen. Während sie sich in einem Moment als sehr selbstbewusst und selbstüberschätzend präsentieren, wie dies in der manischen Phase der Fall ist, sind sie im anderen Moment, wenn sie etwa Misserfolg oder Kritik erfahren haben, vorübergehend in einen depressiven, niedergeschlagenen Gemütszustand verfallen ( 28 ).

Lesen Sie in unserem Artikel Wie Sie Narzissmus in der Beziehung erkennen und damit umgehen über weitere Merkmale des Narzissten, wie er sich in Beziehungen verhält und wie Ihnen ein Umgang mit diesen Menschen gelingt.

Dauer der manischen und depressiven Phasen

Bei einer bipolaren Störung treten die manischen und depressiven Phasen nur in den sogenannten Krankheitsepisoden auf. Das heißt, es gibt auch Zeiten, in denen der Betroffene beschwerdefrei ist und das tägliche Leben ohne Probleme meistern kann.

Diese Krankheitsepisoden können zwischen einigen Tagen, mehreren Monaten und - sehr selten - einigen Jahren dauern. Durchschnittlich dauert eine Krankheitsepisode bei unbehandelten Patienten zwischen vier und zwölf Monaten. Innerhalb einer Episode kann entweder nur eine manische oder eine depressive Phase oder auch ein Wechsel zwischen den beiden Phasen auftreten ( 3 ).

Welche Ursachen kann eine bipolare Störung haben

Es wird angenommen, dass die Entstehung einer bipolaren Störung durch das Zusammenspiel verschiedener Faktoren (z. B. Gene, belastende Lebensereignisse, Stress) ausgelöst wird.

Auch wenn Studien darauf hinweisen, dass eine genetische Komponente vorliegt, ist die bipolare Störung keine klassische Erbkrankheit, das heißt, sie wird nicht direkt weitergegeben. Jedoch kann die Veranlagung vererbt werden, im Laufe des Lebens eine bipolare Störung oder andere psychische Erkrankung zu entwickeln.

Bei Kindern, deren Eltern an einer psychischen (oder anderen das Kind beeinflussenden) Erkrankung leiden, ist das Risiko für die Entwicklung einer psychischen Erkrankung besonders hoch. Zur genetischen Komponente kommt hier auch der Einfluss des elterlichen Verhaltens dazu, das die Wahrscheinlichkeit für eine psychische Störung beim Kind erhöht:

Zu den Verhaltens- und Lebensweisen der Eltern, die das Kind massgeblich beeinflussen, zählen beispielsweise ( 4 ):

  1. Beziehungsprobleme der Eltern, wie Streit und frühe Scheidung
  2. Sexueller Missbrauch oder häusliche Gewalt
  3. Arbeitslosigkeit
  4. Häufiger Wohnungswechsel
  5. Drogen- oder Alkoholmissbrauch
  6. Unregelmäßiger Lebensrhythmus (z. B. unregelmäßige Schlafdauer und Zubettgehzeiten)
  7. Körperliche Erkrankungen (z. B. Veränderungen des Schilddrüsensystems oder andere Erkrankungen der Hormonsysteme), die auch zu einer Veränderung des Verhaltens führen

Klassische Behandlung einer bipolaren Störung

In der Akuttherapie von depressiven und manischen Phasen kommen Stimmungsstabilisatoren (z. B. Lithium oder Carbamazepin), Antipsychotika sowie Antidepressiva oder Schlafmittel zum Einsatz. Die Medikamente sind jedoch begrenzt wirksam und häufig mit Nebenwirkungen verbunden.

Weniger als die Hälfte der Betroffenen, die Stimmungsstabilisatoren oder andere Psychopharmaka einnehmen, berichten über eine Verbesserung der Symptome und etwa 50 % setzen die Medikamente wegen schwerer Nebenwirkungen wie unter anderem Zittern, Gewichtszunahme oder Störungen der Schilddrüsenfunktion ab.

Psychotherapie kommt ergänzend bei stabileren Patienten zum Einsatz. Dabei soll unter anderem das Auftreten einer erneuten Krankheitsepisode verringert werden, indem die Stressbewältigung verbessert wird, Unregelmäßigkeiten des Schlafverhaltens sowie des Tagesablaufes ausgeglichen werden, zwischenmenschliche Konflikte abgebaut werden sowie die frühzeitige Erkennung von Warnzeichen für depressive oder manische Phasen gefördert wird ( 5 ).

Natürliche Stimmungsstabilisatoren

Die medikamentöse Therapie der bipolaren Störung ist häufig mit einer Reihe an Nebenwirkungen sowie begrenztem Behandlungserfolg verbunden. Eine Vielzahl natürlicher Methoden bietet Alternativen dazu und kann in manchen Fällen sogar die Wirkung von Medikamenten verstärken, z. B. die von Stimmungsstabilisatoren wie Lithium oder Antidepressiva.

Jede der nachfolgend aufgeführten Massnahmen muss mit dem Arzt/Therapeuten abgesprochen werden!

Aminosäuren

Betroffene einer bipolaren Störung scheinen besonders anfällig für Stimmungsschwankungen zu sein, wenn bestimmte Aminosäuren oder andere Mikronährstoffe in der Ernährung fehlen ( 6 ).

Aminosäuren Leucin, Isoleucin und Valin

Die Ergebnisse zweier randomisierter, placebokontrollierter Studien legen nahe, dass eine akute Manie sich durch bestimmte Aminosäuren schnell verbesserte, da diese die Produktion der Neurotransmitter Noradrenalin und Dopamin beeinflussen können (bei der Manie liegt eine erhöhte Konzentration der beiden Neurotransmitter vor).

In einer der beiden Studien (mit 25 bipolaren Patienten), konnte durch ein Getränk, das die Aminosäuren Leucin, Isoleucin und Valin beinhaltete, der Schweregrad der Manie innerhalb von sechs Stunden signifikant verringert werden. Die Teilnehmer nahmen insgesamt 60 g der Aminosäuren pro Tag im Verhältnis 3:3:4 für sieben Tage ein ( 7 ). Das wären 18 g Leucin, 18 g Isoleucin und 24 g Valin.

In pflanzlichen Lebensmitteln sind Leucin, Isoleucin und Valin in großen Mengen in Hülsenfrüchten (z. B. in Linsen, weißen Bohnen und Erbsen) sowie in Nüssen ( z. B. in Erdnüssen und Cashewkernen ) enthalten. Diese sind optimal, um den täglichen Bedarf an Aminosäuren zu decken - die in der Studie verwendeten Mengen können mit Lebensmitteln jedoch nicht erreicht werden, so dass dazu Aminosäuren in Pulverform eingenommen werden müssen (immer in Absprache mit dem Therapeuten!)

*Hier erhalten Sie Leucin, Isoleucin und Valin als Pulver.

Aminosäure N-Acetylcystein (NAC)

Die Aminosäure N-Acetylcystein (NAC) zeigte hingegen eine positive Wirkung in der depressiven Phase. Dabei nahmen die Teilnehmer in einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie zweimal täglich 1 g NAC über vier Wochen zusätzlich zu den üblichen Medikamenten oder ein Placebo ein. Die depressiven Symptome reduzierten sich in der NAC-Gruppe nach einigen Wochen signifikant ( 8 ). Wenn Sie NAC probieren möchten, besprechen Sie dies vorab mit Ihrem Arzt.

*Hier erhalten Sie z. B. NAC-Pulver. (Kapseln mit N-Acetylcystein enthalten meist um die 800 mg NAC, so dass das Pulver praktischer ist für die Einnahme von 1-Gramm-Dosierungen.)

Aminosäure L-Tryptophan

Durch eine zu geringe Aufnahme der Aminosäure L-Tryptophan in der Ernährung ist die Anfälligkeit von Menschen mit bipolarer Störung für depressive Phasen erhöht. L-Tryptophan ist der Baustoff, aus dem im Gehirn Serotonin hergestellt werden kann, der als stimmungsaufhellend bekannte Botenstoff. So zeigte eine randomisierte, placebokontrollierte Studie an 115 Teilnehmern mit Depression, dass die Einnahme von L-Tryptophan die Symptome verringerte und sogar gleich wirksam wie die Einnahme von Antidepressiva war ( 9 ).

Auch bei manischen Phasen ist die Einnahme der Aminosäure hilfreich. So kam es bei einer zweiwöchigen Einnahme von Tryptophan zu einer signifikanten Reduktion manischer Symptome. Dabei sollten täglich 12 g Tryptophan und 4 g Nicotinamid (wird vom Körper zu Vitamin B3 umgewandelt), auf vier Dosen aufgeteilt, eingenommen werden (um 8 Uhr, um 11 Uhr, um 16 Uhr und um 22 Uhr) ( 10 ). (Auch diese Einnahme muss mit dem Arzt/Therapeuten besprochen werden, da es sich um sehr hohe Dosierungen handelt!)

*Hier erhalten Sie z. B. L-Tryptophan und Nicotinamid in Pulverform.

Zur täglichen Bedarfsdeckung können Sie L-Tryptophan durch Getreideprodukte (z. B. Hirse und Haferflocken), Hülsenfrüchte (z. B. Linsen und Bohnen) und Nüsse (z. B. Cashewnüsse und Erdnüsse) zu sich nehmen. Die Menge in der oben beschriebenen Studie lässt sich jedoch nicht durch tryptophanhaltige Lebensmittel erreichen. So enthalten etwa Cashewnüsse lediglich 450 mg Tryptophan pro 100 g und Linsen (ungekocht) nur 250 mg.

Omega-3-Fettsäuren

Eine gute Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren sowie ein optimales Verhältnis von Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren (ca. 1:4) beugt vielen Erkrankungen vor und wirkt entzündungshemmend. Auch die bipolare Störung scheint damit in Zusammenhang zu stehen. Denn schon 2003 stellte man fest, dass Menschen, die mehr Meeresfrüchte konsumieren, seltener an dieser psychischen Erkrankung leiden ( 21 ). Ein Zuviel an Omega-6-Fettsäuren mit einem gleichzeitigen Mangel an Omega-3-Fettsäuren hingegen begünstigt die Entstehung und das Fortschreiten der bipolaren Störung ( 22 ).

In unserem Artikel Mit Ernährung bipolare Störung bessern wurde bereits eine Studie mit 80 bipolaren Patienten vorgestellt, die zeigte, dass sich bei jenen Teilnehmern, die weniger Omega-6-Fettsäuren zu sich nahmen und vermehrt Lebensmittel mit Omega-3-Fettsäuren konsumierten, die Stimmungsschwankungen deutlich reduzierten ( 23 ).

Omega-6-Fettsäuren befinden sich unter anderem in Fleisch, Milchprodukten und Eiern sowie in bestimmten Speiseölen wie Sonnenblumenöl oder Kürbiskernöl. Omega-3-Fettsäuren hingegen sind beispielsweise in manchen Fischarten, im Leinöl und Leinsamen, Walnussöl und Walnüssen sowie Hanföl und Hanfsamen enthalten.

Pflanzliche Lebensmittel enthalten jedoch „nur“ die kurzkettigen Omega-3-Fettsäuren, nicht die für die Psyche wirksameren langkettigen Omega-3-Fettsäuren. Da fettreicher Fisch als Quelle für langkettige Omega-3-Fettsäuren aus vielerlei Gründen kaum mehr in Frage kommt (Ökokatastrophe Fisch und Ist Fisch gesund?), kann als Nahrungsergänzung Algenöl verwendet werden, das die Einnahme langkettiger Omega-3-Fettsäuren vereinfacht.

*Sie erhalten beispielsweise hier ein hochwertiges Algenöl.

Vitamine und Mineralstoffe

Eine ausreichende Zufuhr von Vitaminen und Mineralstoffen ist essentiell, um wichtige Körperfunktionen aufrechtzuerhalten. Ein Mangel hingegen kann der Auslöser unzähliger Symptome sein. Man nimmt an, dass Menschen, die eine Veranlagung für eine bipolare Störung haben, bipolar-ähnliche Symptome entwickeln können, wenn der Körper nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt wird.

Mikronährstoffkomplex

Erstaunliche Ergebnisse lieferten zwei Studien, bei denen bipolare Patienten über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten ein Präparat mit 36 Vitaminen, Mineralstoffen und andere Nährstoffen (EM Powerplus von Truehope) zu sich nahmen ( 11 ) ( 12 ).

Viermal am Tag sollten 8 Kapseln davon (am besten zum Essen) eingenommen werden – insgesamt also 32 Kapseln am Tag. Die 11 Teilnehmer, die das Präparat für mindestens sechs Monate einnahmen, erfuhren eine deutliche Reduktion der Symptome und konnten ihre Medikamente um mehr als die Hälfte reduzieren oder sogar ganz absetzen. Die einzige beobachtete Nebenwirkung war Übelkeit, die vor allem dann auftrat, wenn das Präparat nicht zu einer Mahlzeit eingenommen wurde ( 11 ).

Das Präparat ist ein normal dosiertes Vitamin- und Mineralstoffpräparat. Wenn Sie davon jedoch 32 Kapseln pro Tag nehmen, erreichen Sie bei vielen Inhaltsstoffen enorme Tagesdosen, z. B. 3000 µg Folsäure, 2800 mg Calcium, 1280 mg Magnesium, 400 µg Selen oder auch 450 µg Jod, was selbst aus orthomolekularmedizinischer Sicht sehr hohe Dosen sind, die insbesondere bei einer so langen Einnahmezeit von einem halben Jahr nicht ohne ärztliche Begleitung/Empfehlung eingenommen werden sollten. Da die Packung ausserdem nur 120 Kapseln enthält, reicht sie bei einem Preis von knapp 70 Dollar nicht ganz 4 Tage ( 27 ).

Doch auch die Einnahme einzelner Mikronährstoffe zeigte gute Erfolge bei der Reduktion manischer und depressiver Symptome, wie wir nachfolgend vorstellen (bitte alles mit dem Arzt besprechen!):

Magnesium

In einer offenen Studie, bei der sowohl Teilnehmer als auch Behandelnde über die Art der Therapie Bescheid wussten, wurden neun Patienten mit schwerer Form der bipolaren Störung (schnell wechselnde manische und depressive Phasen) bis zu 32 Wochen mit einem Magnesiumpräparat (Magnesiocard, zwei Beutel zu je 243 mg/Tag) behandelt. Bei etwa 50% der Patienten hatte Magnesium mindestens dieselbe Wirkung wie Lithium ( 13 ). Wenn Sie ein anderes Magnesiumpräparat nehmen, z. B. mit Magnesiumcitrat, kann es bei der hohen Dosis, wie sie in dieser Studie verabreicht wurde, zu Durchfall oder Magen-Darm-Beschwerden kommen. Wählen Sie daher leichter verträgliche Magnesiumverbindungen, wie z. B. das oben genannte oder auch Magnesiummalat.

*Hier erhalten Sie Magnesiocard und hier ein Magnesiummalat.

Auch andere Studien zeigten die vorteilhafte Wirkung von Magnesium ( 5 ). So führte etwa die Einnahme von 375 mg Magnesiumoxid pro Tag zusätzlich zu den üblichen Medikamenten über 16 Wochen im Vergleich zur Placebogruppe zu einer deutlichen Verringerung manischer Symptome ( 14 ).

Folsäure (Vitamin B9)

Eine Doppelblindstudie an 75 Patienten, die eine Therapie mit Lithium erhielten, zeigte, dass jene, die zusätzlich zu ihren Medikamenten Folsäure einnahmen, deutlich weniger depressive Symptome aufwiesen als jene, die ein Placebo einnahmen. Sie nahmen dabei für 52 Wochen 200 µg Folsäure pro Tag ein ( 15 ).

Diese Dosis kann beispielsweise über die Nahrung aufgenommen werden. Hülsenfrüchte wie Erbsen, Linsen, weiße Bohnen oder Kichererbsen enthalten besonders viel Folsäure. So würden 60 g Kichererbsen (roh, also noch ungekocht) die in der Studie empfohlene Tagesdosis decken. Hier finden Sie einen Ernährungsplan, wie Sie mit einer sehr gemüselastigen Ernährung bis zu 600 µg Folsäure zu sich nehmen können.

Cholin

Cholin ist ein lebensnotwendiger Mikronährstoff, der im Körper zum Neurotransmitter Acetylcholin umgewandelt wird. Acetylcholin ist wichtig für Nerven und Gedächtnis sowie für Emotionen und Stimmung.

Eine offene Studie (sowohl Teilnehmer als auch Behandelnde wussten über die Art der Therapie Bescheid) an sechs Patienten mit schnell wechselnden manischen und depressiven Phasen zeigte, dass die Einnahme von Cholin zusätzlich zu Lithium bei fünf Teilnehmern zu einer starken Abnahme manischer Symptome und bei vieren zusätzlich zu einer deutlichen Abnahme depressiver Symptome führte.

Die ausbleibende Wirkung der anderen Teilnehmer wurde auf die Einnahme von Schilddrüsenmedikamenten (L-Thyroxin) zurückgeführt, das die Cholin-Konzentration im Gehirn reduzierte.

Die Teilnehmer nahmen dabei anfangs 2-4 g freies Cholin pro Tag (aufgeteilt auf zwei Dosen) in Form von Cholin-Bitartrat der Marke Solgar ein, später wurde die Dosis auf 3-8 g pro Tag erhöht ( 16 ).

*Hier erhalten Sie *Cholin-Bitartrat von Solgar.

Der normale Tagesbedarf von Cholin liegt bei etwa 500 mg. Es wurden jedoch in der Studie auch bei hohen Dosen, die in dieser Studie sogar dauerhaft verabreicht wurden, keine ernsthaften Nebenwirkungen beobachtet. Ein junger Mann berichtete bei einer Dosis von 6 g Cholin pro Tag von fischigem Mundgeruch, der bei der Reduktion auf 5 g pro Tag jedoch wieder verschwand. Auch leichter Durchfall und Bauchschmerzen traten bei einer Person auf (jedoch nur bei einer Dosis über 3 g Cholin pro Tag).

Chinesische Heilkräuter

Das chinesische Arzneimittel Free and Easy Wanderer Plus setzt sich aus verschiedenen Heilkräutern zusammen (z. B. Chinesische Pfingstrose, Wolfiporia extensa (Kiefernschwamm – ein Vitalpilz), Chinesische Engelwurz, Gardenienfrüchte etc.) und wurde in zwei doppelblinden, randomisierten und placebokontrollierten Studien zur Wirkung bei bipolarer Störung untersucht.

Jene Teilnehmer, die für 12 Wochen zusätzlich zu dem Medikament Carbamazepin (das bei der bipolaren Störung antidepressiv wirken soll) die chinesischen Kräuter (36 g/Tag – entspricht etwa 27 Kapseln pro Tag) einnahmen, erfuhren eine deutlich stärkere Reduktion depressiver Symptome als jene, die nur das Medikament erhielten. Auch Schwindel und Müdigkeit traten weniger häufig auf ( 17 ).

Sie sehen, dass auch hier sehr sehr hohe Dosierungen eingesetzt wurden, die Sie unbedingt mit Ihrem Arzt besprechen sollten.

*Hier erhalten Sie Free and Easy Wanderer Plus.

Johanniskraut, Passionsblume und Baldrian

Schon seit dem Mittelalter wird Johanniskraut bei depressiven Symptomen eingesetzt und ist sogar gleich wirksam wie Antidepressiva. In Kombination mit Passionsblume und Baldrian kann die stimmungsaufhellende und stimmungsausgleichende Wirkung zusätzlich verstärkt werden. Lesen Sie mehr zur optimalen Dosierung in unserem Artikel Pflanzliche Mittel bei Depressionen.

Der beruhigende Baldrian ist zudem wirksam bei Schlaflosigkeit und Unruhezuständen und scheint auch bei bipolarer Störung vielversprechend zu sein. Einige Studien kamen sogar zu dem Schluss, dass das Kraut eine vergleichbare beruhigende Wirkung zu Benzodiazepinen hat - und das ohne nennenswerte Nebenwirkungen. Baldrian ist jedoch nicht für die akute Behandlung von Schlaflosigkeit geeignet, sondern soll im Laufe der Zeit den natürlichen Schlaf fördern ( 25 ).

Auch manische Symptome konnte Baldrian reduzieren. Dabei nahmen die Teilnehmer zusätzlich zu den Medikamenten 700-1050 mg Baldrian pro Tag ein ( 26 ). Lesen Sie hier, wie Sie sich ganz einfach selbst eine Baldriantinktur herstellen können.

Homöopathische Mittel

Zur unterstützenden Therapie der bipolaren Störung setzen Ärzte und Heilpraktiker mit Zusatzausbildung Homöopathie auch homöopathische Mittel ein. (Hinweis: Aus Sicht der evidenzbasierten Medizin, gibt es keine Hinweise für eine Wirkung der Homöopathie. Nichtsdestotrotz geht es vielen Menschen mit homöopathischen Mitteln besser als ohne.) ( 18 ).

Ignatia Amara wird in depressiven Phasen der bipolaren Störung verwendet. Es ist geeignet für Menschen, die Zeiten der Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit sowie des Unglücks erleben. Häufig sind Enttäuschungen oder der Verlust geliebter Menschen die Ursachen dieser Empfindungen. Typisch sind auch schnell wechselnde Stimmungen (z. B. vom Weinen zum Lachen).

Lachesis Muta ist für manische Phasen mit erhöhter Reizbarkeit und Aktivität sowie Wutausbrüchen und Unruhe geeignet.

Veratrum Album hat sich besonders in starken manischen Phasen mit Schreien und dem Wunsch, Dinge zu zerschneiden und zerreißen sowie heftigem Schimpfen oder Lachen bewährt. 

Aurum Metallicum wird bei bipolarer Störung mit dem Hauptsymptom der Hoffnungslosigkeit mit Suizidgedanken erfolgreich eingesetzt.

Staphysagria ist geeignet für Menschen mit bipolarer Störung, die ihren Ärger unterdrücken und plötzliche Wutausbrüche bekommen, in denen sie Gegenstände werfen und zerstören.

Medorrhinum ist das beste Mittel bei bipolarer Störung mit extremen Stimmungsschwankungen. Leitsymptome sind Rastlosigkeit, Unruhe, Ungeduld und starkes sexuelles Verlangen, gefolgt von Traurigkeit, Niedergeschlagenheit oder Hoffnungslosigkeit.

Bei der Selbstbehandlung wird empfohlen, die Potenz C12 zu verwenden. 2-3 Globuli können bis zu vier Mal am Tag eingenommen werden. Lassen Sie diese im Mund zergehen und essen und trinken Sie am besten 15 Minuten vor und nach der Einnahme nichts ( 19 ). Nähere Informationen zur richtigen Anwendung von Globuli und anderen homöopathischen Mitteln lesen Sie im vorigen Link.

Um einen Erfolg in der Behandlung zu erzielen, sollte das passende Mittel jedoch von einer fachlich geschulten Person ausgewählt werden (Homöopath oder Arzt für Homöopathie). Wenn Sie der Homöopathie kritisch gegenüber eingestellt sind, laden wir Sie zur Lektüre unseres Artikels Homöopathie: Wirkt sie? ein.

Probiotika zur Unterstützung der Darmflora

Der Darm hat einen enormen Einfluss auf unser Gehirn und auf unsere Emotionen. Demnach können Entzündungen im Darm viele Krankheiten begünstigen, so auch die bipolare Störung. Man hat jedoch herausgefunden, dass eine 6-monatige Einnahme von Probiotika den Verlauf einer bipolaren Störung günstig beeinflussen und Symptome reduzieren können ( 20 ). Probiotika sind Präparate aus verschiedenen nützlichen Bakterienstämmen, die in einer gesunden Darmflora vorhanden sein sollten.

Lesen Sie dazu unseren Artikel Probiotika bei bipolarer Störung

Bewegung, Ernährung und Entspannung

Ein Großteil der Studien zur bipolaren Störung zeigt, dass Betroffene meist einen sitzenden Lebensstil verfolgen sowie häufig am metabolischen Syndrom leiden. Dabei führt vor allem ein ungesunder Lebensstil mit zu wenig Bewegung, Stress, Rauchen, Alkohol oder ungesunder Ernährung zu Übergewicht, Bluthochdruck sowie Zucker- und Fettstoffwechselstörungen (den vier Hauptmerkmalen des metabolischen Syndroms).

Bewegung spielt daher eine bedeutende Rolle sowohl zur Vorbeugung einer bipolaren Störung als auch zur Reduktion der Symptome, da diese einen enormen Einfluss auf die Stimmung hat. So werden die meisten psychischen Erkrankungen – dazu zählt auch die bipolare Störung – in Zusammenhang mit zu wenig Bewegung gebracht.

Regelmäßige körperliche Betätigung hingegen führt bei bipolaren Patienten zu weniger depressiven Symptomen, weniger Ängsten und Stress sowie zu mehr Lebensqualität ( 24 ). Dabei sollte Bewegung in moderater Intensität (z. B. schnelles Gehen, Joggen oder Radfahren) an fünf Tagen in der Woche für jeweils 30 Minuten angestrebt werden ( 29 ). Erkundigen Sie sich nach einem Lauftreff in Ihrer Region, wenn Sie keine Lust haben, alleine loszuziehen.

Vielleicht fällt es Ihnen leichter, sich im Fitnessstudio auf dem Laufband oder dem Crosstrainer zu bewegen oder sich auf das Spinning Bike zu setzen oder auch am einen oder anderen der zahlreichen Kurse teilzunehmen. Ganz gleich, wofür sie sich entscheiden, wichtig ist auf jeden Fall, dass Sie sich bewegen, Spaß dabei haben und es daher auch regelmäßig tun!

Auch eine nährstoffreiche Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse, gesunden Fetten und Vollkornprodukten sowie Entspannungstraining (z. B. Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung oder Yoga) sind essentiell zur Vorbeugung sowie zur Unterstützung des Körpers bei einer bipolaren Störung.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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Quellen
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  4. (4) Ursachen der bipolaren Störung. DGBS. Abgerufen am 01.07.2022.
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