Könnte Inulin bei Kniearthrose helfen?
Kniearthrose ist eine Erkrankung des Kniegelenks. Dabei baut sich der schützende Knorpel mit der Zeit immer weiter ab. Das führt zu Schmerzen und Entzündungen und schränkt die Beweglichkeit ein.
Wie stark die Schmerzen empfunden werden, hängt jedoch nicht nur davon ab, was im Gelenk passiert. Auch das Nervensystem spielt dabei eine Rolle. Bei chronischen Schmerzen kann es empfindlicher werden. Dann werden Reize schneller oder stärker als schmerzhaft empfunden.
Forscher vermuten, dass die Darmflora über die sogenannte Darm-Hirn-Achse Einfluss auf das Nervensystem – und damit auf die Schmerzverarbeitung – nehmen kann. Hier kommt der präbiotische Ballaststoff Inulin ins Spiel. Er dient nützlichen Darmbakterien als Nahrung und kann dadurch die Darmflora beeinflussen.
Mehr über den Ballaststoff erfahren Sie in unserem Artikel Inulin als Präbiotikum – Vorteile für Darm und Verdauung.
So wurde die Studie durchgeführt
In einer 6-wöchigen Studie von 2026 untersuchten Forscher, ob der Ballaststoff bei Personen mit Kniearthrose die Schmerzen beeinflussen kann (1). Die 136 Personen wurden zufällig auf vier Gruppen aufgeteilt:
- Eine Gruppe nahm täglich 20 g Inulin als Pulver ein. Sie konnten es zum Beispiel in ein Müsli, einen Smoothie oder ein Getränk rühren. Eine feste Tageszeit war nicht vorgegeben.
- Die zweite Gruppe machte über eine App jeden Tag ein individuell zusammengestelltes Bewegungsprogramm, das von einem Physiotherapeuten begleitet wurde. Die Übungen sollten die Muskeln an den Beinen, Hüften und Knien stärken und das Gleichgewicht trainieren.
- Die dritte Gruppe kombinierte die Inulin-Einnahme und das Bewegungsprogramm.
- Die vierte Gruppe (Kontrollgruppe) erhielt lediglich ein Placebo.
Einnahme senkt die Schmerzempfindlichkeit
Nach 6 Wochen prüften die Forscher, wie sich das Schmerzempfinden der Teilnehmer verändert hatte. Sie übten dafür zunehmenden Druck auf bestimmte Stellen am Knie aus, um zu testen, ab wann dieser Reiz als schmerzhaft empfunden wurde.
Rund 35 Prozent der Teilnehmer in der Inulin-Gruppe reagierten nach 6 Wochen weniger empfindlich auf den Druck. In der Gruppe mit Inulin und Bewegung waren es sogar 46 Prozent der Teilnehmer.
Bewegung allein verbesserte die Druckempfindlichkeit lediglich bei 10 Prozent und in der Placebo-Gruppe gab es bei 11 Prozent eine Verbesserung.
In einem zweiten Test untersuchten die Forscher, was passiert, wenn derselbe Schmerzreiz mehrmals hintereinander wiederholt wird. Von manchen Menschen wird ein gleichbleibender Reiz mit jeder Wiederholung als schmerzhafter wahrgenommen. Dies ist ein Zeichen dafür, dass das Nervensystem besonders schmerzempfindlich ist.
Bei rund 89 Prozent der Teilnehmer in der Inulin-Gruppe fiel dieses Hochschaukeln des Schmerzes nach 6 Wochen geringer aus als zu Beginn. Bei Bewegung und Inulin zusammen war dies bei rund 58 Prozent der Teilnehmer der Fall, bei Bewegung allein bei rund 57 Prozent und in der Placebo-Gruppe bei 52 Prozent.
Die geringere Schmerzempfindlichkeit scheint bei diesen beiden Tests also tatsächlich mit dem Ballaststoff zusammenzuhängen und nicht mit einem bestimmten Bewegungsprogramm.
Inulin und Bewegung lindern die Schmerzen
Ebenfalls sollten alle Teilnehmer ihre Schmerzen nach 6 Wochen auf einer Skala von 0 (keine Schmerzen) bis 10 (größtmögliche Schmerzen) angeben. In der Inulin-Gruppe waren die Schmerzen im Durchschnitt um 1,11 Punkte niedriger als in der Placebo-Gruppe.
Das Bewegungsprogramm allein verbesserte die Schmerzen noch etwas mehr – um 1,55 Punkte verglichen mit der Placebo-Gruppe.
Und die Kombination von Bewegung und Inulin senkte die Schmerzen schlussendlich am meisten: Diese Gruppe hatte 1,67 Punkte weniger auf der Schmerzskala als die Placebo-Gruppe.
* Bei Arthrose kommt es auch auf die richtige Ernährung an. Wir stellen sie in unserem 7-tägigen Ernährungsplan für Arthrose vor.
Wie wirkt Inulin auf Schmerzen?
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Ballaststoff nicht nur die empfundenen Knieschmerzen beeinflusst, sondern auch die Art und Weise, wie der Körper Schmerzen verarbeitet.
Inulin wird von den Darmbakterien verarbeitet. Dabei entstehen verschiedene Stoffe wie etwa die kurzkettige Fettsäure Butyrat. In der Studie stieg der Butyratspiegel nach der Einnahme tatsächlich an. Wie genau die Schmerzverarbeitung mit dem Darm zusammenhängt, ist aber noch unklar.
Schon frühere Untersuchungen deuteten darauf hin, dass die Darmflora bei Arthrose eine Rolle spielt. Mehr dazu lesen Sie im Artikel Arthrose: Die Ursache liegt im Darm verborgen.
Wie wendet man Inulin am besten an?
In der Studie wurde eine hohe Dosis von 20 g täglich verwendet. Üblicherweise werden 5 bis 9 g pro Tag empfohlen.
Beginnen Sie mit einer kleinen Menge und steigern Sie diese erst dann langsam, wenn Sie sie gut vertragen. Denn Inulin kann auch z. B. zu Blähungen beitragen. Sie können das Pulver sehr gut in Joghurt, Müslis oder Smoothies rühren.
Fazit: Inulin kann bei Kniearthrose unterstützen
Wenn Sie an Kniearthrose leiden, könnte Inulin eine interessante Ergänzung zu den bisherigen Maßnahmen sein. Auch regelmäßiges Training ist besonders wichtig, um die Muskeln zu kräftigen und die Beweglichkeit im Alltag zu erhalten.
Weitere natürliche Mittel bei Arthrose stellen wir im Artikel Nahrungsergänzung bei Arthrose vor.