Melatonin in der Behandlung von Schmerzen
Melatonin wird hauptsächlich in der Zirbeldrüse gebildet und steuert wesentlich unseren Schlaf-Wach-Rhythmus. Daneben besitzt der körpereigene Botenstoff jedoch weitere Eigenschaften:
Er beeinflusst unter anderem die Schmerzverarbeitung und wirkt antioxidativ und entzündungshemmend. Forscher untersuchen daher schon länger, ob Melatonin auch zur Behandlung von Schmerzen eingesetzt werden könnte.
Für eine 2026 in der Fachzeitschrift PAIN veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit (Metaanalyse) wertete man 23 Melatonin-Studien mit insgesamt 2028 TeilnehmerInnen aus (1). Diese litten an verschiedenen Schmerzzuständen, etwa an chronischen Rückenschmerzen, an Fibromyalgieschmerzen oder Kniearthroseschmerzen.
In einer Vielzahl der Studien ging es auch um Schmerzen nach Operationen, insbesondere nach Gelenkersatz- und Wirbelsäulenoperationen.
Weniger Schmerzen mit Melatonin
Besonders interessant waren die Ergebnisse bei chronischen Schmerzen. In den neun analysierten Studien hatten die Melatonin-Gruppen im Durchschnitt eine um 8,96 Punkte geringere Schmerzintensität als die Teilnehmer der jeweiligen Vergleichsgruppen. Diese erhielten entweder ein Placebo oder sogar Schmerzmedikamente.
Für die Metaanalyse wurden die unterschiedlichen Schmerzskalen der Studien auf eine Skala von 0 bis 100 umgerechnet. Je niedriger der Wert, desto geringer waren die Schmerzen.
Bei der Betrachtung von vier besonders hochwertigen Studien war die Schmerzintensität in den Melatonin-Gruppen um durchschnittlich 10,04 Punkte niedriger als in den Placebo-Gruppen.
Gute Ergebnisse mit 3 bis 10 mg Melatonin
Bei chronischen Schmerzen wurden in den Studien 3 bis 10 mg Melatonin pro Tag eingesetzt. Die Behandlungsdauer betrug vier Wochen bis drei Monate.
Positive Ergebnisse beobachteten die Forscher beispielsweise in Studien mit 3 mg Melatonin täglich bei chronischen Rückenschmerzen. Auch bei rheumatoider Arthritis und neuropathischen Schmerzen wurden mit täglich 3 mg günstige Effekte festgestellt.
Bei Beschwerden des Kiefergelenks wurden mit 5 mg täglich positive Ergebnisse erzielt. Bei Kniearthrose wurde die Melatonindosis im Verlauf von 3 mg auf bis zu 10 mg täglich gesteigert, so dass man die Dosierung also immer auch anpassen kann.
Allerdings zeigte sich nicht, dass eine höhere Melatonindosis auch stärker den Schmerz lindert. Wichtiger scheint die Einnahmedauer zu sein. Denn je länger Melatonin bei chronischen Schmerzen eingesetzt wurde, desto günstiger waren tendenziell die Ergebnisse – sprich: 3 Monate waren besser als 4 Wochen.
Bei Schmerzen nach Operationen waren die Ergebnisse dagegen weniger überzeugend. Melatonin führte hier nur zu einer Verbesserung von durchschnittlich 2,53 Punkten.
Melatonin verbesserte auch die Schlafqualität
Ein weiterer Vorteil könnte gerade für Menschen interessant sein, deren chronische Schmerzen mit Schlafproblemen einhergehen. Denn Schmerzen können den Schlaf beeinträchtigen – und schlechter Schlaf wiederum die Schmerzempfindlichkeit erhöhen und sogar die Ausschüttung entzündungsfördernder Botenstoffe verursachen.
Wie Melatonin den Schlaf unterstützen kann, besprechen wir ausführlich auch in unserem Artikel Melatonin - Das Hormon für einen gesunden Schlafrhythmus.
In sieben der untersuchten Studien stellte man fest, dass Melatonin die Schlafqualität um durchschnittlich 11,35 Punkte besserte – im Unterschied zu den jeweiligen Vergleichsbehandlungen. (Auch hier nutzte man eine Skala von 0 bis 100).
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In unserem Artikel Schlaf verbessern - Ashwagandha, Melatonin oder beides? Lesen Sie, dass Sie Melatonin gut mit Ashwagandha kombinieren können und dann in Bezug auf den Schlaf sogar noch eine bessere Wirkung erzielen können.
Melatonin wurde gut vertragen
Insgesamt wurde Melatonin in all diesen Studien gut vertragen. Von den 23 Studien las man nur in 14 Studien von Nebenwirkungen. Am häufigsten wurden Übelkeit bzw. Erbrechen, Schwindel, Kopfschmerzen und Schläfrigkeit genannt. Allerdings traten diese Beschwerden nur in milder Ausprägung auf und waren auch vorübergehend.
Wie könnte Melatonin gegen Schmerzen wirken?
Melatonin kann über verschiedene Mechanismen schmerzlindernd wirken. Zum einen aktiviert es den schmerzhemmenden Nervenbotenstoff GABA.
Zum anderen beeinflusst es das körpereigene Opioidsystem. Über dieses System dämpfen körpereigene schmerzlindernde Stoffe wie Endorphine die Weiterleitung und Wahrnehmung von Schmerzen.
Außerdem aktiviert es sogenannte MT2-Rezeptoren. Diese sitzen auf der Oberfläche von Nervenzellen. Wenn diese Rezeptoren aktiviert werden, dann sinkt die Erregbarkeit der Nervenzellen und der Schmerz lässt nach.
Hinzu kommen antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften. Melatonin kann freie Radikale abfangen und entzündungsfördernde Botenstoffe wie Zytokine und Prostaglandine hemmen.
Auch ist ein indirekter Effekt über den Schlaf denkbar. Denn wenn Melatonin die Schlafqualität verbessert und den Tag-Nacht-Rhythmus stabilisiert, könnte auch dies dazu beitragen, die Schmerzempfindlichkeit zu verringern.
Fazit: Melatonin als Ergänzung bei chronischen Schmerzen
Melatonin ist somit eine interessante Ergänzung bei chronischen Schmerzen des Bewegungsapparates (mit oder ohne Schlafstörungen). Besonders vorteilhaft ist, dass dafür nicht unbedingt hohe Dosierungen erforderlich sind. Schon bei 3 mg pro Tag kann man offenbar positive Ergebnisse erwarten – umso mehr, je länger man das Hormon einnimmt.