DMAE – ein Wirkstoff mit zwei Einsatzgebieten
Ein klarer Kopf und eine glatte Haut! DMAE soll gleich beides ermöglichen. Der Stoff ist seit Jahrzehnten bekannt, geriet in Vergessenheit und erlebt derzeit wieder einen neuen Aufschwung.
Insbesondere in der Biohacker-Szene hat sich DMAE in den letzten Jahren einen festen Platz als Nootropikum oder „Smart Drug“ erobert.
Damit sind Substanzen gemeint, die das Gedächtnis, die Lernfähigkeit und die Konzentration verbessern sollen und dabei deutlich weniger Nebenwirkungen haben als verschreibungspflichtige Aufputschmittel (wie Amphetamine oder Modafinil), gleichzeitig aber länger wirken als z. B. Koffein (Energy Drinks), das meist nur einen kurzen Energieschub bringt.
In den sozialen Medien wird DMAE mit einem langanhaltenden, fokussierten „Flow-Zustand“ beworben. Folglich gilt das Mittel fast schon als Geheimtipp für Studenten in der Prüfungsphase, für Berufstätige im stressigen Büroalltag und für ältere Menschen, die den ersten Anzeichen von Vergesslichkeit entgegenwirken wollen. Ist das Mittel tatsächlich so wirksam?
Was ist DMAE?
DMAE ist die Abkürzung für Dimethylaminoethanol, auch Deanol genannt. Chemisch gehört der Stoff zu den Aminoalkoholen. Er ähnelt Cholin, einem essenziellen Nährstoff, der für den Aufbau von Zellmembranen, aber auch zur Bildung des Nervenbotenstoffs Acetylcholin benötigt wird. Cholin hat im Vergleich zu DMAE lediglich eine Methylgruppe mehr in seiner chemischen Struktur, was in der Gesamtstruktur nur ein winziger Baustein ist.
Acetylcholin wiederum aktiviert Nervenzellen, damit Informationen leichter aufgenommen, verarbeitet und gespeichert werden können. Es ist also für eine gute Konzentration, erfolgreiches Lernen und ein leistungsfähiges Gedächtnis entscheidend.
Eine sinkender Acetylcholin-Spiegel in bestimmten Hirnbereichen findet man beispielsweise bei Alzheimer. Bei der Demenzerkrankung werden Nervenzellen geschädigt, die Acetylcholin herstellen und ausschütten. Bestimmte Alzheimer-Medikamente bremsen deshalb auch den Abbau von Acetylcholin.
Wie soll DMAE im Gehirn wirken?
DMAE ähnelt also Cholin und damit dem Baustoff für Acetylcholin. Man glaubte nun zunächst, DMAE werde im Gehirn zu Cholin und dann zügig zu Acetylcholin umgewandelt. DMAE passiert auch tatsächlich die Blut-Hirn-Schranke – und da ihm nur eine Methylgruppe fehlt, nahm man an, dass es im Gehirn ganz einfach diese Methylgruppe erhält (methyliert wird) und zu Cholin wird.
In der Realität ist DMAE aber keine direkte Vorstufe, die im Gehirngewebe mal eben zu Cholin umgewandelt werden kann. Tierstudien haben gezeigt, dass DMAE (es wurde zuvor chemisch markiert) im Gehirn nicht zu Cholin verwandelt wird, auch nicht zu Acteylcholin (2)(3).
Interessant war zwar, dass dennoch die Cholinmenge stieg (nur nicht über die Umwandlung aus DMAE), aber nicht der Acetylcholinspiegel – und gerade letzteres wäre ja entscheidend.
Wenn DMAE nun nicht zu Acetylcholin werden kann, warum wird dann immer wieder von einer spürbaren Wirkung berichtet? Abgesehen davon, dass es sich auch nur um Marketingaussagen oder einen Placebo-Effekt handeln könnte, sind noch weitere Hypothesen im Umlauf, mit denen sich eine Wirkung erklären ließe.
Einerseits geht man von antioxidativen und entzündungshemmenden Wirkungen aus, die das Gehirn schützen und so auch die geistige Leistungsfähigkeit verbessern könnten.
Andererseits wird Cholin im Gehirn nicht nur zur Acetylcholinbildung verwendet, sondern auch zur Bildung der Zellmembranen. DMAE könnte nun aufgrund seiner strukturellen Ähnlichkeit statt Cholin in die Zellmembranen eingebaut werden.
DMAE ist aber nicht so stabil wie Cholin, so dass sich nun die physikalischen Eigenschaften der Zellmembran ändern. Sie wird flexibler und „flüssiger“. Man sagt, die Membranfluidität nimmt zu.
Elektrische Signale und Botenstoffe können nun vorübergehend auch schneller fließen – sowohl innerhalb der Gehirnzelle als auch von Synapse zu Synapse. Die Folge wäre dann natürlich auch, dass man sich fokussierter fühlt, sich besser konzentrieren kann und geistig wacher fühlt. Belegt ist aber auch dies nicht.
Kommt DMAE natürlich vor?
DMAE kommt auch in der Natur vor, z. B. in Fisch, Rogen und Gehirngewebe – jedoch in sehr geringen Mengen und nicht vergleichbar mit jenen Dosen, die man über Nahrungsergänzungsmittel einnimmt (250 mg pro Kapsel).
In einer EFSA-Bewertung wird z. B. für Lachsrogen 1,9 mg DMAE pro Kilogramm genannt (1).
Eine Portion von 100 g würde bei diesem Wert etwa 0,19 mg liefern. Eine Kapsel mit 250 mg enthält somit ungefähr das 1300-Fache.
Selbst wenn das menschliche Gehirn also naturgemäß DMAE enthält, ist nicht sicher, ob die Einnahme größerer Mengen langfristig nützlich und sicher ist.
Welche klinischen Studien gibt es rund um DMAE?
Die meisten DMAE-Studien stammen aus 1970er bis 1990er Jahre. Wir stellen nachfolgend die wichtigsten Arbeiten vor:
Lern- und Verhaltensprobleme bei Kindern
1975 untersuchten Forscher 74 Kinder mit Lernproblemen, darunter viele mit Hyperaktivität. Sie erhielten 2 Wochen lang 250 mg DMAE (in Form des nicht mehr erhältlichen Medikaments Deaner), 20 mg Methylphenidat oder ein Placebo, anschließend 10 Wochen lang täglich 500 mg DMAE beziehungsweise 40 mg Methylphenidat.
Die Kinder verbesserten ihre Reaktionszeit, die Eltern meldeten eine Verbesserung im Verhalten und in verschiedenen Tests fielen die Ergebnisse besser aus (Sprachtests, Bildertests, praktische Aufgaben). Sogar ein Intelligenztest fiel höher aus. Die DMAE-Kinder unterschieden sich dabei nicht signifikant von den Methylphenidat-Kindern. Lediglich in der Placebogruppe kam es zu keinen Besserungen.
Dennoch hat die FDA dem Medikament (Deaner) 1983 die Zulassung entzogen. Die Wirksamkeit für die vorgesehenen Anwendungen sei nicht ausreichend belegt (5). An der oben vorgestellten Kinderstudie wurden einige Aspekte bemängelt, was das positive Ergebnis dann wieder relativierte (die Lern- und Verhaltensprobleme der Kinder seien nicht ausreichend klar definiert gewesen, auch sei man nicht sicher, ob die Gruppen vergleichbar waren (was Ursachen und Schwere ihrer Beschwerden betraf).
Demenz – trotz hoher Dosis keine Gedächtnisverbesserung
1977 erhielten 14 ältere Menschen mit Demenz vier Wochen lang DMAE. Innerhalb der ersten zwei Wochen wurde die Dosis auf dreimal täglich 600 mg gesteigert, insgesamt 1800 mg täglich (6). Die klinischen Bewertungen und umfangreichen Gedächtnistests zeigten keine Verbesserung der geistigen Funktionen. (6)
Vier Jahre später untersuchten Fisman und Kollegen DMAE bei 27 Alzheimer-Patienten. Die Teilnehmer waren durchschnittlich 73 Jahre alt und erhielten DMAE oder Placebo.
Die Behandlung begann mit 300 mg täglich. Die Dosis wurde schrittweise auf 1800 mg täglich erhöht; vorgesehen war eine etwa zweimonatige Behandlung.
Innerhalb der ersten fünf Wochen mussten sechs von 13 Personen unter DMAE wegen Nebenwirkungen ausscheiden. Zu den Beschwerden gehörten Schläfrigkeit, zunehmende Verwirrtheit, Durchfall und ein Anstieg des Blutdrucks (um 20–30 mmHg). Man musste deshalb die Dosis nach fünf Wochen auf 900 mg reduzieren.
Das bedeutet, dass man unbedingt derart hohe Dosen meiden sollte (7). um die genannten Nebenwirkungen zu vermeiden.
Verändert DMAE die Gehirnwellen?
Häufig werden für eine DMAE-Wirkung aufs Gehirn auch die beiden folgenden Studien genannt:
Aus 1996 stammt eine Untersuchung mit 60 Personen zwischen 40 und 65 Jahren, die unter Konzentrationsproblemen litten. Sie nahmen zwölf Wochen lang täglich ein Mischpräparat mit DMAE-Orotat, Vitaminen und Mineralstoffen (Vita Gerin Geistlich) oder ein Placebo ein (8).
Dann maß man die Hirnströme – einmal während Ruhephasen und zum andern beim Lösen von Gedächtnisaufgaben. Bei den Teilnehmern, die das DMAE-Präparat nahmen, veränderten sich die Theta-Wellen (langsame Hirnströme). In Ruhe wurden diese Signale schwächer, bei geistiger Anstrengung jedoch stärker. In der Placebogruppe passierte das nicht.
Die Forscher deuteten dies als Zeichen dafür, dass das Gehirn durch das Präparat besser und flexibler zwischen Ruhemodus und geistiger Arbeit umschalten konnte.
Einige Jahre später (2003) unternahm dasselbe Forscherteam eine weitere Studie (9). Diesmal mit 80 Personen im Alter zwischen 35 und 70 Jahren, die sich emotional etwas angeschlagen fühlten.
Auch hier nahm eine Gruppe 12 Wochen lang das DMAE-Kombinationspräparat, die andere ein Placebo. Zu verschiedenen Zeitpunkten mussten die Teilnehmer 7-minütige Filmausschnitte (z. B. Naturaufnahmen oder lustige Szenen) ansehen. Dabei wurden ihre Hirnströme gemessen und sie wurden nach ihrer Stimmung befragt.
Nach 12 Wochen veränderten sich die Hirnströme in der DMAE-Gruppe während des Filmschauens auf eine Weise, die auf eine höhere Aufmerksamkeit hindeutete. Zudem verbesserte sich ihre Stimmung. Sie fühlten sich aktiver und besser gelaunt als die Placebogruppe.
Das Präparat schien die Leute also während der Filme geistig wacher zu machen und sorgte dafür, dass sie emotional positiver auf die gezeigten Szenen reagierten.
Das in den Studien verwendete Präparat Vita Gerin Geistlich ist nicht mehr erhältlich. Stattdessen gibt es Vita Gerin Forte, das aber kein DMAE mehr enthält, sondern Vitamine, Mineralstoffe, Cholin und Omega-3-Fettsäuren.
Kann DMAE altersbedingte Ablagerungen entfernen?
DMAE wird gern als Anti-Aging-Stoff beworben – unter anderem auch, weil ihm nachgesagt wird, bestimmte Ablagerungen entfernen zu können, die sich im Verlauf des Alterns in manchen Zellen bilden können. Es handelt sich um Lipofuszin, einer Art zelluläres Alterspigment.
Es bildet sich z. B. in den Hautzellen als Folge von oxidativem Stress, so dass dann die bekannten Altersflecken entstehen. Lipofuszin kann sich aber auch in den Herzmuskelzellen und in den Nervenzellen im Gehirn ansammeln.
Mit zunehmendem Alter wächst diese „Mülllast“ in den Zellen so stark an, dass sie manche Zellfunktionen hemmt und damit die Leistungs- und Lebensfähigkeit der Nervenzellen massiv beeinträchtigt.
Aus Tierstudien weiß man, dass die Gabe von DMAE-Verbindungen die Lipofuszin-Ansammlungen im Gehirn reduzieren kann oder zumindest ihre Neubildung hemmt (bei Nagetiersenioren) (26). Das klingt großartig, hat jedoch einen Haken.
Zum einen existieren bis heute keine Humanstudien, die belegen, dass dieser Lipofuszin-Abbau im menschlichen Gehirn genauso funktioniert wie im Gehirn Ratte. Zum anderen wurden jene Studien, die vorliegen, nicht mit DMAE gemacht, das als Nahrungergänzungsmittel erhältlich ist (meist DMAE-Bitartrat), sondern mit Centrophenoxin (auch bekannt als Meclofenoxat), einer verschreibungspflichtigen DMAE-haltigen Substanz (27).
Das frei verkäufliche DMAE-Bitartrat besitzt jedoch die Lipofuszin-hemmenden Eigenschaften nicht. Von ihm käme im Gehirn niemals die Konzentration an, die notwendig wäre, um die in den Tierstudien beobachteten zellulären Reinigungseffekte auszulösen.
Wie könnte man die altersbedingten Ablagerungen entfernen?
Um Lipofuszin abzubauen oder dessen Entstehung zu verhindern, ist der Körper glücklicherweise nicht auf Substanzen wie DMAE bzw. daraus hergestellte Arzneimittel angewiesen. Denn mit Maßnahmen, die die sog. Autophagie aktivieren, lassen sich die Alterspigmente tatsächlich reduzieren. Zu diesen Maßnahmen gehört z. B. das Fasten oder Intervallfasten.
Dieses setzt im Körper Prozesse in Gang, die zu einer Zellreinigung führen. Dabei können gezielt defekte Mitochondrien, defekte Proteine sowie Alterspigmente oder Vorstufen von Alterspigmenten eliminiert werden.
Erst im sehr hohen Alter oder bei genetisch bedingten Defekten stößt dieser Prozess an Grenzen, da extrem verhärtetes Lipofuszin dann nicht mehr abgebaut werden kann.
Weitere Informationen dazu lesen Sie im Artikel Altersflecken – Natürliche Mittel.
Welche Nebenwirkungen sind bei DMAE möglich?
Berichte zu DMAE erwähnen als Nebenwirkungen insbesondere Schlaflosigkeit, Muskelanspannung und Muskelzuckungen (11).
Die oben vorgestellte Alzheimer-Studie zeigt zudem, dass auch Schläfrigkeit und Verwirrtheit auftreten können. „Anregend“ bedeutet also keineswegs, dass jeder Mensch wacher oder geistig klarer wird.
Eine Studie bei Menschen mit Schizophrenie und medikamentenbedingten Bewegungsstörungen fand unter DMAE keine Besserung der Bewegungen, aber eine Tendenz zur Verschlechterung schizophrener Symptome (12).
Für jahrelange Einnahme, gesunde ältere Menschen und zahlreiche Vorerkrankungen fehlen ausreichende Sicherheitsdaten. Eine gute Verträglichkeit in einer kleinen Kurzzeitstudie belegt keine allgemeine Unbedenklichkeit.
Welche Wechselwirkungen gibt es?
Studien, in denen man Wechselwirkungen zwischen DMAE und geläufigen Medikamenten untersucht hätte, gibt es unseres Wissens nach nicht.
Vorsichtshalber sollte man DMAE nicht gemeinsam mit Arzneimitteln nehmen, die das Acetylcholin-System beeinflussen – etwa Donepezil oder anticholinerge Medikamente. Donepezil ist ein Medikament gegen Alzheimer. Es hemmt den Abbau von Acetylcholin.
Anticholinerge Medikamente blockieren dagegen die Wirkung von Acetylcholin. Dazu gehören beispielsweise einige Mittel gegen eine überaktive Blase, Reiseübelkeit oder Depressionen.
Generell würden wir empfehlen, einfach einen Apotheker um Rat zu bitten, wenn man bereits Medikamente nimmt und nun eine Nahrungsergänzung – ob DMAE oder ein anderes Mittel – einnehmen möchte. Er kann über seine Datenbanken schnell mögliche Wechselwirkungen prüfen.
Wer sollte DMAE nicht nehmen?
Verschiedene Personengruppen sollten DMAE besser nicht nehmen. Bei Epilepsie beziehungsweise Krampfneigung etwa und auch bei Schizophrenie wird von einer Einnahme abgeraten. Kinder sollten DMAE ebenfalls nicht erhalten.
In Schwangerschaft und Stillzeit sollte DMAE auf keinen Fall genommen werden. In Mäusestudien kam es bei den Embryonen zu einer gestörten Entwicklung von Gesicht und Neuralrohr (13).
Vermutlich wurden hier sehr hohe Dosen eingesetzt (die dann Cholin verdrängten und zu einem Cholinmangel führten), die man im Allgemeinen mit einer normalen Nahrungsergänzung nicht nimmt. Dennoch geht man hier natürlich auf Nummer sicher.
Ist DMAE in Deutschland und der EU legal erhältlich?
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ordnet DMAE-haltige Lebensmittel als nicht zugelassene neuartige Lebensmittel ein (Novel Food) (14). Ein Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel gilt immer dann als Novel Food, wenn es in keinem nennenswerten Umfang vor dem 15. Mai 1997 verzehrt wurde. Es braucht dann eine EU-Zulassung (15). Auch die EU-Kommission führt DMAE in einem Bericht zu nicht zugelassenen Zutaten auf (16).
DMAE-Präparate dürfen daher im Grunde nicht regulär vermarktet werden, zumindest nicht zur Einnahme, als Kosmetikzutat natürlich schon.
Dennoch gibt es DMAE-Nahrungsergänzungsmittel bei bestimmten online-Händlern, meist bei solchen mit Sitz im Nicht-EU-Ausland, z. B. iHerb (*DMAE-Kapseln mit 250 mg). Auch wenn viele Bestellungen problemlos zugestellt werden, kann es vorkommen, dass der Zoll Päckchen prüft und bei entsprechendem Inhalt dieses schließlich vernichtet oder zurückhält.
Da DMAE zum aktuellen Stand der Dinge aber ohnehin kein Präparat ist, das man in die engere Wahl nehmen würde, muss man das Risiko bei der Bestellung gar nicht erst eingehen. Es gibt zu viele Ungereimtheiten und zu wenige belegte Wirkungen. Wir würden daher zu anderen Nootropika raten.
Welche Nootropika sind sinnvoller?
Wir stellen empfehlenswerte Nootropika und damit Alternativen zu DMAE in unserem Artikel Nahrungsergänzung für Ihr Gehirn detailliert vor.
Dazu gehören insbesondere Citicolin, Brahmi (die ayurvedische Gedächtnispflanze), Omega-3-Fettsäuren und Acetyl-L-Carnitin sowie bei Bedarf (vor intensiver geistiger Herausforderung) auch Huperizin A.
Brahmi bessert Gedächtnis und Stimmung
Zu Brahmi beispielsweise gibt es eine Placebostudie, in der 54 Teilnehmer ab 65 Jahren zwölf Wochen lang 300 mg eines standardisierten Brahmi-Extrakts erhielten oder ein Placebo-Präparat.
Die Brahmi-Gruppe zeigte ein verbessertes Langzeit- und Erinnerungsvermögen (23), hatte außerdem eine bessere Konzentrationsfähigkeit und ließ sich weniger schnell ablenken. Auch gingen die Werte für Depressionen und Ängstlichkeit im Laufe der Zeit zurück, während gleichzeitig die Herzfrequenz (Puls) sank. Letzteres ist ein Zeichen für eine beruhigende und stressreduzierende Wirkung. In der Placebo-Gruppe hingegen stiegen Stress, Angst und Puls im selben Zeitraum an.
Citicolin unterstützt das Gehirn an vielen Fronten gleichzeitig
Auch zu Citicolin (= CDP-Cholin) gibt es interessante Studien. Der Stoff zählt zu den wirkungsvollsten Nootropika und eignet sich sowohl für junge als auch für ältere Menschen. Er hilft bei geistiger Erschöpfung und Konzentrationsproblemen genauso wie bei altersbedingter Gedächtnisschwäche, nachlassendem Lernvermögen und in der Reha nach Schlaganfällen.
Aus 2021 stammt z. B. eine placebokontrollierte Doppelblindstudie, in der täglich 500 mg Citicolin (Cognizin®) eingenommen wurde. Die Teilnehmer litten an altersbedingtem Gedächtnisschwund und erlebten nach 12 Wochen eine signifikante Verbesserung ihres Erinnerungsvermögens (22).
Im Jahr 2021 wurde eine Studie beim Symposium on Nutrition for the Ageing Brain vorgestellt. Auch hier erhielten die Teilnehmer (35-75 Jahre) täglich 500 mg Cognizin® oder ein Placebo über einen Zeitraum von 12 Wochen. Sie klagten alle über Konzentrationsschwierigkeiten und Aufmerksamkeitsdefizite.
Citicolin konnte die Konzentrationsfähigkeit und auch die Reaktionsfähigkeit des Gehirns bessern (4). Zudem erhöhte sich die mentale Ausdauer. Der Kopf ermüdete nicht so schnell, die Leute blieben länger geistig frisch. Bei komplexen Aufgaben merkt man das, wenn die Fehlerquote sinkt und das typische Gefühl von „Gehirnebel“ oder Nachmittagsmüdigkeit ausbleibt.
Sie erhalten hier ein * Produkt mit 500 mg Cognizin® pro Kapsel, das zudem noch Uridinmonophosphat (UMP) sowie B-Vitamine enthält. UMP unterstützt im Gehirn die Synapsenbildung und die Nervenregeneration. Letztere aber nicht nur im Gehirn, sondern auch bei z. B. Bandscheibenvorfall, Taubheitsgefühlen oder Hexenschuss.
Lesen Sie bitte zu den Details, zur Einnahme, zu Nebenwirkungen und Wechselwirkungen im oben verlinkten Artikel weiter (Nahrungsergänzung für Ihr Gehirn).
Ist DMAE in der Hautpflege sinnvoll oder vielleicht sogar schädlich?
DMAE gilt auch in der äußerlichen Anwendung als Anti-Aging-Stoff und wird daher in manche Cremes oder Seren gemischt. In Zutatenlisten kann es als „Dimethyl MEA“ erscheinen. Für Kosmetik gelten andere Vorschriften als für Lebensmittel und Nahrungsergänzungen; DMAE ist hier daher erlaubt (18).
Ein 3-prozentiges DMAE-Gel hilft bei feinen Fältchen
Eine Veröffentlichung von 2005 beschreibt eine doppelblinde Placebostudie mit 156 Personen zwischen 35 und 60 Jahren (17). 105 Personen verwendeten täglich ein Gesichtsgel mit 3 % DMAE, 51 Personen nahmen das Gel ohne DMAE – jeweils 16 Wochen lang.
Stirnfalten, feine Fältchen um die Augen, Lippenform und das Gesamterscheinungsbild verbesserten sich gegenüber Placebo statistisch auffällig. Für stärkere Falten, Augenringe und Halsstraffung gab es dagegen keine so eindeutigen Ergebnisse. Die Effekte blieben sogar während einer 2-wöchigen Anwendungspause bestehen.
Hautfestigkeit bessert sich nur kurzfristig
In einer Studie von 2002 trugen 30 Frauen einmalig ein Gel mit 3 % DMAE auf eine Gesichtshälfte auf. Die andere Gesichtshälfte behandelten sie mit demselben Gel ohne DMAE.
Nach 45 Minuten wurde die Festigkeit der Haut mit einem Messgerät verglichen. Dabei zeigte sich, dass das DMAE-Gel die Haut vor allem dort straffte, wo sie zuvor besonders nachgiebig gewesen war (19).
2009 untersuchte man 36 Frauen zwischen 38 und 63 Jahren. Sie trugen acht Wochen lang zweimal täglich eine Creme mit 3 % DMAE (in Form von DMAE-Acetamidobenzoat) oder dieselbe Creme ohne DMAE auf (20) – und zwar jeweils 0,2 g auf die Unterarme und aufs Gesicht.
Beide Cremes erhöhten die Hautfeuchtigkeit (aber nur am Unterarm). Die Hautfestigkeit oder Elastizität veränderten sich jedoch nicht.
Straffungseffekt durch DMAE könnte für die Haut negativ sein
2007 fanden Forscher bei Hautzellen, die mit DMAE behandelt wurden, flüssigkeitsgefüllte Hohlräume und eine Vergrößerung der Zellen (Zellschwellung). Bei Kaninchenhaut zeigte sich nach einer Stunde mit 3 % DMAE ebenfalls eine Verdickung mit entsprechenden Zellveränderungen (21).
In Zellkulturen wurde außerdem die Zellteilung gehemmt; bei höheren Konzentrationen traten sogar zellschädigende Effekte auf.
Die Autoren vermuteten, dass diese Veränderungen für die schnelle Aufpolsterung der Haut verantwortlich sein könnten. Eine sichtbar straffere oder vollere Haut kann also auch aufgrund negativer Effekte entstehen, was dann natürlich langfristig für die Haut nicht empfehlenswert ist.
Fazit: DMAE – eher keine Power fürs Gehirn
Als „Power fürs Gehirn“ kann man DMAE aufgrund der oben vorgestellten Daten und Informationen also nicht bezeichnen. Äußerlich kann DMAE das Hautbild und die Festigkeit laut mancher Studien verbessern. Da der Mechanismus aber noch nicht geklärt ist und u. U. sogar negativ für die Haut sein kann, gibt es auch für eine DMAE-Hautpflege keinen überzeugenden Grund.