Zentrum der Gesundheit
  • Tinnitus
21 min

Tinnitus – Tipps zur Bewältigung

Bei Tinnitus hört man Geräusche im Ohr. Das kann ein Klingeln, Brummen oder Pfeifen sein - ohne dass es dafür eine Geräuschquelle gäbe. Niemand sonst hört das Geräusch und man kann es nicht abschalten – weder am Tag noch in der Nacht. Tinnitus kann viele Ursachen haben, so dass es auch viele Möglichkeiten gibt, gegen das Ohrensausen anzugehen. Doch selbst wenn die Ursache nicht bekannt ist, können Sie zahlreiche ganzheitliche Massnahmen umsetzen und damit das unerwünschte Pfeifkonzert abschalten.

Fachärztliche Prüfung: Dr. med. Jochen Handel
Aktualisiert: 21 März 2024

Kostenlosen Newsletter abonnieren

Mit Ihrer Anmeldung erlauben Sie die regelmässige Zusendung des Newsletters und akzeptieren die Bestimmungen zum Datenschutz.

Tinnitus betrifft Millionen Menschen

Viele Millionen Menschen weltweit hören ständig seltsame Töne, die permanent da sein können, aber auch manchmal leiser, dann wieder lauter werden. Man schätzt, dass 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung von mehr oder weniger dauerhaften Ohrgeräuschen betroffen sind ( 1, 2b ). Allein in den USA soll die Zahl der Betroffenen über 15 Millionen betragen (2a), in Deutschland spricht man von 11 Millionen ( 3 ) und in der Schweiz von mehr als einer Million Menschen, die mit einem Klingeln oder Brummen im Ohr leben müssen ( 4 ).

Tinnitus kann den Schlaf rauben ( 5 ) und zu Depressionen führen ( 6 ). Zwar kann ein sog. akuter Tinnitus im Laufe von sechs Monaten von selbst wieder verschwinden, bleibt der Tinnitus jedoch länger bestehen, dann nennt man ihn chronisch. Wir stellen mögliche Auswege vor – Auswege, an die Sie vielleicht noch nicht gedacht haben.

Die Ursachen: Woher kommen die Ohrgeräusche?

Die Geräusche im Ohr können viele Ursachen und Auslöser haben ( 26 ):

Erkrankungen des Ohrs

Mehr als 90 Prozent der Tinnitusfälle werden durch Probleme oder konkrete Erkrankungen des Ohrs verursacht: Ohrenschmalz ( 7 ), Hörsturz, Mittelohrentzündung, Verletzungen, Schläge direkt aufs Ohr, Druckveränderungen, akustisches Trauma (z. B. Silvesterknaller in unmittelbarer Nähe) und selten (!) auch durch eine sog. Otosklerose (Verknöcherung des Steigbügels).

Bei letzterer handelt es sich um eine Erkrankung des Mittelohrs mit unbekannter Ursache. Oft tritt sie nach einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren auf (was einen hormonellen Zusammenhang nahelegt), kann aber genauso auch Männer betreffen. Sie zeigt sich durch schleichende Schwerhörigkeit. Eine Otosklerose kann operativ behandelt werden (Steigbügelimplantat), meist mit gutem Erfolg. Nicht immer verschwindet dadurch das Ohrensausen.

Da eine Otosklerose aber auch mit einer Schwerhörigkeit auf dem betroffenen Ohr einhergeht, treten die Ohrgeräusche nach erfolgter OP aber in den Hintergrund, da man dann wieder gut oder besser hören kann und die Geräusche der Außenwelt den Tinnitus nicht mehr so auffallen lassen.

Kardiovaskuläre Ursachen

Die zweithäufigste Ursache sind Probleme mit dem Herz-Kreislauf-System. Etwa ein Drittel der Patienten mit schwerem Tinnitus leidet an einer oder mehreren Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Drei Viertel dieser Patienten leiden an Bluthochdruck.

Moderne Lebensbedingungen mit Dauer-Alltagslärm in den Städten

Auch die modernen lärmreichen Lebensbedingungen können - insbesondere bei sensiblen Menschen einen Tinnitus und andere Beschwerden verursachen. So leben viele Menschen in einem Umfeld mit Dauerlärm im Alltag, z. B. mit ständigen oft jahrelangen Lärmbelästigungen durch Grossbaustellen oder auch durch Umbauten in Mehrfamilienhäusern durch die Wohnungsnachbarn, dazu womöglich noch Fluglärm durch den nächsten Flughafen mit mehreren hundert Flügen pro Tag.

Dieser Dauerlärm verursacht nicht nur Gesundheitsschäden durch den Lärm an sich, sondern auch durch den Stress, den der Lärm auslöst. Selbst in Naherholungsgebieten sucht man heute oft vergeblich nach Ruhe, da viele Menschen ohne Dauerbeschallung (Musik aus dem Smartphone) die Stille in der Natur offenbar gar nicht mehr aushalten und dann gleich die ruhesuchenden Mitmenschen mitbeschallen. Da sich eine solche Umgebung kaum beeinflussen lässt, ist ein Umzug in ruhigere Regionen hier wohl die einzige Lösung.

Neurologische Störungen oder Kopfverletzungen

Neurologische Erkrankungen (z. B. Nervenentzündungen ( 14 ) oder Kopfverletzungen führen in 5 bis 10 Prozent der Fälle zu einem Tinnitus, z. B. Schädelfrakturen, Ohrknochenbrüche oder auch ein Schleudertrauma nach einem Unfall. Oft tritt das Ohrensausen erst Wochen nach dem Ereignis plötzlich auf.

Nebenwirkungen von Medikamenten

Über 10 Prozent der Tinnitusfälle, insbesondere bei älteren Patienten, sind auf Nebenwirkungen von Medikamenten zurückzuführen - am häufigsten auf Aspirin. Insgesamt sind es über 200 Medikamente, die zu einem Ohrensausen führen können, u. a. die häufig verordneten entzündungshemmenden Schmerzmittel (NSAR), Antibiotika, Antidepressiva und Beruhigungsmittel ( 9 ).

Zahnerkrankungen

Zahnerkrankungen oder Kiefergelenkserkrankungen inkl. Zähneknirschen können Ohrgeräusche verursachen oder verschlimmern. Neben einem Druck im Ohr liegt hier häufig auch eine Überempfindlichkeit im Kiefer vor.

Stoffwechselstörungen

Stoffwechselstörungen gelten als relativ seltene Ursache für Ohrgeräusch. Eine Schilddrüsenüberfunktion verursacht in 4 Prozent der Fälle einen Tinnitus.

Vitamin-A-Mangel

Vitamin-A-Mangel kann eine Ursache sein, ist aber eine seltene Ursache.

Psychische Ursachen

Psychischer Stress kann einen Tinnitus verursachen oder verschlimmern. In einer Studie von 2018 ergab sich, dass von 180 Patienten 117 unter Stresssymptomen litten ( 15 ).

Morbus Menière

M. Menière ist eine Ohrerkrankung, die mit Drehschwindel, einseitigem Hörverlust und Tinnitus einhergeht und vermutlich auf einen Überdruck der Gehörschnecke zurückzuführen ist.

Verspannungen in der Halswirbelsäule

Auch chronische Verspannungen der Halswirbelsäule können Ohrgeräusche begünstigen.

Allergien

Allergien können in manchen Fällen ebenfalls zu den Ursachen gehören ( 8 ).

Tumoren

In seltenen Fällen kann ein Tinnitus auch tumorbedingt sein.

Schwermetallbelastung als Ursache von Ohrgeräuschen

Im Jahr 2016 veröffentlichten kanadische Wissenschaftler einen Review von 49 Studien, in denen man untersucht hatte, ob es wohl eine Verbindung zwischen Gehörerkrankungen und einer Schwermetallbelastung geben könnte ( 16 ). Bei z. B. Cadmium zeigten die Studien einheitlich einen deutlichen Zusammenhang. Bei Arsen, Blei und Quecksilber waren die Ergebnisse widersprüchlich. Dennoch sollten Ärzte und Fachpersonal das Thema Schwermetallbelastung und dessen mögliche Wirkung auf das Gehör beachten.

Eine Studie aus dem Jahr 2020, durchgeführt in der Türkei, bestätigte den negativen Einfluss von Cadmium ( 17 ). Man hatte die Blutwerte in Bezug auf Mangan, Cadmium sowie Chrom und Selen bei 48 Tinnitus-Betroffenen und 40 beschwerdefreien Testpersonen verglichen.

Zusätzlich absolvierten alle Probanden einen Hörtest und die Patienten füllten einen Fragebogen zur Schwere ihrer Problematik aus. Bei den Tinnitus-Patienten wurden sowohl höhere Cadmium- und Mangan-Werte als auch niedrigere Selenwerte gemessen als in der Gruppe der gesunden Teilnehmer. Niedrige Selenwerte wirken sich negativ auf das Gehör aus, können also eine Entstehung der Ohrgeräusche fördern.

Auch bei dieser Studie schlossen die Wissenschaftler, dass Metallkonzentrationen im Blut eine wichtige Rolle bei der Tinnitusenstehung bzw. generell bei Hörbeschwerden spielen können.

Sollte Ihr Arzt also nicht an eine Schwermetallbelastung denken, bitten Sie um entsprechende Untersuchungen. Kümmern Sie sich überdies um eine gute Selenversorgung.

Sollte sich eine Schwermetallbelastung ergeben, lesen Sie in dieser Anleitung zum Entgiften, wie Sie Ihre körpereigenen Entgiftungsfähigkeiten fördern und verbessern können (zusätzlich zur vom Arzt verordneten Entgiftung und in Absprache mit dem Arzt).

Hier erhalten Sie den *Urin-Heimtest Plus (der 17 Metalle misst: zusätzlich zu den genannten Metallen kommen hier noch die folgenden hinzu: Aluminium, Eisen, Platin, Silber, Thalium)

Idiopathischer Tinnitus: Wenn man die Ursache nicht kennt

Liegt eine der oben genannten Ursachen vor, kann man gezielt versuchen, die Ursache zu beheben (wenn möglich). Oft aber findet man die Ursache einfach nicht. Man spricht dann vom idiopathischen Tinnitus.

Beim idiopathischen Tinnitus geht man u. a. von verstärktem oxidativen Stress als Ursache aus, der auch in Studien in Blutuntersuchungen nachgewiesen wurde und zu Schäden der Nerven und Flimmerzellen im Innenohr führen kann. Oxidativer Stress kann überdies den Spiegel des Neurotransmitters Glutamat erhöhen, der wiederum die Bildung weiterer freier Radikale fördert, was zusätzliche Entzündungen und Nervenzellschäden (Nekrosen) im Ohr verursacht (26).

Belasten chronische Entzündungsherde nun die Strukturen des Innenohrs, können sich dort nicht nur Nerven- und Gewebeschäden entwickeln, sondern auch Durchblutungsstörungen. Beides zusammen fördert die Entstehung von Ohrgeräuschen. Der entzündliche Prozess erhöht ausserdem die Menge der Lymphflüssigkeit im Innenohr.

Diese Kombination aus Gewebe- und Nervenzellschäden, mangelhafter Durchblutung und erhöhter Lymphansammlung verstärkt den Druck im Innenohr, was zugleich den Hörnerv so stimuliert, dass das Gehirn ein Geräusch wahrnimmt, wo eigentlich gar keines vorhanden ist: Tinnitus.

Die Diagnose von Tinnitus

Bei Beschwerden sollte zunächst immer ein HNO-Arzt aufgesucht werden, da nur dieser über das notwendige Fachwissen und Instrumente sowie Messgeräte verfügt. Ein Tinnitus gilt als Symptom. Er ist also keine eigene Erkrankung ( 12 ). Daher sollte vor einer körperlichen Untersuchung immer eine gründliche Anamnese des Patienten erfolgen ( 13 ), um mögliche Ursachen herauszufinden.

Wichtig sind hier Angaben zu Kopfverletzungen, andere Probleme mit den Ohren, Schwindel, Zahnprobleme, Nackenbeschwerden, Lärmunfälle wie Knalltrauma, Stress und psychische Belastungen. etc. Auch Angaben zu Lärmbelastungen im privaten oder beruflichen Umfeld sind hilfreich.

Weiterhin ist eine möglichst genaue Beschreibung der Ohrgeräusche hilfreich.

Die anschliessende körperliche Untersuchung besteht aus Ohrmikroskopie sowie einer Untersuchung der Nasennebenhöhlen und des Rachens. Bei pulsierenden Ohrgeräuschen sollte der Blutfluss im Ohr und der Halsschlagader abgehört werden, da es sich dann um einen gefässbedingten Tinnitus handeln kann. 

Zur Diagnose gehören weiterhin unterschiedliche Hörtests (Lautstärke, Frequenz und Sprachhörfähigkeit), Messung des Ohrendrucks, Reflexmessung des Trommelfells, eine Impedanzmessung, das heisst, die Funktionsfähigkeit der Gehörknöchelchen wird überprüft, und die Überprüfung der Funktionsfähigkeit des Hörnervs.

Gegebenenfalls sind weitere Untersuchungen von anderen Fachärzten ratsam oder notwendig. Dazu gehören Zahnärzte, Orthopäden, Internisten, Neurologen und Psychotherapeuten oder Psychiater.

Wie behandelt die Schulmedizin einen Tinnitus?

In der Schulmedizin können bei Ohrgeräuschen die unterschiedlichsten Medikamente eingesetzt werden. Im frühen Anfangsstadium etwa wird mit Cortison therapiert. Mit "Anfangsstadium" ist bereits der dritte Tag gemeint. Kommt es also innerhalb von 48 Stunden nach Auftreten des Tinnitus nicht zu einer selbständigen Rückbildung desselben, wird ein Arztbesuch empfohlen.

In den ersten 3 Tagen erhält man das Cortison hochdosiert (500 mg pro Tag); in den folgenden 7 Tagen reduziert man die Dosis wieder langsam auf Null. Meist wird das Medikament injiziert bzw. per Infusion verabreicht.

Das Problem ist hier nur, dass der Tinnitus nach Absetzen des Cortisons in manchen Fällen wieder zu seiner ursprünglichen Lautstärke und Ausprägung zurückfindet. Bei bereits chronischem Ohrensausen (länger als 3 Monate bestehend) wird kein Cortison eingesetzt - so auch die Patientenleitlinie ( 11 ) (Stand August 2021) der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie e. V.

Andere schulmedizinische Massnahmen sind Beruhigungsmittel, Antikonvulsiva (Mittel, die auch gegen Anfälle eingesetzt werden), Antidepressiva, lokale Betäubungsmittel, Antihistaminika, Antipsychotika und Botox (die Wirkung von Botox zeigt sich oft zufällig, wenn die Patienten Botox wegen anderer Beschwerden erhalten (z. B. in den Kaumuskel gegen Zähneknirschen) und dann zufällig auch der Tinnitus besser wird).

Die meisten dieser Mittel können jedoch starke Nebenwirkungen haben und wirken - genau wie Cortison - eher symptomatisch, beheben die Ursache also nicht.

Naturheilkunde bei Tinnitus

Die Naturheilkunde hält bei Ohrgeräuschen viele Möglichkeiten und Massnahmen bereit, die grösstenteils von jedem Betroffen selbst umgesetzt werden können. Neben der oben genannten Entgiftung bei vorliegender Schwermetallbelastung kommen bei allen Formen des Tinnitus die folgenden Massnahmen in Frage:

Entzündungshemmende Ernährung bei Tinnitus

Wenn bei Tinnitus nun ein Entzündungsprozess vorliegt, sind entzündungshemmende Massnahmen angezeigt. Beginnen Sie bei Ihrer Ernährung und gestalten Sie diese so um, dass Sie ab sofort entzündungshemmend wirkt. Dazu muss sie aus vitalstoff- und antioxidantienreichen Lebensmitteln bestehen, während Zucker, Weissmehlprodukte, Wurst, Käse und andere Fertigprodukte drastisch reduziert werden.

Ihre neuen Grundnahrungsmittel sind Gemüse in allen Variationen, Salate, Avocados, Nüsse, Ölsaaten (Leinsamen, Hanfsamen, Kürbiskerne, Sonnenblumenkerne) und hochwertige Fette und Öle. Ernähren Sie sich also pflanzenbasiert und decken Sie Ihren Proteinbedarf bevorzugt mit pflanzlichen Proteinquellen (z. B. mit Nüssen, Hülsenfrüchten, Erdnüssen, Tofu, Tempeh, pflanzlichen Proteinpulvern).

Wählen Sie Ihre Fettquellen künftig mit Bedacht. Im folgenden Link finden Sie Informationen, welches Fett für welchen Zweck ideal ist. Achten Sie unter anderem bei der Wahl Ihrer Fette und Öle auf ein gutes Omega-6-Omega-3-Verhältnis. Ein Omega-6-Überschuss kann entzündungsfördernd wirken. Reduzieren Sie daher Omega-6-reiche Speiseöle (Sonnenblumenöl, Maiskeimöl, Distelöl). Achten Sie auch auf die Zusammensetzung von Margarinen, falls Sie Margarine nutzen.

Da nur wenige Lebensmittel, die man täglich isst, genügend Omega-3-Fettsäuren enthalten (Leinöl, Hanföl oder die Saaten davon), empfehlen wir die Einnahme von Algenöl, das als pflanzliche Alternative zu Fischöl gilt.

* Sie erhalten hier ein sehr gutes und hochdosiertes Algenöl. Nur 2,5 ml liefern bereits über 1000 mg langkettige Omega-3-Fettsäuren.

Entzündungshemmende Kräuter bei Tinnitus

Nutzen Sie ausserdem entzündungshemmende Kräuter und Gewürze wie Kurkuma, Ingwer, Löwenzahn, Oregano und Knoblauch. Trinken Sie Tee aus * Lapacho, Brennnessel oder Süssholzwurzel, die alle das Immunsystem so stärken, dass es wirksam gegen die Entzündungen vorgehen kann. Die Brennnessel kann auch in Form von hochdosiertem Extrakt eingenommen werden, z. B. * diese Brennnesselextrakt-Kapseln.

Unentdeckte Entzündungsherde finden

Tinnitus kann auch die Folge von Zahnherden (z. B. Entzündungen toter Zähne), Nasennebenhöhlenentzündungen oder anderen chronischen Entzündungen im Kopfbereich sein, so dass die entsprechenden Spezialisten (Zahnarzt, HNO-Arzt etc.) aufgesucht werden sollten, um derartige Entzündungsquellen ausschliessen oder bestätigen zu lassen.

Antioxidantien bei Tinnitus

Bei Früchten sollten Sie besonders jene wählen, die wenig Zucker enthalten, dafür aber reich an Antioxidantien sind, wie Beeren, Papayas, Blutorangen und rosa Grapefruits (letztere nicht, wenn Sie Medikamente nehmen, da die Grapefruit die Wirkung der Medikamente verstärken oder abschwächen kann).

Antioxidantien sind bei Tinnitus deshalb von grosser Wichtigkeit, da bei Entzündungsprozessen gleich welcher Art freie Radikale entstehen bzw. freie Radikale überhaupt erst zur Entstehung der Entzündungen führen können und Antioxidantien diese freien Radikale eliminieren.

Auch antioxidativ wirksame Nahrungsergänzungsmittel können zur Reduzierung entzündlicher Prozesse eingesetzt werden, z. B. Quercetin, Resveratrol, MSM (organischer Schwefel), die oben genannten Omega-3-Fettsäuren oder auch OPC, z. B. in Form von Pinienrindenextrakt (Pycnogenol), dessen Wirkung auf Ohrgeräusche in einer entsprechenden Studie (von 2014) bereits belegt werden konnte:

Pycnogenol bei Tinnitus

Pycnogenol ist der Markennamen für hochwertigen Pinienrindenextrakt. Lesen Sie in vorigem Link alles zu den Eigenschaften und Wirkungen des Extrakts, der offenbar auch bei Ohrgeräuschen hilfreich sein kann.

In einer italienischen Studie mit 55 Patienten zeigte sich nach der Einnahme von täglich 150 mg Pycnogenol nach 3 und 6 Monaten eine signifikante Verbesserung im Vergleich zur Kontrollgruppe mit 52 Patienten.

Nach 3 Monaten waren 45 Prozent in der Pycnogenol-Gruppe frei von Symptomen. Nach 6 Monaten waren es sogar 87 Prozent der Patienten, die dank Pycnogenol ihren Tinnitus los wurden. In der Kontrollgruppe stieg der Anteil der asymptomatischen Patienten nach 3 Monaten auf nur 23 Prozent, nach 6 Monaten auf 34 Prozent, also nicht annähernd so stark an ( 25 ).

Neurofeedback und OPC

Der Wirkstoff von Pycnogenol (siehe voriger Abschnitt) ist OPC. OPC gibt es aus verschiedenen Quellen - aus der Pinienrinde (Pycnogenol) oder aus Traubenkernen (Traubenkernextrakt). Meist spricht man von OPC, wenn der Stoff aus Traubenkernen isoliert wurde. Ein Leser teilte uns mit, dass er täglich 280 mg OPC einnahm und mit 5 Neurofeedbacksitzungen kombiniert hatte, woraufhin sich sein jahrelanger Tinnitus binnen weniger Wochen legte.

Ginkgo bei Tinnitus

Ginkgo biloba gibt es in Form von Blattextrakten, die zwei Hauptwirkstoffe enthalten, Terpenlactone und Flavonoidglycoside. Sie wirken nervenschützend und durchblutungsfördernd (gerinnungshemmend). Ginkgo-Extrakte werden häufig zur Verzögerung von Demenzen, zur Verbesserung des Gedächtnisses, zum Schutz vor stressbedingten Lernstörungen, aber auch bei Ohrgeräuschen eingenommen.

Manche Studien zeigten eine gute Wirkung, andere keine Wirkung – was aber bei einer Problematik, die so unterschiedliche Ursachen und Ausprägungen wie Tinnitus haben kann, nicht verwundern dürfte. Allein von Ginkgo sollte man sich also nicht in jedem Fall eine umfassende Heilung erwarten, doch kann der Extrakt problemlos in die Therapie integriert werden ( 19 ).

Wenn Sie Ginkgo probieren möchten, wählen Sie ein Präparat mit einer Tagesdosis von 120 bis 150 mg Extrakt und achten Sie darauf, dass der Hersteller die Menge der enthaltenen Ginkgolsäuren angeben kann.

Am besten lassen Sie sich ein entsprechendes Präparat verschreiben, da bei Nahrungsergänzungsmitteln selten der Ginkgolsäuregehalt überprüft und angegeben wird. Die maximale Ginkgolsäure-Menge sollte zwischen 0,6 und 1,2 µg liegen. Diese Säuren sollen - wenn sie in höheren Mengen enthalten sind - Allergien auslösen und den Magen schädigen können.

* Hier finden Sie einen Ginkgo-Extrakt

Vitamine und Mineralstoffe bei Tinnitus

Die Überprüfung der persönlichen Vitamin- und Mineralstoffversorgung ist bei Tinnitus wichtiger, als man glauben mag. Eine Kombination verschiedener Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente und ihre Wirkung auf Ohrgeräusche wurde beispielsweise in einer Studie der National and Kapodistrian University in Athen untersucht.

Die Ergebnisse wurden 2019 in Nutrients veröffentlicht ( 22 ). Die 70 Tinnitus-Patienten, die sich als Teilnehmer zur Verfügung stellten, wurden zufällig in zwei Gruppen aufgeteilt und erhielten über 3 Monate ein Multivitaminpräpärat (Inhalt siehe Tabelle unten) oder ein Placebo.

Das Multivitaminpräparat wurde einmal täglich zu einer Mahlzeit eingenommen. Zusätzlich nahmen die Probanden zweimal täglich auf leeren Magen je eine Kapsel mit Alpha-Liponsäure ein (je 300 mg). Die Placebogruppe erhielt dreimal täglich eine Placebo-Kapsel.

In der Vitamin-Gruppe zeigten sich signifikante Verbesserungen in Bezug auf die Ohrgeräusche, z. B. verringerte sich die Lautstärkte deutlich. In der Kontrollgruppe zeigten sich diese Verbesserungen nicht so deutlich.

Das Multivitaminpräparat soll im Handel erhältlich sein, so heisst es in der Studie, doch wurde nicht gesagt, um welches es sich handelt. Es bestand aus den folgenden Vitalstoffen (die Prozentzahl gibt an, zu wieviel die Dosis den empfohlenen Tagesbedarf decken kann). Sobald wir erfahren, um welches es sich handelt, werden wir es hier angeben:

  1. Vitamin A 781 µg (2600 IE) 98 %
  2. Vitamin B1 25 mg 2272 %
  3. Vitamin B2 25 mg 1786 %
  4. Vitamin B3 25 mg 156 %
  5. Vitamin B5 25 mg 417 %
  6. Vitamin B6 (Pyridoxinhydrochlorid) 10 mg 714 %
  7. Vitamin B12 10 µg 400 %
  8. Vitamin C (Ascorbinsäure) 150 mg 188 %
  9. Vitamin D3 10 µg (400 IE) 200 %
  10. Vitamin E (dl-alpha Tocopherolacetat) 100 mg (150 IE) 833 %
  11. Folsäure 200 µg 100 %
  12. Cholin 25 mg
  13. Inositol 25 mg
  14. Biotin 150 µg 300 %
  15. PABA 25 mg
  16. Traubenkernextrakt 500 mg
  17. Calciumphosphat 62 mg 8 %
  18. Eisen 14 mg 100 %
  19. Magnesiumoxid 50 mg 13 %
  20. Kupfergluconat 1,2 mg 120 %
  21. Mangangluconat 4 mg 200 %
  22. Zinkgluconat 15 mg 150 %
  23. Chrompicolinat 200 µg 500 %
  24. Molybdän 500 µg 1000 %
  25. Selen (als L-Selenomethionin und Natriumselenit) 100 µg 200 %
  26. Jod (Kaliumjodid) 150 µg 100 %

Aber auch Einzel-Vitamine haben eine starke Wirkung - ganz besonders dann, wenn zuvor ein Mangel dieses Vitamins vorlag, z. B. bei Vitamin D oder Vitamin B12.

Vitamin B12

Vitamin B12 ist ein wichtiger Bestandteil bei der Bildung der Markscheide, die die Nerven umgibt und abschirmt. Ein Mangel an Vitamin B12 lässt die Nerven anfälliger für durch Entzündungen hervorgerufene Schäden werden, die wiederum den Tinnitus auslösen können, was sich beispielsweise in einer nigerianischen Studie von 2012 mit 139 Probanden im mittleren Alter von 67 Jahren zeigte ( 23 ).

Von den 139 Probanden litten 58 Prozent unter Ohrgeräuschen. Beim Vergleich der Plasmawerte zwischen den Probanden mit und ohne Tinnitus waren die B12-Werte bei den Probanden mit Ohrgeräuschen signifikant niedriger als bei den Probanden ohne. Auch die Melatoninwerte waren niedriger. Beim Vitamin C gab es keine Unterschiede.

Im Jahr 2016 führten indische Wissenschaftler eine doppelblinde, randomisierte und prospektive Studie mit 40 Probanden durch ( 24 ). Sie waren im Alter von 18 bis 60 Jahren und litten unter einem chronischen Tinnitus. Zunächst bestimmte man den Vitamin-B12-Spiegel aller Teilnehmer, dann teilte man sie in zwei Gruppen auf. Gruppe 1 erhielt sechs Wochen lang 1 mal wöchentlich 1ml Methylcobalamin (2.500 µg Vitamin B12) intramuskulär verabreicht. Die zweite Gruppe erhielt als Kontrollgruppe zu gleichen Zeiten eine Kochsalzlösung injiziert.

Es zeigte sich, dass es jenen Teilnehmern, die zuvor einen Vitamin-B12-Mangel hatten, nach der Vitamin-B12-Gabe deutlich besser ging.

Sie können beim Hausarzt oder über einfache Heimtests Ihren Vitamin-B12-Spiegel überprüfen lassen. Bei einem Mangel nehmen Sie ein entsprechendes Präparat ein.

Vitamin D

Natürlich ist auch ein gesunder Vitamin-D-Spiegel wichtig. Ja, ein Vitamin-D-Mangel steht laut einer Studie aus Polen (2021) sogar direkt mit Ohrgeräuschen in Verbindung ( 20 ). Man hat in dieser Studie 201 Patienten und 99 Kontrollpersonen untersucht. Der Vitamin-D-Spiegel der Patienten war im Vergleich zu den Kontrollprobanden zumeist signifikant niedriger. Und auch innerhalb der Tinnitus-Gruppe, litten jene Patienten mit einem Vitamin-D-Mangel stärker unter den Ohrgeräuschen, ihr Schweregrad war somit höher.

In einer ägyptischen Studie aus demselben Jahr stellte man ebenfalls fest, dass Tinnitus-Patienten zu einem grossen Teil unter einem Vitamin-D-Mangel leiden ( 21 ). In dieser Studie war das bei 30 von 35 Patienten der Fall. Eine dreimonatige Nahrungsergänzung mit Vitamin D führte zu einer Verbesserung auf der sog. Tinnitus Handicap Inventory, einer Skala zur Messung der Lebenseinschränkung durch die Ohrgeräusche.

Lassen Sie daher immer auch Ihren Vitamin-D-Spiegel überprüfen. Sollte ein Mangel vorliegen, nehmen Sie das Vitamin ein. Hier erklären wir, worauf Sie bei der Einnahme von Vitamin D achten sollten.

Magnesium

Da Magnesium ein Mineralstoff ist, der u. a. eine entzündungshemmende Wirkung mit sich bringt und in der heute üblichen Ernährung oft nicht in den erforderlichen Mengen vorhanden ist, sollte zunächst der Speiseplan auf seinen Magnesiumgehalt überprüft werden.

Berücksichtigen Sie dabei, dass der Magnesiumbedarf steigt, sobald sich Beschwerden einstellen oder eine Erkrankung vorliegt, so dass man auf eine tägliche Zufuhr von mindestens 400 mg achten sollte. Magnesium ist entzündungshemmend

Verspannungen lösen

Manche Betroffenen erleben eine fast wundersame Verbesserung ihrer Symptome, nachdem sie einerseits physiotherapeutisch betreut wurden, um die Kiefer- und Nackenmuskulatur zu entspannen und andererseits eine sog. Beiss- oder Knirschschiene vom Zahnarzt angepasst bekamen - was natürlich nur funktioniert, wenn sich die Ohrgeräusche aufgrund von Muskelverspannungen entwickelt haben, die durch starkes nächtliches Zähneknirschen entstanden sind. Löst man die Verspannung, verschwinden die Ohrgeräusche.

Probeweise den Schlafplatz wechseln

Aus dem Lager der Geopathologen hört man gelegentlich, dass Ohrgeräusche auch durch eine Belastung mit elektromagnetischen Wechselfeldern ausgelöst werden könne, so dass sich der minimale Aufwand, das Bett einmal an einen anderen Platz zu stellen, durchaus lohnen könnte - insbesondere dann, wenn Sie erst kürzlich umgezogen sind oder Ihr Schlafzimmer in einen anderen Raum verlegt haben und erst anschliessend der Tinnitus auftrat.

Die bimodale Neuromodulation

Wissenschaftler verschiedener Universitäten aus den USA und Europa, darunter auch Regensburg, haben in einer klinischen Studie im Jahr 2020 eine neue mögliche noninvasive Tinnitus-Therapieform erfolgreich getestet - die sog. bimodale Neuromodulation ( 18 ).

Mit einer Kombination aus Geräuschen und einer elektrischen Stimulation der Zunge können die Ohrgeräusche signifikant reduziert werden. 326 Patienten mit subjektivem chronischem Ohrensausen hatten an der Studie teilgenommen. Sie sollten ein Gerät täglich 60 Minuten über 12 Wochen lang nutzen.

Dieses Gerät gibt sowohl Töne an die Ohren als auch eine elektrische Stimulation an die Zunge ab. Der Effekt hielt bis zu 12 Monate an. Die Therapie (einschl. Gerät) kostet jedoch ca. 2700 Euro, was von den Kassen nicht übernommen und auch nicht bezuschusst wird.

Update 7.2.2023

Die oben vorgestellte Studie wird inzwischen vom Fachlichen Beirat der Deutschen Tinnitus-Liga (DTL) als wenig glaubwürdig eingeschätzt, u. a. weil 11 der 13 Studienautoren mit dem Hersteller des Geräts zusammenarbeiteten und überdies eine Placebogruppe fehlte, so dass die beobachtete Besserung tatsächlich auch auf einen Placebo-Effekt hinweisen könnte bzw. auf der zeitgleich durchgeführten Aufklärung der Patienten beruhen könnte.

Die vollständige Stellungnahme der DTL ist leider nur DTL-Mitgliedern zugänglich. Auf der Seite tinnitusheilen.de wird jedoch darüber berichtet, so dass zum jetzigen Zeitpunkt die Therapie nicht empfohlen werden kann ( 27 ).

Die Summ-Therapie bei Tinnitus

Bei Tinnitus – so eine Studie ( 10 ) – kann auch eine Summ-Therapie hilfreich sein. Und zwar schon nach fünf Tagen. Das fanden Forscher des Deutschen Zentrums für Musiktherapie (DZM) in Heidelberg heraus. Sie haben eine sog. Neuro-Musik-Therapie entwickelt.

Komponenten dieser Therapie sind psychosoziale Beratung, Stressmanagement und eine spezielle Musik- bzw. Summ-Therapie. Bei der Summ-Therapie summt der Patient, da das Summen auch solche Töne erzeugt, die genau die Tinnitusfrequenzen treffen. Denn Ohrgeräusche seien die Folge einer oder mehrerer Frequenzen, die der Betroffene nicht mehr so gut hören kann.

Das Gehirn wertet das Gehörte aus, vermisst jetzt aber die fehlenden Frequenzen. Biologe Christoph Krick von der Saar-Universität in Homburg erklärt:

"Da das Gehirn den fehlenden Ton erwartet, aber nicht empfängt, versucht es diesen – analog zu einem Verstärker – lauter zu drehen. Die Folge kann eine Rückkopplung sein, die durch die Selbstanregung als Phantomgeräusch wahrgenommen wird.“

Durch das Summen kann das Gehirn die fehlenden Frequenzen wieder wahrnehmen, die Rückkopplung verschwindet im besten Falle komplett – wie eine Studie von Krick und Kollegen zeigte.

Betroffene unterzogen sich dabei der Summ-Therapie. Als Kontrollgruppe fungierten Menschen ohne Tinnitus. Im MRT zeigte sich schon nach fünf Tagen, dass sich die Gehirnstruktur aller Probanden verändert hatte – sowohl der Kranken als auch der Gesunden.

Bei den Tinnitus-Patienten baute sich während der Summ-Therapie jenes Hirngewebe auf, das infolge der Ohrgeräusche zuvor abgebaut worden war. Hirnzellen wuchsen nach, die das Gehörte verarbeiten. Immerhin 8 Prozent der Probanden litten nach der Summ-Therapie nicht mehr an Ohrgeräuschen, bei 80 Prozent wurden sie nicht mehr als quälend empfunden – ein Ergebnis, das auch drei Jahre nach der Therapie noch Bestand hatte, also nicht nur von vorübergehender Natur war.

Da das Deutsche Zentrum für Musiktherapie im Jahr 2020 schliessen musste (pandemiebedingt), können Sie die Therapie z. B. in der Privatpraxis der einstigen DZM-Ansprechpartnerin für Tinnitus-Betroffene durchführen bzw. dort um eine Beratung und einen Termin bitten: Dr. Heike Argstatter, E-Mail info@musikpraxis-heidelberg.de

🌟 Bewerten Sie unsere Arbeit 🌟

Auf unserem Portal Zentrum der Gesundheit haben wir mittlerweile mehr als 2700 Artikel zu zahlreichen Themen rund um Gesundheit, Ernährung und Naturheilkunde veröffentlicht. Wenn Sie Zeit und Lust haben, freuen wir uns über Ihre Bewertung unseres Portals bei Trustpilot.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.