Im Körper kann Alkohol gebildet werden, der dann zur Fettleber führt

Wer viel Alkohol trinkt, läuft Gefahr, eine Fettleber zu entwickeln. Bei der sog. nicht-alkoholischen Fettleber (NAFLD) hingegen braucht es zur Bildung einer Fettleber keinen Alkohol. Hier führen andere Ursachen zur Fetteinlagerung in der Leber, z. B. ein Übergewicht mit regelmässig zu hoher Kalorienaufnahme, Bewegungsmangel oder ein hoher Kohlenhydratkonsum in Form von häufigen Mehl- und Zuckerspeisen, Fruchtsäften oder Limonaden.

Allerdings gibt es auch Menschen, die weder übergewichtig sind noch übermässig viel Zucker essen, Alkohol schon gar nicht trinken und dennoch eine Fettleber haben. Was ist der Grund dafür?

Forscher entdeckten etwas Seltsames: Bei über 60 % der Patienten, die an einer nicht-alkoholischen Fettleber litten, die also eine Fettleber hatten, obwohl sie so gut wie keinen Alkohol tranken, konnte Alkohol nachgewiesen werden. Wo im Körper dieser Patienten wird der Alkohol gebildet?

Bestimmte Darmbakterien produzieren Alkohol

„Wir waren sehr überrascht, als wir herausfanden, dass es bestimmte Darmbakterien sind, die Alkohol produzieren können“, sagte Studienautorin Jing Yuan vom Capital Institute of Pediatrics in Peking (2). „Sind die auf diese Weise entstehenden Alkoholmengen schliesslich so gross, dass sie vom Körper nicht mehr abgebaut werden können, kann sich eine alkoholische Fettleber entwickeln, obwohl man gar keinen Alkohol trinkt.“

Yuan und ihr Team entdeckten den Zusammenhang zwischen Darmbakterien und der nicht-alkoholischen Fettleber anhand eines Patienten, der grosse Leberschäden hatte, da er an einer seltenen Erkrankung namens Eigenbrauer-Syndrom litt.

Was ist das Eigenbrauer-Syndrom?

Bei dieser Darmerkrankung sind es Hefepilze, die sich aufgrund einer falschen Ernährung, eines geschwächten Immunsystems oder auch nach einer Antibiotika-Therapie übermässig vermehren (Candidose) und nach zuckerreichen Mahlzeiten grosse Alkoholmengen produzieren. Die Betroffenen sind häufig „betrunken“, müssen quasi schuldlos mit sozialer Ächtung leben, da jeder sie für alkoholkrank hält und riskieren schwere Leberschäden, wenn die Krankheit nicht rechtzeitig erkannt wird.

60 Prozent der Fettleber-Patienten haben alkoholproduzierende Darmbakterien

Bei jenem Patienten jedoch waren es keine Hefepilze. Auch halfen ihm keine Anti-Pilz-Medikamente. Eine Stuhlanalyse ergab, dass sich dort bestimmte Stämme von Klebsiella pneumonia befanden, die in der Lage sind, grosse Alkoholmengen zu produzieren. K. pneumonia ist ein sogenanntes faltultativ pathogenes Backterium, das bedeutet es kann unter bestimmten Umständen Krankheiten auslösen. K. pneumonia kommt praktisch überall vor, unter anderem auch in der menschlichen Darmflora. In diesem speziellen Fall waren es Stämme, die vier- bis sechsmal mehr Alkohol herstellen konnten als Klebsiella-Stämme, die man bei gesunden Personen findet.

Nach dieser Entdeckung überprüfte Yuans Team die Darmflora von 43 Personen mit nicht-alkoholischer Fettleber (NAFLD) und von 48 gesunden Personen. Und tatsächlich: 60 % der NAFLD-Patienten beherbergten Klebsiella-Stämme, die hohe oder mittlere Alkoholmengen produzierten. In der Gruppe der gesunden Teilnehmer fand man diese Stämme nur bei 6 %.

Veröffentlicht wurde die Studie im September 2019 im Fachjournal Cell Metabolism (1).

Leber kann sich erholen, wenn der Darm saniert wird

Um nachzuweisen, dass auch wirklich K. pneumonia für die Entstehung der Fettleber verantwortlich ist, besiedelte man den Darm von keimfreien Mäusen mit den alkoholproduzierenden Klebsiella-Stämmen. Schon im ersten Monat entwickelten die Mäuse eine Fettleber, nach zwei Monaten begann sich das Lebergewebe zu verhärten, was auf einen nachhaltigen Leberschaden hinwies. Den abstinenten Mäusen ging es somit genauso schlecht wie Mäusen, die Alkohol erhalten hatten.

Gab man nun der Klebsiella-Gruppe ein Antibiotikum, das die alkoholproduzierenden Bakterien im Darm abtötete, erholten sich die Tiere vollständig und ihre Leber konnte sich wieder regenerieren.

Bei nicht-alkoholischer Fettleber Blut auf Alkohol untersuchen!

„Die nicht-alkoholische Fettleber kann viele unterschiedliche Ursachen haben“, erklärt Yuan. „Unsere Studie zeigt, dass bestimmte Darmbakterien wie K. pneumonia sehr wahrscheinlich einer dieser Gründe sind.“ Während man sich nun für oder gegen Alkoholkonsum entscheiden kann, ist man im Falle der beschriebenen Darmflorastörung praktisch Opfer seiner Darmbakterien und deren Alkoholproduktion. Ja, der Körper ist auf diese Weise ständig gewissen Alkoholmengen ausgesetzt.

Warum sich nun ausgerechnet diese alkoholproduzierenden Darmbakterien beim einen ansiedeln und beim anderen nicht, weiss man noch nicht und soll Thema weiterer Forschungsarbeiten werden.

Bei einer nicht-alkoholischen Fettleber könnte man den Patienten eine Glucoselösung trinken lassen und kurze Zeit später sein Blut auf Alkohol untersuchen. Ist das Ergebnis positiv (natürlich ohne dass der Patient zuvor tatsächlich Alkohol getrunken hatte), sollte der Darm in den Mittelpunkt der Therapie rücken. Denn je eher eine Fettleber erkannt und behandelt wird, umso besser kann sich die Leber wieder erholen.

Probiotika könnten bei nicht-alkoholischer Fettleber helfen

Schon im Jahr 2014 zeigte eine Ratten-Studie, dass die Gabe von Probiotika (nützlichen Darmbakterien) den Fettabbau aus der Leber förderte. Eine Sanierung der Darmflora sollte bei einer Fettleber daher in jedem Fall zum Therapiekonzept gehören. Denn das Ziel heisst hier ja: Nützliche Darmbakterien ansiedeln und schädliche Darmbakterien (wozu zweifelsohne auch die alkoholproduzierenden gehören) verdrängen.

Die von uns bei einer Fettleber empfohlenen Massnahmen können also auch bei jener Form der Fettleber hilfreich sein, an der alkoholproduzierende Darmbakterien beteiligt sind: Sanierung der Darmflora und zuckerfreie Ernährung

Quellen

  1. Jing Yuan, Ruifu Yang, Di Liu et al., Fatty Liver Disease Caused by High-Alcohol-Producing Klebsiella pneumoniae. Cell Metabolism, 2019
  2. Cell Press, Alcohol-producing gut bacteria could cause liver damage even in people who don't drink, ScienceDaily, 19. September 2019

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