Vitamin D: Ursache oder Folge von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen?

Bei Patienten mit chronischen Erkrankungen wird häufig ein Vitamin-D-Mangel festgestellt, auch bei Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.

Es handelt sich hierbei um Darmerkrankungen, die zu den Autoimmunerkrankungen gezählt werden, in Schüben einhergehen und sich in diesen akuten Phasen meist mit schmerzhaften Bauchkrämpfen und Durchfällen äussern. Allein in Europa sind drei Millionen Menschen betroffen.

Oft heisst es nun jedoch, dass der bei diesen Erkrankungen beobachtete Vitamin-D-Mangel eher eine Folge der Erkrankung und weniger eine Mitursache sei, dass also zwar ein Mangel bestehen könne, die Einnahme von Vitamin D aber keine besonderen Auswirkungen habe.

Vitamin D wirkt sich positiv auf die Darmschleimhaut aus

Im November 2018 erschien zu diesem Thema im Fachjournal Medicine eine passende Studie. Schon in der Einleitung schrieben die beteiligten Forscher, dass Vitamin D entzündungshemmende Eigenschaften habe sowie die Regeneration der Darmschleimhaut fördere und damit die Symptome und die Lebensqualität von Menschen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen bessern könne.

Sie führten sodann eine Metaanalyse durch (Analyse der bis zu diesem Zeitpunkt vorhandenen randomisierten und kontrollierten Studien), um das therapeutische Potential von Vitamin D bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen genauer einschätzen zu können und auch um Aussagen zur Sicherheit des Vitamins machen zu können.

Dosierungen und Nebenwirkungen

Insgesamt standen die Daten von 18 Studien mit 908 Patienten zur Verfügung. Es zeigte sich, dass die Gabe von Vitamin-D-Präparaten den Vitamin-D-Spiegel zuverlässig erhöhen konnte, wobei eine Hochdosistherapie den Spiegel besser erhöhte als die Gabe von niedrigen Dosen.

Unter Hochdosistherapie wurden Dosierungen von 1.000 bis 10.000 IE verstanden. Die Forscher weisen ausdrücklich darauf hin, dass offiziell lediglich die Einnahme von täglich 600 IE (maximal 4.000 IE) empfohlen werde, diese niedrigen Dosen aber für Menschen, die bereits einen Mangel hätten, nicht immer ausreichend wären.

Nebenwirkungen wurden nur bei wenigen Untersuchungen aufgeführt und wenn ja, so bei der Hochdosistherapie. Allerdings – so die Forscher – würden die Vorteile dieser Therapie bei weitem überwiegen, da es sich bei den Nebenwirkungen eher um milde Ereignisse handelte, wie Durst, Übelkeit, Mundtrockenheit, Müdigkeit o. ä., wobei sich nicht einmal immer genau sagen liess, ob diese Symptome tatsächlich auf die Vitamin-D-Einnahme zurückgeführt werden konnten.

Vitamin D bessert chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Besonders wichtig war im Ergebnis der vorgestellten Analyse, dass sich durch die Einnahme von Vitamin D die Zahl der Rezidive (die Rückfallrate) verringern liess. Hier zeigte sich jedoch kein Unterschied zwischen hohen und niedrigen Vitamin-D-Dosen. Entscheidend war hier offenbar, dass überhaupt an eine Ergänzung mit Vitamin D gedacht wurde.

Die entsprechenden Wissenschaftler raten in ihrer Schlussfolgerung: Vitamin D sollte zur Therapie von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen empfohlen werden, wenigstens begleitend zur üblichen Therapie.

Wie man Vitamin D dem persönlichen Bedarf gemäss richtig dosiert und einnimmt, haben wir ausführlich hier erklärt.

Quellen

  • Li Jinzhong et al., Efficacy of vitamin D in treatment of inflammatory bowel disease, A meta-analysis, Medicine, November 2018