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Immer früher erlangen junge Mädchen die Geschlechtsreife
Immer früher erlangen junge Mädchen die Geschlechtsreife

Frühe Pubertät durch Chemikalien

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(Zentrum der Gesundheit) - Junge Mädchen geraten immer früher in die Pubertät. Bisher glaubte man, den Schuldigen in kalorienreicher Ernährung und chronischem Bewegungsmangel ausfindig gemacht zu haben. Die wirkliche Ursache könnte jedoch eine ganz andere sein: die Allgegenwart hormonwirksamer Chemikalien.

Mädchen pubertieren immer früher

Der Beginn der Pubertät bei Mädchen in den westlichen Industrieländern findet heute durchschnittlich ein Jahr früher als noch vor zwanzig Jahren statt. Ihre erste Menstruation erleben Mädchen derzeit im Durchschnitt mit zehn Jahren und drei Monaten. Fettreiche Mahlzeiten und die weit verbreitete Couch-Potato-Mentalität sind daran sicher nicht unbeteiligt, doch vermuten immer mehr Wissenschaftler, dass der Beginn der Geschlechtsreife auch von Umweltgiften beeinflusst werden könnte.

Höheres Risiko für Krebs und Diabetes

Bestimmte hormonwirksame Chemikalien können die Wirkung weiblicher Sexualhormone so nachahmen, dass es bei Mädchen zu einer vorzeitigen Pubertät kommen könne, erklärte das Forscherteam der Mount Sinai School of Medicine in New York.

Der Zusammenhang zwischen Chemikalien, mit denen viele Kinder täglich in Berührung kommen, und einer zu früh oder aber auch zu spät einsetzenden pubertären Entwicklung könne – nach den Untersuchungen der New Yorker Wissenschaftler – nicht mehr geleugnet werden.

Ob ein Jahr früher oder später, macht ja nun wirklich nichts aus, könnte man meinen. Doch bringe die frühe pubertäre Entwicklung leider gesundheitliche Nachteile mit sich, da sie das Risiko für Krebserkrankungen und Diabetes im späteren Leben deutlich erhöhe, erklärte das Forscherteam der Mount Sinai School.

Hormonhaushalt steht Kopf – durch Phthalate und Phenole

Über zwei Jahre lang beobachteten die Wissenschaftler 1151 amerikanische Mädchen im Alter von sechs bis acht Jahren und massen regelmässig sowohl deren Chemikalienbelastung (z. B. von Phthalat und Phenol) im Urin als auch deren Phytoöstrogenspiegel.

Phytoöstrogene sind natürliche Substanzen mit östrogenähnlicher Wirkung. Sie sind z. B. in Sojaprodukten oder auch in manchen Ölsaaten und Getreidearten enthalten.

Phthalate sind Chemikalien, die bei der Herstellung von Kosmetika, Klebstoffen, Reinigungsmitteln, Verpackungsmaterialien, Farben und Farbstoffen, pharmazeutischen Produkten, medizinischen Geräten und Spielzeug (inkl. Erotikartikeln aus Weichplastik) verwendet werden. In der EU wurde der Einsatz vom Weichmacher Phthalat zwischenzeitlich aufgrund gesundheitlicher Bedenken wenigstens in kosmetischen Produkten und in Kleinkinderspielzeug verboten, da die Substanz bei Jungen zu einer Verweiblichung, bei erwachsenen Männern zu Unfruchtbarkeit, Übergewicht und Diabetes führen könne.

Zu den Phenolen gehört beispielsweise der berüchtigte Weichmacher Bisphenol A (BPA). Das Einsatzspektrum von BPA ist äusserst vielfältig. Die Chemikalie findet sich in Baby- und Wasserflaschen, in Mobiltelefonen und Computergehäusen, in Beschichtungen von Konservendosen (Thunfisch, Tomatenmark, Bohnen, Suppen etc.), in Getränkedosen und in den Dosen mit pulverisierter Babynahrung.

Immer mehr Studien zeigen, dass BPA zu Hormonstörungen und ausserdem zu Krebs, Geburtsfehlern, Verhaltensstörungen und anderen Erkrankungen führen kann. Lesen Sie mehr über Bisphenol A.

Chemikalienwirkung hängt von Dosis und Position im Körper ab

Die New Yorker Wissenschaftler fanden im Urin der untersuchten Mädchen signifikante Mengen von allen drei Substanzen. Besonders Phthalate und Phytoöstrogene schienen in der Lage zu sein, die Pubertät früher einzuleiten – so die Ergebnisse im Jahr 2010.

Im Januar 2016 aber wurde eine Studie veröffentlicht, die zeigte, dass Soja die schädlichen Auswirkungen des Bisphenol A auf den Hormonhaushalt offenbar kompensieren kann – ob durch die enthaltenen Phytoöstrogene oder durch andere Bestandteile – so dass sich wieder einmal bewahrheitet, dass zwar Umweltchemikalien eindeutig Schadwirkungen haben, Lebensmittel in ausgewogenen Mengen aber nicht.

Während nun Phthalate und Phenole die Pubertät verfrüht einleiten können, gibt es noch andere hormonwirksame Chemikalien, die zu einer Hemmung der körpereigenen Hormonbildung und somit zu einem verspäteten Pubertätsbeginn führen können. Die konkrete Wirkung der Chemikalien sei – so die New Yorker Forscher – von ihrer Dosis und ihrer Position im Körper abhängig.

Vier Regeln zum Schutz der Kinder

Um seine Kinder vor den erwähnten drei Stoffen weitgehend zu schützen, genügt es, einige wenige Regeln zu beachten:

  • Getränke nur in Glasflaschen kaufen
  • Verpackte Lebensmittel weitgehend meiden
  • Frischkost statt Konservennahrung
  • Kosmetik-, Hygiene- und Reinigungsprodukte ausschliesslich im Bioladen oder in entsprechend spezialisierten Online-Shops besorgen.

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