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  • Diabetes-Intervallfasten

Intervallfasten hilft bei Diabetes

Intervallfasten wird zwar gerne als eine Art Diät zur Gewichtsabnahme propagiert, ist aber in Wirklichkeit eine naturheilkundliche Massnahme zur Prävention und Therapie chronischer Erkrankungen, z. B. Diabetes oder Herzerkrankungen. Im November 2021 erschien dazu eine Studie, die zeigte, dass das Intervallfasten bei Diabetes und sogar gegen Entzündungen helfen kann.

Fachärztliche Prüfung: Gert Dorschner
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13 Dezember 2021

Intervallfasten kann Diabetes bessern

In einer Studie vom November 2021 zeigte sich, dass das Intervallfasten die Werte eines Diabetes und auch bestimmte Entzündungswerte bessern kann.

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Das Intervallfasten kann auf unterschiedliche Arten durchgeführt werden. Die bekannteste Form des Intervallfastens ist das 16/8-Fasten. Dabei werden die Mahlzeiten des Tages in ein 8-Stunden-Fenster gepackt, während in den übrigen 16 Stunden nichts gegessen wird (inkl. der Nacht). Eine Kalorienreduzierung ist nicht zwangsläufig vorgesehen.

Eine andere Form des Intervallfastens ist die 5/2-Methode. Dabei isst man an 5 Tagen in der Woche normal, während man an 2 Tagen jeweils nicht mehr als 500 kcal zu sich nimmt, wobei diese beiden Tage nicht hintereinander stattfinden dürfen. Eine intensivere Variante dieser Form ist, dass man an den beiden Fastentagen gar nichts isst, also nur Wasser trinkt, was manchmal auch leichter umsetzbar ist, als jeweils nur sehr kleine Mengen zu essen.

(Hier stellen wir die beliebtesten Methoden des Intervallfastens vor.)

Intervallfasten zur Prävention chronischer Erkrankungen

Schon lange weiss man, dass das Intervallfasten keinesfalls mit einer Diät zum Abnehmen gleichzusetzen ist. Das Intervallfasten ist viel mehr, nämlich eine naturheilkundliche Methode zur Prävention und Therapie von insbesondere chronischen Krankheiten.

Das Intervallfasten aktiviert beispielsweise die sog. Autophagie, die Selbstreinigungsprozesse der Zelle. Je besser die Autophagie funktioniert, umso gesünder ist der Mensch. Auch die Herzgesundheit wird vom Intervallfasten positiv beeinflusst – wie eine Studie von 2019 zeigte. Demzufolge geht es Herzpatienten nicht nur besser, wenn sie das Intervallfasten praktizieren, sie können auch mit einer längeren Lebenserwartung rechnen.

(Lesen Sie hier alles über die häufigsten Fehler beim Intervallfasten und wie Sie diese vermeiden.)

Intervallfasten gegen das metabolische Syndrom

Forscher des Intermountain Healthcare Heart Institute in Salt Lake City zeigten im Herbst 2021 nun im Rahmen des sog. Intermountain's WONDERFUL Trial ( 2 ), einer Studie, die sich den Wirkmechanismen des Intervallfastens widmet, dass der besondere Essrhythmus auch die Werte eines Diabetes Typ 2 sowie das metabolische Syndrom bessern kann. Letzteres ist eine Kombination aus 4 Krankheitsbildern: Bluthochdruck, Insulinresistenz (Diabetes-Vorstufe), hohe Blutfettspiegel und Übergewicht.

Zusätzlich beobachtete man bei den Intervallfastenden eine entzündungshemmende Wirkung. Und da gerade chronische Entzündungsprozesse an der Entstehung wohl jeder chronischen Erkrankung beteiligt sind (von Diabetes über Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zu Autoimmunerkrankungen und einigen Krebsformen), gelten Massnahmen, die nebenwirkungsfrei entzündungshemmend wirken, als äusserst heilsam und präventiv sinnvoll.

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Intervallfasten aktiviert den Körper zum Kampf gegen Entzündungen

Die Wissenschaftler stellten fest, dass das Intervallfasten den Spiegel des sog. Galectin-3 erhöhen kann. Galectin-3 ist ein Protein, das für die Regulierung von Entzündungsprozessen wichtig ist.

„Unsere Studie zeigte, dass das Intervallfasten den Körper dazu aktivieren kann, Entzündungsprozesse besser zu bekämpfen, was dann natürlich auch die entsprechenden Krankheitsrisiken senkt“, erklärte Dr. Benjamin Horne, Studienleiter und Direktor der Abteilung für genetische und Herz-Kreislauf-Epidemiologie am Intermountain Healthcare Heart Institute ( 1 ). Vorgestellt wurden die Ergebnisse der Studie am 13. November bei den American Heart Association's Scientific Sessions 2021, die in diesem Jahr virtuell stattfanden.

So wurde das Intervallfasten durchgeführt

Teilnehmer der Studie waren 67 Patienten zwischen 21 und 70 Jahren, die mindestens ein metabolisches Problem oder einen bereits ausgebildeten Typ-2-Diabetes hatten. Die Teilnehmer sollten (obwohl sie hohe LDL-Cholesterinwerte hatten) weder Statine noch Medikamente gegen Diabetes brauchen.

36 der Probanden sollten nun das Intervallfasten umsetzen – und zwar nach der folgenden Methode:

  1. Vier Wochen lang sollten sie an zwei Tagen pro Woche nur Wasser trinken, also nichts essen bzw. keine Kalorien zu sich nehmen.
  2. An den darauf folgenden 22 Wochen sollten sie nur noch einmal wöchentlich einen solchen Fastentag einlegen. (Bevor die Studienteilnehmer loslegten, hatten einige Mitarbeiter des Forscherteams die Fastenmethode selbst getestet. Man wollte sichergehen, dass sie auch durchführbar ist und die Leute nicht überfordern würde.)

Die übrigen 31 Leute änderten nichts an ihren Ernährungsgewohnheiten und dienten als Kontrollgruppe.

Diabetes besserte sich wie nach der Einnahme von Medikamenten

Nach Ablauf der Studie (nach 26 Wochen) zeigte sich, dass der Galectin-3-Spiegel in der Intervallfasten-Gruppe höher war. Der HOMA-IR-Wert (der die Ausprägung einer Insulinresistenz angibt) war genau wie auch die Werte des metabolischen Syndroms niedriger als in der Kontrollgruppe. Die Besserung dieser Werte war dabei ähnlich gut, wie nach der Einnahme von SGLT-2-Hemmern (auch Gliflozine genannt), einer Arzneimittelgruppe, die bei Diabetikern zur Blutzuckersenkung eingenommen wird.

Selbst gelegentliches Fasten wirkt sich positiv aus

„Höhere Galectin-3-Spiegel könnten dabei helfen, das Risiko für Herzkrankheiten und Diabetes zu reduzieren“, erklärte Dr. Horne. „Im Vergleich zu manchen Intervallfasten-Plänen, die zum Zwecke der Gewichtsabnahme unglaublich streng und einschränkend sind, ist unsere Intervallfastenmethode nicht annähernd so drastisch. Wichtig ist, dass man eine Fastenmethode wählt, die man auch langfristig ohne Probleme durchführen kann. Unsere Studie zeigt, dass selbst nur ein gelegentliches Fasten (1 bis 2 Tage pro Woche) positive Auswirkungen auf die Gesundheit hat.“

Sie sind Sportler und zweifeln daran, ob Sie das Intervallfasten auch mit Ihrem Sport verbinden können? Hier erklären wir, wie Sie dabei vorgehen können und Ihren Sport mit dem Intervallfasten kombinieren können.

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Quellen
  1. (1) Intermountain Healthcare, Low-frequency intermittent fasting prompts anti-inflammatory response, November 2021, MedicalXpress
  2. (2) Ciera L Bartholomew, Benjamin D Horne et al., Randomized controlled trial of once-per-week intermittent fasting for health improvement: the WONDERFUL trial, European Heart Journal Open, Volume 1, Issue 2, September 2021, oeab026