Zentrum der Gesundheit
Künstliche Hüftgelenke begünstigen Tumorwachstum

Künstliche Hüftgelenke begünstigen Tumorwachstum

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(Zentrum der Gesundheit) - Bei Hüftgelenkimplantaten aus Voll-Metall besteht die Gefahr, dass durch deren Abnutzung Metallrückstände in den Körper gelangen und diese das Tumorwachstum fördern.

Metallimplantate geben Grund zu Besorgnis

Die britische Arzneimittelzulassungsbehörde MHRA (Medicines and Healthcare Products Regulatory Agency) verkündete unlängst, sie werde alle 40.000 Patienten, die Hüftgelenkimplantate aus Metall erhalten hatten, auf Metallrückstände im Blut untersuchen lassen. Das sei deshalb nötig, weil sich Metallimplantate abnutzten und sich die Rückstände des Metallabriebes im Körper einlagerten, was gefährliche Folgen haben könne.

Es handelt sich dabei um Implantate mit sog Metall-Metall-Paarungen (abgekürzt auch MoM-Prothesen genannt, wobei MoM vom englischen „Metal-on-Metal“ stammt und „Metall auf Metall“ bedeutet). Bei MoM-Prothesen bestehen sowohl der Hüftkopf als auch die Hüftpfanne aus Metall. Ähnlich riskant seien sog. Kappenprothesen (Oberflächenprothesen am Hüftgelenk). Bei beiden Implantatarten käme es aufgrund von unvermeidbarer Korrosion zum Abrieb von winzigen Metallteilchen, was zu nicht-bösartigen Geschwüren (sog. Pseudotumoren) der Gelenkschleimhaut mit Gewebezerstörung (Nekrose) führen könne.

Die tumorartige Verdickung der Gelenkschleimhaut sei die Folge einer chronischen Entzündung derselben. Diese Entzündung könne ausserdem zu Schäden im benachbarten Knochengewebe führen. Offenbar handle es sich hierbei um eine Überempfindlichkeitsreaktion auf die metallischen Abriebprodukte, die sich in anhaltenden Schmerzen äussere.

Behörden ordnen Austausch von Metallimplantaten an

Alle betroffenen Patienten würden alsbald von ihrem Arzt informiert, so die MHRA, und müssten sich gegebenenfalls einer erneuten Operation unterziehen, damit das risikoreiche Implantat schnellstmöglich durch ein harmloseres Material ersetzt werden könne. Besonders jüngere Patienten seien betroffen, weil bei ihnen bevorzugt die langlebigeren Metallimplantate eingesetzt wurden.

Je jünger die Patienten jedoch sind, umso höher ist die Gefahr, dass durch Implantate nicht nur die betreffende Person geschädigt wird, sondern – im Falle von weiblichen Patienten – auch deren künftige Kinder (siehe unter Metallbelastung bei Neugeborenen).

Pseudotumore durch künstliche Gelenke

Auslöser der ganzen Aufregung war eine Studie von Wissenschaftlern der Orthopädischen Spezialklinik Nuffield in Oxford (Nuffield Orthopedic Center NOC). Sie hatten entdeckt, dass vier Prozent aller Patienten, die Kappenprothesen am Hüftgelenk erhalten hatten, eine erneute Operation benötigten, da sich bei ihnen die erwähnten Pseudotumore entwickelt hatten. Besonders bei Frauen unter Vierzig bestand ein erhöhtes Risiko. Von ihnen benötigten gar 13 Prozent eine neue Operation.

Metallbelastung bei Neugeborenen

Die Zielgruppe für künstliche Gelenke befindet sich bekanntlich meist in einem Alter von weit jenseits der Sechzig, 5 bis 10 Prozent der Operationen werden jedoch an Patienten durchgeführt, die nicht einmal die Fünfzig erreicht haben und sich gar noch im gebärfähigen Alter, also weit unter Vierzig befinden. Nun präsentierten Forscher des Rush University Medical Centers beim jährlichen Meeting der Amerikanischen Akadamie der Orthopädischen Chirurgen in New Orleans Untersuchungsergebnisse, denen zufolge Babys von Frauen mit Metallimplantaten einem erhöhten Gesundheitsrisiko ausgesetzt sein könnten.

Prof. Dr. Joshua Jacobs vom Rush University Medical Center hatte Nabelschnurblutproben von Babys untersucht, deren Mütter zwei bis sechs Jahre vor der Entbindung künstliche Metallgelenke erhalten hatten. Dabei fand das Team um Professor Jacobs eine besonders hohe Belastung mit Chrom und Cobalt. Studien legen die Vermutung nahe, dass beide Metalle in der Lage sein könnten, die Entstehung von Krebs zu begünstigen.

Implantathersteller meldet hohe Misserfolgsquote bei Metallimplantaten

Schon 2008 hatte die MHRA Bedenken zur Sicherheit von Metallprothesen geäussert. Damals hatte man bestimmte Metallhüftgelenkimplantate verdächtigt, bei den Patienten genetische Schäden zu verursachen. Gleichzeitig meldete der Implantathersteller DePuy(1), dass gewisse Produkte aus seinem Hause eine höhere Misserfolgsquote aufwiesen als erwartet und nicht bei Frauen im gebärfähigen Alter eingesetzt werden sollten. Die betreffenden Produkte würden jedoch nicht mehr hergestellt werden. Inzwischen rief Depuy weltweit drei Varianten ihrer Hüft-Endoprothesen zurück

Persönliche Sicherheitsmassnahmen

Wer also kurz vor einer Hüft- oder Kniegelenksoperation steht, kläre unbedingt im Vorfeld ab, welche Materialien zum Einsatz kommen und meide – wenn möglich – Metallprothesen, vor allem MoM-Prothesen. Weitaus sinnvoller ist es natürlich, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Künstliche Gelenke sind meist die letzte Rettung bei einer seit vielen Jahren bestehenden Arthrose oder Osteoporose. Beide Krankheiten lassen sich jedoch in ihren Anfangsstadien und auch oft noch in fortgeschrittenen Stadien erfolgreich mit einer Änderung der Lebens- und Ernährungsweise in den Griff bekommen, so dass eine Prothese erst gar nicht erforderlich werden muss.

Mehr dazu lesen Sie im Text Arthrose.

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(1)DePuy ist einer der weltweit führenden Anbieter auf dem Gebiet der Knie- und Hüftgelenkendoprothetik, der Neuro- und traumatologischen Chirurgie, der Sportmedizin sowie der Wirbelsäulen-, Schulter-, Hand- und Fusschirurgie. DePuy hat in Deutschland zwei Unternehmenssitze (Saarland und Schleswig-Holstein) und gehört seit 1998 zum grössten Gesundheitskonzern der Welt: Johnson & Johnson – Hersteller bekannter Marken wie z. B. bebe, o.b., carefree etc.)



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