Wie Vitamin D und andere Nährstoffe bei COPD helfen können
Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) gehört zu den weltweit häufigsten chronischen Atemwegserkrankungen. Die Atemwege sind verengt, man bekommt schlecht Luft und leidet an chronischem Husten.
Oft verlassen sich Betroffene ausschließlich auf die medizinische Behandlung. Dabei kann man auch selbst sehr viel zur Verbesserung der Situation beitragen – etwa über die Ernährung oder auch eine ausreichende Versorgung mit wichtigen Mikronährstoffen.
Denn nicht selten weisen Menschen mit chronischen Erkrankungen Nährstoffmängel auf, die dann natürlich auch den Krankheitsverlauf beschleunigen und eine Heilung oder Verbesserung vereiteln können.
Lesen Sie gern unseren Artikel Raucherhusten und COPD: Ernährung schützt die Lunge.
Vitamin D kann die Lungenfunktion bei COPD bessern
Bei COPD wird die Lungenfunktion im Verlauf der Erkrankung immer schlechter. Da Vitamine und Mineralstoffe an zahlreichen Stoffwechselprozessen beteiligt sind, die auch für die Lungenfunktion entscheidend sind, untersuchten Wissenschaftler in verschiedenen Studien, ob die Einnahme bestimmter Mikronährstoffe die Lungen unterstützen kann.
In einer 2024 veröffentlichte Meta-Analyse wurden die Ergebnisse aus 43 dieser Studien ausgewertet (1). Insgesamt hatten 4094 COPD-Patienten daran teilgenommen.
Im Mittelpunkt standen Mikronährstoffe wie Vitamin D, Vitamin C, Vitamin E und Magnesium sowie Kombinationspräparate mit Proteinpulver.
Vitamin D verbessert die Lungenfunktion
Die deutlichsten Ergebnisse zeigten sich bei Vitamin D – und zwar u. a. anhand einer verbesserten Einsekundenkapazität (FEV1) gegenüber den Kontrollgruppen um durchschnittlich 6,39 Prozentpunkte.
Die FEV1 gibt an, wie viel Luft innerhalb einer Sekunde ausgeatmet werden kann, und wird bei Lungenfunktionstests als Prozentsatz des individuell erwarteten Normalwerts angegeben.
Letzterer wird für jeden Patienten aufgrund von Alter, Geschlecht, Körpergröße und anderen Faktoren auf erwartete 100 % angesetzt. Hat der Patient dann nur eine FEV1 von z. B. 60 % seines persönlichen Sollwerts, ist seine Lungenfunktion deutlich eingeschränkt. Steigt dieser Wert durch eine Maßnahme beispielsweise auf 66 %, entspricht das einer Verbesserung um 6 Prozentpunkte.
Die erzielten 6,39 Prozentpunkte sind daher ein sehr positives Ergebnis.
Auch das Verhältnis zwischen FEV1 und FVC verbesserte sich in den Vitamin-D-Gruppen um durchschnittlich 6,88 Prozentpunkte.
FVC steht für Forced Vital Capacity und bezeichnet das maximale Luftvolumen, das nach tiefem Einatmen so schnell und kräftig wie möglich wieder ausgeatmet werden kann, also nicht nur in 1 Sekunde – wie beim FEV1 – sondern solange das Ausatmen eben dauert.
Das Verhältnis der beiden Werte zeigt, wie stark die Ausatmung durch die Atemwegsverengung eingeschränkt ist.
Weniger Krankheitsschübe durch Vitamin D
Darüber hinaus traten in den Vitamin-D-Gruppen weniger Schübe, also akute Verschlechterungsphasen auf als in den jeweiligen Kontrollgruppen. Die Wahrscheinlichkeit für einen Schub war um etwa 64 Prozent reduziert.
Die eingesetzten Vitamin-D-Dosierungen unterschieden sich in den einzelnen Studien allerdings erheblich:
- In zwei Studien wurden 6 Monate lang täglich 1200 oder 2000 IE Vitamin D3 genommen.
- In zwei weiteren nahmen die Leute 100.000 IE einmal monatlich 6 bzw. 12 Monate lang.
- In einer Studie waren es 12 Monate lang 16.800 IE pro Woche.
- Und in einer weiteren Studie waren es 1 Jahr lang 120.000 IE alle zwei Monate.
Wir raten stets: Lassen Sie erst Ihren aktuellen Vitamin-D-Status bestimmen und legen Sie dann die für Sie persönlich benötigte Vitamin-D-Dosis fest.
Informationen dazu finden Sie im Artikel Vitamin D – Die richtige Einnahme.
Die einzelne Gabe von Vitamin C oder E brachte keine Veränderung
Wenn in manchen der überprüften Studien allein die Vitamine C und E eingenommen wurden, brachte dies in Bezug auf Lungenparameter keine Veränderung. Untersucht wurden z. B. täglich 250 bis 1000 mg Vitamin C beziehungsweise 200 bis 400 mg Vitamin E über unterschiedliche Zeiträume.
Kombinationspräparate bessern den Zustand bei COPD indirekt
Zusätzlich wurden Kombinationspräparate geprüft – also Kombinationen aus Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen (Vitamine A, C, D und E mit Zink, Selen, Eisen und Magnesium u. a.) sowie die Kombination mit einem Proteinpulver.
Risiko für Virusinfekte sinkt
Eine gute Versorgung mit all diesen essenziellen Vitalstoffen ist ein wichtiger Faktor zur Prävention von COPD, aber auch zur Vorbeugung von Virusinfektionen.
Besteht bereits eine COPD, führen gerade Virusinfektionen häufig zu einer Verschlechterung, so dass Infekte bestmöglich vermieden werden sollten, wobei die typischen Mikronährstoffkombinationen helfen können.
Zur Kombination raten die Wissenschaftler u. a. deshalb, weil Nährstoffe gemeinsam oft besser wirken als einzeln. Sie fördern gegenseitig ihre Bioverfügbarkeit (Aufnahme im Darm) und verstärken auch gegenseitig ihre Wirkung, z. B. Vitamin C und Vitamin E sowie Vitamin D und Calcium.
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Optimierte Mikronährstoffversorgung verbessert langfristig auch Lungengesundheit
Oft wollen Mikronährstofftherapeuten auch nicht in erster Linie einzelne Lungenwerte verbessern, sondern zunächst den Ernährungsstatus des Patienten optimieren oder Entzündungswerte reduzieren, was dann wiederum indirekt das Befinden, die Lebensqualität und letztendlich auch die Lungengesundheit verbessert.
Wichtig bei COPD: Muskelschwund therapieren und vorbeugen
Bei Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung kommt es außerdem häufig zu einem beschleunigten Muskelschwund, einem Verlust der Muskelkraft und der körperlichen Leistungsfähigkeit.
Denn aufgrund der Atemnot bewegt man sich weniger; chronische Entzündungen und ein veränderter Stoffwechsel fördern den Muskelabbau zusätzlich. Schwache Muskeln verbrauchen wiederum mehr Sauerstoff und arbeiten ineffizienter, was die Atemnot bei Belastung weiter verschlimmert. Ein Teufelskreis entsteht.
Studie: Proteinpulver mit Vitamin D reduziert Muskelabbau bei COPD
In einer Studie von 2026 wurde daher über 16 Wochen hinweg ein Proteinshake aus einem Proteinpulver und Vitamin D bei 80 COPD-Patienten untersucht (2). Weitere 83 Patienten erhielten ein Placebo.
Der Proteinshake war ein 250-ml-Getränk aus Wasser, 400 IE Vitamin D3 und 12,5 g Wheyprotein (= Molkenprotein mit u. a. 3 g BCAA). BCAA sind Aminosäuren, die sich besonders gut auf den Muskelaufbau auswirken). Der Shake wurde zweimal täglich getrunken – und zwar als Zwischenmahlzeit um 9 und um 16 Uhr.
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Kraft, Geschwindigkeit und Mobilität nehmen zu
Das Ergebnis war ermutigend: Auch ohne Training verbesserte das Präparat die Leistungsfähigkeit und Muskelkraft der Teilnehmer.
Ihre Handgriffstärke und die Gehgeschwindigkeit nahmen zu – und der Gesamtwert der SPPB stieg. Letzteres ist ein standardisierter Mobilitätstest. Er misst über drei einfache Tests, wie fit und beweglich man im Alltag ist:
1. Gleichgewicht im Stehen, 2. Geh-Tempo und 3. wie schnell man fünfmal ohne Hilfe von einem Stuhl aufstehen kann.
Zudem sank durch die Supplementierung die CAF22-Konzentration. CAF22 ist ein Blutwert, der steigt, wenn die Verbindungsstellen zwischen Nerven und Muskeln (die neuromuskulären Endplatten) beschädigt werden und zerfallen.
Sinkt der Wert, weist dies darauf hin, dass der Muskelabbau reduziert oder gestoppt wurde und sich die Nerv-Muskel-Verbindungen erholen konnten.
Vitamin-D-Spiegel steigt trotz der geringen Dosis
Trotz der geringen Vitamin-D-Dosis stieg auch der Vitamin-D-Spiegel im Blut, während der CRP-Wert (Entzündungsmarker) abnahm. In der Placebogruppe wurden keine entsprechenden Verbesserungen beobachtet.
Sobald wie möglich sollten Betroffene natürlich dennoch Lungensport und/oder gezieltes Krafttraining umsetzen. Denn erst dann kann ein Proteinpulver seine volle Wirkung entfalten.
Lesen Sie gerne auch unseren umfassenden Artikel zu COPD und die ganzheitliche Therapie: COPD verstehen - Chronische Lungenerkrankung im Überblick.
Fazit: Wichtig bei COPD – Vitamin D und andere Nährstoffe
Bei COPD (und allen chronischen Erkrankungen) ist eine gute Versorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen, aber auch Aminosäuren enorm wichtig. Eine Nahrungsergänzung hilft dabei, die benötigten Nährstoffe auch in der benötigten Menge aufzunehmen.
Das Infektrisiko und Entzündungen werden reduziert, die Muskulatur wird gekräftigt, die Lungenfunktion gestärkt und schließlich wird auch der Allgemeinzustand stabilisiert.