Zentrum der Gesundheit
  • Schnittlauch im Garten
09 September 2022
8 min

Schnittlauch: Das kulinarische Wunder der Kräuterwelt

Der Schnittlauch ist das Sahnehäubchen auf vielen Gerichten. Einst war er eine anerkannte Heilpflanze. Denn er wirkt sich äusserst positiv auf den Blutdruck, den Blutzucker und auch den Cholesterinspiegel aus. Zusätzlich liefert er Chlorophyll und heilsame Schwefelverbindungen, so dass er zur Entgiftung beitragen kann.

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Schnittlauch steigert den Genuss

Es gibt unzählige Speisen, bei denen der Schnittlauch tonangebend und das berühmte Tüpfelchen auf dem i ist. Was wären Gerichte wie Gemüsebrühe, Spätzle, Kartoffelsalat, Knödel oder das einfache Butterbrot ohne die frische Würze des Schnittlauchs?

Der Schnittlauch (Allium schoenoprasum) gehört wie seine Geschwister Knoblauch, Lauch und Zwiebel zu den Lauchgewächsen. Sie finden aufgrund ihres mehr oder weniger scharfen Aromas bereits seit Jahrtausenden in der Küche Verwendung. Heute zählt der Schnittlauch im deutschsprachigen Raum neben der Petersilie zu den beliebtesten Küchenkräutern.

In Asien, Europa und Nordamerika gedeiht der Schnittlauch in den kaltgemässigten Zonen als Wildpflanze. Lange wurden die röhrenförmigen Blätter auf Feuchtwiesen, an Seeufern und Flussbänken eingesammelt und als Würzkraut und Arzneimittel angewandt.

Schon die Römer schätzten den Schnittlauch

Schon die alten Römer wussten den Schnittlauch sehr zu schätzen. So wurde die Heilpflanze gern verwendet, um Sonnenbrand und Halsschmerzen zu lindern, den Körper zu entwässern und den Blutdruck zu regulieren. Darüber hinaus galt der Schnittlauch als magische Pflanze, die von Wahrsagern genutzt wurde. Häuser wurden mit getrockneten Blattbündeln geschmückt, um Krankheiten und das Böse vom trauten Heim abzuwehren.

Quellen zufolge wird der Schnittlauch in Europa nun bereits seit dem Mittelalter kultiviert. Kräuterhexen verwendeten die würzigen Blätter einerseits, um Gespenster zu vertreiben und andererseits, um Magen-Darm-Beschwerden zu kurieren. Doch anders als die Zwiebel und der Knoblauch zählt der Schnittlauch hierzulande inzwischen zu den vergessenen Heilpflanzen.

Der Nährwert im Schnittlauch

Der Schnittlauch enthält pro 100 Gramm die folgenden Nährwerte:

  1. Brennwert: 28 kcal / 119 kJ
  2. Wasser: 86 g
  3. Eiweiss: 3.58 g
  4. Kohlenhydrate: 1.59 g
  5. Ballaststoffe: 6 g
  6. Fett: 0.74 g

Die Vitamine und Mineralstoffe im Schnittlauch

Der Schnittlauch liefert natürlich auch Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, was sich jedoch etwas relativiert, da die wenigsten Menschen viel Schnittlauch essen, sondern meist nur wenige Gramm.

Sie können vom Schnittlauch jedoch problemlos auch grössere Mengen essen, z. B. auf einmal einen ganzen Bund (der meist auch nicht so viel wiegt (ca. 30 g)). Der Schnittlauch ist nicht giftig und kann daher nach Lust und Laune verspeist werden.

Im folgendem PDF finden Sie die Tabelle aller Vitamine und Mineralstoffe im Schnittlauch.

Vitamin K senkt das Osteoporose-Risiko

Lediglich vom Vitamin K enthält der Schnittlauch so viel, dass bereits 15 g Schnittlauch ausreichen, um den Tagesbedarf zu decken. Dieser liegt für Erwachsene zwischen 65 und 80 µg. Und 15 g Schnittlauch enthalten 84 µg Vitamin K.

Vitamin K erfüllt im Körper viele wichtige Funktionen. So hat eine Studie an der Harvard Medical School mit mehr als 72.000 Probandinnen zwischen 38 und 63 Jahren gezeigt, dass Frauen, die relativ viel Vitamin K zu sich nahmen, ein um rund 30 Prozent geringeres Osteoporose-Risiko hatten ( 13 ). Forscher von der Tufts University kamen zum selben Schluss: Mit Lebensmitteln aufgenommenes Vitamin K erhöht die Knochendichte und beugt Knochenbrüchen vor ( 15 ).

Da verwundert es doch, dass in Leitlinien zur Osteoporose-Behandlung keine diesbezüglichen Empfehlungen zu finden sind, obgleich die positive Wirkung von Vitamin K in puncto Knochengesundheit von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit längst bestätigt wurde.

Anwendungen von Schnittlauch in der Volksheilkunde

Der Schnittlauch hat eine blutreinigende, harntreibende und schleimlösende Wirkung ( 2 ). Laut einer Studie an der Punjabi University in Indien haben die Röhrenblätter ausserdem antientzündliche sowie antioxidative Eigenschaften und können das Risiko für Bluthochdruck und Krebs senken ( 1 ) ( 3 ) ( 4 ). Die Forscher liessen verlauten, dass der Schnittlauch bei diesen Beschwerden medizinisch durchaus von Bedeutung sei.

In der Volksheilkunde wird der Schnittlauch z. B. bei folgenden Leiden empfohlen:

  1. Appetitlosigkeit
  2. Darm- und Magenleiden (z. B. CED und Blähungen)
  3. Frühjahrsmüdigkeit
  4. Gicht
  5. Husten

Für die Heilkraft und die Gesundheitsförderung des Schnittlauchs werden – neben den vielen Vitaminen und Mineralstoffen – vordergründig die enthaltenen Schwefelverbindungen, aber auch die sekundären Pflanzenstoffe, das Chlorophyll und die ätherischen Öle verantwortlich gemacht ( 5 ).

Chlorophyll im Schnittlauch

Schnittlauch zählt im weitesten Sinne zu den grünen Blattgemüsen und ist daher eine sehr gute Chlorophyllquelle. Chlorophyll ist ein äusserst heilsamer Pflanzenstoff mit antioxidativen, entzündungshemmenden, entgiftenden und darmfloraregulierenden Eigenschaften. Der Pflanzenstoff schützt die Leber vor Schimmelpilzgiften, hilft bei der Entgiftung von Schwermetallen und kann zudem schlechte Gerüche absorbieren.

Der Pflanzenstoff wird daher häufig bei Mundgeruch oder anderweitig schlechten Körpergerüchen eingesetzt. Selbst die Gerüche von Blähungen und Stuhl werden durch Chlorophyll gemildert, weshalb der grüne Stoff immer häufiger in der Altenpflege zur Anwendung kommt.

Schwefelverbindungen und Antioxidantien

Zu den wichtigsten schwefelhaltigen Verbindungen des Schnittlauchs zählt das Isoalliin, das auch in der Zwiebel steckt und beim Schneiden derselben zu Tränenvergiessen führen kann. Dies beruht darauf, dass Isoalliin durch die Verletzung der Zellstruktur in Kontakt mit dem Enzym Alliinase kommt, wodurch der zu Tränen reizende Stoff entsteht.

Heilsam bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Schwefelverbindungen weisen eine ganze Reihe von gesundheitlichen Effekten auf. So sollen sie den Cholesterinspiegel, den Blutdruck und den Blutzucker senken sowie Arteriosklerose, Schlaganfall und Herzinfarkt vorbeugen. Es kommt also nicht von ungefähr, dass Lauchgewächse in der traditionellen Medizin bereits seit Jahrtausenden bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt werden.

Blutverdünnender Effekt

Eine Studie argentinischer Forscher hat beispielsweise gezeigt, dass Lauchgewächse diesbezüglich präventiv wirken, da sie einerseits antioxidative Eigenschaften haben und andererseits das Zusammenklumpen der Blutplättchen hemmen, also blutverdünnend wirken. Die Plättchenverklumpung ist zwar für die Blutstillung lebensnotwendig, kann aber auch zu Blutgerinnseln und folglich zu Herzinfarkt und Schlaganfall führen.

Die Wissenschaftler untersuchten neben dem Schnittlauch auch den Knoblauch und die Schalotte. In Bezug auf die Blutverdünnung hatten die beiden zuletzt genannten die intensivste Wirkung. Der Schnittlauch hingegen wies dank seines hohen Polyphenolgehalts das stärkste antioxidative Potential auf ( 12 ).

Schnittlauch in der Krebsprävention

Laut einer Übersichtsarbeit am Chittaranjan National Cancer Institute in Indien haben bereits viele epidemiologische Studien gezeigt, dass durch den regelmässigen Verzehr von Lauchgewächsen das Krebsrisiko gesenkt und eine Reihe von Tumorerkrankungen – insbesondere Magen- und Darmkrebs – positiv beeinflusst werden können ( 7 ). Dies konnte auch durch Laborstudien bestätigt werden ( 8 ) ( 9 ) ( 10 ).

Die Anti-Krebswirkung wird in erster Linie auf die schwefelhaltigen Verbindungen zurückgeführt, da diese dem oxidativen Stress und den freie Radikalen entgegenwirken, die Darmflora regulieren und den Körper vor krebsauslösenden Stoffen schützen. Zudem werden Mutationen im Erbgut unterbunden sowie das Krebswachstum und die Neigung zur Metastasierung unterdrückt.

Im Schnittlauch stecken ferner die sekundären Pflanzenstoffe Quercetin und Kaempferol ( 16 ) ( 17 ) (ein Phytoöstrogen), die ebenfalls der Krebsprävention dienen können. Es macht also Sinn, das leckere Gewürzkraut und auch seine Verwandten vermehrt in den Speiseplan einzubauen.

Schnittlauch sollte frisch und knackig sein

In Deutschland liegt die Anbaufläche von Schnittlauch bei über 600 Hektar und ist damit fast so gross wie jene von Rucola mit gut 800 Hektar. Meist wird der Schnittlauch in Gewächshäusern kultiviert und kann praktisch in jedem Lebensmittelgeschäft gekauft werden.

Achten Sie darauf, dass die Röhrenblätter frisch aussehen, durchwegs eine leuchtende grüne Farbe haben (und nicht schon gelb oder welk werden) und frei von Schimmel und eingetrockneten Enden sind.

Bio-Schnittlauch ist die bessere Wahl

Am besten ist es, wenn Sie auf Bio-Schnittlauch zurückgreifen. Denn laut Analysen des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zählen frische Kräuter zu den am häufigsten beanstandeten Lebensmitteln ( 18 ). Im Jahr 2015 wurden Schnittlauch, Dill, Oregano und Rosmarin verstärkt kontrolliert. Die meisten mit Pestiziden belasteten Kräuterproben stammten aus Deutschland ( 11 ).

Schnittlauch immer roh und frisch essen

Der Kauf von getrocknetem Schnittlauch lohnt sich kaum. Denn bei der Trocknung verliert er stark an Aroma und auch viele seiner wertvollen Inhaltsstoffe. Ähnlich verhält es sich beim Kochen, so dass der Schnittlauch am besten roh verzehrt werden sollte.

Drei Tage im Kühlschrank lagern oder einfrieren

Sie können den Schnittlauch prima ungefähr drei Tage im Gemüsefach Ihres Kühlschranks lagern. Haben Sie eine grössere Menge Schnittlauch zu Hause, können Sie ihn länger konservieren, indem Sie ihn portionsweise einfrieren, z. B. in Eiswürfelformen.

Schnittlauch selbst anbauen

Wenn Sie jederzeit auf frischen Bio-Schnittlauch zurückgreifen möchten, können Sie ihn fast das ganze Jahr über im Garten, auf dem Balkon bzw. auch in der Wohnung auf einer hellen Fensterbank kultivieren. Die Gewürzpflanze ist absolut pflegeleicht und kann darum selbst von Menschen angebaut werden, deren Daumen nicht zu den grünsten gehören.

Alles, was der Schnittlauch benötigt, ist ein sonniger bis halbschattiger Standort, ein durchlässiger, lockerer Boden und im Sommer regelmässige Wassergaben. Im Garten sollte der Schnittlauch alle drei Jahre geteilt werden (mit dem Spaten). Auch Topfpflanzen teilt man regelmässig.

Dazu wird der Schnittlauch aus dem Topf geholt und sein Wurzelballen einfach mit einem scharfen Messer auseinandergeschnitten. Anschliessend werden die Teile in neue Töpfe gepflanzt und kräftig angegossen.

Die unterschiedlichen Schnittlauchsorten

Es gibt diverse Schnittlauchsorten, die sich insbesondere in der Dicke ihrer Blätter, aber auch im Hinblick auf ihr Aroma oder der Blütenfarbe voneinander unterscheiden. Die wunderschönen Blüten erstrahlen meist in Rosa- oder Violetttönen (z. B. die Sorte Forescate), es gibt aber auch weissblühende Sorten (z. B. Elbe).

Schnittlauchblüten sind essbar

Frische Schnittlauchblüten sind eine Delikatesse und können verwendet werden, um Speisen aller Art zu dekorieren.

Rezepte mit Schnittlauch

Der Schnittlauch ist ein sehr vielseitiges Gewürz, da er praktisch mit jedem Lebensmittel kombiniert werden kann. Sie finden auf unserer Seite viele Rezepte mit dem Schnittlauch. Geben Sie in unserer Rezepte-Rubrik einfach "Schnittlauch" ins Suchfeld.

Sie können den Schnittlauch schon zum Frühstück essen, etwa zum Vollkornbrot mit Gemüseaufstrich oder zum veganen Rührei.

Der Schnittlauch harmoniert ausserdem besonders gut mit anderen Kräutern. Gemeinsam mit Petersilie, Kerbel und Estragon zählt er in der Küche Frankreichs zu den sogenannten "fines herbes", was die Bezeichnung einer klassischen französischen Kräutermischung darstellt.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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Quellen
  1. (1) Singh V et al, Allium schoenoprasum L.: a review of phytochemistry, pharmacology and future directions, Nat Prod Res, August 2017
  2. (2) Stajner D et al, Comparative study on Allium schoenoprasum cultivated plant and Allium schoenoprasum tissue culture organs antioxidant status, Phytother Res, November 2011
  3. (3) Parvu AE et al, Anti-inflammatory effects of Allium schoenoprasum L. leaves, J Physiol Pharmacol, April 2014
  4. (4) Sharifi-Rad J et al, Plants of the genus Allium as antibacterial agents: From tradition to pharmacy, Cell Mol Biol (Noisy-le-grand), August 2016
  5. (5) Mnayer D et al, Chemical composition, antibacterial and antioxidant activities of six essentials oils from the Alliaceae family, Molecules, Dezember 2014
  6. (6) Zeng Y et al, Therapeutic Role of Functional Components in Alliums for Preventive Chronic Disease in Human Being, Evid Based Complement Alternat Med, Februar 2017
  7. (7) Sengupta A et al, Allium vegetables in cancer prevention: an overview, Asian Pac J Cancer Prev, Juli - September 2004
  8. (8) Guercio V et al, Gastric cancer and allium vegetable intake: a critical review of the experimental and epidemiologic evidence, Nutr Cancer, Mai 2014
  9. (9) Bianchini F et al, Allium vegetables and organosulfur compounds: do they help prevent cancer?, Environ Health Perspect, September 2001
  10. (10) Le Bon AM et al, Organosulfur compounds from Allium and the chemoprevention of cancer, Drug Metabol Drug Interact, Januar - April 2000
  11. (11) Verbraucherzentrale Niedersachsen, Welche Lebensmittel sind mit Pestiziden belastet?, 2015
  12. (12) Beretta HV et al, Relationships Between Bioactive Compound Content and the Antiplatelet and Antioxidant Activities of Six Allium Vegetable Species, Food Technol Biotechnol, Juni 2017
  13. (13) Feskanich D et al, Vitamin K intake and hip fractures in women: a prospective study, Am J Clin Nutr, Januar 1999
  14. (14) Souri E et al, The antioxidant activity of some commonly used vegetables in Iranian diet. Fitoterapia, September 2004
  15. (15) Booth SL et al, Dietary vitamin K intakes are associated with hip fracture but not with bone mineral density in elderly men and women. Am J Clin Nut, Mai 2000
  16. (16) Starke H et al, Flavonols and flavones of vegetables. VII. Flavonols of leek, chive and garlic, Z Lebensm Unters Forsch, Januar 1976
  17. (17) Allen Y. Chen et al, A review of the dietary flavonoid, kaempferol on human health and cancer chemoprevention, Food Chem, Juni 2013
  18. (18) Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Zusammenfassung: Nationale Berichterstattung Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln 2015, März 2017