Brokkoli-Sprossen im Einsatz gegen Krebs

Brokkoli-Sprossen können in die Krebs-Therapie einbezogen werden, wie Forscher des Unversitätsklinikums Heidelberg um Professor Ingrid Herr empfehlen. Sie stellten fest, dass Brokkoli-Sprossen grosse Mengen eines krebsbekämpfenden Stoffes - Sulforaphan - enthalten, der (bei Pankreaskrebs in Vitro) sogar Krebsstammzellen töten kann, was die derzeit bei dieser Krebsform eingesetzte Chemotherapie nicht kann, so dass die beiden Therapien laut Professor Herr kombiniert werden sollten.

Bis aus Sulforaphan nun ein Medikament entwickelt sein wird, so rät Herr, kann man täglich 1 bis 3 Teelöffel frische Brokkoli-Sprossen essen. Die Sprossen kann man sehr einfach zu Hause in einem Keimglas oder einer Keimschale aus Brokkoli-Samen ziehen.

Brokkoli-Sprossen-Pulver verlängert Lebenszeit bei inoperablem Pankreaskrebs im Endstadium

Aus epidemiologischen Studien weiss man, dass das Krebsrisiko sinkt, wenn man regelmässig Kreuzblütengemüse (Brokkoli, Kohl, Rettich, Radieschen, Kresse, Rucola etc.) isst (3).

Tierstudien (z. B. vom März 2018 (4)) zeigen, dass Brokkoli-Sprossen die Prostatakrebsentstehung verzögern können. Tritt Krebs dennoch auf, dann sorgen sie dafür, dass dieser weniger aggressiv verläuft.

Im Juni 2019 erschienen zudem die Ergebnisse einer ersten klinischen Studie von Professor Herr im Fachmagazin Investigational New Drugs(2). Teilnehmer waren 40 Patienten mit nicht operierbarem Pankreaskrebs im Endstadium. Sie erhielten nur noch zu Palliativzwecken eine Chemotherapie. Zusätzlich gab man 29 der Patienten täglich 15 Kapseln mit pulverisierten Brokkoli-Sprossen (90 mg Sulforaphan), die übrigen 11 erhielten ein Placebo-Präparat. Die Einnahmedauer sollte 1 Jahr betragen.

Nach 3 Monaten lebten noch alle Patienten in der Brokkoli-Sprossen-Gruppe, in der Placebo-Gruppe waren bereits 25 Prozent der Teilnehmer verstorben. Nach insgesamt 6 Monaten waren 43 Prozent der Placebo-Patienten verstorben und 25 Prozent in der Brokkoli-Sprossen-Gruppe.

Die Studie zeigte, dass ein rein pflanzliches Präparat aus nichts weiter als Brokkoli-Sprossen bei Patienten, denen die Schulmedizin nicht mehr helfen konnte, immerhin die Lebenszeit verlängern konnte. Wie gut mag der Pflanzenstoff dann wohl präventiv oder bei noch behandelbarem Krebs wirken?

Brokkoli gegen Krebs, Alzheimer und Arthritis

Bisher stand der Brokkoli (das Gemüse) und nicht seine Sprossen im Fokus der Wissenschaft. Er kann im Körper die Bildung eines Stoffes (Indol-3-Carbinol) anregen, der nicht nur Krebs vorbeugt, sondern auch bestehenden Krebs bekämpfen kann.

Das oben genannte Sulforaphan ist eine weitere Krebs bekämpfende Substanz, die ausserdem bei der Behandlung von Alzheimer helfen kann und ganz nebenbei auch noch jene Enzyme blockiert, die Arthritis verursachen.

Brokkoli gemeinsam mit Brokkoli-Sprossen: Doppelter Krebsschutz

Bei einer Untersuchung fand ein Forscherteam der Universität von Illinois dann jedoch heraus, dass Brokkoli in Kombination mit Brokkoli-Sprossen verzehrt, die Krebs bekämpfenden Effekte des Kreuzblütler-Gemüses fast verdoppelt.

Prof. Elizabeth Jeffrey und ihre Kollegen verglichen die Sulforaphan-Blutwerte verschiedener Testgruppen von Männern, deren Mahlzeiten entweder ausschliesslich Brokkoli-Sprossen, Brokkolipulver oder beides zusammen enthielten. Dabei fanden die Wissenschaftler heraus, dass nur drei Stunden nach Beendigung der Mahlzeit jene Versuchsteilnehmer, die sowohl das Pulver als auch die Brokkoli-Sprossen zu sich genommen hatten, fast die doppelte Menge der Krebs bekämpfenden Substanz in ihrem Blut aufwiesen als die Mitglieder der beiden anderen Versuchsgruppen.

Wir konnten einen fast zweifachen Anstieg der Sulforaphan-Resorption feststellen, nachdem die Sprossen und das Pulver zusammen gegessen wurden,

sagte Jeffrey.

Die Kombination beider Lebensmittel führte zu einer schnelleren und besseren Aufnahme der Brokkoli-Inhaltsstoffe. Wir konnten bei den betreffenden Testpersonen viel früher und in einer viel höheren Konzentration die entsprechenden Stoffwechselprodukte sowohl im Blutplasma als auch im Urin feststellen, als bei jenen Männern, die entweder nur das Pulver oder nur die Sprossen zu essen bekamen.

Richtige Brokkoli-Zubereitung ist entscheidend

Brokkoli ist - wenn er richtig zubereitet wird - ein extrem wirksames Mittel gegen den Krebs. Drei bis fünf Portionen pro Woche sind bereits ausreichend, um eine Wirkung zu erzielen,

erklärte Prof. Jeffery.

Um aus Brokkoli jedoch den erwünschten Nutzen ziehen zu können, muss er enzymschonend zubereitet werden. Das Enzym Myrosinase sorgt im Brokkoli dafür, dass die krebsvorbeugend und entzündungshemmend wirkende Substanz Sulforaphan aus einer Vorläufersubstanz überhaupt erst gebildet werden und sodann vom Menschen genutzt werden kann.

Kochen verhindert Aktivierung von Sulforaphan

Bereits aus früheren Studien zu den Krebs bekämpfenden Eigenschaften des Brokkoli weiss man, dass das Verkochen des Gemüses bis zu 90 Prozent ausgerechnet jener Brokkoli-Bestandteile zerstört, die Krebszellen bekämpfen können.

Die ideale Brokkoli-Zubereitung

Da die Myrosinase - wie alle Enzyme - hitzeempfindlich ist, sollte Brokkoli am besten roh gegessen werden. Das Enzym wird überdies erst dann aktiv, wenn der Brokkoli fein zerkleinert, sprich sorgfältig gekaut oder sehr klein geschnitten wird. Lässt man der Myrosinase nach dem Zerkleinern zusätzlich noch 90 Minuten Zeit, erhöht sich der Sulforaphangehalt im Brokkoli zusehends (um das 2,8-Fache).

Nicht jeder mag rohen Brokkoli, schon gar nicht in den erforderlichen Mengen von 500 bis 750 g pro Tag essen. Daher gibt es noch weitere Möglichkeiten, wie man den Brokkoli idealerweise zubereiten kann, um in den vollen Genuss des Sulforaphans zu gelangen:

Der zerkleinerte Brokkoli kann kurz gedünstet (mit der noch vorhandenen Dünstflüssigkeit essen) oder 2 Minuten im Wok zubereitet werden. Dazu isst man nun 1 bis 3 TL Brokkolisprossen oder auch einmal einen Salat aus z. B. Rucola, Kresse, Rettich oder einigen Radieschen. Da diese Gemüse wie der Brokkoli ebenfalls zu den Kreuzblütengewächsen gehören, enthalten auch sie die Myrosinase - und da man Rucola und Co. deutlich besser roh essen kann, können sie die im Brokkoli u. U. durch das Erhitzen verlorengegangene Myrosinase ersetzen.

Mikrowelle zerstört Antioxidantien

Da Sulforaphan zu den Antioxidantien gehört und bekannt ist, dass Mikrowellengeräte die Zahl der Antioxidantien in der Nahrung signifikant reduzieren, ist eine Zubereitung von Brokkoli in der Mikrowelle eher nicht empfehlenswert.

Wie kann man Brokkoli-Sprossen selbst ziehen?

Besorgen Sie sich ein hochwertiges Saatgut für die Sprossenzucht, z. B. von Germline. Denken Sie daran, dass sich die Menge während des Keimprozesses mindestens verfünffachen wird. Beginnen Sie daher mit kleinen Mengen, damit Sie die Sprossen auch frisch verzehren und nicht zu lange lagern müssen.

Ideal für die Sprossenzucht sind sog. Keimgläser (ebenfalls von Germline, ca. 8,40 Euro). Geben Sie Ihr Brokkoli-Saatgut hinein, z. B. 2 EL und füllen Sie das Glas zur Hälfte mit Wasser. Lassen Sie dort die Samen über Nacht einweichen.

Am nächsten Tag giessen Sie das Wasser ab und stellen das Glas an einen dunklen Platz (bei 20 bis 22 Grad). Spülen Sie die Samen zweimal täglich und giessen Sie das Wasser immer wieder ab.

Nach drei bis fünf Tagen sind die Sprossen verzehrfertig. Spülen Sie sie vor dem Verzehr erneut mit Wasser gründlich ab.

Geben Sie die Sprossen in den Salat, aufs Brot, in einen Kräuterquark, in einen Smoothie (vorsichtig, da die Sprossen etwas scharf schmecken!) oder in einen Dip (z. B. unseren Knoblauchdip).

Welche Brokkoli-Sprossen-Präparate sind empfehlenswert?

Wer statt frischen Brokkolis und frischer Brokkoli-Sprossen lieber zu einem entsprechenden Präparat greifen möchte, so die Wissenschaftler, solle darauf achten, dass dieses auch das Enzym Myrosinase enthält - andernfalls seien die Mittel nicht sonderlich wirksam.

Dieses Enzym ist nur dann in Brokkoli- bzw. Sulforaphan-Kapseln oder -Pulver vorhanden, wenn deren Inhalt bei Temperaturen unter 40 Grad hergestellt wurde - was beispielsweise beim Brokkoli-Sprossen-Produkt Broccoraphan von Deiters der Fall ist. Aufgrund des äusserst schonenden Herstellungsverfahrens bei niedrigen Temperaturen (unter 40 Grad) ist das Enzym Myrosinase in Broccoraphan völlig unbeeinträchtigt, also höchst aktiv und lebendig. Eine Tagesdosis liefert hier bis zu 55 mg Sulforaphan pro Tag.

Auch das Heidelberger Forscherteam um Professor Ingrid Herr nutzte in seinen Studien Broccoraphan und zwar in Dosen von 90 mg Sulforaphan pro Tag.

Im Präparat Sulforaphan Brokkoliextrakt von effective nature ist direkt das bereits aktivierte Sulforaphan enthalten - und zwar in hoher Dosis von 100 mg pro Tag.

Quellen

  • (1)Jenna Cramer, Elizabeth Jeffery, Sulforaphane Absorption and Excretion Following Ingestion of a Semi-Purified Broccoli Powder Rich in Glucoraphanin and Broccoli Sprouts in Healthy Men, Nutrition and Cancer, 2011; 1 DOI: 10.1080/01635581.2011.523495
  • (2)Herr I, Schemmer P et al., Broccoli sprout supplementation in patients with advanced pancreatic cancer is difficult despite positive effects-results from the POUDER pilot study, Invest New Drugs. 2019 Jun 27. doi: 10.1007/s10637-019-00826-z
  • (3)Higdon JV et al., Cruciferous Vegetables and Human Cancer Risk: Epidemiologic Evidence and Mechanistic Basis, Pharmacol Res. 2007 Mar; 55(3): 224–236.
  • (4)Beaver LM, Ho E et al., Broccoli Sprouts Delay Prostate Cancer Formation and Decrease Prostate Cancer Severity with a Concurrent Decrease in HDAC3 Protein Expression in Transgenic Adenocarcinoma of the Mouse Prostate (TRAMP) Mice, Curr Dev Nutr. 2018 Mar; 2(3): nzy002.


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