Fette-und-Öle

Vortrag von Professorin: Kokosöl soll angeblich giftig sein

  • Autor: Carina Rehberg
  • aktualisiert: 09.03.2019
Vortrag von Professorin: Kokosöl soll angeblich giftig sein
© fotolia.com/PhotoSG

„Kokosöl und andere Ernährungsirrtümer“ hiess der Vortrag von Frau Professor Dr. Dr. Michels von der Universität in Freiburg. Er war auf Youtube zu sehen, wurde im Juli 2018 veröffentlicht und wenige Monate später wieder vom Netz genommen. Frau Michels bezeichnet darin Kokosöl als giftig und Superfoods als überflüssig. Aufgrund zahlreicher Mails von Lesern, die sich von besagtem Vortrag verunsichern liessen und unsere Meinung dazu hören wollten, kommentieren wir nachfolgend die Aussagen der Professorin. Ist Kokosöl also wirklich „reines Gift“, wie Frau Professor dreimal betonte?

Inhaltsverzeichnis

Ist Kokosöl ein Superfood?

Kokosöl gilt an vielen Stellen als Superfood. Auch auf unserer Seite beschreiben wir die zahlreichen positiven Eigenschaften von Kokosöl. So kann es äusserlich beispielsweise zur Haut- und Haarpflege eingesetzt werden, bei Pilzinfektionen und zum Ölziehen (weil es sehr gut gegen Karies wirkt). Innerlich könnte das Kokosöl bei Darmentzündungen hilfreich sein und wird aufgrund seiner leichten Verdaulichkeit und dem etwas geringeren Kaloriengehalt (im Vergleich zu anderen Fetten) zum Abnehmen empfohlen. Da es hocherhitzbar ist, ist Kokosöl ein hervorragendes Bratöl.

Ein Superfood ist das Kokosöl aus unserer Sicht nicht. Daher taucht es auch nicht in unserer Liste mit den 15 besten Superfoods auf, genausowenig wie Gojibeeren, Chiasamen oder Matchatee.

Der Vortrag „Kokosöl und andere Ernährungsirrtümer“

Frau Michels hat Medizin studiert (u. a. Gynäkologie), leitet als Epidemiologin das Institut für Prävention und Tumorbiologie an der Universität Freiburg und hat inzwischen zum Medizinjournalismus gewechselt. Sie beginnt ihren Vortrag u. a. mit den Worten, sie selbst verfüge über eine 40-jährige Expertise im Bereich der Ernährung und werde nun ihren Zuhörern „die Wahrheit aufgrund von Daten“ geben.

Frau Michels beginnt mit dem Thema Kokosöl. Das, was über Kokosöl gesagt werde (es mache weniger dick, Laurinsäure sei enthalten, die besser sein soll, mittelkettige Fettsäuren seien enthalten, die ebenfalls besser sein sollen) „ist alles völliger Quatsch“. Daten stellt sie zu dieser Behauptung jedoch keine zur Verfügung.

„Es gibt keine Humanstudie, die Kokosöl positive Wirkungen bescheinigen kann!“

„Das Kokosöl“, sagt sie, „ist eines der schlimmsten Nahrungsmittel, die Sie überhaupt zu sich nehmen können. Es gibt nicht eine einzige Studie am Menschen, die irgendeine positive Wirkung von Kokosöl zeigt.“

Wir haben etliche Humanstudien gefunden. Sie finden sie hier. Die Vorteile der mittelkettigen Fettsäuren – aus denen das Kokosöl grösstenteils besteht – fassen wir wie folgt zusammen:

Die Vorteile mittelkettiger Fettsäuren

Kokosöl besteht zu etwa 50 Prozent aus Laurinsäure. Sie gehört zu den mittelkettigen Fettsäuren, die laut diesem aktuellen Review aus 2016 (in Open Heart erschienen) günstiger für den Körper sind als langkettige Fettsäuren (z. B. die Palmitinsäure aus Schweineschmalz.)

Mittelkettige Fettsäuren lagern sich nicht so leicht im Fettgewebe ab (machen also nicht so schnell dick), wirken nicht so entzündungsfördernd und beeinflussen eine Insulinresistenz sehr positiv. Laurinsäure soll zwar das Cholesterin erhöhen, allerdings vornehmlich das HDL („gutes“ Cholesterin) und weniger das LDL („schlechtes“ Cholesterin), so dass sich das Verhältnis von HDL zu LDL günstig verändern kann. Auch aktivieren mittelkettige Fettsäuren nicht wie langkettige Fettsäuren aus anderen Bratölen die Makrophagen, was eine Voraussetzung für die Entstehung von Ablagerungen in den Arterien wäre.

Mittelkettige Fettsäuren werden nicht wie langkettige Fettsäuren verdaut. Sie werden hingegen recht schnell in den Mitochondrien der Leber in Energie verwandelt. Daher – so die Forscher der eben verlinkten Studie – würden sowohl Tier- als auch Humanstudien (die es lt. Fr. Michels natürlich gar nicht gibt) zeigen, dass der Verzehr von mittelkettigen Fettsäuren weniger zu Übergewicht führt als Öle aus langkettigen Fettsäuren.

Ist Kokosöl gefährlicher als Schweineschmalz?

Frau Michels meint: „Kokosöl ist gefährlicher für Sie als Schweineschmalz und Sie werden mir zustimmen, dass Schweineschmalz nicht besonders gesund ist. Das wissen wir alle.“

Nur weil „alle“ etwas zu wissen glauben, ist es offenbar richtig. Erstaunliche Sichtweise für eine Wissenschaftlerin.

Sie fährt fort: „Warum ist es noch schlimmer als Schweineschmalz? Weil es noch mehr gesättigte Fettsäuren hat. Das heisst, es hat fast keine essentiellen Fettsäuren, also die Fettsäuren, die wir eigentlich brauchen, sondern fast ausschliesslich gesättigte Fettsäuren.“

Dies bleibt im gesamten Vortrag die einzige Erklärung dafür, warum Kokosöl schädlich sein soll. Wie ist diese Erklärung zu werten?

Der Gehalt an essentiellen Fettsäuren bestimmt nicht, ob ein Lebensmittel gut oder schlecht ist

Essentielle Fettsäuren sind Fettsäuren (Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren), die der Körper nicht selbst herstellen kann und daher mit der Nahrung aufnehmen muss. Wenn ein Lebensmittel jedoch keine essentiellen Fettsäuren enthält, dann ist es nicht automatisch auch schädlich, da es ja stattdessen andere Vorteile aufweisen kann und wir überdies in unserer Ernährung viele andere Fettquellen haben, die dann mit essentiellen Fettsäuren versorgen können.

Beim Einsatzgebiet des Kokosöls jedenfalls (zum Braten, da es hocherhitzbar ist) haben Öle mit essentiellen Fettsäuren nicht das Geringste verloren, da man sie nicht erhitzen kann und sie dabei andernfalls schädliche Substanzen entwickeln würden.

Gesättigte Fettsäuren sind nicht gleich gesättigte Fettsäuren

Macht man die Qualität eines Fettes ausschliesslich am Gehalt seiner gesättigten Fettsäuren fest, dann ist das Kokosöl natürlich schlechter als Schweineschmalz, da es mehr gesättigte Fettsäuren enthält.

Als Ernährungsexperte weiss man jedoch, dass es unterschiedliche gesättigte Fettsäuren gibt, die ganz unterschiedliche Eigenschaften haben und im Körper auch unterschiedlich verstoffwechselt werden. Man kann also nicht alle Fette, die gesättigte Fettsäuren enthalten, in einen Topf werfen, was Frau Michels jedoch tut.

So zeigt allein der Vergleich von Kokosöl und Schweineschmalz (siehe unsere Tabellen), wie unterschiedlich die beiden Fette sind, obwohl sie beide zu den gesättigten Fetten zählen.

Das Thema ist insgesamt sehr komplex und sicher nicht – wie im vorliegenden Vortrag – in acht Minuten abzuhandeln, zumindest dann nicht, wenn man „die Wahrheit aufgrund der Daten“ seinen Zuhörern nahebringen will.

Führen gesättigte Fettsäuren zum sicheren Herztod?

Weiter geht es mit: „Gesättigte Fettsäuren verstopfen Ihre Herzkranzgefässe und führen zum sicheren Herztod. Je mehr Kokosöl, je mehr verstopfte Herzkranzgefässe, je höher das Risiko eines Herzinfarkts. Kokosöl ist das reine Gift.“

Zu keiner dieser Aussagen gibt es eine Humanstudie, ja nicht einmal eine Tierstudie. Dazu gleich mehr.

Anschliessend wirft Frau Professor Bioläden und Reformhäusern Ignoranz oder Profitgier vor (weil diese Kokosöl im Angebot haben), bevor sie zur Unterstützung ihrer mangelhaften Argumentation das Statement der amerikanischen Herzgesellschaft nutzt. Die Herzgesellschaft (American Heart Association) habe „vor einigen Wochen jetzt endlich ein Statement herausgegeben, dass man auf gar keinen Fall Kokosöl essen soll.“ (Sie finden hier die Sponsoren der amerikanischen Herzgesellschaft: Fast ausschliesslich Pharmaunternehmen.)

Als besagtes Statement im Juni 2017 veröffentlicht wurde, schrieben wir bereits diesen Artikel (Gesättigte Fette nicht für Arteriosklerose verantwortlich), in dem wir das Statement der American Heart Association kommentierten. Darin nämlich stand lediglich, dass Kokosöl den Cholesterinspiegel hebe und man daher annehme, dass es das Herz-Kreislauf-Risiko erhöhen könne. Und es stand darin, dass man nicht wirklich wisse, wie sich konkret das Kokosöl auf das Herz-Kreislauf-Risiko auswirke, da dazu keine Studien vorliegen würden.

Gleichzeitig stellten wir im obigen Artikel das Statement von drei Kardiologen vor, das wenige Monate zuvor (April 2017) erschienen war. In ihrer Arbeit schreiben die Herzspezialisten: „Ein systemischer Review und eine Metaanalyse von Beobachtungsstudien zeigte keinen Zusammenhang zwischen dem Verzehr gesättigter Fette und der Sterblichkeit, auch nicht zwischen dem Verzehr gesättigter Fette und der koronaren Herzkrankheit, der Sterblichkeit durch die koronare Herzkrankheit, des ischämischen Schlaganfalls oder eines Typ-2-Diabetes.“

Die drei Kardiologen geben ferner an, dass gesättigte Fette die Arterien NICHT verstopfen und daher auch nicht das Problem seien, wenn es um Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehe. Anschliessend erklären sie, wie die Lösung zum Schutz des Herzens und der Herzkranzgefässe auszusehen habe. Lesen Sie dazu bitte den oben verlinkten Artikel zur Arteriosklerose.

Angesichts dieser Aussagen ist die weitere Argumentation von Frau Michels umso erstaunlicher:

„Alles Feste geht direkt in Ihre Koronararterien“

„Gesättigte Fette sind von Natur aus hart, wie Sie ja auch wissen, alle die hier aufgelistet sind (Butter, Schmalz, Palmfett, Kokosöl), sind bei Raumtemperatur fest. Ja, auch das weisse Kokosöl ist fest. Alles Feste geht direkt in Ihre Koronararterien, in Ihre Herzkranzgefässe.“

Zur allgemeinen Information an dieser Stelle nur noch diese Ergänzung: Kokosöl ist ab ca. 23 Grad flüssig. Im Körper liegen bekanntlich Temperaturen von gar 37 Grad vor und somit Bedingungen, bei denen kein Kokosöl fest bleibt.

Abgesehen davon müsste gerade einer Medizinerin bekannt sein, dass es für derartige Behauptungen dringend Belege braucht, die sie aber nicht liefert. Warum nicht? Weil es sie nicht gibt! Wenn doch und wir sie nicht gefunden haben sollten, freuen wir uns über eine Mitteilung.

Zusammenfassend möchten wir zum Thema Fett festhalten, dass es im Rahmen einer fettarmen, vollwertigen und vitalstoffreichen Ernährung fast einerlei ist, welches Fett man zu sich nimmt, so lange es in hoher Qualität und möglichst naturbelassen verzehrt wird, so lange es nicht etwa erhitzt wird, wenn es sich nicht um ein hitzestabiles Fett handelt und so lange man auf eine ausgewogene Zufuhr der essentiellen Fettsäuren achtet (Stichwort Omega-3-Omega-6-Verhältnis).

„Superfoods sind unnötig!“

Anschliessend geht es im Vortrag nahtlos mit den Superfoods weiter, die für Frau Michels aus „irgendwelchen exotischen Sachen“ bestehen, also z. B. Chiasamen, Gojibeeren, Acaibeeren und Matchatee.

Ihre Argumente, warum die genannten Lebensmittel keine Superfoods sind, leuchten wenig ein, etwa dass während der langen Transporte Inhaltsstoffe verloren gehen könnten, dass exotische Lebensmittel mit Pestiziden belastet seien und ausserdem bei einer ausgewogenen Ernährung nicht nötig seien, man sich daher die zusätzliche Geldausgabe sparen könne.

Nun werden heutzutage sehr viele Lebensmittel aus fernen Ländern importiert, die vollkommen alltäglich für uns geworden sind, wie etwa Kakao, Bananen, Ananas, Gewürze und auch der Kaffee, den Frau Michels am Ende ihres Vortrags jedem wärmstens ans Herz legt und sich dabei keinerlei Sorgen mehr macht – weder um dessen Inhaltsstoffe (nach dem langen Transport!) noch um seine exotische Herkunft und auch nicht um seine möglichen Pestizidrückstände.

Gerade bei Lebensmitteln wie Chiasamen oder Trockenfrüchten (Acaibeeren, Gojibeeren) oder auch Matchatee ist ein Verlust der Inhaltsstoffe kaum mehr zu befürchten, da es sich nicht um frische oder anderweitig leicht verderbliche Lebensmittel handelt. Chiasamen bewahren ihren Nährstoff- und Vitalstoffgehalt – wie andere Saaten ebenfalls und auch Getreide – über Jahre hinweg, so dass selbst ein mehrwöchiger Transportweg keine Einbussen bedeuten würde.

Pestizide werden – wie bekannt sein dürfte – keinesfalls nur im Ausland eingesetzt, sondern selbstverständlich überall, wo konventionelle Landwirtschaft betrieben wird und somit auch direkt vor unserer Haustür. Entsprechende Rückstände sind daher auch in deutschen oder Schweizer Lebensmitteln vollkommen normal, wenn sie nicht gerade aus Bio-Anbau stammen.

Viele Superfoods werden ferner in den Bio-Supermärkten angeboten und stammen zum überwiegenden Grossteil aus Bio-Produktion oder kleineren Familienbetrieben.

Statt Chiasamen empfiehlt Michels Leinsamen, erklärt jedoch nicht, dass es hier durchaus Unterschiede gibt. Diese Unterschiede finden Sie ausführlich in unserem Chia-Leinsaat-Artikel erklärt.

„Vitaminmangel gibt es wahrscheinlich nicht“

Ein weiteres Superfood-Gegenargument im Vortrag ist, dass Leute, die nicht gerade jeden Tag Burger und Pommes essen, wahrscheinlich gar keinen Mangel haben und daher auch keine Superfoods benötigen. Ja, die Gefahr bestünde ausserdem, dass man zu viele Nährstoffe aufnehme und man dann in eine Imbalance gerate.

Da die von Frau Michels aufgeführten Superfoods vollwertige Lebensmittel sind, also nicht etwa einzelne isolierte Vitalstoffe, ist es nicht möglich, hiermit in eine Imbalance zu geraten - es sei denn man nimmt eine Überdosis Matchatee zu sich und verträgt den hohen Koffeingehalt nicht.

Dass auch in den Industrieländern Vitalstoffmängel recht weit verbreitet sind, haben wir in unserem entsprechenden Artikel dargelegt. Frau Michels meint hingegen, bei uns gäbe es allenfalls einen Jodmangel, der jedoch durch den allgegenwärtigen Einsatz von Jodsalz annähernd behoben sei. Auch einen Eisenmangel gäbe es hin und wieder, der jedoch „nur“ Frauen vor der Menopause betreffe. (Hier möchten wir anmerken, dass diese Bevölkerungsgruppe ein Viertel der deutschen Bevölkerung umfasst, nämlich etwa 22 Millionen Menschen!). Zuguterletzt führt sie den Vitamin-D-Mangel auf, der selbst ihrer Meinung nach bei sehr vielen Menschen vorhanden sei.

„Ab Sonnenschutzfaktor 8 kein Vitamin-D-Aufbau“

Vitamin-D-Mangel aber ist bei Frau Michels kein Problem, denn um genügend Vitamin D aufzutanken, müsse man nur „15 Minuten jetzt im Sommer mit kurzen Ärmeln und Shorts rausgehen, dann haben Sie Ihre Vitamin D-Speicher wieder aufgefüllt. Ich will Ihnen da gar nicht raten, jetzt sich dauernd in die Sonne zu legen, um die Vitamin-D-Speicher aufzufüllen, das hat ja auch gewisse Risiken, aber was man vielleicht noch wissen sollte, ab Sonnenschutzfaktor 8 kein Vitamin D-Aufbau. Also Sie müssen da schon auf diesen Sonnenschutzfaktor für die 15 Minuten am Tag verzichten.“

Ja, da hat sie recht. Wenn man zur Vitamin-D-Versorgung in die Sonne geht, sollte man in den ersten Minuten sicherheitshalber tatsächlich die Sonnenschutzcreme weglassen. Allerdings gibt es keine wissenschaftliche Studie, die zeigen würde, dass ab Lichtschutzfaktor (LSF) 8 kein Vitamin-D-Aufbau mehr stattfindet. Der Vitamin-D-Aufbau wird mit steigendem LSF reduziert. Doch selbst bei LSF 50 ist die Vitamin-D-Bildung in der Haut zwar stark reduziert, aber nicht vollständig blockiert.

Möglicherweise bezieht sich Michels auf diese einzige Studie, die wir über einen LSF 8 finden konnten. Sie stammt aus dem Jahr 1987 und wurde mit dem UV-Filter Parabenzoeaminosäure durchgeführt. Doch auch damals zeigte sich nur eine Reduzierung der Vitamin-D-Bildung, keine völlige Blockade. Auch ist davon auszugehen, dass andere UV-Filter eine andere Wirkung haben.

Im Winter solle man dann Vitamin-D-Supplemente einnehmen, empfiehlt Frau Professor. Doch Hinweise, dass herkömmliche Präparate oft unterdosiert sind oder dass man erst einmal seinen Status bestimmen lassen sollte, um die richtige Dosierung zu finden, erhält man nicht.

Brauner Zucker und seine mysteriöse Entstehung

Brauner Zucker sei überdies nicht besser als weisser Zucker, erklärt sie. Denn, so ihre Erklärung, „brauner Zucker ist einfach mehr karamellisiert, bisschen länger gekocht sozusagen, so dass Melasse entsteht, die den Zucker braun macht, aber Sie haben hier keinerlei Vorteile.“

In Wirklichkeit verhält es sich so, dass man Zucker so lange kochen kann, wie man möchte, Melasse entsteht dabei sicher keine. Der Zucker – wenn er vorher weiss war – wird durch Kochen/Erhitzen zwar tatsächlich braun, doch ist dies die Folge der Karamellisierung und nicht etwa einer Melasseentstehung.

Bei Zucker gibt es verschiedene Möglichkeiten. Entweder es handelt sich um einen Vollrohrzucker bzw. unverarbeiteten Zucker, der aufgrund seines natürlichen Melassegehaltes braun ist oder aber es handelt sich um einen raffinierten, also mittlerweile weissen Zucker (bei der Raffination wird die Melasse entfernt), dem anschliessend zur Braunfärbung wieder etwas Melasse beigefügt wird.

Allerdings hat sie recht damit, dass auch Vollrohrzucker nicht nennenswert besser im Sinne von gesünder ist als weisser Industriezucker, siehe unser Zuckerlexikon.

„Spinat enthält nicht viel Eisen“

Auch den Spinat vergisst sie bei ihren Ernährungsirrtümern nicht aufzuzählen. Denn viele Menschen glauben, Spinat enthalte viel Eisen, was aber laut Frau Michels nicht stimme. „Spinat hat gar nicht besonders viel Eisen und ist zudem relativ hoch an Oxalsäure, wie sie auch in höheren Mengen in Roten Beeten und Rhabarber enthalten ist. Diese Oxalsäure hemmt die Eisenaufnahme im Körper“, erklärt sie. Wenn man die Eisenversorgung erhöhen möchte, rät sie stattdessen zu Hülsenfrüchten.

Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass es wohl einst einmal einen Kommafehler bei der Angabe des Eisengehalts von Spinat gegeben haben soll. Jemand soll gesagt haben, Spinat enthalte 35 mg Eisen pro 100 g.

Das aber wäre schon fast verheerend, da der Eisenbedarf selbst einer Frau (nicht in der Menopause) bei nur 15 mg liegt und man mit einem derart hoch dosierten Lebensmittel leicht in einen Überschuss geraten könnte, was bei Eisen alles andere als erwünscht ist.

Spinat liefert in Wirklichkeit zwischen 3,5 und 4 mg Eisen pro 100 g, was ein sehr guter und hoher Wert ist. Dazu kann man den Eisenwert von Spinat mit den Werten anderer Lebensmittel vergleichen (siehe Tabelle unten) – und es zeigt sich: Spinat ist mit Abstand eines der eisenreichsten Gemüse überhaupt. Details lesen Sie in unserem Eisenartikel, wo wir auch erklären, dass die Oxalsäure im Spinat die Eisenaufnahme – laut einer Studie – höchstwahrscheinlich nicht nennenswert beeinträchtigt.

Gemüse je 100 g (roh/frisch)Eisengehalt
Blattspinat4,1 mg
Broccoli1,3 mg
Rucola1,4 mg
Mangold2,7 mg
Blumenkohl0,6 mg
Pflücksalat1,4 mg
Rosenkohl1,1 mg
Rotkohl0,5 mg
Zucchini1,5 mg
Gurke0,5 mg
Mohrrübe2,1 mg
Gemüse je 100 g (roh/frisch)Eisengehalt
Blattspinat4,1 mg
Broccoli1,3 mg
Rucola1,4 mg
Mangold2,7 mg
Blumenkohl0,6 mg
Pflücksalat1,4 mg
Rosenkohl1,1 mg
Rotkohl0,5 mg
Zucchini1,5 mg
Gurke0,5 mg
Mohrrübe2,1 mg

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Quellen

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