Mit der Low FODMAP Diät Verdauungsprobleme beheben

Die sog. Low FODMAP Diät ist eine Ernährungsform, in der bestimmte Kohlenhydrate vom Speiseplan gestrichen werden – und zwar insbesondere solche Kohlenhydrate, die häufig Verdauungsstörungen, wie Blähungen und Bauchweh oder sogar das Reizdarmsyndrom auslösen.

Eine Studie der University of Otago (Christchurch, Neuseeland) zeigte nun, dass die Low FODMAP Diät Kindern und Jugendlichen helfen kann, die an den genannten Verdauungsproblemen leiden (1). Man untersuchte dazu die Daten von 29 Kindern und Jugendlichen zwischen 4 und 17 Jahren, die zwischen 2015 und 2018 am Christchurch Public Hospital die Low FODMAP Diät verordnet bekommen hatten.

Die Studie wurde im August 2019 im Fachjournal JGH Open veröffentlicht.

Low FODMAP: Keine Blähungen, kein Bauchweh, kein Durchfall mehr

Die Resultate waren beeindruckend: Bei 92 Prozent der Kinder, die an Blähungen gelitten hatten, verschwanden diese völlig. Bei 87 Prozent der Kinder, die zuvor Durchfall hatten, normalisierte sich die Verdauung und 77 Prozent der Kinder, die häufig über Bauchweh geklagt hatten, waren ab sofort frei von Beschwerden.

Professor Andrew Day – Kinder-Gastroenterologe an der University of Otago – erklärte, dass die Low FODMAP Diät schon länger dafür bekannt sei, bei Erwachsenen auf sichere und wirksame Weise Verdauungsprobleme zu lindern. Ob diese Ernährungsform jedoch auch bei Kindern derart effektiv sein könne, habe man – bis zur vorliegenden Studie – nicht gewusst (2).

Immer mehr Kinder leiden am Reizdarmsyndrom

Funktionelle Verdauungsstörungen – wie das Reizdarmsyndrom – betreffen immer mehr Kinder. Derzeit sind es zwischen 3 bis 22 Prozent der Kinder (abhängig vom jeweiligen Land)(5). Eine konkrete Ursache ist nicht bekannt, stattdessen geht man mal wieder von einem multifaktoriellen Geschehen aus, also einem Beschwerdebild mit mehreren Ursachen gleichzeitig.

Die Symptome treten immer wieder auf und sorgen für eine reduzierte Lebensqualität, für Fehlzeiten in der Schule und auch für eine nicht zu unterschätzende psychische Belastung.

Was sind FODMAPs?

FODMAP steht für „Fermentierbare Oligosaccharide, Disaccharide, Monosaccharide und (engl. And) Polyole“. Diese Kohlenhydrate finden sich in unterschiedlichen Mengen in vielen Lebensmitteln. Manche Lebensmittel enthalten nur eines dieser Kohlenhydrate, andere gleich mehrere in relevanten Mengen.

FODMAPs sind relativ kurzkettige Kohlenhydrate (z. B. Fructose, Lactose) und Zuckeralkohole (z. B. Xylit, Sorbit etc.), die im Verdauungssystem kaum resorbiert werden. Sie verfügen daher über eine verstärkte osmotische Aktivität, was bedeutet, dass sie Wasser in den Darm ziehen und so u. U. für einen dünnen Stuhl sorgen können. Auch werden sie aufgrund ihrer langen Aufenthaltszeit im Darm von den Darmbakterien fermentiert, was wiederum zu Blähungen führen kann.

Wo sind welche FODMAPs enthalten?

Zu den wichtigsten Quellen für FODMAPs gehören die folgenden:

  • Oligosaccharide (Galactane, Fructane, Inulin und FOS): Knoblauch, Lauch, Frühlingszwiebeln und Zwiebeln, Topinambur, Spargel, Schwarzwurzel, Artischocken, Getreide (besonders glutenhaltige), Hülsenfrüchte, Yacon etc.
  • Disaccharide (Zweifachzucker), insbesondere Lactose (= Milchzucker): Milch, Joghurt und Weichkäse. Lactosefreie Produkte sind u. U. möglich. Langgereifte Käse, also Hartkäse sind häufig lactosefrei.
  • Monosaccharide (Einfachzucker), insbesondere Fructose: Verschiedene Früchte, etwa Feigen, Äpfel, Birnen, Datteln und Wassermelonen, auch Süssungsmittel wie Honig und Agavendicksaft. Besonders fructosereich sind Trockenfrüchte, die daher nicht zur low FODMAP-Diät gehören.
  • Polyole (Zuckeraustauschstoffe/Zuckeralkohole wie Sorbit, Mannit, Xylit, Erythrit etc.): Sämtliche Produkte, die mit Zuckeraustauschstoffen gesüsst wurden (z. B. Kaugummis, Softdrinks - bei Fertigprodukten immer die Zutatenliste überprüfen), aber auch manche Früchte, wie z. B. Birnen, Äpfel, Pflaumen und Aprikosen, die als besonders sorbitreich gelten.

Warum gibt es verschiedene FODMAP-Tabellen?

Im Netz finden Sie viele verschiedene FODMAP-Listen, was daran liegen mag, dass viele Lebensmittel noch gar nicht auf ihren FODMAP-Gehalt überprüft sind und in diese Listen immer auch Vermutungen mit einfliessen. Auf dem neuesten Stand in Sachen FODMAP-Gehalt sollen FODMAP-Apps sein (z. B. die Monash FODMAP App). 

Allerdings ist die Low FODMAP-Diät sehr individuell durchzuführen, denn immer wieder zeigt sich, dass es lediglich auf die Menge der verzehrten Lebensmittel ankommt oder auf ihre Zubereitung bzw. Verarbeitung.

So können Brote mit traditioneller langer Teigführung oft (in individueller Menge) vertragen werden, die üblichen Brote und Brötchen aber nicht. Auch vertragen manche FODMAP-Empfindliche Dinkel und Hafer, andere nicht. Kichererbsen aus dem Glas oder Kichererbsen, bei deren Zubereitung das Wasser abgegossen wurde, enthalten weniger FODMAPs (da diese teilweise wasserlöslich sind), was die Erklärung dafür sein kann, warum sie manchmal vertragen werden, manchmal aber auch nicht.

Viele Früchte und Gemüse werden in individuellen Mengen vertragen (z. B. bis zu 120 g pro Portion oder auch viel weniger). Genauso verhält es sich bei Nüssen (15 bis 30 g) oder bei Salaten (bis zu 35 bis 40 g). 

Wieder einmal ist der einzig richtige Weg, für sich selbst in aller Ruhe auszuprobieren, welche Lebensmittel in welcher Menge für einen persönlich verträglich sind.

Ist die Low FODMAP-Ernährung immer die richtige Lösung?

Ungesund sind FODMAPs übrigens nicht, im Gegenteil. Sie lösen nur dann Symptome aus, wenn der Darm entsprechend vorgeschädigt ist oder eine indviduelle und vielleicht auch anlagebedingte Unverträglichkeit vorliegt.

Einfach nur eine Low FODMAP-Ernährung zu praktizieren, käme daher einer eher symptomorientierten Massnahme gleich. Im Sinne von: Ich vertrage dies und jenes nicht, also esse ich es nicht mehr. Wem eine solche eingeschränkte Ernährung nichts ausmacht, kann dabei bleiben, sollte aber darauf achten, dennoch gut mit allen Nährstoffen, Vitalstoffen und auch Ballaststoffen versorgt zu sein – zumal gerade die FODMAP-Lebensmittel häufig besonders vitalstoffreich sind.

Wie funktioniert die Low FODMAP-Diät?

Bei der Low FODMAP-Diät geht man so vor: Man praktiziert erst 6 bis 8 Wochen lang die sog. Restriktionsphase, in der man alle FODMAPs und auch Gluten meidet. In der anschliessenden sog. Reexpositionsphase kann man nach und nach manche FODMAPs wieder in die Ernährung einbauen (pro Woche ein Lebensmittel, das man zweimal in dieser Woche in einer normalen Portion verzehrt), muss aber genau beobachten, wann es wieder zu Beschwerden kommt, um auf diese Weise einzelne Trigger herauszufinden.

Äpfel oder Milch können das Problem sein

In obiger Studie waren es bei 24 Prozent der Kinder insbesondere Äpfel, die zu den Verdauungsbeschwerden führten. Äpfel sind reich an Fructose und Sorbit, also gleich zwei FODMAPs (ein Monosaccharid (Fructose) und ein Zuckeralkohol (Sorbit)), was einem angeschlagenen und empfindlichen Darm schon ausreicht, um sich mit Symptomen bemerkbar zu machen. 

Bei 56 Prozent der Kinder war es der Milchzucker (Lactose), bei jeweils 7 Prozent Fructose, Polyole und Galactane* und bei 67 Prozent Fructane**. Natürlich beinhalten diese Zahlen auch jene Kinder, die auf gleichzeitig mehrere FODMAPs mit Symptomen reagierten. Sind es jedoch nur eines oder zwei, dann muss die Ernährung nicht ganz so stark eingeschränkt werden, was mit der oben beschriebenen Vorgehensweise aber erst einmal herausgefunden werden muss.

Was sind Fructane, was sind Galactane?

*Fructane sind unverdauliche Kohlenhydrate, also eine Art Ballaststoffe, die aus nahezu reinen Fructoseketten bestehen. Fructane finden sich in Zwiebeln, Lauch, Artischocken, Chicorée und Schwarzwurzeln. Inulin ist eines der bekanntesten Fructane. Eigentlich sind Fructane sehr gesund, da sie präbiotische Wirkung entfalten, also für die Darmflora sehr vorteihaft sind. Ein empfindlicher Darm verträgt die Fructane jedoch gar nicht gut.

Da Fructane auch in glutenhaltigem Getreide vorkommen, glaubt man seit einiger Zeit, dass die zöliakieunabhängige Glutensensitivität in Wirklichkeit gar keine Glutensensitivität ist, sondern womöglich eine Fructansensitivität (6).

**Galactane hingegen sind Ballaststoffe aus Galactoseketten. Sie kommen z. B. in Kartoffeln, Knoblauch und AgarAgar vor. Galactose kennen Sie vielleicht als jenen Einfachzucker, der auch gemeinsam mit Glucose den Zweifachzucker Lactose (Milchzucker) bildet.

Low FODMAP-Diät bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen

Auch bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) - wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa - könnte die Low FODMAP-Diät eine Möglichkeit zur Linderung der Beschwerden sein, wie eine Studie zeigte (7), die Anfang Oktober 2019 im Fachmagazin Gastroenterology veröffentlicht wurde. 

Die 52 Teilnehmer der Studie waren CED-Patienten, die trotz medikamentöser Entzündungshemmung nach wie vor an Verdauungsbeschwerden litten. Schon nach vier Wochen mit der Low FODMAP-Diät verbesserten sich bei der Hälfte der Patienten manche dieser Beschwerden (Blähungen, Blähbauch), was in der Placebo-Gruppe nicht der Fall war.

Interessant war u. a., dass unter der Low FODMAP-Diät die Zahl mancher Darmbakterien abnahm, etwa der Bifidobakterien, die im Allgemeinen als sehr gesund und nützlich und auch als entzündungshemmend gelten. Trotz eines Rückgangs dieser Bakterien, kam es bei den Low FODMAP-Diät-Essenden nicht zu einem Aufflammen der Entzündung, was darauf hinweist, dass für CED-Betroffene u. U. eine Darmflora mit geringeren Bifidobakterienanteilen viel besser sein könnte. 

Was ist der Unterschied zwischen einer FODMAP-Unverträglichkeit und anderen Unverträglichkeiten?

Den Symptomen einer FODMAP-Unverträglichkeit liegen andere Mechanismen zugrunde als dies bei den bekannten Intoleranzen (z. B. Fructose- oder Lactoseintoleranz) der Fall ist. Bei letzteren sind die Enyzm- oder Transportsysteme im Darm geschädigt, bei der FODMAP-Unverträglichkeit nicht. 

Hier sind es andere krankhafte Veränderungen der Darmschleimhaut (die typischen Reizdarm-Veränderungen), die dazu führen, dass die eigentlich gesunden FODMAPs nicht mehr vertragen werden, etwa ein Leaky Gut Syndrom, eine krankhafte Mastzellüberaktivität oder latente Darmschleimhautentzündungen.

Suchen Sie die Ursache der Beschwerden!

Die Low FODMAP-Ernährung kann bei vielen Betroffenen zunächst einmal hilfreich sein, da sich die Verdauungsbeschwerden zurückbilden und man sich wieder wohl fühlt und entspannen kann. Sinnvoll wäre es jedoch, wenn man nach der tatsächlichen Ursache der Krankheit bzw. Unverträglichkeiten Ausschau halten würde.

Diese ist oft u. a. in einer kranken Darmflora (wie Studie 7 bereits zeigte) oder kranken Darmschleimhaut zu finden. Vielleicht liegt zusätzlich ein Nährstoffmangel vor, der ebenfalls Unverträglichkeiten begünstigt, z. B. ein Vitamin-D-Mangel (4), von Stresszuständen einmal ganz abgesehen, die bekanntlich sehr oft zu Darmerkrankungen führen (3).

Beim Reizdarmsyndrom: Low FODMAP-Diät kann helfen, aber auch andere Ernährungsformen

Saniert man nun den Darm, optimiert man die Vitalstoffversorgung, behebt also mögliche Mängel und baut man Stress ab, dann heilt man das gesamte System und verträgt plötzlich auch wieder die FODMAPs oder zumindest einige davon.

Natürlich sollte auch an eine Zöliakie gedacht werden sowie an die besonderen Diagnosemöglichkeiten und auch Massnahmen, wenn vielleicht doch eine Fructoseunverträglichkeit, eine Lactoseunverträglichkeit oder eine zöliakieunabhängige Glutenunverträglichkeit vorliegen sollte.

Letztendlich sind gerade Verdauungsbeschwerden wie das Reizdarmsyndrom und natürlich auch die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen höchst individuelle Angelegenheiten, so dass auch die individuell richtigen Massnahmen gefunden werden müssen, wie auch dieser Erfahrungsbericht eines Lesers zeigt, der seinen Reizdarm mit einer besonderen Ernährung – aber interessanterweise eben nicht mit der Low FODMAP-Ernährung – heilen konnte.

Quellen

  1. Stephanie C Brown et al. Low FODMAP diet in children and adolescents with functional bowel disorder: A clinical case note review, JGH Open, 2019
  2. University of Otago, Study first to report benefits and safety of FODMAP diet in children, MedicalXpress, 24.9.2019
  3. Hong-Yan Qin, Chung-Wah Cheng, Xu-Dong Tang, and Zhao-Xiang Bian, Impact of psychological stress on irritable bowel syndrome, World J Gastroenterol. 2014 Oct 21; 20(39): 14126–14131.
  4. Doaa El Amrousy, Hossam Hodeib et al., Vitamin D supplementation in adolescents with irritable bowel syndrome: Is it useful? A randomized controlled trial, Saudi J Gastroenterol. 2018 Mar-Apr; 24(2): 109–114.
  5. Niranga Manjuri Devanarayana und Shaman Rajindrajith, Irritable bowel syndrome in children: Current knowledge, challenges and opportunities, World J Gastroenterol. 2018 Jun 7; 24(21): 2211–2235
  6. Gry I. Skodje, Knut E. A. Lundin et al., Fructan, Rather Than Gluten, Induces Symptoms in Patients With Self-Reported Non-Celiac Gluten Sensitivity, February 2018Volume 154, Issue 3, Pages 529–539.e2
  7. Selina R. Cox, James O. Lindsay, Sébastien Fromentin, Andrew J. Stagg, Neil E. McCarthy, Nathalie Galleron, Samar B. Ibraim, Hugo Roume, Florence Levenez, Nicolas Pons, Nicolas Maziers, Miranda C. Lomer, S. Dusko Ehrlich, Peter M. Irving, Kevin Whelan. Effects of Low-FODMAP Diet on Symptoms, Fecal Microbiome, and Markers of Inflammation in Patients With Quiescent Inflammatory Bowel Disease in a Randomized Trial. Gastroenterology, Oktober 2019

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