Mit Heilpflanzen gegen Bluthochdruck

Für jedes Zipperlein ist ein Kraut gewachsen. Für den hohen Blutdruck sind es gleich mehrere. Zwar handelt es sich eher weniger um typische Kräuter wie Beifuss, Minze und Melisse. Dennoch sind es Pflanzenteile, wie Rinden, Samen und Blüten, die bei hohem Blutdruck helfen können.

Bekannt ist, dass der Knoblauch einen guten Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System hat. Nur geht der Knoblauchgenuss meist mit einer unverwechselbaren Ausdünstung einher (die auch nach dem Verzehr vieler Knoblauchkapseln beobachtet werden kann). Viel angenehmer – vor allem für die Umwelt – lässt sich der Blutdruck daher mit den folgenden Heilpflanzen senken:

1. Zimt

Den Zimt kennt man als Heilpflanze oder heilendes Gewürz bei Diabetes, da er den Blutzuckerspiegel positiv beeinflussen kann. Als man 2011 eine Studie mit 59 Diabetikern durchführte, stellte man jedoch fest, dass der Verzehr von 1,2 Gramm Zimt pro Tag auch den Blutdruck (den systolischen Wert) merklich senken kann, während er in der Placebogruppe im 12wöchigen Untersuchungszeitraum sogar gestiegen war.

2. Kardamom

Eine weitere Heilpflanze bei Bluthochdruck ist der grüne Kardamom. Wie schon den Zimt, so kennt man auch den Kardamom eher als Gewürz denn als Heilmittel. Im Jahr 2009 aber zeigte sich in einer indischen Studie, dass der Kardamom beeindruckende heilende Eigenschaften besitzt. Während der ebenfalls 12wöchigen Untersuchung nahmen die Bluthochdruck-Patienten täglich 3 g Kardamompulver zu sich (aufgeteilt in zwei Dosen pro Tag).

Der systolische Wert sank genauso wie der diastolische Wert. Gleichzeitig konnte die Blutgerinnungsneigung reduziert werden, was bedeutete, dass die Thrombosegefahr sank, das Blut also „dünner“ wurde und somit leichter durch die Adern fliessen konnte.

Das einzige, was in dieser Studie stieg, war das körpereigene Antioxidantienpotential – und zwar um 90 Prozent. Ein Zeichen dafür, dass der Organismus gegen Infektionen, Umweltgifte, Entzündungen und Krankheiten aller Art nun besser gefeit ist.

3. Leinsamen

Leinsamen kennen Sie sicher als Hausmittel zur Regulierung der Verdauung. Die kleinen braunen oder goldfarbenen Samen können jedoch nicht nur Durchfall stoppen, Verstopfung auflösen und Blähungen vertreiben, sondern auch die Schreckgespenster des metabolischen Syndroms in die Flucht schlagen: Neben Übergewicht, Diabetes und hohen Cholesterinwerten gehört auch der Bluthochdruck zu diesem Syndrom.

Australische Forscher untersuchten in einer Meta-Analyse im Jahr 2015 elf Studien, die sich dem Leinsamen und seinen Wirkungen auf den Bluthochdruck gewidmet hatten. Es zeigte sich, dass es bei Bluthochdruck äusserst sinnvoll ist, täglich Leinsamen einzunehmen – und zwar für mindestens 12 Wochen.

In einer kanadischen Studie von 2014 rieten die Forscher, den Leinsamen am besten dauerhaft einzunehmen, wenn man mit ihm auch eine dauerhafte Senkung des Blutdrucks erreichen möchte. Die entsprechenden Probanden hatten täglich 30 Gramm gemahlenen Leinsamen verzehrt und erlebten eine Reduzierung ihres systolischen Wertes um etwa 10 mmHg und eine Senkung des diastolischen Wertes um 7 mmHg.

Leinsamen ist ein sehr guter Lieferant der essentiellen Omega-3-Fettsäure Alpha-Linolensäure ALA. Je höher der ALA-Spiegel im Blut der Probanden stieg, um so weiter reduzierte sich der Blutdruck.

Wie Sie den Leinsamen am besten einnehmen, haben wir hier beschrieben: Die besten Lebensmittel für die Verdauung

4. Weissdorn

Der Weissdorn ist ein altes Heilmittel für das Herz-Kreislauf-System. Der Weissdorn wirkt antioxidativ, entzündungshemmend, blutverdünnend, gefässerweiternd und blutfettsenkend – und genau diese Eigenschaften führen über kurz oder lang auch zu einem sinkenden Blutdruck.

Im Jahr 2006 zeigte sich dies in einer Studie der University of Reading mit Diabetikern. Sie nahmen vier Monate lang täglich 1.200 mg Weissdornextrakt oder ein Placebopräparat ein. Während sich der diastolische Wert in keiner Gruppe veränderte, zeigte sich in der Weissdorngruppe eine deutliche Senkung des systolischen Wertes im Vergleich zur Placebogruppe.

Meist werden Fertigpräparate eingesetzt, in denen Blätter und Blüten gemeinsam vorliegen. Im Weissdorntee hingegen ist die Konzentration der erwünschten Wirkstoffe (Flavonoide und oligomere Procyanidine) zu schwach und die blutdrucksenkende Wirkung würde ausbleiben.

5. Hibiskusblüten

Der fruchtige Tee aus den getrockneten Blüten des Hibiskus wird gerne als köstliche Erfrischung an heissen Tagen genossen. An eine mögliche Heilwirkung der roten Blütenblätter denken dabei sicher die wenigsten.

Gerade bei Bluthochdruck scheint der Hibiskustee ein sehr sinnvolles Getränk zu sein, das nicht nur zur Abkühlung, sondern am besten ganzjährig und regelmässig getrunken werden sollte.

Entscheidende Wirkstoffe sind bestimmte organische Säuren, Polyphenole, Anthocyane, Polysaccharide und ätherische Öle, die sich allesamt positiv auf das gesamte Herz-Kreislauf-System auswirken.

Studien liegen dazu einige vor: Aus dem Jahr 2015 beispielsweise gibt es ein Review (Übersichtsarbeit), in der verschiedene Studienergebnisse untersucht wurden. Darin hatte sich gezeigt, dass eine Nahrungsergänzung mit Hibiskuspräparaten den Blutdruck um durchschnittlich 7,6 mmHg (systolisch) und um 3,5 mmHg (diastolisch) senken konnte.

Eine doppelblinde Studie aus Nigeria mit Bluthochdruckpatienten zeigte, dass ein wässriger Hibiskusextrakt (150 mg pro Kilogramm Körpergewicht und Tag) einen gemässigten Bluthochdruck nach vier Wochen genauso gut senken konnte wie der Blutdrucksenker Lisinopril (einmal täglich 10 mg), nämlich um 30 Prozent.

6. Kokoswasser

Wenn es um den Blutdruck geht, dann kann auch die Kokospalme zur Heilpflanze werden. Das Wasser aus ihren jungen grünen Kokosnüssen ist reich an spezifischen organischen Säuren (u. a. Ferulasäure und Vanillinsäure) sowie Polyphenolen und kann dank dieser Stoffe nicht nur die Triglyceride im Blut, den Blutzucker und den Insulinspiegel senken, sondern auch den Blutdruck.

Eine entsprechende Studie stammt bereits aus dem Jahr 2005. Sie erschien im West Indian Medical Journal und zeigte, dass der zweiwöchige Konsum von Kokoswasser bei 70 Prozent der Probanden den zu hohen Blutdruck im Vergleich zur Kontrollgruppe, die nur Wasser trank, ganz signifikant reduzieren konnte.

Junge Kokosnüsse gibt es inzwischen genauso zu kaufen wie das Kokoswasser im Tetrapack. Sollten Sie sich für letzteres entscheiden, achten Sie bitte auf Qualität. Wir haben hier Näheres dazu erklärt: Kokoswasser – der perfekte Iso-Drink

7. Cranberries

Im Asia Pacific Journal of Clinical Nutrition erklärten Forscher der University of Massachussetts im Jahr 2006, dass Cranberries – bekannt für ihre positive Wirkung auf die Harnwege – kombiniert mit verschiedenen Kräutern wie Oregano, Rosmarin und Rhodiola rosea bei Bluthochdruck eingesetzt werden könnten.

Zuerst hatte man das antioxidative Potential (den Polyphenolgehalt) der einzelnen pflanzlichen Substanzen und auch verschiedener Kombinationen überprüft. Es zeigte sich, dass von allen Einzelsubstanzen der Oreganoextrakt die höchste antioxidative Kraft mit sich brachte. Bei den Kombinationen war es der Cranberry-Oregano-Mix (im Verhältnis 3:1), der das stärkste Antioxidantienpotential aufwies.

Daraufhin stellte man fest, dass jene Substanzen bzw. Kombinationen mit dem höchsten Gehalt an Antioxidantien auch den Blutdruck am besten senken konnten, also Cranberries oder die Kombination aus Cranberries und Oregano.

Heilpflanzen gegen Bluthochdruck – richtig anwenden

Neben einer gesunden Lebensführung – gesunde Ernährung, Bewegung, kein Alkohol etc. – können Sie bei Bluthochdruck sehr gut die oben genannten Heilpflanzen einsetzen. Die meisten der vorgestellten Heilpflanzen können einfach in den Alltag integriert werden, z. B. Leinsamen, Kokoswasser, Cranberrysaft und Hibiskustee.

Falls Sie jedoch auf hochkonzentrierte Weissdornpräparate oder Zimtkapseln zurückgreifen möchten und bereits blutdrucksende Medikamente nehmen, besprechen Sie dies in jedem Fall mit Ihrem Therapeuten.

Auch sollten Sie Ihren Blutdruck regelmässig kontrollieren (lassen). Es könnte sein, dass Sie – wenn die Heilpflanzen zu wirken beginnen – bald weniger Ihrer blutdrucksenkenden Medikamente benötigen. Wenn es soweit ist, sollte eine Reduzierung der Dosis jedoch ebenfalls mit dem behandelnden Arzt abgeklärt werden.

Da Heilpflanzen gegen Bluthochdruck nie so schnell und stark wirken wie ein Medikament, sollten Sie die genannten pflanzlichen Hilfsmittel immer nur begleitend nutzen, also nicht etwa Ihre Medikamente einfach absetzen und ab sofort nur noch Leinsamen einnehmen.

Bei einem milden bis gemässigten Bluthochdruck aber lohnt sich oft der natürliche Weg, bevor man zu Medikamenten greift.

Weitere Hinweise zu ganzheitlichen Massnahmen bei Bluthochdruck und einer blutdruckfreundlichen Ernährungs- und Lebensweise finden Sie hier:

Quellen

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