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  • Diabetis Typ 1 Patientin misst Ihren Blutzucker
22 min

Die richtige Ernährung bei Diabetes Typ 1

Bei Diabetes Typ 1 heisst es häufig, Diabetiker dürfen alles essen. Studien und Erfahrungsberichte aber zeigen, mit der richtigen Ernährung kann der Blutzuckerspiegel sehr viel besser kontrolliert werden. Wir stellen anhand von Beispielen, Erfahrungsberichten und Fallstudien Ernährungsformen vor, die bei Diabetes Typ 1 die Blutzuckerkontrolle deutlich verbessern und den Blutzucker in manchen Fällen so stabilisieren konnten, dass die Betreffenden kein Insulin (mehr) benötigten.

Fachärztliche Prüfung: Gert Dorschner
Aktualisiert: 08 Juli 2022

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Ernährung bei Diabetes Typ 1

Diabetes Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung, die zur Zerstörung der insulinbildenden Zellen der Bauchspeicheldrüse und damit zu einem Insulinmangel führt. Bei Diabetes Typ 1 steht das Therapiekonzept auf mindestens fünf Säulen:

  1. Gabe von Insulin
  2. Richtige Ernährung
  3. Individuell passende Nahrungsergänzung
  4. Sanierung der Darmflora
  5. Bewegung

Die Säulen 1, 3 und 4 besprechen wir in unserem Hauptartikel über Diabetes Typ 1, während wir uns hier anschauen, welche Ernährung bei Diabetes Typ 1 die richtige ist.

Hinweis: Wenn Sie bereits Diabetiker sind und eine Ernährungsumstellung planen, führen Sie diese in Absprache mit Ihrem Arzt/Diabetologen durch und lassen Sie Ihre Werte in den ersten Monaten engmaschig kontrollieren.

Welche Ziele sollte die optimale Ernährung bei Diabetes Typ 1 erreichen?

Mit der optimalen Ernährung bei Diabetes Typ 1 sollten die folgenden Ziele erreicht werden:

  1. Bessere Blutzuckerkontrolle; weniger Blutzuckerschwankungen (Zahl der Hypo- und Hyperglykämien senken)
  2. Risiko für die typischen Diabetes-Komplikationen und -Folgeschäden deutlich reduzieren (Nieren-, Augen-, Gefäss- und Nervenschäden)
  3. Risiko für die bei Diabetes Typ 1 häufigsten Todesursachen reduzieren (neben Hypo- und Hyperglykämien sind dies Herz-Kreislauf-Erkrankungen)
  4. Regulierung der Darmflora, da hier bei Typ-1-Diabetikern regelmässig eine Störung vorliegt (Dysbiose)
  5. Vermeiden von Übergewicht, mit dem andernfalls das Risiko für einen zusätzlichen Typ-2-Diabetes und anderen Stoffwechselerkrankungen steigen würde

Diese Ziele können mit Hilfe ganz verschiedener Ernährungsformen erreicht werden, aus denen man sich jene wählt, die der eigenen Philosophie sowie den persönlichen Verträglichkeiten, Veranlagungen und geschmacklichen Vorlieben am nächsten steht. Aus unserer Sicht (Redaktion Zentrum der Gesundheit) wäre es schön, wenn hier immer öfter auch ethische Aspekte eine Rolle spielen würden.

Diese Ernährungsformen kommen bei Diabetes Typ 1 in Frage

Da für die ordnungsgemässe Verdauung von Kohlenhydraten Insulin erforderlich ist, dieses aber bei Diabetes Typ 1 fehlt oder in immer geringer werdenden Mengen zur Verfügung steht, klingt es nur logisch, einfach low carb zu essen, also so wenige Kohlenhydrate wie möglich zu sich zu nehmen.

Bei vielen Betroffenen können Low Carb Ernährungsformen (je nach konkreter Umsetzung) auch tatsächlich sehr gut bei der Blutzuckerkontrolle helfen. Andere Typ-1-Diabetiker kommen mit dem anderen Extrem dagegen besser zurecht, nämlich mit einer kohlenhydratreichen Ernährung, wobei es hier wiederum natürlich sehr auf die Qualität der Kohlenhydrate ankommt. Aus Erfahrungsberichten wird ferner deutlich, dass auch eine stark rohkostbetonte Ernährung bei Typ-1-Diabetes eine Lösung sein kann.

Wir stellen anhand von Beispielen, Studien und Fallstudien vier Ernährungsmodelle bei Diabetes Typ 1 vor:

  1. Die pflanzenbasierte Ernährung, die reichlich Kohlenhydrate in Form von frischem Obst, Gemüse, Kartoffeln, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten enthält, aber frei ist von gezuckerten Getränken, Weissmehlprodukten (Brot, Kuchen, Gebäck, Nudeln) und Industriezucker (und anderen Süssungsmitteln mit hoher glykämischer Last). Diese Ernährung kann, muss aber nicht zu 100 Prozent vegan sein. In unserem ZDG-Kochstudio wird ausschliesslich rein pflanzlich, vollwertig und gesund gekocht, so dass Sie bei uns inzwischen mehr als 1500 Rezepte finden, die Sie als Diabetiker geniessen können.
  2. Die Rohkosternährung, bei der man einen Grossteil der Lebensmittel in Rohkostqualität zu sich nimmt, insbesondere natürlich Gemüse, Salate, Nüsse, Ölsaaten und Sprossen. Die Rohkosternährung ist dabei abwechslungsreicher als man denken mag. So gibt es in der kulinarischen Form der Rohkosternährung auch Kuchen, Brot, Pizza, Suppen und vieles mehr. Im vorigen Link lesen Sie alles über die verschiedenen Rohkostformen. Auch in unserer Rezepte-Rubrik finden Sie Ideen für besondere Rohkost-Rezepte.
  3. Die Low Carb Ernährung, die möglichst wenige Kohlenhydrate enthält, wobei nicht nur Zucker und Weissmehl gemieden werden, sondern weitgehend auch die in der Vollwerternährung als gesund geltenden Kohlenhydratquellen (Obst, stärkereiche Gemüse und Vollkorn). Eine gemässigte Low Carb Ernährung kann im Allgemeinen bis zu 150 g Kohlenhydrate enthalten. Meist wird bei Diabetes aber eine extremere Low-Carb-Form praktiziert: die ketogene Ernährung, bei der man täglich nicht mehr als 30 bis maximal 50 g Kohlenhydrate isst (in Form von Blattgemüse und ein paar Beeren). 
  4. Die glutenfreie Ernährung ist frei von Gluten, dem Eiweisskomplex, der sich in vielen Getreidearten findet (Weizen, Dinkel, Gerste, Roggen, Kamut, Emmer etc.). Da in der ketogenen Ernährung keine Getreide gegessen werden, ist diese automatisch auch glutenfrei. Auch die Rohkosternährung ist häufig glutenfrei, kann aber auch glutenhaltig praktiziert werden (z. B. luftgetrocknetes Brot aus Getreidekeimlingen). Die pflanzenbasierte/vegane Ernährung enthält meist Gluten in Form von Vollkornprodukten, kann aber auch problemlos glutenfrei gestaltet werden.

1. Pflanzenbasierte Ernährung bei Diabetes Typ 1

Im Juli 2020 veröffentlichten Forscher des Physicians Committee for Responsible Medicine (PCRM, Ärztekomitee für verantwortungsvolle Medizin) zwei Fallstudien im Journal of Diabetes & Metabolism, in denen sich zeigte, wie gut eine vollwertige und pflanzenbasierte Ernährung die typischen Diabetes-Typ-1-Marker verbessern konnte ( 2 ).

Das PCRM ist eine gemeinnützige Organisation mit einer Mitgliederliste aus 12.000 Ärzten und weiteren ca. 130.000 Nicht-Ärzten.

In beiden Fallstudien stellten die Patienten ihre Ernährung auf eine pflanzenbasierte Ernährung um, die u. a. reich an vollwertigen komplexen Kohlenhydraten war, wie Früchten, Gemüse, Vollkorn und Hülsenfrüchten.

Fallstudie 1

Die Patientin aus der ersten Fallstudie hatte im Jahr 2004 mit 17 Jahren eine Typ-2-Diagnose und daraufhin orale Antidiabetika erhalten (Blutzucker-Medikamente zum Einnehmen). Zwischen November 2017 und Februar 2018 stieg ihr HbA1c-Wert von 5,4 auf 8,7 Prozent. (Bei Gesunden liegt der Wert unter 6,0 Prozent).

Antikörpertests ergaben plötzlich einen Typ-1-Diabetes. Die Patientin erhielt umgehend Insulin. Um ihren Blutzuckerspiegel besser in den Griff zu bekommen, stellte sie ihre Ernährung auf eine ketogene Ernährung um – aus viel Fett und weniger als 30 g Kohlenhydrate pro Tag. Ihre Grundnahrungsmittel waren Fleisch, Vollmilchprodukte, Eier, Avocados, Pilze und grüne Blattgemüse. Früchte und stärkereiche Gemüse mied sie vollständig.

Ihr Blutzuckerspiegel stabilisierte sich dabei zwar (der HbA1c-Wert sank auf 5,6 Prozent), doch brauchte sie mehr Insulin pro Gramm Kohlenhydrate und ihr Cholesterinspiegel stieg innerhalb weniger Monate von 175 auf 221 mg/dl.

Im Januar 2019 stellte sie ihre Ernährung auf eine pflanzenbasierte, in diesem Fall vegane Kost um und eliminierte Milchprodukte, Eier und Fleisch von ihrem Speiseplan. Zunächst kam es zu wiederholten Unterzuckerepisoden, da die Insulinwirkung bei der neuen Ernährung stärker war. Die Patientin konnte somit ihre Insulindosis merklich reduzieren. Wenn sie zuvor unter ketogener Ernährung mit 1 Einheit Insulin ihren Blutzuckerspiegel um 43 mg/dl senken konnte, so waren es nun bei 1 Einheit Insulin 64 mg/dl. Auch sanken ihr HbA1c auf 5,4 Prozent und ihr Cholesterinspiegel auf 158 mg/dl.

Fallstudie 2

In der zweiten Fallstudie handelte es sich um einen 42-jährigen Mann, der seit seinem 25. Lebensjahr Typ-1-Diabetiker war. Er hatte stets darauf geachtet, nicht zu viele Kohlenhydrate zu verzehren, so dass seine Ernährung etwa 150 g Kohlenhydrate pro Tag enthielt, was einer gemässigten Low Carb Ernährung entspricht. (Eine herkömmliche Ernährung liefert etwa 300 g Kohlenhydrate bei 2500 kcal pro Tag).

Dann stellte er seine Ernährung auf eine vollwertige vegane Ernährung um, weil er hoffte, damit seinen Allgemeinzustand verbessern zu können. Er strich alle tierischen Lebensmittel aus seinem Speiseplan sowie alle Fertigprodukte und erhöhte seine Kohlenhydrataufnahme auf 400 bis 450 g pro Tag – und zwar in Form von frischem Obst, Gemüse und Vollkorn. In den ersten Wochen erlebte er einige Unterzuckerepisoden – ein Zeichen dafür, dass er offenbar zu viel Insulin spritzte. Er konnte sodann seine tägliche Insulindosis von zuvor 50 bis 60 Einheiten auf nur 26 Einheiten senken.

Daraufhin nahm er Gewicht ab (von 95 auf 90 kg) und konnte seinen HbA1c-Wert von 6,2 auf 5,5 bis 5,8 Prozent senken. Seit zwei Jahren sind bei dieser Ernährung Gewicht, Insulinbedarf und HbA1c-Wert stabil.

Vollwerternährung erleichtert Blutzuckerkontrolle

Schon in einer früheren kleinen Studie mit 10 Typ-1-Diabetikern hatte sich Interessantes gezeigt. Es gab zwei Gruppen:

  1. Gruppe 1 ass kohlenhydratreich (70 Prozent Kohlenhydrate), aber vollwertig und ballaststoffreich (täglich 70 g Ballaststoffe).
  2. Gruppe 2 ass weniger Kohlenhydrate (39 Prozent Kohlenhydrate. Zum Vergleich: Die Ernährungsgesellschaften empfehlen 50 Prozent, Low Carb wären 15 bis 30 Prozent und ketogen bedeutet 5 bis 10 Prozent Kohlenhydrate.)

Nach vier Wochen waren in der kohlenhydratreichen Gruppe im Vergleich zu Gruppe 2 der Insulinbedarf und der Blutfettspiegel gesunken ( 3 ).

Nun müssten randomisierte klinische Studien zu diesem Thema durchgeführt werden – so die Autoren von PCRM – um zu überprüfen, ob sich die positiven Ergebnisse der einzelnen Fallstudien auch auf Studien mit höheren Teilnehmerzahlen übertragen lassen.

„Seit Jahrzehnten wissen wir, dass eine pflanzenbasierte Ernährung bei Typ-2-Diabetes hilfreich ist. Jetzt scheint sich zu zeigen, dass dieselbe Ernährung auch bei Typ-1-Diabetes eine wichtige Massnahme darstellt“, schrieben die Wissenschaftler.

Ist eine vegane Ernährung auch für Kinder mit Diabetes Typ 1 möglich?

Da Diabetes Typ 1 häufig bereits im Kindesalter auftritt, muss natürlich überprüft werden, ob die genannten Ernährungsformen auch bei Kindern umsetzbar sind, da es ja nicht nur um eine gute Blutzuckerkontrolle geht, sondern auch darum, dass die Kinder mit allen für das Wachstum und die Entwicklung nötigen Nährstoffen versorgt sind.

Im Jahr 2021 erschien im Fachjournal Metabolism Open ein Artikel zum Thema Vegetarismus bei Kindern mit Diabetes Typ 1 ( 1 ). Die beiden Wissenschaftlerinnen der Universität von Rom kommen darin zum Schluss, dass nicht nur eine vegetarische, sondern auch eine vegane Ernährung bei Kindern mit Typ-1-Diabetes praktiziert werden kann – WENN manche Nährstoffe supplementiert werden, z. B. Omega-3-Fettsäuren, Eisen, Zink, Vitamin B12 und evtl. Calcium (je nachdem, wie genau die individuelle Ernährung umgesetzt wird).

Denn gerade ein Mangel an Omega-3-Fettsäuren oder Vitamin B12 könnte zu Schäden am Gehirn führen, zumal diesbezüglich Typ-1-Diabetiker-Kinder aufgrund ihrer Blutzuckerschwankungen besonders anfällig sind.

Allerdings sind Nahrungsergänzungsmittel auch für viele normal essende Kinder von Vorteil. Denn nur weil ein Kind Fleisch und Milchprodukte bekommt, bedeutet das nicht automatisch, dass es gesund ernährt wird und mit allen Nähr- und Vitalstoffen versorgt ist. Im Gegenteil.

Auch hier können Mängel auftreten, eben solche Mängel, die mit einem geringen Obst- und Gemüseverzehr einhergehen, z. B. einem Mangel an Ballaststoffen, Carotinoiden, Folsäure, Vitamin C, Vitamin E und Magnesium. Alle diese Vitalstoffe wirken sich sehr positiv auf chronische Erkrankungen und auch auf den Blutzuckerspiegel aus – und es sind genau jene Vitalstoffe, mit denen wiederum pflanzenbasiert essende Kinder sehr gut versorgt sind.

Welche Kohlenhydrate kommen bei Diabetes Typ 1 auf den Tisch?

Da die pflanzenbasierten Ernährungsformen automatisch meist auch kohlenhydratreich sind, herrschen häufig Bedenken in Bezug auf Diabetes. Achtet man jedoch bei der Wahl der Kohlenhydrate auf solche mit niedriger oder mittlerer glykämischer Last, dann wird die Blutzuckerkontrolle nicht schwer fallen.

Die glykämische Last (GL) ist ein Wert, der den Einfluss eines Lebensmittels auf den Blutzuckerspiegel angibt. Je niedriger der Wert, umso besser.

Hier finden Sie unsere Liste mit einer Auswahl an Lebensmitteln und ihrer glykämischen Last. Sie sehen, dass es sich insbesondere um die als gesund bekannten Lebensmittel handelt, die zwar Kohlenhydrate enthalten, aber dennoch den Blutzuckerspiegel nicht übermässig strapazieren: Früchte, Gemüse, Nüsse, Kartoffeln sowie stärkereiche Gemüse (Karotten, Pastinaken etc.).

Vollkornbrot, Vollkornteigwaren, Naturreis, Quinoa und Hirse hingegen haben eine höhere glykämische Last, so dass sie stets lediglich als Beilage zu Gemüse gegessen werden sollten. Denn das Gemüse senkt sodann die GL der kohlenhydratreichen Beilage.

Bei Backwaren kommt es darauf an, welches Brot und welche Brötchen Sie essen. Brot und Brötchen aus reinem Mehl haben eine höhere GL als Brote, die auch Nüsse, Sonnenblumenkerne, Chiasaat, Leinsamen oder auch Flohsamenschalenpulver oder nach Wunsch auch ein Proteinpulver enthalten, wie z. B. unser basisches Brot. Denn die Fette und Ballaststoffe der genannten Zutaten verhindern ein drastisches Steigen des Blutzuckerspiegels.

Diese Faktoren beeinflussen den Blutzucker nach einer Mahlzeit

Das Verhalten des Blutzuckerspiegels nach einer Mahlzeit (postprandialer Blutzucker) hängt von den folgenden Faktoren ab, die nicht alle direkt beeinflussbar sind, manche aber schon:

  1. glykämische Last der Mahlzeit
  2. Ballaststoff- und Fettgehalt der Mahlzeit
  3. Zubereitungsform der Mahlzeit (z. B. keine frisch gekochten und noch heissen Kartoffeln und Nudeln essen, sondern diese abkühlen lassen und – wenn man sie nicht kalt essen möchte – noch einmal kurz erwärmen; Nudeln immer nur al dente kochen)
  4. Reihenfolge beim Essen (Gemüse vor Kohlenhydraten essen, dann steigt der Blutzucker nicht so stark)
  5. Darmflora der jeweiligen Person (gemüse- und ballaststoffreiche Kost verbessert die Darmflora)
  6. Insulinsensitivität (wie gut die Zellen auf Insulin reagieren; die Insulinsensitivität verschlechtert sich bei Übergewicht)

2. Rohkosternährung bei Diabetes Typ 1

Ein Typ-1-Diabetiker namens Matt berichtet in seinem Blog, wie er sich mit einer pflanzenbasierten Ernährung von seinem Typ-1-Diabetes befreit hat ( 5 ). Matt – verheiratet und zwei Kinder – hatte im Januar 2014 mit Mitte Dreissig seine Typ-1-Diagnose erhalten. Auch sein Vater ist Typ-1-Diabetiker. Matts Nüchternblutzucker lag zum Zeitpunkt der Diagnose bei 300 mg/dl (normal ist 100 und weniger) und sein HbA1c bei 8,4 Prozent (normal sind Werte unter 6,0).

Seine Ärzte verordneten ihm Insulin. Aber Matt wollte es erst auf andere Weise probieren. Sein Schwager empfahl ihm sodann einen Ernährungsberater, der auf Diabetiker spezialisiert war und den Ruf hatte, dass seine Klienten jahrelang (10 Jahre plus) ohne Medikamente auskommen könnten.

Matt suchte den vielversprechenden Ernährungsberater auf und stellte seine Ernährung in den folgenden Wochen um. Zunächst strich er alle gezuckerten Lebensmittel, er strich Brot, Nudeln, Müslis und Softdrinks aus seinem Speiseplan und ass relativ viele tierische Produkte.

Rasch erreichte er einen unbedenklichen Nüchternblutzucker zwischen 90 und 115 mg/dl. Sein Endokrinologe sagte, wenn der Wert an drei aufeinanderfolgenden Tagen über 140 mg/dl steigen sollte, müsse er mit Insulin loslegen.

Im selben Jahr im Oktober begann sein Nüchternblutzucker zu steigen und erreichte Werte zwischen 120 und 140 mg/dl. Matt begann, fieberhaft nach einer Lösung zu suchen, weil er keine Medikamente nehmen, also auch kein Insulin spritzen wollte. Er stiess sodann auf Informationen über eine vorwiegend rohköstliche vegane Ernährung, die offenbar in manchen Fällen Diabetes Typ 1 „geheilt“ haben soll.

Das war eine ganz neue Welt für ihn. Nach weiterer Recherche probierte er diese Kostform im November 2014 zwei Wochen lang aus. Sein Blutzuckerspiegel fiel auf unter 100 mg/dl. Begeistert von diesem Ergebnis blieb er dabei und schrieb über ein Jahr später – im Dezember 2015 – er sei immer noch ohne jede Medikation und hatte damit die Prophezeiungen seiner Ärzte (spätestens nach 16 Monaten Insulin zu brauchen) um etliche Monate überschritten.

Im Laufe der Zeit pendelte sich der Blutzucker bei durchschnittlich 107 ein und der HbA1c bei 5,6. Matt ass nach wie vor pflanzenbasiert, aber nicht rein vegan. Seine Ernährung bestand zu 85 Prozent aus Gemüse mit niedriger glykämischer Last, Nüsse und Saaten – das meiste davon roh, also ungekocht.

Im Jahr 2019 schrieb er ein Update mit der Info, er komme nach wie vor – mittlerweile 6 Jahre lang – ohne Medikation und ohne Insulinspritzen aus. Sein HbA1c liege nach wie vor im Rahmen, nämlich bei 5,8 und er ernähre sich immer noch vorwiegend rohköstlich.

Im Jahr 2020 legte Matt eine Woche mit 100-prozentiger Rohkost ein und konnte damit seinen Nüchternblutzucker auf 80 – 90 mg/dl senken – ein Experiment, um zu sehen, wie sich die reine Rohkosternährung auf den Blutzuckerspiegel auswirkte.

Er schreibt als Schlusswort: Was auch immer über Typ-1-Diabetes gesagt wird, es gibt Hoffnung und damit Möglichkeiten, die insulinfreie Phase deutlich zu verlängern.

3. Ketogene Ernährung bei Diabetes Typ 1

Als es noch kein Insulin gab, setzte man Typ-1-Diabetiker auf eine ketogene Diät und konnte auf diese Weise ihr Leben verlängern.

So funktioniert die ketogene Ernährung

Die Kriterien einer therapeutisch wirksamen ketogenen Ernährung sehen folgendermassen aus:

  1. 75 – 90 Prozent der täglichen Kalorien werden in Form von hochwertigen Fetten aufgenommen
  2. Protein wird bedarfsgerecht verzehrt (1 – 2 g pro Kilogramm Körpergewicht) – nicht zu viele tierische Proteinquellen (evtl. eine vorwiegend vegane ketogene Ernährung wählen)
  3. 5 – 10 Prozent der täglichen Kalorien (max. 50 g) dürfen Kohlenhydrate sein. Diese erlaubte Kohlenhydratmenge wird in Form von stärkearmem Gemüse gegessen (also keine Kartoffeln, Möhren und Pastinaken und natürlich auch nicht die gesamte Kohlenhydrat-Tagesmenge mit einem einzigen Brötchen verputzen, sondern in Form von Blattgemüse, Kohlgemüse und Fruchtgemüse (Tomaten, Gurken, Zucchini, Auberginen etc.).
  4. Wenig Salz
  5. Ausreichend Ballaststoffe (mind. 30 g)

Die Grammangaben beziehen sich auf den jeweiligen Nährstoff, also nicht auf die jeweiligen Lebensmittel. Beispiel: Himbeeren enthalten pro 100 g etwa 5 g Kohlenhydrate. Man zählt also die 5 g, nicht die 100 g.

Fleisch und Diabetes Typ 1

Fleisch ist wichtiger Bestandteil der meisten ketogenen Ernährungsformen (Ausnahme: vegane ketogene Ernährung), die sich positiv auf Diabetes auswirken können.

Wird Fleisch aber im Rahmen der üblichen westlichen Ernährung gegessen, scheint es sich auf das Risiko, einen Typ-1-Diabetes zu entwickeln, negativ auszuwirken. In einer Studie von 2013 zeigte sich an knapp 300 Kindern zwischen 0 und 15 Jahren (die Hälfte war an Typ-1-Diabetes erkrankt), dass eine fleischreiche Ernährung der Mutter während der Schwangerschaft und Stillzeit das Diabetesrisiko beim Kind deutlich erhöhte. Bei keinem anderen Lebensmittel konnte ein Zusammenhang zum Diabetes festgestellt werden, nur beim Fleisch ( 10 ).

Die Ketose

Bei der ketogenen Ernährung ist das Ziel die Ketose. Ketose ist jener Stoffwechselzustand, in den der Körper zwangsläufig gelangt, wenn er keine oder kaum noch Kohlenhydrate mehr erhält und nun statt Zucker nur noch Fette zur Energiegewinnung nutzen kann. Bei der Fettverbrennung entstehen Ketonkörper, die von den meisten Zellen des Körpers statt Zucker als Energiequelle genutzt werden können.

Dies funktioniert nur, wenn wirklich sehr wenige Kohlenhydrate gegessen werden (und zeitgleich viel Fett). Würden Sie von beidem reichlich essen, wie es bei der typisch westlichen Ernährung oft der Fall ist, wobei meist auch noch viel Salz und wenige Ballaststoffe gegessen werden, dann führt dies natürlich nicht zur Ketose.

Stattdessen schadet eine solche Ernährung der Darmflora auf eine Weise, dass nun sogar Autoimmunprozesse getriggert werden können, was man natürlich unbedingt vermeiden will, wenn man bereits eine solche Erkrankung hat oder genetisch entsprechend vorbelastet ist.

Eine fettreiche Ernährung hingegen ohne Salzüberschüsse und nur mit wenigen Kohlenhydraten kann vor Autoimmunprozessen schützen. Es ist daher wichtig, die ketogene Ernährung RICHTIG umzusetzen.

Ketose oder Ketoazidose?

Die Ketose darf nicht mit der Ketoazidose verwechselt werden. Die Ketoazidose ist ein bedrohlicher Zustand beim Typ-1-Diabetes, der sich bei einer Hyperglykämie (Überzuckerung) ergeben kann, wenn also Kohlenhydrate gegessen werden, aber kein Insulin vorhanden ist. Der Blutzuckerspiegel steigt, die Zellen hungern dennoch, weil Insulin fehlt und den Zucker nicht in die Zellen bringen kann; jetzt wird Fett abgebaut, um die Zellen mit Ketonkörpern zu versorgen, der Fettabbau verläuft übermässig schnell, so dass zu viele Ketonkörper entstehen, das Blut übersäuert (weil Ketonkörper sauer sind). Der Patient kann ins Koma fallen.

  1. Ketoazidose: Die Konzentration der Ketonkörper steigt auf mehr als 3,0 mmol/l. Gleichzeitig erreicht der Blutzuckerspiegel Werte von 250 mg/dl und weit mehr.
  2. Ketose: Die Konzentration der Ketonkörper bleibt zwischen 1,0 und 3,0 mmol/l. Der Blutzuckerspiegel bleibt in einem unauffälligen Rahmen: max. 100 mg/dl im nüchternen Zustand.

Allerdings kann es sein, dass der Nüchternblutzucker bei der ketogenen Ernährung am Morgen auch etwas über 100 mg/dl liegt, im Tagesverlauf dann absinkt. Dieser erhöhte Nüchternblutzucker gilt bei der ketogenen Ernährung als normal und zeigt an, dass der Körper ausreichend Glucose selbst herstellen kann, damit der Mensch am Morgen frisch und voller Energie in den Tag starten kann.

Während der Ernährungsumstellung auf eine ketogene Ernährung sollte engmaschig eine Ketonmessung stattfinden (in Absprache mit dem Arzt), um bei Entgleisungen rechtzeitig gegensteuern zu können, bis der Körper sich an die Ernährung gewöhnt hat und sein Gleichgewicht gefunden hat.

Studien und Fallberichte zur ketogenen Ernährung

Zur ketogenen Ernährung gibt es im Zusammenhang mit Diabetes Typ 1 zahlreiche kleine Studien und auch einzelne Fallberichte, die in wissenschaftlichen Journalen veröffentlicht wurden.

Bessere Blutzuckerwerte durch ketogene Ernährung

2019 stand in Nutrients ( 7 ), dass das Management des Typ-1-Diabetes nach wie vor suboptimal sei, weil sich der Blutzucker oft nicht gut kontrollieren lasse. Ernährungsformen, die kohlenhydratarm seien, würden daher Vorteile für Typ-1-Diabetiker mit sich bringen, nämlich weniger Blutzuckerschwankungen und niedrigere HbA1c-Werte (Langzeitzucker).

In einer kleinen Studie von 2016 nahmen 10 Typ-1-Diabetiker teil. Die Hälfte sollte normal und ohne Einschränkungen essen (durchschnittlich 200 g Kohlenhydrate pro Tag), die andere Hälfte sollte maximal 75 g Kohlenhydrate pro Tag zu sich nehmen. Nach 12 Wochen hatte die Low-Carb-Gruppe niedrigere HbA1C-Werte und brauchte auch weniger Insulin. Eine Gewichtsabnahme fand zwar statt, doch war sie nicht signifikant. Auch gab es keine Änderungen in Sachen Blutzuckerschwankungen.

In einer anderen Studie mit 11 Typ-1-Diabetikern, die sich ketogen ernährten (weniger als 55 g Kohlenhydrate pro Tag), wurden gute HbA1c-Werte erreicht und auch die Blutzuckerschwankungen wurden besser. Allerdings verschlechterten sich die Blutfettwerte und es kam häufiger zu Unterzuckerphasen.

Bei 6 Kindern, die aufgrund ihres Diabetes Typ 1 eine Low Carb Ernährung erhielten, kam es zu Wachstumsstörungen (weil zu wenig Calcium und Vitamine verzehrt wurden), zu Müdigkeit, ständigem Hunger sowie Blutwerten, die auf ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko hinwiesen ( 9 ). Die Beschwerden hätten sich gebessert, so wurde berichtet, als die Kohlenhydratmenge erhöht wurde und beim einen Kind, als es wieder Milch erhalten hatte (7).

Häufig steigen die Blutfettwerte unter ketogener Ernährung (Triglyceride und Cholesterinwerte) und die Betroffenen erhalten dann Cholesterinsenker ( 8 ). Eine Alternative wäre hier, die Partikelgrösse des LDL-Cholesterins bestimmen zu lassen (die Subfraktionen). Ist es ein LDL-Cholesterin mit grossen Partikeln, dann besteht ein deutlich geringeres Herz-Kreislauf-Risiko als bei Cholesterin mit sehr kleinen und dichten Partikeln (sdLDL = small dense LDL), so dass bei einem weniger riskanten Cholesterin dann auch höhere Werte nicht so problematisch sind und evtl. auch keine Medikamente erfordern ( 13 ).

Fallstudie 1

Im Oktober 2014 erschien im International Journal of Case Reports and Images ein Fallbericht über einen 19-jährigen neu diagnostizierten Typ-1-Diabetiker. Direkt nach der Diagnose wurde ihm Insulin verordnet. 20 Tage später stellte er seine Ernährung auf eine ketogene Paleo-Ernährung um, was dazu führte, dass er das Insulin wieder absetzen konnte. Wenn er sich konsequent an die Richtlinien dieser Ernährung hielt, blieb sein Blutzuckerspiegel im normalen Bereich. Seine Ärzte stellten einen um das Dreifache gestiegenen C-Peptid-Spiegel fest.

Das C-Peptid wird gleichzeitig mit Insulin in der Bauchspeicheldrüse gebildet. Insulin aber lässt sich im Blut nicht gut messen, das C-Peptid hingegen schon. Daher hilft der C-Peptid-Spiegel dabei zu beurteilen, wie viel Insulin die Bauchspeicheldrüse noch bilden kann.

Wenn der C-Peptid-Spiegel innerhalb von 2 Monaten stark steigt, dann deutet dies darauf hin, dass irgendetwas (in diesem Fall die ketogene Ernährung) den Autoimmunprozess zunächst stoppen oder sogar umkehren konnte.

Die Bauchspeicheldrüse des 19-Jährigen hatte also offenbar die Insulinproduktion wieder aufgenommen. Als der Bericht verfasst wurde, ernährte sich der Patient 6,5 Monate lang ketogen. Er war zu diesem Zeitpunkt frei von Beschwerden und erlebte bislang keine Nebenwirkungen ( 6 ).

Fallstudie 2

Im Januar 2016 erschien ein Fallbericht eines 9-jährigen Typ-1-Diabetiker-Kindes, das dank einer ketogenen Ernährung ohne Insulinspritzen einen gesunden Blutzuckerspiegel ohne Hypo- oder Hyperglykämien erreichte. Die neue Ernährung verbesserte auch das Allgemeinbefinden des Jungen. Seine Fitness wurde besser, seine Infektanfälligkeit nahm ab und sein Hautekzem wurde besser.

Der Junge ernährt sich ausschliesslich von Fleisch, tierischem Fett, Eiern und Innereien mit einem Fett-Protein-Verhältnis von 2 : 1. Er isst lediglich Rind- und Schweinefleisch. Was er nicht isst, sind Obst, Gemüse, pflanzliche Öle und Süssstoffe. An Süssem darf er lediglich etwas Honig essen. Die Ernährung wurde innerhalb von 5 Tagen umgestellt und das Kind isst nur, wenn es hungrig ist, was meist auf drei Mahlzeiten täglich hinausläuft.

Das Kind wurde 19 Monate lang wissenschaftlich beobachtet, bevor sein Bericht veröffentlicht wurde. In diesen 19 Monaten blieb sein Zustand unverändert. Der Junge brauchte in dieser Zeit also kein Insulin und fühlte sich gut.

Heilung oder Honeymoon?

Allerdings wird betont, dass man natürlich nicht wissen könne, ob das Kind einfach nur in der Honeymoon-Phase sei und daher irgendwann doch wieder Insulin benötigen würde. Denn die Honeymoon-Phase kann monatelang dauern (meist 6 bis 15 Monate lang), in seltenen Fällen auch Jahre. Als Honeymoon-Phase bezeichnet man eine Phase, in der Typ-1-Diabetiker plötzlich wieder gesund zu sein scheinen und zeitweise kein Insulin benötigen.

Oft ist dies der Fall, wenn die Typ-1-Diabetiker nach der Diagnose einige Wochen lang mit Insulin behandelt wurden. Die Bauchspeicheldrüse scheint sich dadurch ein Stück weit zu erholen und produziert wieder ausreichend Insulin. Irgendwann aber nimmt die Zahl der insulinproduzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse so stark ab, dass doch wieder Insulin benötigt wird ( 4 ).

Der Autoimmunprozess müsste gestoppt werden. Erst dann könnten sich u. U. wieder neue Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse bilden und nun wieder mit der Insulinproduktion loslegen. Die oben vorgestellten Berichte deuten darauf hin, dass dies möglich sein könnte.

4. Glutenfreie Ernährung bei Diabetes Typ 1

Gluten - ein Eiweisskomplex in verschiedenen Getreidearten - wird von manchen Menschen nicht gut vertragen. Bei der Zöliakie - einer weiteren Autoimmunerkrankung - führt der Verzehr von Gluten zu massiven Beschwerden (siehe voriger Link). Da die Autoimmunprozesse der beiden Autoimmunerkrankungen - Zöliakie und Typ-1-Diabetes - Ähnlichkeiten aufweisen, lässt sich beim Diabetes Typ 1 deutlich häufiger auch eine Zöliakie beobachten als in der übrigen Bevölkerung. Bis zu 19,7 Prozent der Typ-1-Diabetiker haben eine Zöliakie ( 11 ), in der Normalbevölkerung ist es nur 1 Prozent.

Da Zöliakie in manchen Fällen keine eindeutigen, sondern eher unspezifische Symptome zeigt, denkt man oft nicht an eine Zöliakie und schiebt das Unwohlsein auf den Diabetes oder mögliche Folgeerkrankungen, z. B. auf eine Neuropathie. 48 Prozent der Typ-1-Diabetiker sollen mehr als 5 Jahre an Magen-Darm-Erkrankungen leiden, bevor man endlich eine Zöliakie als Ursache der Beschwerden findet.

Besonders Patienten, die erst im Erwachsenenalter einen Typ-1-Diabetes bekommen, leiden zusätzlich auch an einer Zöliakie. In einer Studie von 2013 heisst es, dass 42 Prozent derjenigen, die erst im Erwachsenenalter Diabetes Typ 1 bekommen, innerhalb von 10 Jahren nach ihrer Diabetesdiagnose auch eine Zöliakie entwickeln (11).

Es lohnt sich daher durchaus, bei einem Diabetes einen Versuch mit der glutenfreien Ernährung zu unternehmen und zu schauen, wie sich das Befinden verändert.

Was Kinder mit Diabetes Typ 1 betrifft, so erschien im März 2020 eine grosse Studie aus Norwegen mit über 86.000 Kindern. In dieser Untersuchung ergab sich, dass der Glutenverzehr der werdenden Mutter in der Schwangerschaft keinen Einfluss auf das Diabetesrisiko des Kindes hatte, dass aber ein höherer Glutenverzehr des Kindes im frühen Alter das Risiko erhöhte. ( 12 ).

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass sowohl die ketogene Ernährung als meist auch die Rohkosternährung glutenfrei sind, so dass sich bei diesen Ernährungsformen auch dieser Aspekt positiv auf den Diabetes auswirken könnte. Selbst wenn Sie pflanzenbasiert (vegan) essen, könnten Sie diese Ernährungsform glutenfrei gestalten. Die glutenfreie Ernährung ist einfacher, als man oft glauben mag, schmeckt sehr gut und geht nach einer Umstellungszeit kaum mit Verzicht einher. Hier finden Sie köstliche glutenfreie Rezepte.

Die richtige Ernährung bei Diabetes Typ 1 hilft enorm!

Fazit: Mit der Ernährung lässt sich ein Typ-1-Diabetes ganz enorm beeinflussen. Eine Ernährungsumstellung lohnt sich also eindeutig – ganz gleich, ob Sie es nun mit veganer Ernährung, mit Rohkosternährung oder mit einer ketogenen Ernährung probieren. Auch Mischformen sind natürlich denkbar, z. B. eine vegane ketogene Ernährung.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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Quellen
  1. (1) Tromba V, Silvestri F. Vegetarianism and type 1 diabetes in children. Metabol Open. 2021;11:100099. Published 2021 Jun 6. doi:10.1016/j.metop.2021.100099
  2. (2) Kahleova H, Carlsen B, Berrien Lopez R, Barnard ND (2020) Anti-Diabetic, Haematinic and Anti-Cholesterolmic Effects of Wheat (Triticum Aestivum Linn.) Plant-Based Diets for Type 1 Diabetes. J Diab Metab. 11:847. doi: 10.35248/2155-6156.20.11.847
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